Der Streaming-Markt boomt – und das seit Jahren. Das gigantische Potenzial, welches noch immer nicht ansatzweise ausgeschöpft ist, wollen sich nun auch die beiden größten und bekanntesten öffentlich-rechtlichen deutschen TV-Sender ARD und ZDF zunutze machen. Wie die beteiligten am gestrigen Montag erklärten, wolle man die bereits etablierten Mediatheken zu einem gemeinsamen Streaming-Netzwerk ausbauen.

Neben Netflix, Twitch, YouTube und Co. dürfen wir uns bald also auch auf einen Dienst von ARD und ZDF einstellen. Mit dem neuen Streaming-Netzwerk sollen Nutzerinnen und Nutzer künftig in der ARD Mediathek ZDF-Inhalte finden können – und umgekehrt, wie die zugehörige Pressemitteilung des ZDF erklärt. Grund für die Reaktion aus dem öffentlich-rechtlichen Medienraum sei vor allem auch die veränderte Mediennutzung in der Gesellschaft.

Die Inhalte beider Angebote werden weitgehend schrankenlos verfügbar gemacht. Das Konzept wurde am Montag, 21. Juni 2021, vom Vorsitzenden der ARD, Tom Buhrow, und den Intendanten von ZDF und SWR, Dr. Thomas Bellut und Prof. Kai Gniffke, in Mainz vorgestellt.

Über 250.000 Angebote

Zusammen verfügen ARD und ZDF über einen Inhalte-Katalog von mehr als 250.000 Filmen, Dokumentationen, Satire- und Serienstoffen. Das gemeinsame Streaming-Netzwerk soll diesen Schatz an öffentlich-rechtlichen Qualitätsinhalten direkter zugänglich und leichter auffindbar machen – jederzeit abrufbar.

Gleichzeitig können die Nutzerinnen und Nutzer weiter in ihrem vertrauten Angebot unterwegs sein. Die Mediatheken werden dabei immer mehr zu Eingangstüren in den gemeinsamen Streaming-Kosmos. Die Nutzeroberflächen der sendereigenen Mediatheken sollen trotz der neuen Plattform und Struktur bestehen bleiben und bedienen wie bisher die vielen Nutzerinnen und Nutzer, die durch das TV-Programm motiviert („Sendung verpasst“) in die Mediatheken kommen, wird in der Ankündigung weiterhin versprochen.

In dem Streaming-Netzwerk werde zudem eine übergreifende Suchfunktion über beide Angebote eingebaut. Damit lassen sich sämtliche Inhalte besser verlinken. Darüber hinaus bieten beide Mediatheken künftig ein übergreifendes Personalisierungs- und Empfehlungssystem. Es soll den Nutzerinnen und Nutzern Inhalte aus beiden Mediatheken passend zu ihren Interessen anbieten.

Nutzerbasierte Inhalte und Funktionen

Wer sich für eines der Angebote registriert, kann alle Vorteile des Netzwerks vollumfänglich nutzen. Aber auch wer sich noch nicht angemeldet hat, kann sich zum Beispiel gemischte Playlisten aus beiden Angeboten zusammenstellen. Empfohlene und personalisierte Inhalte werden dort abgespielt, wo der Nutzer oder die Nutzerin sich gerade aufhält. Auf diesem Weg lassen sich künftig also auch ARD-Videos in der ZDFmediathek und ZDF-Inhalte bei der ARD abspielen.

Für den Aufbau des Streaming-Netzwerks gehen ARD und ZDF eine umfangreiche technologische Partnerschaft ein. Begünstigt wird die engere technische Zusammenarbeit durch den gemeinsamen Standort beider Mediatheken in Mainz.

Es wird Anpassungen an der jeweiligen Benutzeroberfläche und am Design geben. Auch im Bereich des Datenschutzes werden sich beide Mediatheken enger verzahnen. Künftig wird es nur noch ein gemeinsames Nutzerkonto pro Nutzer geben. Hier legen beide Sender Wert auf einen besonders verantwortungsvollen Umgang mit den Nutzerdaten.

Das Streaming-Netzwerk wird in den kommenden Jahren schrittweise aufgebaut. Es soll darüber hinaus weiteren öffentlich-rechtlichen Angeboten die Möglichkeit geben, sich zu beteiligen. Zuletzt hatten beide Mediatheken bereits die Inhalte des jungen Angebotes funk sowie von ARTE in ihre Mediatheken integriert.

Im Video: ARD und ZDF schaffen gemeinsames Streaming-Netzwerk

In Kürze wird all dies auch noch einmal auf dem offiziellen Tagesschau YouTube-Kanal vorgestellt.