Zu den vielen großen Unternehmen, die sich mittlerweile im E-Sport engagieren, gehört auch Automobilhersteller Ford. Mit dem Projekt „Fordzilla“ ist Ford momentan vor allem im Sim-Racing aktiv und stellt Teams in mehreren Ländern. Die Leitung der deutschen virtuellen Rennfahrer übernimmt dabei Angelo, den viele Menschen im Internet durch seine zusätzliche Aktivität als Content Creator auf YouTube und Twitch.tv auch unter seinem Nickname ‚aSmoogl‘ kennen dürften.

Gaming-Grounds.de hat in einem ausführlichen Interview mit Angelo gesprochen, um über sein Engagement bei Ford, seine persönliche Karriere im Netz, das neue P1 Projekt und vieles mehr zu sprechen. Wie bekommt man diese Dinge unter einen Hut? Kann man davon leben und wie kommt man überhaupt an so eine Position? Wenn euch die mehr oder weniger direkten Antworten auf diese Fragen interessieren, lest genau hier weiter.

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Angelo über seine Karriere, Fordzilla und das P1 Projekt

Teil 1: Angelo und sein ganz eigener Weg

Hallo Angelo! Schön, dass du dir heute die Zeit genommen hast, mit uns über dein Engagement im Fordzilla E-Sport-Team zu sprechen. Viele dürften dich eher unter deinem Nickname ‚aSmoogl‘ kennen. Stell dich doch bitte ganz kurz für alle jene, denen das immer noch nichts sagt, vor. Wer bist du und was machst du?

„Ich bin Angelo, ich bin 29 Jahre alt und bin jetzt seit ungefähr vier bis fünf Jahren auf YouTube und seit drei Jahren auf Twitch unterwegs. Ich habe damals mit Heroes of the Storm Einsteigerguides angefangen. Das ist ein MOBA von Blizzard, was ein bisschen an League of Legends angelehnt ist. Dann habe ich sehr viel zu Overwatch gebracht, womit ich sehr sehr viel Spaß hatte. Dann mache ich noch Dinge wie Bühnenmoderation und die Zusammenarbeit mit anderen Influencern.

Das war in den letzten Jahren sehr abwechslungsreich und ich habe sehr viele unterschiedliche Dinge gemacht. Das ist auch mit einer der Gründe, warum ich diesen Job so gerne mache. Ich arbeite aber parallel noch ganz normal in der IT-Branche. Das heißt, das ist alles derzeit noch eine Sache, die ich nebenbei mache.“

Ist es langfristig dein Plan, das Ganze zu deinem Vollzeit-Beruf zu machen?

„Ich sitze gerne hier und mache mir so einen Masterplan. Einfach um mal zu gucken: Was möchte man in zwei bis drei Jahren machen? Da zählt vieles von dem, was ich jetzt sage, schon zu meinem Hauptberuf dazu. Weil man so viele Leute kennenlernt und so viele Möglichkeiten hat, um coole Projekte aufzuziehen. Ich bin auch ganz ehrlich. Durch meine normale Arbeit ist der Sicherheitsaspekt für meine Familie, die ich selber habe, derzeit einfach gegeben.

Wir merken das jetzt aktuell gerade, um das Thema mal kurz aufzugreifen, bezüglich unserer Quarantäne Zeit, die wir derzeit haben, ist es jetzt gerade nochmal umso wichtiger sich ganz genau Gedanken zu machen: Wann möchte man denn den Sprung wagen? Ich habe da auf jeden Fall Ambitionen und ich weiß auch schon, dass ich in diese Richtung gehen werde. Es ist nur eine Frage der Zeit, aber ja. Es ist definitiv ein Ziel für mich.“

Nach diesem kurzen Ausblick gehen wir nochmal einen Schritt zurück. Wie bist du denn eigentlich dazu gekommen, dass du beim Hobby Zocken angefangen dir nebenbei etwas in dieser Richtung aufgebaut hast?

„Ich komme ja ursprünglich aus der IT-Branche. Dort habe ich damals mit unterschiedlichen Systemen gearbeitet. Ich habe eine normale Ausbildung zum IT-Systemkaufmann gemacht und dort relativ viel in Projekten gearbeitet. Es gab irgendwann diesen Moment, ungefähr vor fünf Jahren, wo ich mir gedacht habe, dass die Arbeit an sich schon Spaß macht, aber irgendetwas fehlt mir halt. Dieses kreative Ausleben. Du hast ganz oft diese Entscheidungsketten, du musst lange warten. Das, was bei jeder größeren Firma ganz einfach gegeben ist.

Dann habe ich mir überlegt: Was mach ich denn gerne? Ich habe super viel ausprobiert. Ich hatte meistens so ein Hobby oder ein Interesse für so ein halbes Jahr und dann hab ich immer gedacht „Das mach ich jetzt!“ und ein halbes Jahr später dann „Ich werde jetzt Klavier spielen lernen!“, oder was auch immer. Irgendwann kam es dann zum Zocken, weil ich mir gedacht habe „Ey, ich habe schon mit drei Jahren angefangen zu zocken“. Ich quatsch meine ganzen Freunde immer wieder voll. „Habt ihr schon das und das gesehen“ oder „Habt ihr schon das neue Update gesehen?“.

Dann habe ich mir überlegt, warum ich nicht eigentlich Videos dazu mache. Dann habe ich ein Publikum, was sich auch wirklich dafür interessiert und ich kann mit meinen Freunden wieder ganz normal reden, ohne die Jungs mit meinen Games und so vollzuquatschen. Das war sozusagen damals die Intention.“

Du hast es selbst schon angesprochen. Neben den Games übernimmst du auch Dinge wie die Moderation von Bühnen und Ähnliches. Wie ist es dazu gekommen?

„Das hat alles damit angefangen, dass ich bestimmte Spiele gecovert habe, wie beispielsweise Heroes of the Storm. Dann kam Blizzard auf mich zu. Das war sehr sehr cool, weil ich damals als 12-, 13-, 14-jähriger Junge WoW gespielt habe und Blizzard für mich die tollste Firma diesem Planeten war. Plötzlich, 13, 14 Jahre später, stehe ich auf der Bühne und moderiere. Was für ein cooles Gefühl das war. Da war auch mein erster gamescom Auftritt zum Beispiel, wo ich eine Art Shoutcaster und Moderator auf der Bühne war. Das hat so viel Spaß gemacht und war für mich ein riesengroßer Traum, der dann vor ein paar Jahren in Erfüllung gegangen ist.“

Vor dem Hintergrund des immer größer werdenden Berufswunsches Influencer, YouTuber oder Streamer: Wem kannst du aus eigener Erfahrung empfehlen, diesem Wunsch konkret nachzugehen? Kannst du das überhaupt, oder würdest du eher sagen: Mach etwas Sicheres?

„Ich bin persönlich der Meinung, dass man sich auf jeden Fall ausprobieren sollte. Wenn ich eins in den letzten Jahren gelernt habe, dann dass man in unserem Alter, in den 20er Jahren, die Zeit nutzen sollte, um sich auszuprobieren. Ich bekomme die Frage auch ganz oft in meinen Streams „Ich habe Interesse an Games. Wie kann ich denn Streamen?“. Dann antworte ich ganz oft: Probier dich einfach aus. Probier mal wie es ist, mit einer stinknormalen Kamera, mit deinem Game, was du gerne spielst, zu broadcasten. Stream das Ganze, mach Videos und dann wirst du sehen, ob es dir Spaß macht oder nicht.

Man sollte, und das wird ganz oft gesagt, das Ganze nicht nur wegen des finanziellen Aspektes machen und das ist auch ganz, ganz wichtig. Ansonsten landet man in einer Schiene, die man nicht weiterverfolgen möchte, wenn es von Anfang bis Ende nur ums Geld geht. Diesem Traumberuf Influencer zu sein, davon würde ich jedem abraten. Unsicher ist es per se aber natürlich nicht. Es kommt drauf an was man macht. Macht man es nebenbei, kann man irgendwann vielleicht davon Leben. Es gibt so viele Karrieren, die dabei entstanden sind. Wenn man Interesse daran hat würde ich sagen: Probier dich einfach aus und dann wird das schon.“

Nehmen wir dich doch einfach mal ganz kurz als Referenz: Könntest du zum aktuellen Zeitpunkt von deiner Tätigkeit als Influencer und Moderator leben?

„Ich denke ja. Rein theoretisch wäre das möglich. Bei der Selbstständigkeit ist es natürlich im Gegensatz zum normalen Job eine komplett andere Welt. Zum Beispiel das erste Mal so richtig Steuern zahlen. Du hast ein bisschen mehr Geld auf deinem Konto, aber wie viel davon gehört eigentlich dir? Das lernst du nicht in der Schule. Da muss man durch, das muss man alles erstmal lernen. Das ist ein wichtiger Prozess. Aber prinzipiell ja, ich könnte davon leben. Ich wäre auch persönlich dazu bereit, meinen Lebensstandard dafür zu reduzieren. Das ist ja auch ein wichtiger Aspekt.“

Opferst du in diesem Bezug also Lebensqualität für Leidenschaft?

„Wenn ich diesen Schritt irgendwann komplett wage, würde das wahrscheinlich zutreffen, ja. Es ist gut, sich einen gewissen Puffer aufzubauen, wenn man so einen Schritt eben geht. Das ist ganz ganz wichtig meiner Meinung nach. Ich kenne viele Leute, die einen guten Job haben, die auch gutes Geld bringen, die aber einfach nicht glücklich werden. Die sich dann aber auch in ihren 30ern oder sogar 40ern, Gott sei Dank, noch umentscheiden einem Job oder einer Profession nachzugehen, die sie einfach glücklich macht. Da ist dann das Geld erstmal nebensächlich.“

Teil 2: Fordzilla und die Leidenschaft zum E-Sport

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Die Leidenschaft zum Rennsport musste Angelo erst entdecken. Quelle: Ford

Du hast bereits erzählt, dass du schon ewig zockst. Wann ist deine Leidenschaft zum E-Sport dazugekommen?

„Ich hab damals schon als Jugendlicher bei ganz vielen Matches mitgewirkt, wo man noch über gewisse Tools nach 5 gegen 5 Runden gesucht hat in Call of Duty, Medal of Honor und Co. Da habe ich irgendwie immer schon diesen kompetitiven Aspekt sehr geliebt. So richtig E-Sport kam dann aber erst später dazu, als ich die ersten Matches zu Heroes of the Storm gecastet habe. Das gleiche war dann bei Overwatch der Fall, wo ich zum Beispiel die Weltmeisterschaft casten durfte aus deutscher Sicht. Das war unglaublich cool und hat auch mega viel Spaß gemacht.

Dann war ich immer mehr auf Events. Egal ob bei der ESL oder ob du als Caster gearbeitet hast oder auf der Bühne – das mache ich zum Beispiel seit einem knappen Jahr jetzt auch für die ESL. Wenn du einmal in so einem Publikum sitzt und diese Gänsehaut spürst, wenn die Leute ihre Teams anfeuern, dann ist das ein unglaublich tolles Gefühl. Dadurch hat sich das in den letzten Jahren entwickelt. Ich gucke auch selbst tatsächlich die letzten fünf, sechs Jahre sehr gerne sehr viel E-Sport. Das macht einfach Spaß, weil man eine gute Connection dazu hat.“

Welche sind dabei deine liebsten Titel? Du hast bereits viel über Shooter gesprochen. Bleibt es dabei oder bist du überall Feuer und Flamme?

„Ich gucke eigentliche sehr viel gerne, aber am meisten holt mich League of Legends derzeit ab. Bei Counter-Strike gucke ich aber auch gerne rein. Durch meine Tätigkeit im Zuge des Fordzilla Projekts aber natürlich auch Racing, was in eine andere Richtung geht, aber für sich genommen auch unglaublich interessant ist, wenn man sich die Szene mal anguckt – von der man jetzt auch nach und nach mehr erfahren wird, worauf ich sehr gespannt bin.“

Vor dem Hintergrund deiner vielen Leidenschaften: Wie ist es dazu gekommen, dass du jetzt tatsächlich Teamkapitän bei Fordzilla geworden bist?

„Teamkapitän bei Fordzilla bin ich geworden, weil man meine Erfahrung auf YouTube, Twitch als auch im E-Sport Bereich gesehen hat. Auch wenn ich mit Racing vorher nichts zu tun hatte. Ich habe neulich meine Gaming-Sammlung mal ein bisschen aussortiert und habe dann auch ältere Racing Games gefunden, die schon ein paar Jährchen alt sind. Das hat schon immer Spaß gemacht, die zu spielen. Mit Racing per se hatte ich aber noch nichts zu tun.

Ich wurde tatsächlich aufgrund meiner Erfahrung in der Szene insgesamt gewählt, wir haben aber auch Teamcaptains in anderen Ländern, die wiederum ganz andere Qualifikationen mitbringen. Dass sie zum Beispiel absolute Profis im Racing E-Sport sind. Den kann ich bei Zeiten nicht das Wasser reichen. Die können mit dieser Qualität total auftrumpfen, was auch total cool ist, weil wir uns echt gut ergänzen.“

Hast du dich seitdem denn schon selber einmal hinter das Lenkrad geklemmt und versucht dort ein bisschen Fuß zu fassen?

„Auf jeden Fall habe ich das getan! Es gibt aber kein Video dazu und es wird auch keine Videos dazu geben! (lacht) Nein, ich hab mich aus Jux und Tollerei mal hinters Lenkrad geklemmt und es war auch nur mit einem Kumpel zum Beispiel, wo wir versucht haben einfach ein bisschen zu „hotlappen“, also die schnellste Zeit hinzukriegen auf einer Strecke. Das hat schon Spaß gemacht, aber was ist das für eine Liga? Das ist halt amateur Amateur.“

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Apropos selber hinter’s Lenkrad klemmen. Fordzilla bot das auch Besuchern auf der gamescom an. Quelle: graystonefotography.de / Gaming-Grounds.de

Auch wenn du den Akteuren an sich nicht das Wasser reichen kannst: Welche Aufgaben übernimmst du konkret in dem Team?

„Im Endeffekt übernehme ich alle Managementaufgaben für das Team. Das bedeutet, wenn sich bei irgendwelchen Turnieren oder Competitions mitfahren wollen, dann kümmere ich mich darum, dass das alles aufgesetzt wird, das die [Anm. d. Red.: Spieler] genau wissen was es für Regeln gibt, wie man sich qualifizieren kann. Was muss ich machen, um eben Teil davon zu sein?

Genauso habe ich mich um ihr Equipment gekümmert. Um einfach zu schauen: Was brauchst du, um jetzt vielleicht sogar noch ein bisschen schneller fahren zu können? Womit fühlst du dich wohl? Es geht aber auch bis zu regelmäßigen Team-Meetings, wo wir über Updates und aktuelle Themen sprechen.

Was mir mit unter super viel Spaß macht, on top zu den Sachen, die ich gerade eben schon gesagt habe, ist einfach die Kollaboration mit unterschiedlichen Firmen. Das heißt: Ich sitze ganz oft in Meetings, wo wir darüber sprechen, dass wir in der Zukunft Events geplant haben und Fordzilla könnte Teil davon sein. Und dann schauen wir halt einfach, wie wir das am besten auf die Beine stellen können. Das heißt, es geht auch ein bisschen in die Richtung vom Projektmanagement.“

Jetzt haben wir tatsächlich schon ganz viel inhaltlich zum Team Fordzilla besprochen, aber die Grundstruktur noch gar nicht erklärt. Vielleicht erzählst du in ein paar Sätzen ein bisschen etwas über den Aufbau des Projekts.

„Auf jeden Fall. Fordzilla ist ein E-Sport Team, gegründet von Ford. Wir haben insgesamt in fünf Ländern Teamcaptains. UK, Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland. In jedem Team gibt es unterschiedliche Fahrer für unterschiedliche Games. Wir versuchen uns relativ breit zu positionieren, wir wollen unsere eigenen Fahrer anlernen. Wir möchten einfach möglichst breit gefächert in unterschiedlichen Spielen, in unterschiedlichen Racing Games, an den Start gehen.

Das haben wir zum Beispiel bei der Le Mans Esports Series letztens erst gemacht. Da sind wir schon immer wieder bei neuen Rennen mitgefahren. Jeder Fahrer für sich nimmt auch online an unterschiedlichen Events teil, wo sie dann im Namen von Fordzilla fahren. Ich finde die Idee ganz cool von Anfang an, was auch der Grund war, warum ich zugestimmt habe diese Aufgabe zu übernehmen. Ford möchte gerne in ein eigenes Team investieren. Es geht nicht nur darum, auf dem Trikot ein Logo zu branden, sondern es geht darum eigene Leute zu haben, die unter der Flagge von Ford, beziehungsweise jetzt in diesem Fall Fordzilla, fahren. Da haben wir in den nächsten Monaten auf jeden Fall noch einiges vor.“

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Quelle: LE MANS ESPORTS

Du hast bereits erwähnt, dass Ford eigene Fahrer anlernen möchte. Heißt das, dass das Projekt Fordzilla auch auf Breiten-E-Sport ausgerichtet ist?

„Aktuell ist es tatsächlich eher so, dass wir nach Leuten suchen, die vielleicht sogar schon eher semi-professionell unterwegs sind. Ich für meinen Teil, und einige andere auch, haben jetzt schon die Idee nicht nur diese Profi-Sparte anzusprechen, sondern dass wir auch darüber nachdenken, ob wir auch in anderen Games, die vielleicht auch ein bisschen in die lustigere Richtung gehen, ein bisschen Fuß fassen können. Das ist aber Zukunftsmusik.

Nichtsdestotrotz haben wir, um einfach mal einen Fahrer von mir hier an dieser Stelle zu erwähnen, den guten Felix, der sich in seinen großen Van eine VR-Station gebaut hat. Mit dem fährt er bei unterschiedlichen Firmen vor. Dann kannst du da reingehen, um zum Beispiel per VR Gran Turismo zu fahren. Eine total coole Idee. Das sind auch Storys, weil er ein Fahrer von mir ist und auch auf Offline-Events unglaublich gut performed, die wir gerne erzählen. Es ist super cool, dass die Leute so facettenreich sind. Es geht nicht nur darum, die schnellsten Zeiten zu fahren. Es geht nicht immer nur darum, die meisten Competitions zu gewinnen. Bei uns ist es ein bisschen lebhafter, was ich so schön finde. Du lernst die Leute auch persönlicher kennen.“

Tatsächlich eine sehr coole Geschichte. Was ist denn das langfristige Ziel des Projekts? Ist es vorstellbar, dass ihr das Engagement von Ford auch auf andere Titel, außerhalb des Racing Bereichs, übertragt?

„Es wird schon eher im größeren Feld Racing bleiben. Wobei ich auch da nichts sagen kann. Ich kenne den großen Plan nicht. Jetzt als Starting Point finde ich Racing aber passend. Das passt halt zu Ford natürlich auch von der Historie super. Ich kann mir aber auch vorstellen, später andere Teams mit aufzubauen. Das will ich an dieser Stelle auch nicht verneinen, aber das ist alles so weite Zukunftsmusik, da beschäftige ich mich derzeit noch nicht mit. Es ist einfach auch schön, mich derzeit in dieser Racing Welt zurechtzufinden und auch selber etwas Expertise aufzubauen, die ich definitiv brauche, um diesen Job nach und nach besser zu machen.“

Das sind ziemlich viele Aufgaben, die du beim Team übernimmst. Wie schaffst du es zeitlich, das alles, inklusive deiner weiteren Verpflichtungen, die du als Familienvater, Streamer, YouTuber und arbeitender Mensch im Alltag hast, unter einen Hut zu bringen?

„Das ist eine gute Frage. Es ist in der Tat eine interessante Frage, weil ich immer priorisieren muss: Was ist gerade wichtig? Wo brennt es gerade, wo muss ich mich ein bisschen mehr mit auseinandersetzen? Ich denke ein gutes Zeitmanagement ist das Wichtigste. Ich versuche halt, so effektiv wie möglich zu arbeiten. Das klappt auch nicht immer. Es gibt auch Tage, wo das Familienleben, leider, ein bisschen drunter leiden muss. Das merke ich dann in dem Moment und versuche, das hinten raus wieder besser hinzubekommen.

Das ist ein stetiges Abwägen: Was muss ich gerade am ehesten tun, um meine Aufgaben alle richtig auszuführen? Es ist eine Herausforderung, aber das passt ganz gut zu dem, was ich eingangs gesagt habe bezüglich meines Jobs, warum ich überhaupt angefangen habe mit all dem. Jeder muss diese Mentalität für sich selbst finden. Magst du es, 9-5 zu arbeiten? Ich persönlich kann mir das mittlerweile nicht mehr vorstellen, einem Job nachzukommen, wo ich am Nachmittag oder abends nicht noch ein bisschen an kleineren Projekten oder so etwas arbeite. Mir macht das super viel Spaß und deswegen sehe ich auch nicht alles von dieser Tätigkeit als Arbeit.“

Ist all das deine Freizeit?

„Ehm. Ja. Würde ich sagen. Auf jeden Fall. Es gibt auch Opfer, die man bringt. Vor allem, wenn man sich nebenbei etwas aufbauen möchte. Das heißt: Ich gehe später schlafen als sonst und ich mache auch parallel nicht mehr ganz so viel, wie ich vielleicht vor fünf, sechs Jahren gemacht habe in meine Freizeit. Wie oft ins Kino gehen, sich mit Freunden treffen oder so.

Es gibt dann immer so Momente, wo ich mir denke, dass ich schon wochenlang meine guten Freunde nicht mehr gesehen habe. Lass uns doch mal wieder an einem Abend was machen. Dann ist das auch okay, aber das ist schon ein wichtiger Aspekt, den man nicht außen vor lassen darf.“

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Angelo muss seinen Tag und damit auch die private Zeit verdammt gut planen. Quelle: privat

Das Problem seine Freunde nicht sehen zu können haben tatsächlich gerade sehr viele. Welche Auswirkungen hat das Coronavirus und die damit einhergehenden Einschränkungen auf dich persönlich und auch auf das Projekt Fordzilla?

„Für mich persönlich wirkt es sich insofern aus, dass wir unsere kleine Tochter Zuhause haben. Die Kita ist zu. Uns fällt halt schon mit der Kleinen so ein bisschen die Decke auf den Kopf, vor allem weil meine Freundin und ich natürlich beide arbeiten sind, wir sind berufstätig. Es ist schon nicht so leicht, sie den ganzen Tag mit coolen Aktivitäten zu betreuen, mit ihr Spaß zu haben und zu spielen.

Nach einer gewissen Zeit ist es dann halt auch egal, ob du das 15. Mal mit ihr puzzelst oder das 20. Mal ein Buch durchliest oder sie zum zehnten Mal Frozen auf Disney+ guckt. Das ist eine riesen Herausforderung neben der Tatsache, dass man seine Freunde nicht sieht und auch die Familie darunter leidet. Insbesondere im April, Mai und Juni haben wir extrem viele Geburtstage, an denen wir uns, wenn es so weitergeht, nicht sehen und das alles nachholen werden.“

Das können sicherlich viele Leser und Hörer nachvollziehen. Nun haben wir noch das zweite Thema Fordzilla. Erfahrungsgemäß hat der E-Sport, vergleichen mit dem herkömmlichen Sport beispielsweise, weniger Probleme. In welcher Hinsicht verspürt ihr aber auch da Einschränkungen?

„Darüber werden wir später bestimmt noch ein bisschen reden, was unser derzeitiges Projekt „Project 1″ betrifft. Um das ganz kurz anzureißen: Wir haben gerade viele Designer, die an einem Projekt arbeiten. Dadurch, dass sie nicht ins Büro können, wird das Projekt zeitlich erstmal nach hinten verschoben. Wir sind zwar natürlich ein E-Sport Team, beziehungsweise mehrere Teams, aber es gibt auch viele Offline-Events und Veranstaltungen, auf die wir gegangen wären. Wir hätten Content umgesetzt, Videos gedreht, wir hätten Interviews geführt, unsere Fahrer bei bestimmten Competitions platziert.

Das fällt alles erstmal ins Wasser. Es wird natürlich geschaut, ob man das eher online gestalten und die Fahrer dort mitfahren zu lassen kann. Es ist aber etwas anderes, als über Messen, wie beispielsweise die Essen Motor Show im letzten Jahr zu gehen mit dem eigenen Team und coole Sachen zu erleben. Das werden wir dann erst in einer geraumen Zeit wieder haben.“

Denkst du, dass diese ganzen Absagen auch für den herkömmlichen und den E-Sport als Ganzes positive Auswirkungen haben können?

„Ich denke schon, dass es generell für die Szene sehr interessant wird. Egal ob es jetzt im Racing E-Sport ist oder im Gaming allgemein, wir können das auch ganz groß aufziehen. Die E3 wird dieses Jahr beispielsweise nicht stattfinden aufgrund eben der Krise derzeit. Viele Entwickler werden sich jetzt Gedanken machen, wie sie trotzdem ihren Zuschauern neue Informationen mitgeben. Ich glaube, da wird sehr viel online eben passieren.

Das wird sowohl im Racing Bereich so sein. Das wird auch in der generellen Gaming- und Unterhaltungsbranche so sein. Ich glaube, das könnte ne Sache sein, an die wir uns ein Stück weit gewöhnen. Natürlich wird irgendwann Normalität einkehren, dass es wieder Events gibt. Dass wieder eine gamescom oder eine E3 stattfinden kann. Aber ich habe zum Beispiel jetzt schon im Zuge der Coronakrise Events erlebt, die lediglich online abgehalten wurden, die echt ganz gut waren. Ich habe mich gefreut in dem Moment, nicht sechs Stunden im Flieger zu sitzen, um mir dann einen Tag ein Event anzugucken. Den Abend muss ich dann noch mitnehmen, weil es keine Flüge mehr gibt. Am Ende habe ich dann drei Tage für ein sechs Stunden Event oder so verbraucht.

Die Events sind immer cool, weil man eingeladen wird. Aber ich kann mir schon gut vorstellen, dass vieles online stattfinden wird. Und Rennen online zu veranstalten zum Beispiel ist im Endeffekt auch eine super leichte Geschichte.“

Denkst du, dass die Situation dem E-Sport auch in Sachen Anerkennung und dem Rücken in die gesellschaftliche Mitte förderlich ist?

„Auf jeden Fall! Also mit einem ganz, ganz großen Ausrufungszeichen! PietSmiet beispielsweise, die haben ihr GPO. Das ist eine Veranstaltung, die auf Twitch ausgetragen wird, rund um Formel 1. PietSmiet hatte sogar schon vor ein paar Monaten die Gelegenheit, Formel 1 auf ihrem Twitch Kanal zu streamen. Die richtige Formel 1!

Aufgrund der Krisensituation waren jetzt sogar Profi-Rennfahrer in der Lage mit anderen YouTubern und Influencern, wie PietSmiet und Dena, Formel 1 zu fahren. Das wurde dann auf Twitch ausgestrahlt, was von Gedankengang her total cool ist, weil zwei Welten miteinander verschmelzen. Zum einen Racing, also der Rennsport, der physisch stattfindet und live im Fernsehen übertragen wird, und dann das, was auf einer Plattform wie Twitch übertragen wird. Ich fand das echt top!“

Denkst du, dass es viele Kritiker aus beiden Lagern der „Originale“ gibt und kannst du die vielleicht sogar ein Stück weit verstehen?

„Es wird bestimmt Leute geben, die sagen: „Echter und wahrer Rennsport gefällt mir besser“. Aber das Feedback, das ich bisher bekommen habe war eigentlich so, dass die meisten Leute interessiert waren. Die Zuschauerzahlen sind auch super. Das bedeutet Interesse ist auf jeden Fall da.

Auf der anderen Seite kann ich mir nicht vorstellen, dass der reine E-Sport Bereich sich denkt: „Warum sollen wir uns mit denen zusammen tun?“. Ich glaube, dass beide Seiten davon echt gut profitieren können. Selbst die Rennfahrer bekommen nochmal ein ganz anderes Image, wenn sie mit Influencern online plötzlich ein Turnier austragen und zeigen, dass sie offen für so etwas sind. Es gibt natürlich Leute die sagen „Hab‘ ich keine Lust drauf, hab ich kein Interesse dran“. Es wird auch irgendwann regulär mit der Formel 1 wieder weitergehen, aber diese Übergangszeit so zu verbringen finde ich super! Wie gesagt. Das Feedback, das ich bisher bekommen habe, ist äußerst positiv.“

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Auf Messen und Events verbinden sich Racing und E-Sport. Quelle: Ford

Lass uns doch noch einmal ganz kurz über die Zielgruppe reden. Wie groß ist generell die Überschneidung, um beim Rennsport zu bleiben, von Formel 1 und allen virtuellen Wettkämpfen im Racing?

„Generell habe ich das Gefühl, dass Interesse immer da ist. Das sehen wir auf Messen. Wir hatten das auf der gamescom 2019, da war ich beim Fordzilla Stand und habe da auch ein bisschen gearbeitet. Da gab es Stationen, wo du Rennspiele spielen konntest. Die Schlangen waren schon lang. Das hätte ich in dem Maße nicht gedacht. Sehr viele Menschen interessieren sich für Autos.

Was ich für uns alle noch als Aufgabe sehe, ist diesen Rennsport einfach auch „breiten tauglich“ zu machen. Es geht darum zu zeigen, dass man daran echt Spaß haben kann. Altersgruppen technisch habe ich alles erlebt. Ob das bei der gamescom war oder auch bei der Essen Motor Show. Ich hab Leute gesehen, die mit 14 Jahren da gefahren sind wie Weltmeister, wie Götter einfach. Wo du dir denkst: „Du hast nicht mal einen Führerschein! Wie kannst du so ein gutes Gefühl dafür haben?“ Wo man sich immer denkt: „Ach, ich fahre schon seit zehn Jahren Auto, ich werde den jetzt auf jeden Fall nackig machen.“ Nein! So sieht es halt nicht aus. Es gibt halt einfach bestimmte Fahrer, die das im Blut haben. Die haben schon von klein auf auch großes Interesse daran. Ich denke, dass wird sich in den nächsten Jahren sehr positiv entwickeln.“

Teil 3: Das P1 Projekt

Das ist doch ein schöner Abschluss für dieses Thema. Du hast vorhin schon ganz kurz euer neues Projekt angerissen, das P1 Projekt. Erzähl doch erstmal ganz kurz: Was ist das? Was steckt dahinter?

„Fordzilla Project 1 ist ein Projekt gemeinsam mit der Community, um ein Auto zu bauen. Um ein Auto zu kreieren, das dann den Weg in Renn-Games finden wird. Das heißt, wir werden Racing Games in der Zukunft haben, wo das Auto, das wir derzeit designen, mit dem Design-Team von Ford, als auch mit der Community, entwerfen.

Wir haben beispielsweise auf Twitter Umfragen gestartet wie „Hättet ihr gerne einen Zweisitzer oder einen Einsitzer? Würdet ihr gerne hoch sitzen oder tief sitzen?“. Da gab es viele verschiedene Umfragen. Aus den Ergebnissen wird jetzt ein Auto gebaut, was dann irgendwann in einem Spiel landen wird. Die Idee finde ich super. Das ist mega cool. Das hat vor ein paar Monaten angefangen, als wir in London bei Ford saßen. Dort hat jeder Team Captain darüber gesprochen, wie sein Zukunftsauto aussehen würde. Was würde ich ganz gerne implementieren und umgesetzt haben? Das, was am Ende jetzt dabei rausgekommen ist, gefällt mir unglaublich gut. Auch das Feedback, was wir auf Twitter bekommen haben, mit 224.000 Votes, war ganz toll. Wir waren sehr positiv überrascht.“

Sieht denn das Auto der Community genauso aus wie das der Team-Captains?

„Es gibt da natürlich große Unterschiede. Ich habe vorhin schon gesagt, wir kommen alle aus unterschiedlichen Bereichen. Es gibt einige, die hätten vielleicht gerne ein Formel 1 Auto. Es gibt andere, die können sich ein lustiges Fun-Auto vorstellen, das auf der Straße definitiv für Aufsehen sorgen könnte. Ich bin derjenige, der gerne ein super edles Auto haben wollen würde, womit ich hier durch Berlin cruisen würde. Es gab schon sehr unterschiedliche Vorstellungen von dem Auto, ja.“

Kannst du verraten, ob die Umsetzung bei der Integration des Autos in ein Spiel verbleibt? Oder ist damit noch mehr geplant?

„Ich kann zum einen nicht sagen, in wie vielen Games es landen wird. Wir stellen uns da erstmal breit auf und sagen: „Wir bauen jetzt erstmal in der virtuellen Welt dieses Auto“. Dann werden wir es unserer Community zeigen und stetig mit den Leuten zusammenarbeiten. Dann werden wir sehen, wo das Auto implementiert wird. Das heißt, das ist alles noch ein bisschen Zukunftsmusik. Jetzt geht es erstmal hauptsächlich um die Planung des Designs und die Umsetzung. Was danach noch alles passieren kann, das lasse ich jetzt einfach mal offen.“

Eine letzte Frage dazu noch: Sehen wir das Auto, von der Community designed, auf der gamescom stehen irgendwann?

„Oh, das ist eine gute Frage! Kann ich nicht beantworten. Aber die Idee ist gut!“ (lacht)

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Schon auf der gamescom 2019 hatte Fordzilla am eigenen Stand einiges zu bieten. Quelle: graystonefotography.de / Gaming-Grounds.de

Welchen Punkt an dem ganzen Projekt findest du am coolsten?

„Am coolsten finde ich, dass, wenn ich zurückdenke, ich vor sechs Jahren jeden Morgen in mein Büro gefahren bin und einfach meiner Arbeit nachgekommen bin und am Nachmittag Zuhause saß, Zeit mit meiner Freundin verbracht und gezockt habe. Und jetzt, sechs Jahre später, ich mit einer so großen Firma wie Ford, einfach ein Auto designe, das dann spielbar in einem Game sein wird. Das ist halt einfach absurd vom Gedankengang her. Wenn ich dasitze und darüber nachdenke, wie der Weg aussah um von Punkt A zu Punkt B zu kommen, … Vor sechs Jahren hätte ich dir sonst was gesagt: „Glaube ich niemals“.

Das ist für mich so ein großer persönlicher Erfolg, dass das egal, was in den nächsten Jahren kommt und egal, was in den nächsten Jahren ansteht, für mich ein Highlight bleiben wird. Ich bin da sehr dankbar für.“

Wie viel von deinem Weg von damals bis jetzt war Zufall und wie viel war geplant?

„Geplant… war meine Zielstrebigkeit und das ich etwas erreichen will. Ich glaube das reicht. Es kommt immer darauf an, was man gut kann und wie viel Ehrgeiz man dann hat. Ich glaube, das hat irgendwie bei mir gepasst. Aber der Zufallsfaktor, wenn ich überlege, welche Leute ich auf welchen Events getroffen habe und woraus dann Projekte entstanden sind…

Das kannst du nicht planen, das passiert einfach. Das ist schon ziemlich viel in dieser kurzen Zeit muss ich ehrlich sagen. Das war nicht geplant.“

Hast du etwas, das du als abschließende Sätze gerne stehen lassen würdest?

„Wir hatten eingangs ja das Thema, ob es Sinn macht sich in dieser Branche einfach mal auszuprobieren oder Fuß zu fassen. Ich würde an dieser Stelle gerne das Interview dafür nutzen, dass man anhand meiner Historie ganz gut sehen kann, dass man coole Sachen machen kann, wenn man sich Ziele setzt und zielstrebig ist. Das kann einen am Ende sehr glücklich machen auf jeden Fall.

Deswegen drücke ich euch allen die Daumen, wenn ihr große Ambitionen dazu habt. Wenn ihr Interesse am Racing generell habt, dann guckt gerne einfach mal bei Fordzilla vorbei. Wir sind bei Twitter und Instagram unterwegs und haben da große Pläne in den nächsten Monaten. Auch zu der aktuellen Krisenzeit gibt es da viel Content, um ein bisschen aufzuheitern und abzuholen.

An dieser Stelle möchte ich mich auf jeden Fall für das sehr, sehr angenehme Interview bedanken.“

Immer gerne. Wir haben zu danken und auch von uns noch einmal vielen Dank für deine Zeit!

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