Nachdem die Halbleiter-Engpässe in der Autoindustrie schon seit einigen Wochen für Einschränkungen in der Produktion sorgen, stellt der andauernde Chip-Mangel nun auch andere Branchen vor große Herausforderungen. Insbesondere Hersteller von Unterhaltungselektronik und Telekommunikationsgeräten sind betroffen. Inwiefern sich die fehlenden Halbleiter-Chips auf die Verbraucherpreise in diesen Bereichen auswirken, hat die Shopping- und Vergleichsplattform idealo analysiert. Das Ergebnis: In den letzten Monaten sind die Preise von Elektroprodukten teilweise deutlich gestiegen.

Um zu untersuchen, ob sich die derzeitigen Halbleiter-Engpässe auch in den Verbraucherpreisen widerspiegeln, hat idealo die Preisentwicklung verschiedener Elektroprodukte analysiert. Dafür wurden die monatlichen Durchschnittspreise einzelner Produktkategorien ab April 2020 bis einschließlich April 2021 betrachtet.

Deutlicher Preisanstieg seit Ende 2020

Viele der untersuchten Kategorien zeigen vor allem in den letzten Monaten einen deutlichen Preisanstieg. In der Kategorie PC-Systeme konnte idealo beispielsweise seit Ende 2020 einen Preissprung von rund 26 Prozent beobachten. Insgesamt sind die Preise für PC-Systeme von April 2020 bis April 2021 um rund 29 Prozent gestiegen.

Auch AV-Receiver sind im Vergleich zu April 2020 teurer geworden. Hier liegt der Preisunterschied bei rund 16 Prozent. Jedoch waren auch in dieser Kategorie vor allem die letzten Monate ausschlaggebend: Seit November 2020 sind die Preise für diese Geräte um 26 Prozent gestiegen.
Für Kühlschränke mussten Verbraucher*innen im April 2021 ebenfalls tiefer in die Tasche greifen als noch im Vorjahr. Hier sind die Preise im Jahresvergleich um etwa elf Prozent gestiegen, wobei der große Preissprung vor allem in den letzten sechs Monaten stattfand.

Auch die Preise für Spielekonsolen und Grafikkarten sind in den letzten Monaten deutlich in die Höhe gegangen. So ist der Durchschnittspreis für Spielekonsolen von April 2020 zu April 2021 um rund 37 Prozent gestiegen. Dieser Preisanstieg ist wesentlich auf die hohen Preise der anhaltend vergriffenen PlayStation 5 zurückzuführen, deren große Nachfrage auch aufgrund des Chip-Mangels derzeit nicht bedient werden kann. Ähnlich verhält es sich mit den Preisen von Grafikkarten: Hier liegt der Preisunterschied im Schnitt sogar bei rund 136 Prozent.

Verbraucherpreise für Elektroartikel steigen
Quelle: idealo

Steigende Preise bereits während des ersten Lockdowns

Ein etwas anderer Preisverlauf zeigt sich bei Homeoffice-relevanten Produkten wie Festplatten, Mainboards und Routern. In diesen Kategorien gab es bereits im Rahmen des ersten Lockdowns aufgrund der hohen Nachfrage und damit einhergehenden Lieferengpässen einen spürbaren Preisanstieg. Nachdem die Preise in den Folgemonaten etwas gesunken waren, steigen sie derzeit infolge des Chip-Mangels wieder merklich an.

So sind die Preise für beispielsweise Mainboards im ersten Lockdown um rund 13 Prozent gestiegen. Nachdem sie im Sommer zunächst auf das Niveau vor der Pandemie fielen, steigen sie seit Ende 2020 wieder sukzessive an. Auch die Preise für Festplatten sind auf idealo.de im Jahresvergleich durchschnittlich um mehr als 20 Prozent gestiegen.

Ein ähnlicher Trend zeigt sich bei Routern – auch wenn diese durch die hohen Durchschnittspreise während des ersten Lockdowns im Jahresvergleich sogar günstiger geworden sind, konnte idealo hier in den letzten zwei Monaten eine Preissteigerung von rund neun Prozent beobachten.

Michael Stempin, Preisexperte bei idealo, sagt:

„Unsere Daten zeigen, dass sich die andauernden Halbleiter-Engpässe offenbar auf die Verbraucherpreise auswirken. Bei vielen Produkten aus dem Elektrobereich können wir insbesondere in den letzten Monaten einen deutlichen Preisanstieg beobachten. Dafür ist einerseits natürlich die extrem hohe Nachfrage nach Elektroprodukten in der Pandemie verantwortlich, aber auch der angespannte Halbleitermarkt hat hier sehr wahrscheinlich einen preistreibenden Effekt. Wer mit dem Kauf betroffener Produkte warten kann, sollte dies also unbedingt tun. Eine kurzfristige Entspannung erwarten wir allerdings nicht.“