Mit Gloomhaven kommt am 20. Oktober eine Brettspiel-Umsetzung auf den PC, die ich mir unbedingt näher anschauen möchte. Hier und da habe ich bereits andere Brettspieladaptionen gesehen, aber Spiele wie Carcassonne oder Legenden von Andor haben mich bisher nicht überzeugen können. Zu Gloomhaven habe ich andererseits ein ganz besonderes Verhältnis und deshalb wollen wir uns in diesem Beitrag etwas näher mit der Early Access Version beschäftigen.

Wir beginnen mit einer kurzen Erklärung dazu, was die Brettspiel-Version von Gloomhaven ausmacht und widmen uns anschließend der digitalen Umsetzung von Entwickler Flaming Fowl Studios sowie Publisher Asmodee Digital.

Das Brettspiel

Bei Gloomhaven handelt es sich um eine im Early Access befindende PC-Umsetzung von Flaming Fowl Studios der überaus populären Brettspielvorlage. Obwohl ich von Haus aus ein absoluter Brettspiel-Muffel bin, spiele ich die Einsteigerversion „Gloomhaven: Die Pranken des Löwen“ regelmäßig und offen gestanden empfinde ich auch so etwas wie Freude dabei.

Was ist Gloomhaven?

Gloomhaven ist ein Dungeon-Crawler, welchen man im Koop mit bis zu vier Spielern spielen kann. Über das Szenarienbuch wird eine zusammenhängende Geschichte erzählt und darüber hinaus werden wir auch auf unterschiedliche Kampf-Karten mit üblen Widersachern geschickt. Das überragende Spielprinzip entsteht durch die strategische Tiefe und Vielfalt. Jeder Spieler entscheidet sich für eine Klasse und ein dazugehöriges Kartendeck. Dieses Kartendeck eröffnet sich jedoch erst über die Zeit, denn mit aufsteigendem Level unserer Charaktere werden stärkere Karten zur Verfügung gestellt.

Vor jedem Dungeon müssen sich die Spieler also für einen Pool von Karten entscheiden, die sie mit in die Schlacht nehmen. Schon alleine diese Entscheidung kann abhängig vom Dungeon ziemlich schwerfallen, weil man sich bereits jetzt für eine Spielweise entscheiden muss. Innerhalb eines Dungeons fällt die strategische Tiefe nicht ab, ganz im Gegenteil. Für jede Runde wählen wir zwei Aktionskarten aus, während jede Karte eine obere und eine untere Aktion sowie einen Initiativ-Wert hat. Wir können jeweils nur entweder die obere oder untere Aktion wählen, wodurch wir bei der anderen Karte die gegenüberliegende Seite wählen müssen. Nachdem alle Karten einmal ausgespielt wurden, legen wir eine Rast ein, um abgelegte Karten wieder zurück auf die Hand zu bekommen. Einige Aktionen führen allerdings dazu, dass eine Karte komplett aus dem Dungeon verschwindet und somit in dem aktuellen Szenario nicht mehr nutzbar ist.

Es müssen also etliche Dinge abgewogen werden. Mit dem Initiativwert wird die Reihenfolge im Kampf festgelegt und auch das Angriffs-Ziel der Gegner. Spieler mit niedrigen Initiativ-Karten werden also häufiger angegriffen, sie sind die „Tanks“. Dann müssen wir zwischen oberen und unteren Aktionen abwägen und das im Zusammenspiel mit den möglichen Handlungen unserer Mitstreiter. Wir wollen schließlich die bestmöglichen Synergien herausholen. Alles in allem führt das zu höchst strategischen Entscheidungen, die wohlüberlegt sein müssen. Schon alleine das Bewegen und Aufsammeln von Loot wird zur strategischen Frage, weil auch dafür Karten geplant und eingesetzt werden müssen. Innerhalb der Brettspiel-Erfahrung ist mir das tatsächlich schon einen Tick zu langwierig, weil die Spieler gefühlte Ewigkeiten für ihre Entscheidungen benötigen.

So viel an dieser Stelle zur Brettspielvorlage, wer aber noch mehr dazu erfahren möchte, der darf sich gerne bei meinem Arbeits- und YouTuber-Kollegen bei „Brettspiele & mehr“ umsehen. Dennis hat sich ausgiebig mit Gloomhaven beschäftigt und verschiedene Rezensionen dazu verfasst:

Die Umsetzung für den PC

Mit knappen vier Stunden Spielzeit konnte ich mir einen allerersten Eindruck von der PC-Umsetzung machen und diese spielt sich mehr als solide. Die Regeln sind originalgetreu umgesetzt und die Benutzerführung erklärt uns auch recht gut, was wir als Nächstes tun müssen und welche Aktionen noch offen sind. Das üppige Tutorial erklärt die Spielmechaniken ganz genau und bestraft uns tatsächlich auch, wenn wir unsere Karten nicht strategisch perfekt genutzt haben. Obwohl viele Wege zum Ziel führen, gibt es immer einen besten Weg, wie wir unser Ziel erreichen können. Genau diese Perfektion bindet uns das Tutorial auch auf. Für meinen Teil wird die Perfektion etwas zu stringent verfolgt, da die Einführungs-Missionen sofort als gescheitert gezählt werden, wenn wir nur einen kleinen Fehler machen. Aber was solls, darum geht es in Gloomhaven ja auch.

Obwohl es sich hier bei weitem nicht um ein AAA-Spiel handelt, finde ich den Grafik-Stil sehr angenehm. Das User-Interface wirkt logisch und ist ansprechend hübsch gestaltet. Die 3D-Grafik hat einen leicht eigensinnigen Stil, da die Konturen der Räume nochmal besonders hervorgehoben werden. Das führt aber zur besseren Lesbarkeit, was so auf dem Schlachtfeld passiert. Auch die Animationen sind ganz okay gestaltet, kein Meisterwerk, aber ausreichend gut, um nicht negativ aufzufallen.

Neben der vom Brettspiel mitgelieferten normalen Kampagne, bietet das Spiel einen Gildenmeister-Modus, in welchem wir in unterschiedliche Szenarien geworfen werden und uns entscheiden können, welchen von den insgesamt 17 Söldnern wir mitnehmen wollen. Die Söldner werden Stück für Stück freigeschaltet, was uns etwas mehr Zeit gibt, uns mit den Fähigkeiten der Charaktere auseinanderzusetzen. Wie sich die Kampagne anfühlt, kann ich noch nicht beurteilen, da diese erst zur vollständigen Veröffentlichung freigeschaltet wird.

Was bisher noch recht unfertig aussieht, ist die Zeit zwischen den Szenarien, wenn wir uns auf der Landkarte bewegen. Wir bekommen zwar Dialoge zu aktuellen Ortschaften angezeigt, aber mir persönlich fehlt da noch etwas die Struktur. Da ich allerdings noch nicht ewig viel Zeit im Gloomhaven PC-Spiel verbracht habe, kann sich meine Sicht darauf noch ändern. Neben der Weltkarte können wir uns beim Händler mit besserer Ausrüstung eindecken, wir haben einen Blick auf unsere Erfolge und wir können uns mit Gold einen entsprechenden Segen kaufen, welcher uns im folgenden Kampf stärkt. Außerdem können wir die Kartendecks unserer Helden konfigurieren.

Der große Unterschied zur Brettspielvorlage ist die aber Art und Weise, wie wir das Spiel spielen. Obwohl es einen Online-Koop_Modus für bis zu vier Spieler gibt, kann man das Spiel durchaus auch alleine spielen. Theoretisch ginge das bei der Brettspielvorlage auch, aber das würde natürlich nicht wirklich Spaß machen. Wenn wir aber in der PC-Version alleine bis zu vier Charaktere mit ins Spiel nehmen, wird es krass. Ich für meinen Teil bin schon überfordert, mich für die Strategie eines einzelnen Söldners zu entscheiden. Bei vier Söldnern platzt mein Kopf, da ich schlichtweg überfordert bin. Deshalb empfiehlt das Spiel auch nicht geübten Spielern nicht mehr als zwei Söldner mit in einen Dungeon zu nehmen, weil es überfordern kann. Das Spiel skaliert den Schwierigkeitsgrad dann automatisch herunter und passt ihn an die Anzahl der Söldner an.

Abschließende Einschätzung

Ich war im Vorfeld recht skeptisch, ob Gloomhaven am Computer Spaß machen kann. Ich war der Meinung, dass jedes Medium unterschiedlich funktioniert. Ein Brettspiel ist eben kein Computerspiel und deshalb war ich überzeugt, dass eine Brettspielvorlage auch nicht eins zu eins kopiert werden sollte. Erstaunlicherweise funktioniert das Spielprinzip doch ganz gut und die anfängliche Überforderung hält sich dann doch in Grenzen, sobald man auch nicht mehr als zwei Söldner mit in den Kampf nimmt. Dennoch richtet sich das Spiel stark an geübte Spieler, die eine Herausforderung suchen. Als Casual, der nur mal schnell eine Runde „ballern“ will, könnte die strategische Tiefe zu viel sein.

Auf der anderen Seite kann ich mir vorstellen, dass sich das Spielprinzip schnell abnutzt, weil die Core-Loop doch immer die gleiche ist und die Vielfalt nur durch die gewählte Klasse entsteht. Ich bin sehr neugierig auf die Inszenierung der Story-Kampagne und welche Motivation dadurch entsteht. Mit dem Release Ende Oktober schaue ich mit Sicherheit nochmal rein.

Im Video: Gloomhaven PC-Umsetzung – Taugt das?