Adam ‚PAWL‘ Pawlowski beschäftigt sich weiterhin mit Themen im Streaming. Heute geht es um die Vorteile bereits reichweitenstarker Vertreter der großen Plattformen. Viel Spaß!


Eines Vorweg: Ich möchte natürlich niemanden explizit nennen und auf den ersten Blick mag das hier nach „Blaming“ und Gejammer klingen, doch bleibt bitte dran und ihr werdet verstehen, was ich meine und ausdrücken möchte.

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Sicherlich ist es euch auch schon aufgefallen. Es gibt einige Streamer beziehungsweise auch Content-Creator, deren Videos sich qualitativ so rein gar nicht von der ganzen Masse an kleinen Content-Creators abhebt. Die Qualität befindet sich höchstens im Mittelmaß und doch verzeichnen diese Content-Creator einen Erfolg nach dem anderen. Da fällt es einem manchmal schwer sich nicht zu wundern, wie diese Menschen es bloß so weit geschafft haben.

Das ist ein Gedanke, der nicht fair ist und sogar stark nach Neid riecht, aber ich bin mir sicher, dass es viele aufstrebende Content-Creator gibt, die sich gegen diesen Gedanken nicht immer wehren können. In diesem Beitrag behandeln wir die Frage, wieso sich bereits erfolgreiche Content-Creator scheinbar nicht mehr so sehr anstrengen müssen, während neue kleine Content-Creator sich doppelt so viel Mühe geben müssen.

Der Matthäus-Effekt

„Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.“ – Mt 25,29 LUT

Die These des Matthäus-Effektes (benannt nach dem obigen Satz aus dem Matthäusevangelium) behauptet, dass bei erfolgreichen Personen aktuelle Erfolge stärker durch vergangene Erfolge geprägt sind, als die eigentlichen gegenwärtigen Leistungen. Als Begründung wird die erhöhte Aufmerksamkeit der bereits erbrachten Erfolge genannt. Oder Anders: Wer es schonmal zu etwas gebracht hat, wird alleinig durch seine oder ihre Bekanntheit und der vergangen Erfolge gefeiert. Dadurch wird es noch einfacher neue Erfolge zu verzeichnen und seine Basis noch weiter zu stärken. Es entsteht eine positive Erfolgsrückkopplung, die wie eine positiver Kreislauf wirkt, welcher die Person immer erfolgreicher macht.

Der amerikanische Soziologe Robert King Merton hat diese These durch die Beobachtung von wissenschaftlichen Zitierungen untersucht, in denen bekannte wissenschaftliche Autoren häufiger zitiert wurden, als unbekannte Autoren, was sie natürlich noch einmal bekannter machte.

Neue Möglichkeiten

Wozu führt diese These also im Beispiel der Content-Creator? Die folgenden Punkte sind nur einige Entwicklungswege, die ich mir vorstellen kann.

Wenn ein Content-Creator bereits einen treuen Stamm an Zuschauern erreichen kann, so wird entweder der YouTube-Algorithmus durch die „sicheren“ Klicks gefördert, oder aber der Kanal wird auf Twitch höher angezeigt. Die Folge: Eine erhöhte Sichtbarkeit und eine größere Chance auf noch mehr treue Zuschauer.

Wer weiterhin auf Twitter unterwegs ist wird sehen, dass Content-Creator einer gleichen Größe eher geneigt sind miteinander zur interagieren. Es scheint einen gegenseitigen Respekt zueinander zu geben, während Kommentare kleinerer Accounts eher untergehen. Dieses Verhalten entsteht ganz automatisch, in dem sich ähnlich erfolgreiche Content-Creator gemeinsam inhaltlich fördern. So entstehen neue Kooperationen der Influencer. Die Folge: Die Sichtbarkeit der einzelnen Content-Creator steigt weiter an, indem die Community des jeweils anderen Creators gegenseitig aufmerksam gemacht wird.

Durch genau diese Sichtbarkeit werden weitere Firmen und Marken (zum Beispiel Energy-Drinks, Hardware, etc.) auf die Inhalte aufmerksam und bieten auch hier wahrscheinlicher Kooperationen mit ihnen an oder lassen sich auf diese ein. Die Folge: Die Sichtbarkeit steigt weiter an.

Zeit für das Endspiel: Der Erfolg der Content-Creator hat bereits so zugenommen, dass die „Nische“ gut abgedeckt ist. Der nächste Schritt ist der Vorstoß in neue Bereiche. Viele Content-Creator steigen dann zum Beispiel ins Mode-Geschäft ein, indem sie eigene Kollektionen erstellen, oder aber sie unterstützen Hardware-Marken, indem sie ihren Namen auf neue Peripherie drucken lassen oder investieren sogar direkt Geld in das Unternehmen. Der Erfolg und die Sichtbarkeit steigt noch weiter.

Vorsicht

Das alles bedeutet natürlich noch lange nicht, dass man sich als „gemachter“ Content-Creator schön zurücklehnen, die Früchte seiner Arbeit ernten kann und alles bis ans Ende aller Tage fröhlich vor sich hin läuft. Ganz im Gegenteil, denn so haben auch YouTube und Twitch gezeigt, dass es durchaus viele YouTuber und Streamer gibt, die schon einmal recht weit oben waren und heute schon fast vollständig in Vergessenheit geraten sind.

Als Begründung sehe ich vor allem den nachlässigen Umgang mit der positiven Rückkopplung ihres Erfolges. So kann die Erfolgs-Kurve durch fehlende Innovation langsam aber sicher abgeflacht und sogar abgestürzt sein. Denn wichtig ist hier, dass der Content-Creator seinen Erfolg auch zu nutzen weiß.

Fazit

Eines steht fest: wer einmal vom Matthäus-Effekt profitiert, hat es mit Sicherheit auch verdient. Sei es durch den Grind oder durch vergangene Erfolge – denn ohne echter eigener Erfolge wird dieser Effekt auch nicht eintreten. Wenn wir also auf einen Content-Creator blicken und Mal nicht ganz verstehen, wieso diese Person von anderen gefeiert wird, trotz scheinbar kleinem Engagement, dann sollten wir uns daran erinnern, dass diese Person doch bereits einiges dafür investiert hat, um dort anzukommen, wo sie gerade ist.

Einige Content-Creator wissen diesen Effekt gut für sich einzusetzen, weshalb ihr Erfolg dadurch exponentiell ansteigt, während andere lediglich auf ihrem Niveau verweilen oder aber tatsächlich doch irgendwann in Vergessenheit geraten.

Und für uns bleibt nichts anderes übrig, als uns unsere eigenen Lorbeeren doch selbst zu verdienen.

Im Video: Warum große Streamer faul sein können

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