„Ein neuer Zweiter Weltkrieg Shooter, den ich unbedingt spielen muss? Ja ne, ist klar.“

Das werden sich viele von euch sicher gedacht haben, als sie die Überschrift zu diesem Beitrag erblickten und sich zumindest schonmal ganz kurz mit Enlisted auseinandergesetzt haben. Ganz ehrlich? Genau so ging es mir am Anfang auch. Als ich erstmals vom neuen Shooter von Gaijin Entertainment und Darkflow Software hörte, fragte ich mich, wo man zwischen all den Battlefields, Call of Dutys, Escape from Tarkovs, PUBGs und weiteren Shooter-Highlights noch eine eigene Nische finden sollte, die noch nicht mit einem wirklich guten FPS besetzt ist.

Zudem das Setting. Zweiter Weltkrieg. Auch das haben wir schon sehr, sehr oft gesehen. Und dennoch: Ja, ihr solltet euch Enlisted definitiv anschauen, wenn ihr First-Person-Shooter mögt. Nachfolgend verrate ich euch auch, warum.

Enlisted findet die Nische

Obwohl Enlisted auf den ersten Blick für viele sicher nach einer „billigen Battlefield-Kopie“ aussehen mag, ist das Spiel weit davon entfernt genau diese zu sein. Denn auf der einen Seite setzt natürlich auch Enlisted auf große Schlachten im Weltkriegs-Setting, inklusive vieler Infanteristen, die von Panzern und sogar Jägern und Bombern auf diversen Maps unterstützt werden. Es gibt Klassen wie den Ingenieur, den MG-Schützen, den Funker und einige weitere. Diese sind auf verschiedene Waffen spezialisiert und bringen selbstverständlich unterschiedliche Sonderfähigkeiten mit sich.

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Doch an dieser Stelle hören die Gemeinsamkeiten mit dem großen Genre-Vertreter von EA und DICE auch schon auf. Denn anders als in den großen 64-Spieler-Schlachten von Battlefield stehen sich in Enlisted eigentlich meist nur zehn bis 15 Spielende gegenüber. Statt einen einzelnen Soldaten zu steuern, befehligt ihr einen ganzen Trupp, der in Form von KI-Kameraden hinter euch her wuselt und sich auf Befehl an bestimmte Positionen und in bestimmte Formationen begibt. Zudem dürfen wir per Knopfdruck jederzeit nach Belieben zwischen allen noch lebenden Trupp-Mitgliedern wechseln.

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Euer Trupp ist immer bei euch und lässt sich einfach kommandieren.

So wirken die Gefechte wie richtig große Schlachten, obwohl sie es theoretisch gar nicht sind. Dennoch ist die Wirkung grandios – die Schlachtfelder sind voll und wir bekommen regelmäßig motivierende Abschüsse – und wissen manchmal nicht einmal genau, ob wir einen Gegenspieler oder nur einen seiner KI-Begleiter erwischt haben.

Das Trupp-System im Detail

An dieser Stelle hört der Fokus in Enlisted auf das Trupp-System aber noch lange nicht auf. Denn dieser stellt einen der motivierendsten Langzeitfaktoren des gesamten Spiels dar. Zwischen unseren Runden dürfen wir nämlich unsere einzelnen Soldaten als auch ihre jeweiligen Trupps auf- und ausrüsten.

Dafür stehen uns innerhalb unserer einzelnen Einheiten gleich drei Talentbäume zur Verfügung, in die wir mit jedem Stufenaufstieg Punkte investieren dürfen. Trupp-, Soldaten- und auch Werkstattverbesserungen helfen uns dabei bessere Waffen zu bekommen, mehr Soldaten in den Trupp aufnehmen zu dürfen und diesen auf gewisse Gebiete zu spezialisieren.

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Jeder Trupp verfügt über eigene Talentbäume.

Auch jeder einzelne Soldat steigt im Level auf und darf mit Waffen sowie Gadgets ausgerüstet werden. Unseren Pool an Ausrüstung und Truppen erhöhen wir übrigens durch Verstärkungskarten, die wir für abgeschlossene Herausforderungen, Achievements und Fortschritte in den einzelnen Multiplayer-Kampagnen von Enlisted verdienen.

Haben wir das variierende Level-Potenzial einzelner Soldaten gleicher Klasse ausgeschöpft, dürfen wir drei gleichrangige Kämpfer der gleichen Klasse in die sogenannte Akademie stecken, wo sie gemeinsam ausgebildet werden und mit höherer Maximalstufe zurückkehren. Allerdings… kommt nur einer der drei Auszubildenden wieder. Das Programm in der Akademie scheint hart zu sein.

Der Nachschub an Versorgungskarten für neue Soldaten, Waffen, Granaten, Gadgets und Co. ist übrigens stets gewährleistet, solange wir unsere immer wiederkehrenden Aufgaben abschließen und uns – ganz neben dem Sieg in den einzelnen Schlachten – auch darauf konzentrieren. Ein tägliches Limit gibt es lediglich für das Tauschen unbeliebter Aufgaben.

Kostenlos – mit Einschränkungen

Ein weiterer großer Plus-Punkt, insbesondere wenn ihr nur mal in Enlisted hineinschnuppern wollt, ist das Free-to-Play Modell, auf das Publisher Gaijin Entertainment setzt. Denn ihr könnt Enlisted ganz einfach über die offizielle Homepage herunterladen und drauf losspielen – ganz ohne Kaufpreis oder Abo-Modell.

Ihren Umsatz generieren die Verantwortlichen durch einen optionalen Premium-Account, der euch unter anderem mehr Erfahrungspunkte gewährt und euch mehr Trupps in die Schlacht mitnehmen lässt. Keiner der Vorteile ist jedoch als wirkliches „Pay-to-Win“ anzusehen, denn außer der größeren Auswahl an Truppen und schnellerem Stufenaufstieg bringt euch dieser im direkten Duell mit den Feinden keinen Vorteil.

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Im Hauptmenü wählt ihr aus, welche Trupps euch im nächsten Gefecht zur Verfügung stehen. Wer einen Premium-Account besitzt, darf zwei Trupps mehr mitnehmen.

Fest steht: ohne Premium-Account müsst ihr mehr Zeit investieren, um das Gleiche zu erreichen. Auch die zusätzlichen Trupp-Plätze bleiben euch verwehrt. Das erfordert gezieltere Entscheidungen, welche Einheiten ihr in welches Gefecht mitnehmt, tut aber dem Spielspaß sonst keinerlei Abbruch.

Gameplay und Variation

Kommen wir zu guter Letzt zu einem der wohl essentiellsten und entscheidendsten Punkte: dem Gameplay selbst. Denn allem voran muss ein First-Person-Shooter gut funktionieren. Damit ist gemeint: flüssige Bewegungen, ein sauberer Spielablauf, gutes Trefferfeedback und natürlich die Abwechslung im Gefecht.

Letztgenannten Punkt erreicht Enlisted vor allem dadurch, dass ihr – wie in vielen anderen Shootern auch – zwischen Waffengattungen und Klassen wechseln könnt. Diese fühlen sich allesamt wichtig und bedeutsam an. Während sich Infanteristen und Sturmsoldaten zumeist daran machen strategische Punkte zu stürmen, sorgen die Aufklärer und Sniper für die nötige Rückendeckung und schneiden im Idealfall auch noch die nachrückenden Gegner vom Kampfgebiet ab.

Die Besatzung von Fahr- und Flugzeugen kümmert sich natürlich in erster Linie um das eigene Vehikel, kann zur Not aber auch aussteigen und im Bodenkampf mitmischen. Funker und Ingenieure fordern Luftschläge an oder bauen kleinere Stützpunkte auf, an denen Verbündete respawnen oder sich mit neuer Munition versorgen können. Sogar Barrikaden in Form von Panzerminen, Stacheldraht oder Sandsäcken dürfen aufgebaut werden. Ihr solltet also definitiv die Rolle finden, die euch am besten gefällt. Zudem dürft ihr, durch die unterschiedlichen Trupps, auch je nach Situation den Gegebenheiten anpassen. Achja. Und dann ist da auch noch Hans. Ihr wisst, welchen ich meine.

Wer so gar nicht auf das Trupp-System spielt, darf sich zudem im Einzelkämpfer-Modus austoben, den die Entwickelnden für Solisten und KI-Feinde integriert haben. Diesen habe ich bisher ehrlicherweise aber links liegen lassen. Immerhin sind die Trupps DAS Alleinstellungsmerkmal des Titels.

Gunplay und Bugs

Das alles entscheidende Gunplay funktioniert in Enlisted ebenfalls sehr gut. Treffer werden erkannt, das Feedback dergleichen ist eindeutig. Wenn ihr euren Schuss getroffen habt, wisst ihr das im Anschluss auch. Durch leichte Hindernisse und dünne Wände dürft ihr bei entsprechender Bewaffnung sogar durchschlagend feuern.

Woran Entwickler Darkflow Software allerdings noch arbeiten muss ist das Klettersystem im Spiel. Dieses funktioniert nur bedingt gut. Des Öfteren ist es mir in den ersten Spielstunden passiert, dass man Soldat einfach nicht durch ein Fenster klettern wollte, welches eigentlich einfach erreichbar zu sein schien. Stattdessen versuchte der Charakter ständig durch die Wand rechts neben dem Fenster zu gelangen – ohne großen Erfolg. Auch Leitern stellen für die Truppen derzeit noch oft ein zu großes Hindernis dar. Insbesondere das Herabsteigen funktioniert wenig intuitiv bis gar nicht gezielt.

Bugs sind mir, trotz der andauernden Entwicklung von Enlisted, insgesamt trotzdem wenig aufgefallen. Von Zeit zu Zeit ragte bei einem Sniper, sobald ich in die Ansicht des Zielfernrohrs wechselte, ein Stück der Rüstung ins Bild, die das gezielte Schießen schwierig bis unmöglich machte. Hier half lediglich das Ableben oder wechseln des Soldaten weiter.

Meinungsblock

Enlisted ist ein First-Person-Shooter, der unglaublich viel Potenzial für langanhaltenden Spielspaß bietet. Das Bezahlmodell ist fair und das Gameplay funktioniert grundlegend super, sofern an einigen Stellschrauben noch etwas gedreht wird. Insbesondere für Shooter-Liebhaber, die von ihrem bisherigen „Hauptspiel“ genervt sind, Abwechslung suchen, auf den Release von Battlefield 6 Ende des Jahres warten oder ein innovatives Feature testen wollen, können durchaus ohne Bedenken einen Blick in Enlisted werfen. Kost‘ ja nix!

Ich finde: als FPS-Enthusiast muss man hier zumindest Mal kurz hineinschauen!

Open Beta Trailer – Ein erster Blick ins Spiel

Einen ersten Eindruck bekommt ihr auch im Open Beta Trailer, falls ihr diesen noch nicht gesehen habt.