Jedes Mal ärgere ich mich aufs Neue! Immer dann, wenn irgendwo ein Games-Sale ansteht oder Epic Games mal wieder der Meinung ist, Spiele für Lau rauszuhauen, sitze ich da und fühle mich überfordert. Es gibt so viele grandiose Spiele da draußen, und doch finde ich nicht im Geringsten die Zeit, auch alle davon ordentlich anzuspielen. So hadere ich immer zwischen dem Kauf und dem Verzicht. Einerseits ist ja „haben“ besser als „brauchen“ aber auf der anderen Seite wächst so mein Pile of Shame stetig weiter an.

Mit jedem neu gekauften Spiel wird meine Situation einfach nicht besser. Da ich weiß, dass es nicht nur mir so geht und viele andere Spieler und Spielerinnen mit genau der gleichen Fragestellung konfrontiert sind, möchte ich hier ein statistisches Phänomen besprechen, welches uns dabei helfen kann, unseren Pile of Shame besser anzugehen. Doch genau dafür müssen wir ein wenig in die Theorie eintauchen.

Das Paretoprinzip

Das Paretoprinzip nach dem italienischen Ingenieur Vilfredo Pareto behauptet, dass in statistischen Mengenbetrachtungen 20% der Datenmenge bis zu 80% des Gesamtwertes aus machen und die restlichen 80% lediglich nur noch 20% des Gesamtwertes definieren. Aus diesem Grund nennt man diesen Effekt auch die 80-zu-20 Regel. Da ich meiner Aussage aber auch kaum selber folgen kann, gibt es aus der Realität einige Beispiele, die das Prinzip deutlicher machen.

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Die erste Beobachtung stammt aus dem Jahr 1906, in der ersichtlich wurde, dass 20% der italienischen Bevölkerung 80% des Bodens besaßen. Die restlichen 80% folglich nur 20%. Weiterhin besaßen im Jahr 1989 20% der Weltbevölkerung 80% des gesamten Vermögens. Heutzutage wird das Paretoprinzip weitestgehend im Projekt- und Zeitmanagement anerkannt und genau das ist der Hinweis für diesen Beitrag. Denn im Projektmanagement wird davon ausgegangen, dass 20% der Leistung zu 80% der Ergebnisse führen. Die restlichen 20% der Ergebnisse erfordern mit 80% Leistung also wesentlich mehr Aufwand und Investment als die ersten 80%.

Es gibt natürlich noch weiterführende Betrachtungen, aber für unseren Fall reicht es, wenn wir die Oberfläche ankratzen.

Das wichtige 80/20 Verhältnis.
Die wichtige 80-zu-20 Regel.

Was ist Spielegenuss?

Bevor wir das Paretoprinzip jedoch für uns nutzen können, müssen wir erst erkennen, was Spielegenuss eigentlich für uns ist. Es kommt nämlich auf die Art und Weise an, wie wir unsere Spiele konsumieren. Ich sehe vier grobe Kategorien:

  1. Kompetitive Spieler: Hierbei handelt es sich im Spieler, die sich für ein Spiel entscheiden und dieses im Wettkampfmodus, entweder im PvP oder im PvE, spielen. Für diese Gruppe stellt sich die Frage nach dem Pile of Shame eher weniger.
  2. Dann gibt es die Spieler, die ein Spiel erst dann aus der Hand legen, wenn sie jeden einzelnen Stein umgedreht haben und alle verfügbaren Erfolge verzeichnen können. Ich zähle diese Gruppe zu den Core-Gamern, die 100% des Spieles aufsaugen möchten.
  3. Auf der anderen Seite gibt es die Spieler, die immer neugierig auf neue Welten und Geschichten sind und sich auch damit zufriedengeben, nicht alles gesehen zu haben.
  4. Zu den Casual-Spielern zähle ich die Gruppe von Spielern, denen diese Überlegungen egal sind und sich demnach immer für den Moment entscheiden. Solange sie mit einer Spielsitzung Spaß haben, ist alles in Ordnung.

Ich persönlich zähle mich zu den Spielern aus der dritten Gruppe, den Weltenwanderern. Ich schätze es, in eine Spiele-Welt einzutauchen und dieser Welt auch Zeit zu geben, völlig auf mich wirken zu können. Da reicht eine Spielsitzung meist nicht aus, um das Spiel richtig verstehen zu können und wirklich Spaß damit zu haben. Viele Spiele entwickeln sich ja erst über die Zeit und es wäre nicht fair, das Spiel nach nur zwei bis drei Stunden wieder aus der Hand zu legen.

Paretogaming

Für genau diese Gruppe führe ich den Begriff des „Paretogamings“ ein. Wir wollen die Welten zwar sehen, haben aber nicht genügend Zeit, um alle Spiele da draußen vollständig zu erkunden. Aus diesem Grund halte ich mich an die 80-zu-20 Regel. Ich erledige mit 20% Spielzeit 80% des Contents und kann ruhigen Gewissens zum nächsten Spiel in meinem Pile of Shame reisen.

Dabei beinhalten die 20% meistens die Hauptgeschichte des Spiels, sowie hier und da einige Nebenaufgaben. Wollte ich alle Geheimnisse (also die restlichen 20%) des Spiels lüften, müsste ich weitere 80% Spielzeit aufbringen, um dieses zu tun. Für mich reicht genau dieser Spagat aus, um das Spiel ausführlich genug zu erleben.

Wichtig ist natürlich dann doch der Fokus auf ein Spiel. Wenn wir uns tendenziell immer wieder zwischen zu vielen Spielen bewegen, dann zählen wir wohl doch eher zur Gruppe der Casuals, für welche das Paretogaming auch wieder nicht praktikabel genug ist.

Wrap-Up

Am Ende sollten wir die Zeit, die wir mit unserem gemeinsamen Hobby verbringen, genießen können, egal zu welcher Gruppe von Spielern wir uns zählen. Natürlich brauchen wir das nicht mathematisch korrekt zu nehmen, aber für mich ist es eine durchaus interessante Anwendung des Paretoprinzips und kann uns dabei helfen unseren Genuss zu optimieren.

Im Video: So holt ihr das Meiste aus eurer Gaming-Zeit raus!