Am späten Sonntagabend, 23. Februar 2020, ging ein Aufruhr durch E-Sport Deutschland. Grund dafür war ein veröffentlichtes Positionspapier von PENTA CEO Andreas Schaetzke, der auf einigen Seiten seine deutliche Kritik gegenüber der Konzeption und Handlungen des E-Sport Bund Deutschland (ESBD) sowie der neu gegründeten Esports Europe Federation (EEF) äußert.

Dass fast jede Debatte rund um das Thema E-Sport emotional aufgeladen ist, dürfte für Szene-Kenner nichts Neues sein. Dennoch fühlte sich Hans Jagnow, seinerseits Präsident beider thematisierter Verbände ESBD und EEF, augenscheinlich auch persönlich angegangen. In seiner Stellungnahme am Montag spricht er unter anderem von einer „uninformierte Kampagne“, „haltlosen Unterstellungen“, „Diskreditierung ehrenamtlicher Arbeit“ sowie einem „persönlichen Kreuzzug gegen den ESBD“ und seiner Person.

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Um mehr Licht in den komplizierten Konflikt zu bringen, in dem wir die veröffentlichten Positionen beider Parteien ungekürzt und unkommentiert veröffentlicht haben (siehe hier und hier), haben wir Andreas Schaetzke um ein ausführliches Gespräch gebeten, in dem wir auch auf oben genannte Vorwürfe noch einmal genauer eingegangen sind.

Wir hoffen, dass das nachfolgende Interview die eigentliche Intention des Gesprächspartners verdeutlicht und die konstruktive Arbeit an der Wahrnehmung und Entwicklung des E-Sports, auch im eigenen Land, fördert. Viel Spaß beim Lesen.

Andreas Schaetzke im Interview: Totgeburt EEF? Die Position der Industrie

Das Interview wurde am Montag, 24. Februar 2020, telefonisch geführt und aufgezeichnet.

Gaming-Grounds.de:

Hallo Andreas. Schön, dass du dir nach den Ereignissen gestern und heute die Zeit genommen hast, um mit uns noch einmal ausführlich über deine Äußerungen und die Kritik an ESBD und EEF zu sprechen. Warum hast du gerade jetzt die Entscheidung getroffen deine Meinung zu veröffentlichen?

Andreas Schaetzke:

„Der Hauptgrund war wirklich das überlaufende Fass mit der EEF. Es war auch ein Ergebnis des „daily business“. Ich habe mit vielen Leuten zu tun und habe mich selber auch mit der FDP, mit der CDU und auch mit den Grünen ausgetauscht. Also auch mit hochrangigen Politikern. Da wurde mir auch die Frage gestellt: Herr Schaetzke, was denken Sie denn, wenn wir jetzt den E-Sport anerkennen? Wäre das für Sie gut? Da sage ich: Natürlich! Per se ist das eine tolle Geschichte, aber wenn sie das jetzt tun wird wohl vermutlich ein Chaos ausbrechen und der Industrie nicht gutgetan werden, weil einfach noch das „Meat on the Bone“ fehlt. Und das ist ein Problem, wo ich keinem etwas Böses möchte, aber ich mache jetzt seit sechs Jahren Bootstrapping mit PENTA. Als eine der wenigen Organisationen in Europa haben wir das selber aufgebaut und keine Gelder eingesammelt. Wir wollten verstehen: Wie macht man es richtig?

Man lernt, in dem man auch mal auf die Fresse fliegt. Das sage ich auch im Hinblick auf die Arbeit des Verbands in Bezug auf die Kommunikation in Politik und Wirtschaft. Das sind halt die Signale, die gesendet wurden. Ich habe auch mit vielen Professoren, Doktoranden und verschiedensten Universitäten zu tun, wirklich ein breites Netzwerk gepflegt. Auch wissenschaftlich engagiere ich mich da sehr, weil mir E-Sport wirklich sehr am Herzen liegt. Nicht nur aus eigenem Interesse. Man muss wissen, wie man Geld verdienen muss in der Branche, ansonsten können wir nicht wachsen. Aber für mich war das einfach der letzte große Bruch, wo bei mir auch die Alarmglocken klingeln, weil man so sehr auf ein politisches Parkett transformiert um die Damen und Herren dahinter. Das ist gefährlich.

Das ist gefährlich, weil für uns damit die Signale absolut die Falschen sind und die Persönlichkeiten, die hier den Diskurs führen und das kommunizierende Zepter in der Hand halten, eigentlich noch nicht valide genug und nicht die gewählten Vertreter unserer Branche sind. Das ist ein großes Risiko und das war mir dann zu groß. In Deutschland kann ich damit noch leben. Ich wünsche dem Verband ja eigentlich auch alles Gute, aber die Fakten haben für sich gesprochen. Das war dann too much.“

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Gaming-Grounds.de:

Du hast gesagt du wünscht dem Verband alles Gute. Wie müsste denn aus deiner Sicht der Verband weiterarbeiten oder was müsste sich ändern, damit das Ganze dann „valide“ genug wird? Eine zweite Frage direkt hinterher: Warum engagiert sich PENTA selbst nicht in der Szene mehr, um mit eigener Kompetenz, mit eigenem Netzwerk und eigener Erfahrung dort aktiv zu helfen?

Andreas Schaetzke:

„Der Fehler liegt in der Software, im Konzept. So wie ich es bereits beschrieben habe, war es wirklich auch die Wahrheit. Zu Beginn der Gründung hatten wir fernab von der Kopie eines DFB Manuskriptes und Vereinssatzungen aus der alten Sportwelt gesagt, dass für uns viele weitere Faktoren eine wichtige Rol­le spielen. Diese Faktoren sind wirklich alle wirtschaftlicher Natur. Ich will nicht den bösen Kapitalisten spielen, aber ich kenne die Jungs, die jeden Tag hart arbeiten. Und die tun sich schwer. Die brauchen den Taler, der wandert. Das Geld muss verdient werden. Das klingt jetzt ein bisschen so wie „Ah, die wollen nur Geld!“. Aber ganz im Gegenteil: Wir müssen doch erst einmal zu einer signifikanten Größe kommen.

Wenn wir das Spiel spielen wollen wie im Fußball, dann brauchen wir aber auch über 100 Vereine in Deutschland, die auch eine signifikante Mitgliederanzahl besitzen, um dann als starke Breitensportstruktur in vier bis fünf Jahren eine Stimme zu haben, aber das haben wir einfach nicht. Die Breiten­sportvereine haben genau die gleichen Probleme wie wir auch im großen Stil. Das ist: Wie kommen wir auf die Straße, wie können wir sicher wachsen? Wir haben nicht die gleichen Strukturen wie im Fußball. Wir haben andere Rechtehalter, die Publisher. Deswegen haben wir als PENTA von Beginn an aktiv den Exit gewählt in den überhasteten Verbandsgesprächen. Eigentlich wurden wir auch gar nicht groß berücksichtigt, das ging dann ganz schnell nach dem Motto „Reise nach Jerusalem“.

Der zweite Punkt ist: Für uns ist aktuell das Modell die Kopie der alten Welt. Das wird nicht den An­sprüchen, den Anforderungen, den Wünschen und auch den Nöten der jetzigen Industrie gerecht. Un­sere Industrie ist natürlich zu einem Teil Sport, vielleicht verspielen wir uns damit auch die „Verification“, dass wir keine Sportverbandsstruktur haben. Aber das würde ja auch unsere eigene Identität, unsere eigene DNA sabotieren. Jeder, der ein bisschen in der Szene drinnen ist, weiß, wie die Dinge laufen. Wie die Publisher das Thema analysieren, wie die Veranstalter arbeiten und wie die Teams im Endeffekt agieren. Darüber dann ein altes Gebilde oder Gebälk zu legen, das ist dann einfach das Grundproblem. Das wäre für mich der allererste Punkt, etwas zu ändern: Eine komplett andere Struktur des Verbandes. In seinen Tiefen und Grundfesten. Wie ich sagte: Ein Reset-Knopf.“

Gaming-Grounds.de:

Woran liegt es denn, um einen Teil der Frage noch einmal aufzugreifen, dass sich PENTA bisher nicht stärker beim ESBD eingebracht hat?

Andreas Schaetzke:

„Genau deswegen. Die Struktur. Was können wir denn im jetzigen Verband machen? So wie er im Moment organisiert ist könnten wir eintreten, verstanden. Wir können uns natürlich für gewisse Themen einsetzen. Aber letztendlich bietet uns die Struktur nicht die Möglichkeiten. Ich bin der Meinung, dass man das komplett anders aufbauen muss. Ich rede auch wirklich von Satzungspapier, von der Rechtsform, von allem.

Schwierig ist auch, dass wir uns nie richtig willkommen geheißen gefühlt haben. Man hat uns nie wirk­lich ein Gespräch angeboten. Wie Herr Jagnow in seiner Stellungnahme ja gut beschrieben hat ist es so, dass wir mit Angeboten gekommen sind. Ich habe selbst dieses Projekt (CLE) nicht gestelzt, aber an sich war es kein Misserfolg. Wir sind da nicht mit einem großen Loss oder absoluten Misserfolg raus, aber es war auch kein Erfolg. Für mich ist es dann trotzdem ein Misserfolg. Da will ich aber gar nicht zu sehr drauf eingehen. Ich glaube, dass das Grundproblem unsere ganz andere Einstellung zum E-Sport ist, die nicht mit der ESBD-Sprache kompatibel ist. Bestes Beispiel: Wir sprechen chinesisch und der ESBD spricht deutsch. Dann sind wir eben die nicht zu verstehende Fremdsprache, aber bis jetzt gibt es noch keinen Übersetzer.

Ansonsten helfen würden wir gerne, aber wir haben natürlich auch alle viel zu tun. Ich glaube aber auch, dass wir sonst von Beginn an aber auch erstmal die ganzen Teams, die ganzen Organisationen, wieder abholen müssen. Man hat den Kreis viel zu eng gezogen und sich eigentlich nur auf Counter-Strike konzentriert. Der deutsche E-Sport ist nicht nur Counter-Strike. Mir fehlen da einfach noch viele, viele Sachen. Es war für mich zu schnell zu überhastet. Der Verband an sich hat extrem schnell versucht auf die Straße zu kommen. Ich habe nicht verstanden wo die Peitschen und die Herren dahinter herkamen. Warum? Warum war da so ein Speed drin? Das fing im Sommer 2017 an und dann wurde wirklich in absoluter, bestialischer Geschwindigkeit gegründet, weil natürlich im Hintergrund der Druck von den Vereinen auf die E-Sport Organisationen da war: Wenn ihr es nicht macht, dann machen wir es. So nach dem Motto „Der Erste der rauskommt ist der Beste“. Unter so einem „aufgehenden Stern“ sehe ich nichts Gutes.“

Gaming-Grounds.de:

Für wie realistisch hältst du es denn, dass man jetzt wirklich nochmal einen „Reset-Knopf“ drücken kann, ohne noch mehr Anerkennung zu verlieren und von anderen Playern, Institutionen und Akteuren weniger ernst genommen zu werden?

Andreas Schaetzke:

„50/50 würde ich sagen. Ich sehe nichts als verloren an. Vielleicht ist es auch eine Zeit Frage. Vielleicht ist es auch jetzt noch nicht notwendig sich so zu stressen. Es gebe immer einen Weg, den kann ich jetzt hier aber nicht offenlegen. Ich hätte da auch ein paar Ideen und Ansätze die ich grob formuliert habe schon seit einiger Zeit. Wo es nicht darum geht „Wer leitet das ganze Thema?“ sondern „Wie embedden wir das Ganze in einen komplett anderen Industry Approach?“. Das ist jetzt wieder etwas kryptisch gesprochen, aber so ein komplettes System dazu habe ich mir dazu schon überlegt. Ich glaube die Chance liegt derzeit aber eher bei den ganzen Akteuren in Deutschland. Ich sehe an vielen, vielen Bereichen, dass man zusammenwächst, dass Grenzen aufgebrochen werden. Hinzu kommt auch, dass man sich mehr Vertrauen schaffen muss. Das Misstrauen in der Industrie ist einer der größten Hemmfaktoren für so eine Entwicklung.

Ich glaube dann ist das Allerwichtigste, dass gerade jetzt, in den nächsten ein bis zwei Jahren auch viele auf die eigenen Beine kommen. Alle möchten natürlich so einem Verband angehören. Dass es ein Schiedsgericht gibt finde ich super. Dass es die Trainerausbildung gibt finde ich auch super. Wir haben auch das Gespräch persönlich geführt mit dem ESBD. Da wurde uns das [Trainerprogramm] auch vorgestellt. Da habe ich gesagt: Ja, ein lobenswerter Gedanke. ABER ist es nicht realistischer, dass die Teams wie wir, die seit vielen Jahren E-Sport betreiben und große Erfolge wie Europameister- und Weltmeistertitel vorweisen können, diese Aufgabe übernehmen. Ich denke, dass wir unser Handwerk schon ein Stück weit verstehen. Ich verstehe nicht, wo sonst der Verband, wenn er diesen Weg geht, als Instanz die Education bringt. Gerade wenn die Leute, die die meiste Erfahrung haben, auch die Stakeholder sind.

Ich weiß, das ist vice versa ein bisschen schwierig. Ich sehe auch, dass der Verband notgedrungen Umsätze machen muss. Es dann aber zu versuchen zu verschleiern, statt zu sagen „ja, wir brauchen ein gutes wirtschaftliches Modell“, finde ich schade. Das ist einer der größten Schwächen. Die Chance ist da. Ich glaube auch, dass wir jetzt alle richtig durchatmen müssen. Erkennen, dass nichts mit Druck, hau ruck, dem Presslufthammer funktioniert. Das war auch gar nicht mein Ziel. Mein Ziel war es einfach nur Position zu beziehen. Ich habe vollsten Respekt vor Hans, Martin und allen Akteuren dahinter. Das möchte ich noch einmal deutlich sagen. Ich habe auch Respekt vor all der ehrenamtlichen Arbeit. Ich habe da selber viele Jahre hinter mir. Ich komme auch aus einer Breitensportstruktur, aus Leipzig. Mit unserem allerersten Team, 2006 gegründet. Ich kann das sehr gut nachvollziehen.

Nur sehe ich für mich, dass das, was heute passiert, als Modell outdated ist und wir eigentlich nochmal komplett in die Struktur gehen müssen und der erste Schritt dahin ist ein runder Tisch. Der muss nicht nur einmal stattfinden, nicht zehnmal stattfinden, sondern so lange stattfinden, bis wir zu 99 Prozent einen Konsens gefunden haben. Und das ist auch möglich. Wir müssen uns ein bisschen bei der alten Welt etwas abschauen. Wenn nämlich etwas funktioniert, dann mit Zeit und Geduld und nicht „schnell, schnell, schnell“. Wir müssen auch versuchen das System E-Sport etwas zu entschleunigen.“

Gaming-Grounds.de:

Noch eine Realitätsfrage. Für wie realistisch hältst du es, dass man wirklich alle Akteure aus dem deutschen E-Sport Bereich an einen Tisch bekommt, ohne dass sich jemand ausgeschlossen oder vernachlässigt fühlt?

Andreas Schaetzke:

„Sehr realistisch.“

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Gaming-Grounds.de:

Wie würdest du das organisatorisch lösen? Viele, die auf dein Positionspapier reagiert haben, werfen dir fehlende Eigeninitiative, Alternativen und Lösungsansätze vor. Vielleicht kannst du kurz skizzieren, wie du dir das Konzept besser vorstellen könntest.

Andreas Schaetzke:

„Als erstes müsste man gewisse Industry Leader definieren. Wo wir wirklich verschiedenste Persönlichkeiten brauchen. Erst einmal einen mittleren Staff bilden, die keine Präsidentenrolle oder Ähnliches einnehmen. Die sollen sich in der Lage sehen als Dreier-, Fünfer- oder vielleicht auch Siebener-Team das Ganze zu vermitteln und zu betreuen. Wie eine Sonderkommission. Dann heißt es aufzuarbeiten: Wer ist Teil des Eco-Systems? Dass man erst einmal eine Art Liste macht. Wer gehört dazu? Wer ist demographisch gesehen in Deutschland relevant? Wer sind die Stakeholder, wer muss dabei sein? Wer ist dabei auf Team Seite? Wer ist auf der Publisher Seite, Veranstalter Seite?

Allein erstmal das Grund ausarbeiten des „Who is who“ und danach muss man die Leute an einen Tisch bringen. Das kann man technisch über WhatsApp Gruppen machen, über persönliche Meetings, man kann sich natürlich auf großen Messen und Events treffen und das Thema so immer weiter anschieben. Das Ganze auch nicht aus der Prämisse „Wir gründen jetzt sofort einen Verband“, sondern einfach unter der Prämisse einer Interessenvertretung arbeiten. Ich könnte mir auch sehr gut vorstellen, dass der game Bundesverband als Vermittler hier agieren könnte, dass man einen neutralen, etablierten Verband dazu nimmt, der das Ganze begutachtet, kontrolliert und absichert. So dass man auch eine Art Schutzmechanismus hat, dass nichts zu schnell geht, dass nicht irgendwelche Eigeninteressen hervortreten.

Man müsste diesen Prozess langsam laufen lassen und dann nach einer gewissen Findungs- und Bewertungsphase in eine Planungsphase übergehen. Nach dieser Planungsphase kann man das ganze Spiel natürlich weiterstricken bis man am Ende des Tages einen Action-Plan hat und sagt: Okay, so möchten wir auf die Straße gehen. Eines Tages wird dann natürlich zusätzlich eine Rolle spielen, welche Persönlichkeiten sich da wie aktivieren. Das ist aber nur das i-Tüpfelchen, wenn man weiß wie a, b, c, d, e laufen. Wenn das System gesund ist, sind Leitfiguren, Unterstützer und Antreiber nicht mehr so in Frage zu stellen.

Dann ist natürlich auch die Frage: Welche Zielstellung verfolgt man? Ich glaube, die Zielstellung sollte anders formuliert werden. Ich bin müde von diesem Kampf gegen die alte Welt. Es ist für mich kein Brücken bauen, wenn wir uns ständig versuchen mit der Politik zu messen und letztendlich auch Richtung Olympia und Co. zu gehen. Ich meine, da gab es auch tolle Diskussionsrunden, ich habe das alles mitverfolgt. Aber ich glaube, wir tun uns damit echt nichts Gutes. Wir müssen für unsere Industrie einstehen und schauen was sind unsere Ziele. Ein großes Ziel ist: Wie können wir das wirtschaftliche Wachstum in Deutschland bündeln? Wie können wir auch gewisse kritische Themen wie Anerkennung, Anti-Cheat, Diversität auf den Punkt bringen? Das gehört alles dazu.

Aber solche Fragezeichen, solche Zielstellungen, die der ESBD verfolgt, die lassen sich durch einen gesunden Motor E-Sport viel besser realisieren, als wenn man nach meiner Auffassung irgendwo verloren an der Front alleine kämpft und nicht wirklich den Rückhalt in der Industrie hat. Und natürlich auch, wenn man sich vielleicht ein bisschen in seinem Auftreten gegenüber der Politik verhoben hat. Auf Augenhöhe können wir uns glaube ich nicht stellen. Dafür sind wir einfach noch zu jung als Industrie, haben gewisse Macken und müssen erstmal die Basics richtig hinbekommen.“

Gaming-Grounds.de:

Ein Thema weitergegangen. Du sagst, du möchtest die Debatte Anerkennung als Sport hinter dir lassen. Wie stellst du dir vor, soll die Breitensportkultur im deutschen E-Sport dann Geld generieren, wenn nicht aus staatlichen Töpfen und durch Förderung der Gemeinnützigkeit?

Andreas Schaetzke:

„Ich muss zugeben, ich habe mich nicht genug in dieses Thema Breitensport und Förderung reingedacht. Ich komme eher aus der Reihe der Kapitalisten. Nicht falsch verstehen, aber wir haben immer wirtschaftlich denken müssen. Ich kenne es nur so. Der Verein in Leipzig ist als gemeinnützig eingetragen. Mein Verein, den ich 2006 gegründet habe, war auch gemeinnützig. Sachsen ist da aber scheinbar auch ein spezielles Feld. Für den Breitensport sehe ich diese notwendige Anerkennung aber definitiv. Die brauchen wir, das lässt sich nicht wegreden.

Ich glaube aber auch, dass wir in den nächsten ein bis zwei Jahren da keinen Durchbruch erzielen. Ich würde das Thema unbedingt wieder auf die Agenda bringen. Aber wenn wir jetzt weiter und weiter und weiter pushen, ohne grundlegende Veränderungen zu schaffen, uns damit keinen großen Gefallen tun. JEDEM Breitensportverein in Deutschland wünsche ich die Gemeinnützigkeit. Das wäre super. Ich weiß aber nicht, ob wir mit Presslufthammer und ständiger Diskussion da weiter durchbrechen.

Ich weiß auch nicht, ob wir es nur aufgrund der Sportdiskussion schaffen können, gemeinnützig zu werden. Ich bin kein Experte, vielleicht bewege ich mich jetzt auf dünnem Eis, glaube aber, dass wir das auch durch viele andere soziale, ethische, pädagogische, integrative, künstlerische und weitere Werte verankern könnten. Da gibt es so viel, was E-Sport ausmacht. Es geht nicht nur um Wettkampf und Sport. Diese Vielfalt sollten wir noch viel besser transportieren. Ich glaube es gibt neben dem Sport noch viele andere Dinge, die sehr, sehr gemeinnützig sind. Der E-Sport ist insgesamt ein sehr gemeinnütziges Konstrukt. Ich glaube, dass die Vereine, die die Förderungen brauchen, diese auch durch die vielen anderen erstrebenswerten Aspekte erreichen können.“

Gaming-Grounds.de:

Meinst du, du hast vielleicht in deinem Positionspapier nicht genug zwischen kommerziellen E-Sport Projekten und Breitensport-Projekten differenziert?

Andreas Schaetzke:

„Mhh. Gute Frage. Ich meine, letztendlich habe ich mit vielen Breitensportvereinen zu tun. Auch weil sie zu mir kommen und ich mit ihnen arbeite. Ich denke, die Differenzierung ist ein bisschen schwierig. Mir ist klar bewusst, wie sich der Breitensport gerade in Deutschland entwickelt und dass da die Ziele des ESBD dahinter sind. Ich denke was fehlt, ist die Brücke zwischen den Beiden. Letztendlich ist immer ein kommerzieller Nutzen vorhanden. Die Frage ist nur, was daraus gemacht wird. Ob man auf Profit geht oder als Verein auf Wachstum durch Umsatz bedacht ist.

Auch ein Breitensportverein, da mag ich mich jetzt täuschen, kann durch Umsatz Wachstum erzeugen und seinen Mitgliedern etwas Gutes tun, Infrastrukturen ausbauen und letztlich natürlich Mehrwert schaffen. Im Endeffekt muss es alles verbunden sein. Deshalb denke ich auch, dass ein Verband sich an gewisse kommerzielle Projekte anschließen, aufbauen und fördern sollte, wenn am Ende der „Side-Effect“ gut ist für die Mitglieder, Verbandsteilnehmer und alle Vereinsmitglieder, die da wiederum dranhängen. Der E-Sport ist ein sehr kommerzielles Produkt.

Man muss nur schauen, wer die „Big Player“ sind, die großen Publisher, wie die das machen und es funktioniert. Fußball ist ja per se auch ein kommerzielles Produkt. Ich weiß, dass es auch ein großes Kulturgut ist und überall unter einfachsten Mitteln ausgeübt werden kann. Das ist auch die Magie des Fußballs. Im E-Sport müssen wir aber eben auf andere Werte gehen. Ohne Geld geht am Ende aber einfach nichts. Sonst würde es uns ja jetzt auch leichter fallen auf die Straße zu kommen und wahrgenommen zu werden.“

Gaming-Grounds.de:

In deinem Papier nennst du diverse erfolgreiche kommerzielle E-Sport Projekte in Deutschland wie beispielsweise Euronics oder SK Gaming und stellst in diesem Kontext in Frage, was die Verantwortlichen dahinter davon halten würden, wenn sich andere Vereine teils aus Fördermitteln finanzieren können und nicht „jeden Euro selbst erarbeiten“. Doch nicht jedes gemeinnützige E-Sport Projekt will oder sollte gewinnorientiert arbeiten. Gerade im Sinne der Gemeinnützigkeit. Ich würde gerne deine ausführliche Meinung dazu wissen, ob du wirklich denkst, dass große und erfolgreiche deutsche Player der Szene eine Art Missgunst verspüren, wenn kleinere Vereine aus staatlicher Hand gefördert werden.

Andreas Schaetzke:

„Ganz im Gegenteil. Ich kann ein Beispiel nennen, welches Hans auch kritisiert hat, wenn auch unterschwellig. Die Zusammenarbeit mit dem eSports Nord e.V. Dort bin ich unfassbar glücklich, dass Fördergelder geflossen sind, weil ich auch sehe, welch emotionale Energie die Jungs dahinter haben und wie professionell das Ganze dort gemacht wird. Ich komme ja auch selber aus einem Verein. Ich habe damals zwei Vereine mit aufgebaut und diese zu KD-Gaming fusioniert. Ich habe lange, lange unter Vereinsstrukturen gearbeitet. Wir haben damals sogar als e.V., 2010, auf der DreamHack gegen Fnatic gewonnen in Heroes of Newearth. Das hat alles funktioniert, waren aber auch irre Zeiten.

Ich glaube a) es geht, mit Vereinsstrukturen zu wachsen. Letztendlich macht uns das die Sportwelt ja vor. Es gibt viele große gemeinnützige Vereine, die einiges an Power mit sich bringen. Das zweite ist, b), ich würde es allen sehr gerne gönnen. Gerade weil man ja auch weiß was dahintersteckt und wie die Mittel eingesetzt werden. Wir überlegen uns auch, wie wir noch mehr helfen können. Wenn wir eins getan haben mit dem eSports Nord e.V.: Wir haben quasi ein Leverage erzeugt für die Fördermittel, die geflossen sind. Wir haben unser Know-How, unseren Impact, unser Netzwerk zur Verfügung gestellt, haben zwei Sponsoren vermittelt. Das sind Fakten.

Wir unterstützen auch gerade weitere Vereine in Deutschland, nicht einmal aus Eigeninteresse. Einfach, weil wir mit dem Herzen dabei sind und mittlerweile auch – und das ist vielleicht ein wichtiger Punkt – weil wir mittlerweile eine Größe erreicht haben, bei der gewisse Ziele für uns selbst erreicht haben und das auch ein bisschen den Druck raus nimmt. Ich glaube das ist auch ein Problem in E-Sport Deutschland, dass viele eben diesen Druck noch besitzen. Erfolgsdruck, Umsatzdruck, Überlebensdruck. Wie komme ich den nächsten Tag, den nächsten Monat durch, wie kann ich wachsen? Ob ich das als Verein mache, als Firma oder sogar als Konzern. Wenn ich nicht durch Investoren oder Fördermittel unterstützt werde, bleibt nur der harte Umsatz auf der Straße. Ob das Beiträge, kleine Sponsorings, Spenden oder was auch immer sind. Das Geld muss fließen und eingesetzt werden. Dabei haben wir nur vor, unsere Partner und die Leute zu unterstützen.

Wenn immer mehr E-Sport Teams und große Marken durchbrechen und eine gewisse Sicherheit haben für sich und diese sagen können „Super, die Basics sind geschafft.“, dann ist das für alle gut. Die Entschleunigung des E-Sport Systems lässt sich mit dem Urknall vergleichen. Das Universum ist entstanden im E-Sport, alle Teilchen bewegen sich super schnell und gewinnen immer mehr an Masse. Es wird langsamer, ruhiger, sicherer, beständiger. Legal Structure funktioniert. Ab einem gewissen Punkt werden auch in Deutschland Vereine entspannter, Organisationen werden entspannter, die Hetzjagd nimmt ab. Weniger „Was machen die, was mache ich?“. Es ist noch ein unfassbarer Druck in der Industrie und ich glaube, dass das auch schädlich ist für alle miteinander. Das bringt viel falsches böses Blut, Neid und Missgunst. Wir wollen dagegen ein Zeichen setzen und unterstützen deshalb auch viele. Wir reden mit jedem. Für jeden ist bei mir die Tür offen. Auch ohne irgendwelche wirtschaftlichen Interessen. Ganz im Gegenteil – wir helfen, unterstützen und möchten etwas Gutes tun.“

Gaming-Grounds.de:

Steht das nicht im Gegensatz zu deiner Aussage im Positionspapier wenn du sagst, ihr unterstützt Projekte ohne eigenes wirtschaftliches Interesse?

Andreas Schaetzke:

„In dem Moment ist das nicht wirtschaftlich gedacht. Absolut nicht. Es ist wirtschaftlich gedacht für die Akteure, die wir unterstützen. Auch wir sind als PENTA nicht einfach der große Kommerzriese im E-Sport, der versucht möglichst viel einzunehmen, umzusetzen und möglichst viel für sich zu beanspruchen. Im Gegenteil. Die Personen, die bei uns dahinterstehen, leben und lieben den E-Sport. Wir alle haben gleich angefangen und zwar klein. Wir haben uns alles selber erarbeitet. Umso mehr schätzen wir es natürlich wert, wenn andere das Gleiche tun. Aber ja, hier haben wir kein wirtschaftliches Interesse.“

Gaming-Grounds.de:

Eine weitere Frage noch zum „leidigen“ Thema E-Sport Anerkennung. Denkst du nicht, dass Deutschland wieder einem Trend hinterherlaufen könnte, wenn wir uns mit anderen Ländern in Europa rings um uns herum vergleichen? Insbesondere, wenn wir uns nicht zeitnah darum bemühen, dass der E-Sport eine zumindest gemeinnützige Anerkennung, vielleicht nicht einmal als Sport, aber als förderbedürftige Branche bekommt?

Andreas Schaetzke:

„Das ist eine schöne Trennung. Ich sehe das wirklich zweigleisig. Das eine ist die Anerkennung als Sportart, das andere die, wie du schön sagst, förderbedürftige Akzeptanz, Validierung und Bestätigung, Klassifizierung, Unterstützung und so weiter. Das wünsche ich mir jeden Tag. Wenn es morgen passieren würde, würde ich in die Hände klatschen und sagen „Geil, Leute!“. Jeder, der darin involviert ist, soll den gebührenden Ruhm und Ehre ernten. Egal, ob man sich da nicht mag oder gegenseitig beäugt. Es gibt in der Branche offene zerrissene Verhältnisse und das ist auch alles in Ordnung. Aber wenn DAS geschafft ist, dann ist etwas Großes vollbracht. Ich bezweifle nur, dass wir das über den Sport schaffen.

Denn wir wissen, welche Institutionen dahinterstehen, welche Meinung der DOSB vertritt, wissen, dass die alte Sportwelt sich angegriffen fühlt durch den E-Sport. Dass man bisher nur auf Sport gesetzt hat, ist vielleicht die kleine Nuance, die uns vielleicht nun zum anders Denken bewegt. Auch wenn es in anderen Ländern wie Russland, Frankreich und vielen anderen Nationen viel, viel schneller geklappt hat. Wenn es in Deutschland über den Sportansatz funktioniert: super. Aber aktuell, wenn man die Ist-Lage bewertet und schaut wie die letzten Statements sind, dann ist vielleicht der Weg über andere kulturelle Werte der richtige. Deswegen ist das ein zweischneidiges Schwert.“

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Gaming-Grounds.de:

Möchtest du von dir aus noch etwas sagen? Vielleicht gerade jetzt in Reaktion auf das Statement von Hans Jagnow, der sich nun auch ausführlich auf dein Schreiben hin geäußert hat?

Andreas Schaetzke:

„Ja. Ich möchte dem Hans sagen, dass ich trotz allem seine Arbeit schätze. Ich respektiere jeden, der etwas für den E-Sport tut. Ich vergleich das mit einer kleinen Anekdote. Wir sind alle Priester, die alle seit Jahren durch die Wüste laufen, ein großes Schild halten auf dem E-Sport steht, versuchen im Kreise unserer Familie, Bekannten, Schulen, Universitäten, Arbeitsumfeldern immer versucht etwas Gutes für den E-Sport zu tun. Das betrifft jeden in dieser Industrie. Das macht das Ganze ja so einzigartig: Alle verfolgen tief im Herzen das gleiche Ziel.

Er soll das nicht so übel und persönlich nehmen, auch wenn ich mal sehr direkt geworden bin. Für mich war neben dem fehlenden Wachrüttler das größte Problem wirklich diese Flucht nach vorne in den EEF. Wenn man in Deutschland die jetzige Lage beurteilt muss man sagen, dass der Verband [ESBD] eher Mitglieder verliert. Das sind meine Informationsstände, die ich habe. Da merkt man gerade jetzt, dass noch viel Arbeit zu tun ist. Sich dann auf ein nächstes, größeres Projekt zu stürzen… Im Business würde man fragen: Du bist jetzt gerade mit deiner Sache auf der Straße und bringst ein zweites größeres Projekt raus. Wo ist denn bitte dein Fokus?

Das war auch ein bisschen das Warnsignal. Ich glaube, dass wir uns selber ein großes Risiko aufbürden, wenn wir mit so einer aufgeblähten Struktur in Europa die falschen Signale senden. Besonders weil ich die Reaktionen von anderen Großen wie beispielsweise Fnatic gesehen habe, die alle sehr, sehr überrascht sind und dass alles vorbei an den tief verwobenen und aktiven Stakeholdern passiert. Das zerrüttet gerade die gesamte Industrie. Die richtigen Ziele sind für uns schwer erkennbar. Lieber setzt man warnende Worte, bevor das Kind komplett in den Brunnen fällt. Wenn wir damit irgendwo einen Durchbruch schaffen: Chapeau, super. Aber Zweifel müssen ausgeräumt werden und aktuell fehlt einfach die gemeinsame Basis, es wurde sich nicht die Zeit genommen das ordentlich aufzuziehen.“

Gaming-Grounds.de:

Ganz direkt gefragt: Würdest du es für sinnvoll halten, den EEF direkt wieder aufzulösen?

Andreas Schaetzke:

„Diese Entscheidung kann ich mir nicht anmaßen oder den Verantwortlichen zumuten, dies zu entscheiden. Ich glaube nicht, dass sie das tun werden. Das ist sehr schwierig. Ganz ehrlich? Sie würden das Richtige tun, wenn sie ihn wieder auflösen oder zumindest in einer Froststarre bewegen, erst einmal die offenen Fragen aufarbeiten und sich mit der Industrie unterhalten.

Es haben sich einige auch große Player geäußert. Es ist halt ein riesiges Risiko. Stellt euch mal vor, ein Nachbar rennt raus und sagt „So, ich vertrete jetzt diesen Bereich hier. Wir sprechen mit Bezirksamt, Bürgermeister, machen das alles“, ohne mit den Nachbarn aus dem Bezirk zu reden, die dort eine wichtige Rolle spielen und schon viele Projekte auf die Straße gebracht haben und gut vernetzt sind. Die fühlen sich dann doch ein bisschen übergangen. Die Leute, die diese Menschen vertreten wollen… Wo ist das gerechtfertigt? Wo ist das abgesprochen und wo kommt das am Ende an?

Das ist der große Fehler in der Software, den ich hier sehe. Ich meine das zu machen, selbst wenn ich den Leuten unterstelle, dass sie nur 100 Prozent ehrenhafte Ziele damit verfolgen – wo ich auch ein bisschen meine Zweifel dran habe, denn ich kenne den E-Sport und die Industrie dahinter sehr lange. Wenn Leute E-Sport Vereine gegründet haben ging es meist nur um Titel und Positionen. Wer ist der CEO, wer ist der CMO, COO? Wenn ich jetzt das Durchschnittsalter der Herren sehe und die Art und Weise wie schnell das gemacht wurde…

Ein bestes Beispiel. Es tut mir leid, dass ich den ESBD da wieder kritisieren muss. Das erste Jahr nach der Gründung bei der DreamHack in Leipzig. Da sind die Vertreter des Verbandes in Anzug und Krawatte über die Messe gelaufen. Ich habe viele fragende Blicke gesehen von Stakeholdern und Industrieteilnehmern. Die haben sich gefragt: „Jungs, ihr habt da einen frischen Verband gegründet. Aber ist das nicht ein bisschen abgehoben, dass ihr mit Anzug und Krawatte über die DreamHack lauft? Warum?“. Ich habe mit Leuten zu tun gehabt aus der Filmbranche und vielen anderen Branchen die auch gefragt haben: „Was ist das denn für eine verrückte Show hier?“.

Das soll wirklich keine Kritik sein. Das ist wirklich nur zu schnell, zu dynamisch. Ich tu mich da selbst sehr schwer die richtigen Worte zu finden. Ich will hier keinesfalls in eine Position kommen, in der es heißt, dass ich nur meinen Stuhl haben will. Das vorneweg: Ich würde selbst bei einem Angebot das Amt ablehnen. Das müsste schon ein sehr langer Prozess sein, in dem alle äußerst zufrieden sind und man sich wirklich einig ist. Keine schnelle Wahl, bei der ein paar Leute schnell ins Zimmer hüpfen. Ich möchte Hans zitieren. Natürlich hatten wir damals einen Vertreter bei der Gründung des Verbandes, der mit aufs Foto kam. Aber der Grund warum er da war ist der, dass er sich den ganzen Prozess angeschaut hat, wie die Gründung ablief. Das war am Ende auch der Grund, warum wir nicht Gründungsmitglied waren. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Um das Ganze noch einmal ein wenig abzurunden: Ich habe Respekt vor allen in der Branche. Meine Anliegen sind, mit dem Hut den ich aufhabe als PENTA und auch KAYDEE Vertreter, neben Geld verdienen und bootstrappen, immer auch wirtschaftliche Interessen. Ich bin Teil der Industrie. Ich liebe diese Branche. Ich brenne für diese Branche. Mein sechsjähriger Sohn wächst mit dieser Branche auf und liebt sie schon genauso. Er fragt mich jeden Tag, lernt und tut und macht. Für mich ist es selbstverständlich auch mal dafür einzutreten.

Ich sehe, wie viele sich jeden Tag abmühen, ich habe mit vielen Kontakt. Es tut mir einfach nur in der Seele weh, dass wir noch solche Missstände haben und jetzt mit dem EEF als für mich aufgeblähtes Werk darüber, in eine noch schlimmere Situation steuern. Das ist mein Empfinden und deswegen auch meine Sorge. Die möchte ich breit und offen darstellen.“

Gaming-Grounds.de:

Kann man die vernachlässigten Nachbarn jetzt noch ins Boot holen, um die Akteure der Szene näher zusammenzubringen?

Andreas Schaetzke:

„Stand ist zuerst einmal am 21. Februar 2020: Man setzt die gesamte E-Sport Welt vor vollendete Tatsachen. Heavy Food, nicht einfach für den Markt, gerade für die, die schon sehr lange dabei sind. Ich will nicht den alten verkorksten Opa darstellen, der sich übergangen und auf den Schlips getreten fühlt. Ich weiß aber, dass sich viele große Industry Leader definitiv im Moment so fühlen.

Ich denke, dass das Konstrukt in sich ein wichtiges Konstrukt wäre, wenn man bei der Basis angefangen hätte. Ich baue ein Haus und die wichtigste Frage des Architekten ist: „Wie ist dein Fundament? Was macht das Grundwasser, wie ist der Boden? Habt ihr da alles richtiggemacht? Wie steht es um die Statik?“. Hier fehlt die ganze Statik in diesem Konstrukt.

Ich muss zugeben, dass ich mich nicht in der Kompetenz befinde mich auszukennen, wie in den Nachbarstaaten die Verbände organisiert sind. Nur ist es Fakt, dass viele Personen auf dem Bild [Gründungsfoto des EEF] keinen großen Wiedererkennungswert haben. Mir fehlen da auch viele, viele große Stakeholder. Ich kenne doch einige große Namen aus Frankreich, Polen, Skandinavien, Tschechien, Russland, auch der Türkei. Ich glaube, die finden sich hier nicht wieder. Ergo: Ich impliziere, wenn der ESBD die größte und vermutlich kühnste Verbandsstruktur ist, fehlen Punkte und Fragen, die auch national, in anderen Ländern, wo die Strukturen vielleicht noch kleiner sind, vermutlich auch nicht valide geklärt sind.

Wenn die Legitimation so in Frage gestellt wird, wie es auch Rechtsanwalt Marian Härtel, der ebenfalls seine Position zu dem Thema abgegeben hat, sagt, ist das wieder ein Schritt zu viel. Der alten Welt auf den Schlips getreten, wieder zwei Fronten. Weil zu schnell gehandelt wird. Ich kann mir nur denken, dass die Suppe, die wir kochen, voller Ehrgeiz, Eifer und guten Zielen, zu viel Salz beinhaltet. Wenn Salz sinnbildlich eigene Interessen darstellt. Warum haben diese jungen Akteure so schnell ohne die Legitimation in ihren Ländern zu erreichen, diesen Schritt gewählt? Ist die Suppe versalzen?

Dort eine Kartoffel hinein zu werfen, das Salz rauszuziehen und das wieder alles abzuschmecken, das ist die große Herausforderung. Das ist glaube ich das Problem, weshalb die Industrie auch so reagiert, warum man auch von einer Art Totgeburt dieses Verbandes spricht. Weil einfach zu schnell, zu übereifrig, zu unbedacht gehandelt wird. Auch wenn die Ziele absolut lobenswert sind, am Ende muss der Kreis sich schließen. Es ist so anstrengend in dieser Industrie. Wenn man sich anschaut, wie viele Jahrzehnte manche Prozesse im Fußball gedauert haben, bis sich die ganzen Verbände und Strukturen gebildet haben und wir hier alles ruck zuck, hau ruck über fünf Tage, fünf Wochen versuchen ist klar, dass wir noch viele Hausaufgaben zu erledigen haben.“


Wir bedanken uns an dieser Stelle für das umfangreiche Interview und die Zeit, die sich Andreas Schaetzke genommen hat, um uns und allen anderen Interessenten seine Meinung und Position noch einmal ausführlich darzulegen. Das Interview wurde am 24. Februar 2020 telefonisch geführt und im Nachhinein transkribiert.

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