Das wettbewerbsorientierte Gaming, der E-Sport, wächst exponentiell und bietet mittlerweile weit mehr, als das reine Spielen, Turnierteilnahmen oder Teamstrukturen. Vielmehr ist um den E-Sport auch in Deutschland eine ganze Industrie entstanden. Es finden sich nicht nur professionelle Teamorganisationen, Publisher und Veranstalter, sondern vielerlei Stakeholder, die am ökonomischen System des E-Sports partizipieren.

Von Breitensportvereinen und Verbänden, über Agenturen und Beratungsgesellschaften, bis hin zu nicht-endemischen Marken, die auf E-Sport und auch Gaming setzen. Schließlich sind E-Sportler und Gamer eine interessante Zielgruppe, etwa bei den Themen Employer Branding und Personalmarketing.

Mit diesen neuen Chancen und Möglichkeiten geht einher, dass immer mehr junge Studierende ihre Bachelor- und Masterthesen, Studienarbeiten oder Forschungspaper über E-Sport-Themen schreiben. Falls auch jemand von euch mit dem Gedanken spielen sollte, dann findet ihr folgend einige Tipps, auf die ihr achten solltet.

Interdisziplinär: E-Sport kann viel

Das Erste, was beim E-Sport heraussticht, wenn man sich wissenschaftlich und forschend mit ihm befassen möchte ist, dass er viele Disziplinen in sich vereint. So kann man nicht nur im wirtschafts- oder sportwissenschaftlichen Kontext über E-Sport-Themen schreiben, sondern zu diversen anderen Disziplinen und an unterschiedlichen Fakultäten.

An der Europa-Universität Viadrina finden sich Forschungsarbeiten, die sich mit wirtschaftswissenschaftlichen Aspekten, aber auch mit sozialen sowie gesellschaftlichen Fragen beschäftigen. Derartige Forschungsergebnisse können sogar dazu führen, dass sich direkt in der Gaming- und E-Sport-Szene einiges bewegt, wie jüngst eine Klage gegen den Publisher des Videospiels Fortnite gezeigt hat. Die im Geschäftsmodell von Fortnite genutzte Geldwertillusion würde vor allem Kinder und Jugendliche zum Geldausgeben anstiften, so der Hintergrund der Klage.

Die Forschungsstelle für E-Sport-Recht an der Universität Augsburg wiederum beschäftigt sich mit juristischen Fragen zum E-Sport, die sehr vielschichtig sein können. Hier spielen bei Spielerverträgen zum Beispiel arbeitsrechtliche Betrachtungen eine Rolle, während es beim Thema Gemeinnützigkeit und E-Sport um eher generelle Fragestellungen geht.

An der Sporthochschule Köln untersucht man E-Sport vor allem hinsichtlich physiologischer Aspekte. Hier werden Studien zu Bewegungsabläufen, der körperlichen Aktivität sowie der Stressresistenz von E-Sportlern durchgeführt.

Das sind einige Beispiele für das, was im E-Sport möglich ist, wenn ihr euch im Rahmen eures Studiums damit befassen möchtet. Darüber hinaus sind etwa auch pädagogische, psychologische, kulturelle, naturwissenschaftliche und sogar theologische Fragestellungen möglich. Welche Auswirkungen hat zum Beispiel das Verbot des Videospiels SMITE auf die E-Sport-Szene in Indien?

E-Sport bietet also sehr viele Möglichkeiten. Wichtig ist auch, dass man das Thema aus den richtigen Beweggründen behandelt.

Warum E-Sport und Forschung?

Die Chancen und Potenziale zur E-Sport-Forschung sind immens, auch, um auf sich aufmerksam zu machen und gegebenenfalls eine Stelle im E-Sport-Markt zu finden und gutes Geld zu verdienen. Bei einem Promotionsstudium, das auch im E-Sport-Kontext möglich ist, denken viele häufig auch darüber nach, dass es hilfreich wäre einen Doktortitel zu haben. All das sind aber die falschen Gründe, wenn ihr euch forschend mit E-Sport beschäftigen wollt.

Warum dem so ist? Bei Forschung und Wissenschaft geht es um Neugierde und Leidenschaft für ein Thema. Das ist wichtig, um am Ball zu bleiben, sich wohlzufühlen und gute Ergebnisse zu liefern. Etwas zu tun – und das gilt nicht nur beim E-Sport – um damit Geld und Ruhm zu ernten, ist kein Beweggrund, der euch glücklicher machen oder nachhaltig forschen werden lässt.

Man sollte sich auch immer wieder hinterfragen: Was möchte ich? Was zeige ich? Was behalte ich lieber für mich? So mag am Ende der Promotion ein „Dr.“ vor dem Namen zwar schick aussehen, aber „raushängen“ lassen sollte man sowas nicht. Schließlich geht es beim Forschen nicht darum das eigene Ego zu verlängern, sondern darum, mit Neugierde und Offenheit vielfältige Themen zu ergründen.

Wenn ihr euch aber aus den richtigen Gründen für eine wissenschaftliche Aktivität im E-Sport entscheidet, dann bietet er sehr viel: Spannende Forschungsfelder, vielerlei Themen, einiges an „Neuland“, da E-Sport kaum erforscht ist, sowie Potenzial für eine langjährige und sinnstiftende Tätigkeit im E-Sport.

Aber selbst mit dem richtigen Mindset läuft auch E-Sport-Forschung nicht immer rund.

Problem: Schlechte Quellenlage

Da E-Sport noch relativ jung ist, ist das Phänomen kaum untersucht. Das ist einerseits toll, weil es so einen riesigen Pool an Forschungsfragen und -themen gibt. Andererseits bedeutet das aber auch, dass es kaum Quellen zum E-Sport gibt – insbesondere solche mit wissenschaftlicher Fundierung.

Dem solltet ihr euch bewusst sein, wenn ihr euch entschließt, eure Thesis oder Arbeit zum E-Sport zu schreiben. Die Recherche nach geeigneter Literatur ist lang und oft frustrierend. An vielen Stellen muss man Inhalte und Erkenntnisse aus anderen Bereichen auf den E-Sport übertragen, um überhaupt weiterzukommen.

Fazit

Beim E-Sport habt ihr die Chance noch sehr viel Neues zu erforschen. Es gibt Themen, Problemstellungen und Ideen, die zuvor noch niemand untersucht hat. Ganz einfach, weil das Phänomen E-Sport relativ jung ist. Mit einem E-Sport-Thema könnt ihr also euren Forschungsdrang mit dem Potenzial vollkommen neuer Forschungsfelder verbinden.

Das ist nicht nur spannend für euch, sondern auch für andere Forschende, die so durch eure Arbeit neue Quellen erhalten.