In ganz Deutschland sind am gestrigen Samstag, 23. März, über 100.000 Menschen in über 40 Städten auf die Straße gegangen, um gegen Teile der geplante Reform des Urheberrechts zu protestieren. Einige Artikel – insbesondere stehen Nummer 11, 13 und 17 in der Kritik – werden von Wissenschaftlern, Experten und Nutzern besonders bedenklich gesehen. Viele Aspekte seien im Vorfeld nicht geklärt und einige beteiligte Politiker und Abgeordnete hätten sich thematisch fragwürdig geäußert.

Was ist im Vorfeld passiert?

Axel Voss, Abgeordneter der CDU und Mitglied im Rechtsausschuss des Europäischen Parlamentes, sschrieb auf Twitter beispielsweise von einer „Meme Sektion bei Google“.  Die geplante Abstimmung über die Reform mit den Inhalten, wie sie aktuell geplant und geschlossen am kommenden Dienstag, 26. März, beschlossen werden sollen, rief folglich einen „Shitstorm“ der besonderen Art hervor.

Nachdem eine Online Petition mit über fünf Millionen (!) Unterschriften und etliche E-Mails an Abgeordnete auf taube Ohren und blinde Augen gestoßen sind, so scheint es zumindest, sind aus verschiedensten Richtungen beteiligter Menschen, Berufsgruppen und Organisationen Demonstrationen ins Leben gerufen worden. Sven Schulze, CDU Europaabgeordneter für Sachsen-Anhalt, warf Google im Kontext mit eingehenden Beschwerde E-Mails auf Twitter sogar eine „fake Aktion“ vor. Viele Unterschriften der Online Petition würden indes von Bots stammen, habe es laut diversen Medienberichten von anderen Abgeordneten geheißen.

Über 100.000 auf den Straßen

Am gestrigen Samstag war es soweit. In Berlin sollen es etwa 30.000 bis 40.000 versammelte Demonstranten gewesen sein, in München sogar zwischen 40.000 und 50.000. Mit vielen weiteren mittleren und kleineren Demonstrationen hinzugerechnet bewegt sich die Gesamtzahl der Protestierenden locker im sechsstelligen Bereich.

Eine Übersicht über die bisher bekannten und angenommenen Zahlen zu den einzelnen Städten findet ihr hier:

Nach „Bots“ nun „gekaufte Demonstranten“

Erste Reaktionen aus der Politik ließen nicht lange auf sich warten. Nachdem die angeblichen Bots und Fake Accounts sich nun zu tausenden durch die Straßen schoben, bot ein weiterer CDU Politiker eine Erklärung für die scharfen Proteste. Gegenüber einem äußerst verbreiteten und vergleichsweise unbeliebten Schriftmedium in Deutschland habe Daniel Caspary, Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament, in Bezug auf die bundesweiten Demonstrationen geäußert:

„Wenn amerikanische Konzerne mit massivem Einsatz von Desinformationen und gekauften Demonstranten versuchen, Gesetze zu verhindern, ist unsere Demokratie bedroht.“

Uff. Ob sich Abgeordneter oder Partei damit einen Gefallen getan haben, lassen wir nun einfach mal so dahingestellt. Jedenfalls steht in den Deutschland Trends auf Twitter der Hashtag „#NieMehrCDU“ am Abend des Demonstrationstages und bis spät in die Nacht mal wieder auf Platz 1.

[Anmerkung der Redaktion: Ein Teil der Meldungen des gestrigen Tages machen im positiven Sinne sprachlos, ein anderer im negativen. Ihr dürft raten, wie sich unser Eindruck verteilt.]

Mehr dazu:

Artikel 13: Das Internet und die Politik – Ein Kommentar

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Jonas Walter

Spielejournalist bei gaming-grounds.de
Jonas 'Syncerus' Walter ist seit 2010 im eSport-Journalismus aktiv. Nach Beteiligungen an diversen eSport Projekten im redaktionellen Bereich wie MaseTV, ESC Gaming oder Team Vertex ist Gaming-Grounds.de nun die erste eigene Konzeption.

Diese hat die Vision aktuell relevante Themen aus dem Gaming- und eSport-Bereich aufzugreifen und für Videospielbegeisterte an einem Ort zu konzentrieren.
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