Am heutigen Mittwoch setzt sich Adam ‚Pawl‘ Pawlowski aktiv mit der Frage auseinander, wie man in Videospielen am besten mit toxischen Mit- und Gegenspielern umgeht. So ziemlich jeder Spieler, der regelmäßig online spielt, wird schon Berührungspunkte mit diesem Thema gehabt haben. Die Frage nach dem Umgang mit offen präsentierter Feindseligkeit:

Als Online-Gamer kennen wir sie alle, die Mitspieler, die anscheinend nichts besseres zu tun haben, als andere Spieler herunterzuziehen, mit Beleidigungen umher zu werfen und das Spiel absichtlich verlieren. Das Resultat einer solchen Begegnung ist meist alles andere als positiv. Wir fühlen uns frustriert, demotiviert und unter Umständen können wir uns selbst nicht mehr richtig auf das Spiel konzentrieren, sodass auch wir nicht auf unserem höchsten Niveau spielen können. Im Allgemeinen bezeichnet man dieses Verhalten als toxisch, also handelt dieser Beitrag über toxische Spieler und wie wir am besten damit umgehen, wenn uns mal wieder ein Kamerad dieser Gattung über den Weg läuft.

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Zunächst einmal, die Bezeichnung von toxischen Mitmenschen ist nicht erst seit dem Online-Gaming ein Begriff. Bei jeder zwischenmenschlichen Interaktion könnt ihr auf toxisches Verhalten stoßen. Es geht um diese egozentrischen Menschen, die aus allem ein Drama heraufbeschwören, andere Menschen manipulieren und sich dabei selbst kein Stück reflektierten.

Du kannst Menschen nicht ändern

Grundsätzlich gilt folgendes: Wir können andere Menschen nicht verändern, ganz egal was wir tun. Es hilft keine Argumentation, keine Logik und ja, es helfen auch keine Beleidigungen. Sofern die Person nicht selbst für sich erkennt, dass sie sich ändern muss, wird auch keine Veränderung stattfinden. Mit diesem Wissen wollen wir dennoch schauen, wie wir darauf reagieren können, sodass unser Spiel und unsere Erfahrung nicht sabotiert wird.

Dafür müssen wir zunächst erkennen, um welche Art von Verhalten es sich handelt und in welcher Beziehung wir uns zu der Person befinden.

Freund oder Unbekannter

Im wesentlichen kann zwischen langfristigen und kurzfristigen Begegnungen unterschieden werden. Die Möglichkeiten, die wir beim kurzfristigen und kurzlebigem Kontakt zu anderen Spielern haben, sind natürlich andere als bei Spielern, mit denen wir über eine lange Zeit zusammen spielen. Seien es Freunde oder einfach feste Teammates. In langlebigen Beziehungen haben wir wesentlich mehr Zeit, um klärende Gespräche zu führen, um einen gemeinsamen Weg zu finden und uns langfristig auf die Situation einzustellen. Wir können uns sogar aktiv dazu entscheiden den Kontakt zu meiden.

Auf der anderen Seite geht das in der Solo-Queue nicht. Dort werden wir in kurzer Zeit immer wieder mit neuen Leuten zufällig in einen Topf geworfen und mit diesen sollen wir dann gemeinsam erfolgreich sein. Genau hier haben wir am häufigsten Probleme mit toxischen Spielern. Eines vorweg, in der Solo-Queue steigt das Risiko auf eine toxische Begegnung stark an, aber manchmal haben wir halt keine andere Wahl als uns dort anzumelden. Hier macht es noch weniger Sinn, zu versuchen den Gegenüber zu beeinflussen, denn schon alleine durch die Anonymität wird dieser Versuch gar nicht erst Ernst genommen.

Im schlimmsten Fall erreichen wir sogar das Gegenteil, da sich der Troll dann in seinem Handeln bestätigt sieht und unter Umständen dann noch eine Schippe Gift drauf legt. Wir müssen also lernen, mit den Spielern umzugehen, die uns zugewiesen wurden. Wie Forrest Gump schon sagte: „Das Spiel ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie was man kriegt!“ 😉 Wir können also nur unsere eigene Reaktion auf die Situation beeinflussen, der Rest steht nicht in unserer Macht.

Giftkategorien und unsere Reaktion

Unsere Reaktion sollte natürlich davon abhängen, wie sich der toxische Spieler genau verhält, denn es gibt unterschiedliche Arten von toxischem Verhalten.

Das Wutkind

Hiermit möchte der Spieler seine Mitspieler runterziehen, koste es was es wolle. Er beleidigt grundlos, ohne dass es hierfür einen erkennbaren Trigger gab. Jeglicher Versuch diesen Spieler zu besänftigen endet lediglich in der Verschlimmerung seines Verhaltens. Sollte der Spieler dabei jedoch sein Spiel spielen und „lediglich“ verbal beleidigen, reicht es in der Regel aus, den Spieler zu ignorieren, also zu muten. Die meisten Spiele haben dafür sogar eine Funktion, damit seine Nachrichten gar nicht erst zu euch durch kommen. Weiterhin sollten wir auch bei gewisser Härte die offizielle Report-Funktion des Spiels nutzen. Auch wenn es häufig nicht den Anschein macht, dass ein Report Früchte trägt, hilft Feedback aus der Community dem Entwickler in jedem Fall.

Ganz wichtig ist es hier, nicht emotional auf den Spieler zu reagieren, denn dadurch bekommt dieser genau das was er wollte. Sollten wir emotional werden, beeinträchtigt dies immer unsere eigene Leistung im Spiel und das wollen wir nicht. Dialoge sind hier meist Zeitverschwendung, also ist das beste was wir hier machen können, diesen Spieler aus unserer Wahrnehmung zu entfernen und uns umso mehr auf das Team-Spiel mit den verbliebenen Spielern zu konzentrieren.

Drückeberger

Sorry, dass ihr so etwas erleiden müsst, aber leider passiert auch das uns allen immer wieder. Entweder direkt am Anfang, in der Mitte oder erst gegen Ende entscheidet sich der toxische Spieler dazu, das Spiel aufzugeben und die restlichen Team-Mitglieder alleine zu lassen. Dies ist für unseren Spiel-Erfolg ein härterer Fall als verbal destruktives Verhalten, denn dadurch, dass der Spieler nicht mehr aktiv mit spielt, oder sogar in die Hände des Gegners spielt, zerstört er maßgeblich unsere Spielerfahrung.

An dieser Stelle gibt es während der Partie kaum eine angemessene Reaktion. Wir sollten uns aber wieder rütteln und diese Situation emotional nicht zu sehr an uns heranlassen. Genau jetzt ist starke Team-Arbeit und ein klarer Kopf gefragter denn je. Auch wenn es gravierend schwerer wird zu gewinnen, so kann es ein Team auch in Unterzahl schaffen und im Erfolgsfall ist die Freude natürlich umso größer.

Die Report Funktion ist auch hier eine Empfehlung, denn das steigert die Chancen, dass der Spieler mit zukünftigen Sanktionen bestraft wird und dadurch das Risiko auf ein erneutes Aufeinandertreffen minimiert wird. Das Risiko, auf Leaver zu stoßen, könnt ihr nur dann komplett ausschließen, wenn ihr mit einer festen Gruppe spielt. Wenn das nicht klappt, dann müsst ihr tatsächlich auf das harte Durchgreifen der Entwicklern hoffen.

Das Schaf im Wolfspelz

Nicht jeder Mensch ist in der Lage seine Gefühle und Gedanken immer diplomatisch durchdacht zu vermitteln, gerade in hitzigen Spielen. Deshalb kommt es auch häufig vor, dass sich Spieler lauthals über das vermeintliche Unvermögen seiner Mitspieler beschweren. Nicht selten ist hier der Ton ziemlich rau, wenn nicht sogar stark beleidigend.

An dieser Stelle ist unsere Wahrnehmung und objektive Einschätzung der Situation sehr wichtig. Wie viel Wahrheit steckt denn eigentlich in den Anschuldigungen des toxischen Spielers, wenn dieser uns hart dafür kritisiert, dass wir zum wiederholten male unbedacht alleine gegen vier Gegner angetreten sind? Wir sollten unser Ego zurücknehmen und den tiefen Sinn des Flamings erkennen und uns empathisch zeigen.

Wir müssen erkennen, was der Spieler uns eigentlich sagen möchte und das, obwohl er gleichzeitig unsere Eltern durch den Dreck zieht. Versteht mich nicht falsch, ich verurteile diese Art von Miteinander auf das Schärfste und ich möchte niemanden in Schutz nehmen, jedoch versuchen wir ja schließlich das Beste aus unserer Situation zu machen. Manchmal versteckt sich gutes Feedback einfach hinter einer bissigen Fassade, nur weil der Gegenüber es einfach nicht besser kann. Wir sollten das zu Kenntnis nehmen und entsprechend emotional befreit und reflektiert darauf reagieren.

Im Idealfall können wir den konstruktiven Teil herausnehmen und darauf aufbauend gemeinsam eine Strategie entwickeln. Doch egal was wir tun, wir sollten uns niemals auf die gleiche toxische Ebene begeben wie unser Gegenüber. Wir bleiben dabei immer freundlich und konstruktiv.

Gewiss gibt es auch die Spieler, die selbst alles vergeigen und dann dennoch bei allen anderen Spielern die Schuld sehen, aber dies ist kein Problem, das wir lösen können. Dieses Problem muss der Spieler für sich ganz alleine lösen.

Moral von der Geschichte

Toxische Menschen versuchen uns herunterzuziehen. Die Kunst im Umgang mit diesen Menschen liegt darin, unsere Stimmung nicht davon abhängig zu machen, was unsere Gegenüber anstellen. Wir konzentrieren uns auf unser Spiel und machen zu jedem Zeitpunkt das Beste daraus. Ich verstehe, dass in den Zeiten des Online-Gamings toxisches Verhalten häufig toleriert wird und durch die Anonymität die Hemmschwelle weiter sinkt, sich daneben zu benehmen.

Hiermit möchte ich an uns alle als Gamer und Community appellieren. Wir sind alle dafür Verantwortlich, dass das Internet und unsere Lobby zu einem besseren Ort wird. Wir bleiben konstruktiv, fair und achten auf einander!

Wie reagiert ihr auf toxische Gegenspieler? Lasst es uns wissen und diskutieren!
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Wie reagiert ihr auf toxische Gegenspieler?x

Im Video: Wie gehe ich mit TOXISCHEN GAMERN um?

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