Am gestrigen Mittwoch, 5. August 2020, gab der bisherige Präsident des eSport-Bund Deutschland (ESBD), Hans Jagnow, bekannt, dass er sein bekleidetes Amt pünktlich zur Mitgliederversammlung am 30. Oktober 2020 zur Verfügung stellen wird. Nach drei Jahren im Ehrenamt wird mit Jagnow zusammen auch Fabian Laugwitz abtreten, erklärt Jagnow auf Twitter. Demnach wolle man Raum für neue Impulse an der ESBD-Spitze schaffen, heißt es in der Ankündigung weiter.

Er bedankt sich bei allen ehrenamtlich im ESBD Engagierten, bei Mitgliedern und Freunden. Weiterhin erklärt Jagnow, dass „Gesundheit, Beruf und Privatleben“ in der Zukunft mehr Raum in seinem Leben einnehmen werden. Dennoch wäre es eine der schwersten Entscheidungen gewesen, die er bislang zu treffen gehabt habe. Sein Herz stecke im ESBD und er sei stolz auf die vielen Erfolge, die man als Verband gemeinsam erreichen konnte.

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Das Vertrauen, welches in die Handelnden beim ESBD gesetzt wurde, ehre die Beteiligten, führt er weiter aus.

Abschließend formuliert er:

„Wir sind davon überzeugt, dass der ESBD sich in den kommenden Jahren hervorragend entwickeln wird, mit einem erfahrenen Präsidium und einem wunderbaren Team gibt es dafür ein starkes Fundament. Es gibt noch viel zu tun!“

Die Erfolge und Misserfolge des ESBD

Wie wir bereits seit langer Zeit wissen: Die Position und Rolle des ESBD ist – auch innerhalb der deutschen E-Sport-Szene – umstritten. Während sich einige, vor allem kleinere und mittelgroße, deutsche E-Sport-Organisation gut vom Verband vertreten fühlen und die Leistung der Verantwortlichen überaus schätzen, gibt es immer wieder auch Kritik.

Nicht nur an Entscheidungen, grundlegendem Konzept und Struktur wird bemängelt, auch die Ergebnisse und Erfolge gehen vielen selbst in der Szene Aktiven nicht weit genug.

So erklärt Timo Schöber, Head of Esportionary.net und Gastautor auf Gaming-Grounds.de aus ganz persönlicher Sicht:

„Die Entscheidung von Hans Jagnow und Fabian Laugwitz gilt es im ersten Schritt zu respektieren. Beiden ist dies sicher nicht leicht gefallen. Im zweiten Schritt muss sich der ESBD, dessen maßgebliche Entscheider die beiden gewesen zu sein scheinen, aber die Frage gefallen lassen, weshalb in nunmehr drei Jahren keines der Kernziele des Verbandes erreicht worden ist. Für mich daher eine eher ernüchternde Bilanz und ein überfälliger Rücktritt. Dennoch wünsche ich beiden für die Zukunft alles Gute. Dem ESBD wünsche ich ein glückliches Händchen bei der Nachfolge. Ich glaube, dass mit den richtigen Weichen etwas sehr Gutes aus dem Verband werden könnte.“

Anzurechnen ist dem ESBD unter anderem aber in jedem Fall die entscheidende Mitwirkung am der bereits beschlossenen Erleichterung von Visa für E-Sportler, die für internationale Turniere international reisen. Der entsprechende Entwurf war im September 2019 vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und dem Bundesinnenministerium (BMI) vorgelegt worden.

„Die Visa-Frage hat über Jahre die deutsche eSport-Landschaft in ihrer Entwicklung blockiert. Teams und Veranstalter hatten oft Schwierigkeiten, talentierte Spieler oder ganze Teams nach Deutschland zu holen. Wenn die Bundesregierung den Entwurf umsetzt, gehört das endlich der Vergangenheit an und sendet ein starkes Signal in die Welt“, betonte Jagnow dazu im vergangenen Jahr persönlich.

Das umfangreiche Engagement des bisherigen Präsidenten schätzt auch Christoph Wichmann, Geschäftsführer der aufstrebenden Göttinger E-Sport-Organisation Team Vertex:

„Sowohl persönlich auch als repräsentativ für Team Vertex kann ich an der Stelle nur meinen großen Dank an Herrn Jagnow und den gesamten ESBD aussprechen. Durch politisches Engagement und einen breiteren gesellschaftlichen Dialog im E-Sport konnte der ESBD, auch und vor allem durch die Leistung von Herrn Jagnow, zu einem wichtigen Sprachrohr und Repräsentant der deutschen E-Sport-Szene werden. Wir wünschen Herrn Jagnow und Herrn Laugwitz nur das Beste für die Zukunft. Mit (e)sportlichen Grüßen aus Göttingen.“

Was kommt als Nächstes?

Nun steht noch die spannende Frage im Raum, was innerhalb des ESBD passiert, sobald der Umbruch im Oktober erfolgt. Gibt es mit einer personellen Veränderung an der Spitze tatsächlich auch eine inhaltliche Neuausrichtung oder alternative Strategie?

Das bleibt im Moment noch schwer zu sagen, findet auch Benjamin Schlotzhauer, CEO beim League of Legends Prime League Pro Div Anwärter Black Lion. Dennoch hat er lobende Worte für die bisherige Arbeit übrig.

Er sagt:

„Hans‘ Nachfolge wird an große Erwartungen geknüpft sein. Seit seinem Amtsantritt war E-Sport mehrfach und permanent auf der politischen Fläche zu sehen. Und wer sich mit Menschen über das Thema unterhält, die nichts mit E-Sport zu tun haben, wird merken, dass es sehr viele Gespräche braucht, um solch einen Effekt zu erzeugen. Hans hat die politische Landschaft für uns strukturiert und so die ganze Szene bewegt. Sein Engagement war stets ruhig und auf Leistungen abgestimmt, die er stets lieferte. Im E-Sport ist eigentlich das Gegenteil der Fall, daher wünsche ich mir, dass er uns auf andere Arten erhalten bleibt.“

Die Struktur des Verbandes sollte bereits nach der Mitgliederversammlung im Dezember 2019 überholt werden. Viel Außenwirkung zeigte dies bislang – unserer Wahrnehmung nach – nicht.

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