Bevor ihr fragt… Ja, Ring of Elysium ist ein Battle Royale Titel. Ja, es ähnelt sehr stark dem einstigen Genre-Platzhirsch Playerunknown’s Battlegrounds und hat teils Ähnlichkeiten mit Fortnite oder Blackout. Aber Tencent Games macht an dieser Stelle vieles anders und manches besser – finden wir. Zudem ist der Titel komplett gratis über Steam spielbar. Aber fangen wir vorne an.

Schon zu Matchbeginn zeigen sich in Ring of Elysium einige wesentliche Unterschiede zu seinen Genre-Konkurrenten. So springen wir nicht aus Flugzeug, Helikopter oder anderem Fluggerät, sondern wählen in einer Kartenansicht frei unseren eigenen Startpunkt. Die Karte ist dabei in viele kleine Kacheln unterteilt, auf denen sich jeweils nur Spieler eines Teams platzieren können. Eine weitere Besonderheit: Auch die Startpunkte der anderen Spieler sind sichtbar. Das ermöglicht schon vor Spielstart taktische Spielereien und verhindert, dass man den perfekten Fallschirmsprung landen muss, um ein eventuelles Rennen um die erste Waffe gewinnen zu können. Aber genau dieses gebe es in Ring of Elysium so oder so nicht, denn:

Auf der Karte wählt ihr Startpunkt und Ausrüstung.

Gefährlich ab Sekunde 1

Im gleichen Menü, indem wir zu Beginn unseren Startpunkt wählen, dürfen wir uns zwischen drei verschiedenen Klassen entscheiden, die mit verschiedenen Startausrüstungen, Gadgets und sogar Waffen daher kommen. Darunter fällt in den ersten beiden Klassen eine Pistole, bei der dritten sogar eine Schrotflinte.

Option 1: Ein sehr mobiler Charakter, der einen Gleiter bei sich trägt und jeden Hügel für den eigenen Vorteil nutzbar macht. Je größer die Anhöhe, desto besser. Nachteil: Er bekommt kaum etwas in die Tasche. Wir müssen uns also doppelt und dreifach überlegen, was wir mitnehmen. Da bleibt die Rauchgranate schon mal auf der Strecke.

Option 2: Ein Snowboarder! Ja, richtig. Er hat ein Snowboard dabei. Auch das hilft an vielen Stellen der bergigen und verschneiten Landschaft enorm bei der Mobilität und ermöglicht euch auch ohne Fahrzeug ein zügiges Vorankommen. Er bekommt außerdem schon etwas mehr in seinen Rucksack und ist in einer Tragkraft nicht ganz so begrenzt wie Option 1.

Option 3: Der Heavy von RoE. „Ich pack‘ alles ein, was ich seh!“ Gut, etwas überspitzt, aber die dritte spielbare Klasse macht sich nochmals durch stark erhöhte Tragkraft bemerkbar. Da machen 400 Schuss Munition, ein paar Medizinkoffer und etliche Granaten kaum Probleme. Diesen Vorteil erkauft sich der Bergsteiger aber durch ein eher träges Bewegungsverhalten. Aber: Diese Variante der Startausrüstung bringt eine Klettermontur mit. Diese erlaubt es euch an speziellen Stellen auf der Karte steile Wände zu erklimmen und Seilbahnkonstruktionen zu missbrauchen, um euch von A nach B zu ziehen. Diese Punkte sind auf der Karte jedoch starr vorgegeben.

Los geht’s!

Der Zonenrand (links) ist nahezu Blickdicht. Schutz und Risiko zugleich.

Klasse und Startpunkt erst einmal ausgewählt geht es dann auch endlich ans Eingemachte. Wir erscheinen am gewünschten Punkt und looten drauflos was das Zeug hält. Oh cool, ein Rotpunktvisier. Erstmal eingesteckt, noch ist keine Waffe da, auf die wir es schrauben könnten. Nächstes Haus. Endlich ein Sturmgewehr. Eingesammelt, nachgeladen und… Die Zieloptik von eben direkt auf der Waffe. Wow. Direkt der nächste Aha-Moment. Eines der Features, die ich mir persönlich in PUBG seit Monaten, gefühlt Jahren, wünsche. Aufgesammelte Attachements werden automatisch an die nächstbeste Knarre gesteckt. Fantastisch. Endlich nicht mehr unter Zeitdruck im Inventar Sachen hin und her klicken zu müssen, wenn doch jede Sekunde der Feind durch die Tür kommen könnte.

Wenn die erste Ausrüstung gesammelt ist, geht’s mit dem an der Straße gefunden Auto Richtung Zone. Ich steige ein und: Sitze automatisch auf dem Fahrersitz. Ich bin erneut begeistert, es kann doch so einfach sein. Kein STRG-1 Gehämmer mehr, sobald ich ein Vehikel betrete. Auch die Zone selbst bietet eine willkommene Abwechslung. Statt zufällige Kreise auf dem Spielgebiet kontinuierlich zu verkleinern, werden abgesteckte Gebiete nach und nach aus dem Spielbereich gestrichen. Als ich einmal sehr spät dran bin und tatsächlich kurzzeitig durch den gefürchteten Schneesturm eilen muss, um in den sicheren Bereich zu kommen und nicht zu erfrieren, sehe ich vor mir auf einmal eine nahezu blickdichte Wand. Man kann kaum durch den Zonenrand schauen. Auch das gefällt sehr gut. So wird das allzu nervende „Blue Zone Shooting“ aus anderen Battle Royale Titeln deutlich erschwert und bringt auch ein Risiko für direkt im Eingangsbereich wartende Spieler mit sich.

Der Helikopter als letzter Ausweg

Der Rettungshelikopter bietet den einzigen Ausweg aus dem frostigen Überlebenskampf.

Besonders erfrischend gestaltet sich dann auch das Rundenende. Statt eines Mini-Kreises, der den Spielern kaum noch Platz zum Verstecken geschweige denn Luft zum Atmen lässt, nähert sich in RoE in der letzten Zone ein Rettungshubschrauber mit vier Sitzen. Dieser lässt eine Leiter zum Boden herab. Der Rest ist Fantasie.

Diese gestalterische Option des finalen Spielabschnitts bringt ebenfalls neue taktische Möglichkeiten und Optionen mit sich. Gehe ich für einen „Fast finish“ und stürze mich auf die Leiter, sobald sie herabgelassen wird? Suche ich mir eine höher gelegene Stelle, gucke mit meinem Zielfernrohr auf die Leiter und warte auf Fluchtwillige? Oder suche ich doch rund um den Helikopter genau die Spieler, die ihren Fokus auf die einzige Fluchtmöglichkeit gerichtet haben? Doch allzu lange bleibt die eigene Taktik meist eh nicht geheim, denn kurz nach dem Einläuten der kritischen Phase werden die Positionen aller Verbliebenen auf der Karte offenbart…

Spielgefühl und Umgebung

Soviel zum Spielablauf. Wie fühlt sich Ring of Elysium an? Man merkt dem Spiel auf jeden Fall an, dass es noch nicht allzu lange auf dem Markt ist. Angefangen von matschigen oder nicht geladenen Texturen und kurzzeitigen Rucklern oder Lags zu Spielbeginn über teils doch sehr erstaunliche Kollisionsberechnungen von oder mit Fahrzeugen. Aber das sehen wir ja in anderen Titeln des Genres heute auch noch. Generell ist das Spiel grafisch nicht ganz auf der Höhe der modernen Shooter-Zeit, macht aber dennoch einen hübschen und runden Gesamteindruck. Die Gestaltung der Spielwelt ist liebevoll und detailliert. Von vereisten Tieren über einen gigantischen Hirsch als Stahlgerüst finden wir jede Menge Sehenswürdigkeiten auf unserer Überlebenstour.

Beim Erkunden der Spielwelt fällt nicht nur dieser riesige Hirsch ins Auge.

Das Gameplay bietet eine gesunde Mischung aus dem doch recht Realismus bestrebten PUBG und dem super arcadigen Blackout. Das Spiel fühlt sich deutlich schneller und „direkter“ an als PUBG, lässt einem zwischenzeitlich aber auch mal einen Augenblick zum Durchatmen, wenn wir beispielsweise mit dem Gleiter durch die Lüfte fliegen oder mit dem Snowboard eine Piste runterdonnern. In dieser Abwägung muss jeder seinen bevorzugten Titel selbst wählen, mir persönlich gefällt dieses Mittelmaß aber wirklich gut.

Fazit

Wenig schwer zu erkennen bin ich sehr angetan von einer wohlgemerkt kostenfreien PUBG-Variante. Und von diesem kann man denke ich aufgrund der insgesamt unübersehbaren Ähnlichkeit durchaus sprechen. Gemessen an dem Zeitraum, die das Spiel nun auf dem Markt ist, ist es bereits auf einem sehr guten Stand und Weg. Man hatte offensichtlich genug Zeit sich bei anderen Genre Ablegern Schwächen abzugucken und im eigenen Titel daran zu feilen. Das Gameplay ist intuitiv und bietet einfache Änderungen, die Genre-Veteranen diverse Aha-Momente bieten können.

Da über den integrierten Season Pass und die anderen für Echtgeld erwerbbaren Inhalte ausschließlich optische Anpassungen freigeschaltet werden können, kann man bei RoE auch in keinster Weise von einem Pay-2-Win Modell sprechen. Lediglich in der Optik und in der generellen Stabilität insbesondere zu Spielbeginn müssen derzeit noch kleinere Abstriche hingenommen werden. Doch nicht umsonst sichert sich der Titel bei 36.000 Gesamtbewertungen auf Steam eine „größtenteils positive“ Note. Für alle Battle Royale-Fans ist Ring of Elysium mindestens zwei Blicke wert.

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Jonas Walter

Spielejournalist bei gaming-grounds.de
Jonas 'Syncerus' Walter ist seit 2010 im eSport-Journalismus aktiv. Nach Beteiligungen an diversen eSport Projekten im redaktionellen Bereich wie MaseTV, ESC Gaming oder Team Vertex ist Gaming-Grounds.de nun die erste eigene Konzeption.

Diese hat die Vision aktuell relevante Themen aus dem Gaming- und eSport-Bereich aufzugreifen und für Videospielbegeisterte an einem Ort zu konzentrieren.
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