Final Fantasy XIV erlebt derzeit einen unglaublichen Aufschwung. Höchste Zeit, dass sich auch unser MMO- und RPG-Enthusiast PAWL einen eigenen Eindruck verschafft. Welche Vorzüge hat das Final Fantasy-MMO – und welche nicht? Seine ersten Eindrücke schildert er im heutigen Beitrag.

So! Es wird endlich an der Zeit, dass auch ich mal aus meinem Loch gekrochen komme und dem bereits elf Jahre alten Final Fantasy XIV einen Ersteindruck schenke. Obwohl das Spiel aktuell immer erfolgreicher wird, habe ich bis jetzt einen großen Bogen um dieses MMO gemacht. Doch damit ist nun Schluss. Hiermit stelle ich mir die Frage, ob FF XIV Online mich als größten Skeptiker, ja fast sogar „Hater“, beschwichtigen oder sogar doch überzeugen kann. Wir werden es am Ende sehen.

Prämisse

Zu aller erst: Es handelt sich um einen höchst persönlichen und subjektiven und vorurteilsbehafteten Ersteindruck bis Stufe 20 und ich habe nicht den Anspruch jedes winzig kleine Detail in aller Tiefe zu analysieren. Bevor es also weiter geht, möchte ich zunächst einmal die Rahmenbedingungen erklären, damit kein falscher Eindruck entsteht. Ich habe leider einige Vorurteile in meinem Bild asiatischer Rollenspiele und dadurch schiebe ich diese dann auch etwas schnell in eine Schublade, weil ich es einfach „aus Prinzip“ nicht mag. Ja, das klingt blöd, ist aber leider so. Es entspricht eben aus vielen Gründen einfach nicht meinem Geschmack.

Ich mag keine niedlichen Katzenkostüme. Ich mag keinen übertriebenen Kitsch. Ich mag keine Reizwäsche oder gar „Schulmädchen-Outfits“ in Computerspielen. Ich mag es lieber düsterer, erwachsener und ernster. Und da habe ich mit meinen Vorurteilen schon den ersten Konflikt mit Final Fantasy. Dennoch: Hiermit möchte ich über meinen eigenen Schatten springen und mich aufrichtig einem Genre öffnen, welches ich eigentlich nicht anrühren würde. Denn eines will ich immer sein: Offen gegenüber neuen Dingen.

Charaktererstellung

In der Charaktererstellung geht es nämlich schon los. Es fällt mir schon schwer einen erwachsenen Avatar zu erstellen, weil die meisten Gesichtszüge der Völker doch sehr jugendlich wirken. Schließlich finde ich nach etwas Suche doch eine Variante bei den Hyuan, die meinen Wünschen entspricht. Im Nachhinein merke ich aber doch, dass es eine gesunde Mischung bei der Darstellung der Charaktere gibt.

Viel irritierter bin ich aber, wenn ich zwischen den weiblichen und männlichen Charakteren hin und her schalte. Während sich die männlichen Protagonisten in einer schützenden Lederrüstung präsentieren, wird bei den Frauen nur das Nötigste mit einem sehr knappen Rock mit Strapsen und bauchfreier Kleidung bedeckt. Ich frage mich, wie das im Eifer des Gefechts helfen soll und vor allem welche Fantasie damit bedient wird. Ich meine, Strapse und Minirock mit deutlichem Blick auf die Unterwäsche? Was soll das? Naja, lassen wir das.

Die erste Stunde

Nach der Charaktererschaffung leitet uns das Spiel mit einem Ingame-Intro in das Spiel ein. Auch hier muss ich mich fragen, wieso die Schöpfer qualitativ hochwertige Zwischensequenzen mit unterschiedlichen Kameraperspektiven und animierten Lippen produzieren, aber dann die Vertonung komplett rauslassen. Wieso wird uns durch die Art der Videosequenz suggeriert, dass es eine Vertonung gäbe, diese aber fehlt? So entsteht bei mir der Eindruck, als das ich eine unfertige Alpha-Version spiele, in der die Synchronisation eben noch nicht fertig ist.

Sobald mir die Kontrolle über das Spiel übergeben wird, kommen auch die üppigen Tutorial-Popups ins Spiel. Da sie mir direkt zentral und recht aufdringlich angezeigt werden, klicke ich diese arroganterweise selbstverständlich einfach weg. Ich bitte euch, nach 16 Jahren MMO-Erfahrung habe ich doch keine Tutorials mehr nötig. Das Spiel funktioniert aber erstaunlicherweise intuitiv genug, also habe ich die Tutorials bisher noch nicht vermisst.

Die erste Stunde verbringen wir in geschützter Umgebung und wir werden innerhalb der Start-Stadt auf viele Botengänge hin und her geschickt. Für meinen Geschmack dauert diese Phase auch locker 30 Minuten zu lang, denn bis ich zum ersten Mal etwas Action erlebe, vergeht eben eine Stunde.

Während ich also so durch die Stadt renne, begegne ich vielen NPCs und auch echten Spielern. Der anfängliche Schock der leicht bekleideten weiblichen Charaktere wird zum Glück auch stark entkräftet, denn die allermeisten Charaktere sind durchaus eines Abenteuers angemessen gekleidet. Hin und wieder sehe ich aber eben diejenigen, die in allernötigste Lingerie gehüllt sind. Das darf natürlich aus der Sicht der Spieler-Selbstbestimmung erlaubt sein. Ich möchte an dieser Stelle nicht die Büchse der Pandora öffnen und oute mich einfach nur damit, dass knappe Bekleidung in Rollenspielen nicht meinem Geschmack entspricht und akzeptiere diese Designentscheidung.

Grafik, User Interface und Stimmung

Die Grafik zeigt sich für ein elf Jahre altes Spiel durchaus akzeptabel. Obwohl man merkt, dass die Engine stark in die Jahre gekommen ist, merkt man beim Map-Design auch, dass sich dort viel Mühe gegeben wurde. Andererseits kommen mir Farb- und Funkenfeuerwerke während des Kampfes entgegen, die jede ach so kleine Fähigkeit mit epischen Animationen untermauern müssen. Hier bedient sich Final Fantasy Online natürlich bei den Vorgängern, in denen die einzelnen Attacken stets von effektreichen Superlativen geprägt waren. Das ist eine Spur zu dolle für mich.

Das User Interface ist wie bei den Vorgängern auch leicht futuristisch angelegt. Da das Spiel aber in einem mittelalterlichen Fantasy-Setting spielt, wundere ich mich über diesen Stil. Auch das soll mich nicht groß stören.

Grundsätzlich versprüht mir Final Fantasy Online aber zu viel Kitsch, angefangen bei der übermäßig positiven Musik, bis hin zu den Tschakka-Jubelschreien nach Beendigung eines Dungeons. Irgendwie ist der Artstyle grundsätzlich nicht meins.

Leider gibt es im User Interface noch zwei weitere Punkte, die mir negativ auffallen. Ich finde keinen Shortcut, um in der Weltkarte auf die übergeordnete Karte zu wechseln. Da ich in der Welt noch ziemlich orientierungslos bin, bin ich häufig auf die Navigation auf der Karte angewiesen und muss regelmäßig rein- und rauszoomen, damit ich einordnen kann, wo ich überhaupt bin. Da es keinen Shortcut gibt, muss ich immer den kleinen Knopf oben links bedienen, was einfach nicht sehr komfortabel ist.

Außerdem finde ich es manchmal sperrig, wenn man als Teil seiner Aufgabe mit Objekten in der Welt interagieren und dafür einen Gegenstand aus dem eigenen Inventar nutzen muss. Hierfür muss man die Interaktion jeweils starten und im Inventar auswählen, mit welchem Item dies passieren muss. Da es sich immer um dasselbe Item handelt, frage ich mich, wieso der Spieler dieses immer auswählen muss.

Dies sind aber tatsächlich nur kleine Wehwehchen, die ich sehr gut verkraften kann. Aber erst einmal genug zur Grafik und zum User Interface, denn was ja überzeugen soll, ist das Gameplay.

Gameplay

Und hier geht mein Gemecker leider weiter. Es sind die Dialoge. Was mich sehr stört sind die Dialoge und wie diese das Gameplay beeinflussen. Jeder Dialog mit NPCs zergliedert sich auf weitere beliebig viele Sprechblasen, die jeweils einzeln geklickt werden müssen. Währenddessen stiehlt mir das Spiel die Kontrolle über meinen Charakter. Ich kann es nicht ab, wenn ich das Gefühl bekomme, unnötig auf Dinge warten zu müssen und nicht weiter spielen zu können. Ich bin ein sehr ungeduldiger Spieler, der nicht wirklich an allen Quests und Dialogen interessiert ist, also möchte ich diese schnell wegdrücken.

Auch NPCs, die lediglich dazu da sind, mich in eine andere Zone zu befördern, sei es per Luftschiff oder per Aufzug, zwingen mir mehrere Sprechblasen auf. Ich finde, dass das den Spielfluss stark stört. Wenn dann noch Server-Latenzen hinzukommen und ich noch einem Dialog noch länger auf die Kontrolle über meinen Charakter warten muss, dann ärgert mich das doch sehr. Man mag sich darüber streiten, ob ich dann überhaupt richtig in diesem Spiel bin, aber das ist halt mein Spielstil. Vielleicht muss ich etwas mehr Geduld aufbauen.

Auch wenn ich mir darüber bewusst bin, dass ich auf Stufe 20 meinen Charakter und seine Fähigkeiten bei weitem nicht ausgeschöpft habe, fällt mir bei meinem Gladiator der Global Cooldown im Kampf doch stark auf. Ich darf alle 2.5 Sekunden eine aktive Fähigkeit ausspielen, wenn man dann nur drei bis vier Fähigkeiten besitzt, dann fühlt sich der Kampf sehr starr und langsam an, während man immer darauf wartet, bald wieder eine Taste drücken zu dürfen. Aber wie gesagt, das wird bestimmt später besser und actionreicher. Auch bei den Dungeons verspreche ich mir in der Zukunft mehr Spannung, denn der Stufe 16 Dungeon, in dem ich bisher war, war nicht wirklich fordernd oder spannend.

Quests

Während ich in der offenen Welt so die Gebiete durchstreife und meine Quests erledige, fallen mir zwei Dinge doch positiv auf. Die Quest-Struktur ist einfach und man bekommt immer angezeigt, wo man hin muss. Dies ist für mich, der grundsätzlich keine Quest-Texte liest, ein Segen, aber auch ein von mir selbstgemachter Fluch. Denn es ist mir durchaus schon passiert, dass ich einfach blind irgendwelchen Zielen hinterherlaufe, um dann zu merken, dass ich auf einmal in einem zwar weit entfernten Quest-Gebiet bin, dieses aber deutlich unter meine Stufe ist.

Nun denn, selbst schuld, wenn man wirklich gar nichts liest. Weiterhin fallen mir die dynamischen FATE-Events positiv auf, die die Karte mit zufälligen Ereignissen beleben. Ich sehe mich immer wieder zu diesen FATE-Events hinlaufen, nur um noch den einen und anderen Erfahrungspunkt abzustauben.

Offene Fragen

Sehr viele Dinge bleiben für mich noch offen, weil ich natürlich nur an der Oberfläche gekratzt habe. Obwohl der Ersteindruck für mich ziemlich ernüchternd ist, ahne ich die Stärken des Spiels etwas weiter am Horizont. Obwohl dieser Beitrag wahrscheinlich ziemlich negativ klingt, habe ich doch unterm Strich irgednwie Spaß daran, weil es als Ganzes doch funktioniert und mich beschäftigt. Deshalb ist dies hier bei weitem kein abschließendes Fazit zu Final Fantasy Online, es ist lediglich ein Sammelsurium erster Gedanken. Denn eines konnte ich bisher nicht sein: Fair gegenüber dem Umfang des Spiels.

Was mich allerdings doch gepackt hat, ist die Jagd nach der Maximal-Stufe. Ob ich diese jemals erreichen werde, weiß ich nicht. Aber mit Sicherheit werde ich doch noch einige Stunden in dem Spiel verbringen wollen, um eine weitere Einschätzung abgeben zu können. Passend zum Steam Summer Sale konnte ich mir das Hauptspiel inklusive Shadowbringers für knappes Geld zulegen, und wenn ich anderer Meinungen Glauben schenken darf, dann soll das Spiel ab diesem DLC noch einmal kräftig an Fahrt gewinnen.

Um aber die anfängliche Frage zu beantworten: Bisher schafft es Final Fantasy Online nicht, mich zu einem Fan zu machen. Ich arbeite aber daran!

Im Video: Kann Final Fantasy XIV Online 2021 überzeugen?