Es gibt sie. Die Gründe für jeden von euch, Videos zu produzieren. In diesem Beitrag erklärt euch Adam Pawlowski die fünf häufigsten Argumente und Zweifel, wieso viele Menschen keine Videos machen und schildert im Anschluss, warum sie es doch machen sollten.

Motivation

Ich bin glücklicher denn je! Und ich habe das starke Gefühl, dass es daran liegt, dass ich Ende 2019 damit angefangen habe, YouTube Videos zu erstellen. Zunächst eher unregelmäßig aber im Laufe der Zeit konnte ich eine gewisse Routine einarbeiten, sodass ich es mittlerweile schaffe jede Woche ein bis zwei neue Videos zu veröffentlichen. Obwohl mein kleiner Kanal keine riesige Aufmerksamkeit auf sich zieht, bin ich fest davon überzeugt, dass mein aktueller Gemütszustand wesentlich durch die Entscheidung Videos zu machen, beeinflusst wurde.

Genau deshalb möchte ich jedem um mich herum ans Herz legen, meinem Beispiel zu folgen oder es zumindest einmal ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Natürlich kommen bei vielen Menschen sofortige Zweifel auf und ich kann nicht alle Zweifel in einem Beitrag behandeln, aber die für mich fünf wichtigsten Dinge will ich dennoch mit euch durchgehen.

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„Ich kann das nicht.“

„Ich kann das nicht. Ich habe nicht die Zeit dafür. Meine Videos werden bestimmt scheiße.“

Das ist eine häufige Feststellung, wenn jemand darüber nachdenkt ein Video zu machen. Ich kann hier sagen: Das ist völlig egal, dann darum geht es anfangs gar nicht. Jeder Mensch ist in der Lage sich ein kostenfreies Schnittprogramm zu installieren und es sich zumindest einmal anzuschauen. Doch die meisten Menschen tendieren dann doch eher dazu, stiller Beobachter zu bleiben und die Videos zu konsumieren, die ihnen eben gefallen.

Versteht mich nicht falsch, ich bin ein großer Konsum-Junkie, aber habt ihr schon einmal probiert, etwas zu erschaffen? Ganz egal mit welcher Qualität, etwas Erschaffenes sorgt dafür, dass wir gesünder sind, denn durch das Erschaffen von Dingen sendet unser Körper Dopamin aus (das Zeug, das uns glücklich macht) und sorgt dafür, dass wir die Chancen auf Depression, Antriebslosigkeit und Müdigkeit minimieren. Wir werden zudem motivierter und klüger dadurch. Aus diesen Gründen solltet ihr die Balance zwischen Konsum und Produktion halten. Etwas zu erschaffen ist eben besser, als nur zu konsumieren. Denkt daran, der Anfang ist immer der schwierigste.

Vielleicht kann man den Vorteil nicht direkt erkennen, denn es ist anstrengend und die Früchte der Arbeit benötigen eben etwas länger, um geerntet zu werden, aber die Belohnung, die wir uns hierbei abholen können ist – qualitativ – so viel wertvoller als das die Belohnung, die wir uns durch eine Folge der neuesten Netflix Serie einholen. Experten sprechen hier vom Belohnungsaufschub (engl. delayed gratification).

„Was denken die Anderen über mich?“

„Okay Pawl, verstanden, aber was werden meine Freunde, Kollegen und Bekannten über mich denken. Ich werde mich doch total zum Affen damit machen und meine Seriosität verlieren.“

Meine Antwort darauf ist: Es interessiert keine Sau. Nach nun über fünf Jahren auf Twitch und eineinhalb Jahren YouTube kann ich diese eine Sache mit Gewissheit sagen. Es interessiert sich niemand aus deinem Umfeld dafür, was du so treibst. Dafür sind die Menschen zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Einerseits ist das hier etwas Gutes, auf der anderen Seite macht es die Sache etwas schwieriger Aufmerksamkeit zu erlangen.

Dieser Gedankengang ist übrigens auch sehr üblich und trägt in der Sozialpsychologie den Namen des Rampenlicht-Effektes (engl. Spotlight-Effect). Wir Menschen sehen einen kleinen Fleck auf unserer Hose und machen uns verrückt darüber, wie die Umwelt auf uns reagieren wird, doch diese Gedanken sind meist unnötig. Und wieso ist das so? Weil wir nun mal nicht das Zentrum der Welt sind. Für die anderen Menschen um uns herum liegt die Aufmerksamkeit eben auf anderen Dingen.

„Ich weiß doch nicht worüber“

„Gut, du hast mich, aber ich wüsste doch noch nicht einmal worüber ich Videos machen sollte.“

Tja, genau das ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Viele Menschen denken, sie bräuchten den einen Geistesblitz, um ihre nächsten 17.5 Jahre auszuplanen. Und bevor dieser Geistesblitz nicht eintritt, wird eben artig darauf gewartet… und gewartet… und gewartet. Die Menschen denken, dass durch die Inspiration Motivation entsteht und daraufhin endlich gehandelt werden kann. Sie warten auf die Inspiration, doch nichts geschieht.

Die Erkenntnis ist, dass Inspiration erst der zweite Schritt im Kreislauf ist. Inspiration kommt durch Erfahrungen, die wir gemacht haben, durch Handlungen, die wir erledigt haben. Dadurch, dass wir Dinge machen, entstehen neue Verbindungen in unserem Gehirn, die uns auf neue Ideen bringen, die uns antreiben und motivieren. Wenn du also nicht weißt, was du machen möchtest, mach einfach irgendwas, völlig egal was. Die Inspiration wird schon kommen.

Mittlerweile ist mein persönlicher Themenspeicher für zukünftige Themen überfüllt, weil ich jedes Mal, wenn ich an etwas arbeite, neue Abzweigungen erkenne und diese als potenzielle Inhalte erkenne. Mir erschließen sich neue Ideen also mittlerweile fast beiläufig, es fehlt nur noch die Zeit, um alles abzuhandeln. Es ergeben sich sogar neue Ideen während ich nicht einmal daran denke. Man läuft einfach irgendwann aufmerksamer durch das Leben und sieht Inspiration auf der Straße liegen. Doch um dort hinzukommen, muss man erst einmal mit irgendetwas anfangen.

„YouTube ist doch schon voll!“

„Pawl, du sagst also, dass sich niemand für mich interessiert. Außerdem ist YouTube doch schon mit tausenden Kanälen überfüllt. Wieso sollte ich dann also noch einen Kanal erstellen, für den sich niemand interessiert?“

Das stimmt, YouTube ist voller Kanäle, doch das Verhältnis zwischen Kanälen und Zuschauern ist immer noch stark ungleichgewichtig. Die allgemein anerkannte Ein-Prozent-Regel macht deutlich, dass auf sozialen Medien lediglich ein Prozent der Menschen Inhalte erstellen. Neun Prozent der Menschen gehen dann so weit, dass sie zumindest auf Videos mit einem Kommentar reagieren und die restlichen 90 Prozent sind stille Beobachter. Vergessen wir nicht, zu den 90 Prozent gehören auch die Menschen, die für sich entschieden haben, dass das Erstellen von Videos zu schwer für sie ist.

2006: Jakob Nielsens 90-9-1 Regel.
2006: Jakob Nielsens 90-9-1 Regel.

Ich möchte aber darauf hinweisen, dass diese Zahlen aus dem Jahr 2006 stammen, also noch vor der weiten Verbreitung von sozialen Medien. Durch Facebook und Co. ist die digitale Interaktion durch Likes und Kommentare in die Höhe geschossen. Dennoch sehe ich einen Unterschied zwischen der Erstellung eines YouTube-Videos gegenüber einem schnellen Upload des Frühstücks für den erweiterten Bekanntenkreis.

Wenn wir diesen Unterschied zur Kenntnis nehmen, bleiben für jeden Video-Ersteller tatsächlich noch ziemlich viele Zuschauer übrig. Zudem kann ein Zuschauer auch mehrere Kanäle gleichzeitig interessant finden und abonniert haben. Das heißt aber auf der anderen Seite nicht, dass es dadurch einfach wird. Zunächst müssen wir uns ins Rampenlicht rücken, und das geschieht nur, wenn wir uns über Monate und Jahre hinweg einen Namen erarbeiten. Das sollte aber kein Problem darstellen, denn wir haben alle etwas davon, auch langfristig Videos zu erstellen.

„Ich sehe keinen Sinn dahinter“

„Ich sehe leider immer noch nicht den richtigen Grund für mich, Videos zu machen.“

Natürlich kann das jeder Mensch für sich entscheiden. Ich für meinen Teil habe zwei Beweggründe, wieso es sich für mich immer wieder lohnt, ein Video zu erstellen.

1. Mit jedem Video lerne ich etwas dazu. Ich reflektiere mich und ich beschäftige mich mit unterschiedlichen Dingen, und dies nicht nur auf der Ebene reinen Konsums. Wenn ich Themen vorbereite, über Dinge spreche, dann festigt sich das Wissen über das Thema noch stärker in meinem Gedächtnis. Ich werde also schlauer dadurch, das finde ich schon einmal ganz nice. Außerdem lernt man auch handwerkliche Sachen wie zum Beispiel Videoschnitt, Beleuchtung oder aber das Thema des Color Gradings.

2. Mein zweiter innerer Antreiber ist die Hoffnung, dass ich durch meine Inhalte andere Menschen dazu bewegen kann, auch mal über sich nachzudenken. Ich möchte auch als Inspirationsquelle für andere Menschen dienen. Ich habe also einen direkten Einfluss auf die Menschen, die sich mein Zeug anschauen und dieses Gefühl mag ich sehr. Nicht jeder muss natürlich dieses eine Ziel haben, aber durch ein Video können auch andere Empfindungen beim Zuschauer erreicht werden. Mit Let’s Plays können Spielerfahrungen geteilt werden, mit lustigen Videos können Menschen zum Lachen angeregt werden, kleine How-To Videos können zeigen, wie ein Kreuzstich geht und, und, und. Es gibt viele Möglichkeiten, wie dein Video einen Einfluss auf andere haben kann. Nutze diese Chance, du tust etwas Gutes damit. An dieser Stelle möchte den Psychologen William James zitieren.

“Act as if what you do makes a difference, it does.”

Wrap-up

Im Wesentlichen geht es mir im Kern um eine Sache: Erschaffe mehr Dinge, als du konsumierst. Dieses Konzept funktioniert natürlich nicht nur bei YouTube Videos. Wir können Blog-Beiträge schreiben, wir können Podcasts aufnehmen oder aber wir erschaffen tolle Bilder.

Mich beflügelt der Gedanke etwas zu erschaffen, was bleibt und deshalb bin ich so glücklich über jeden Beitrag und jedes Video, das ich erstelle.

Im Video: Darum solltet ihr Videos machen