Der Hongkong-Konflikt ist in der Gaming- und eSports-Szene angekommen. Blizzard reagierte nach übereinstimmenden Medienberichten kürzlich drastisch auf die Meinungsäußerung eines professionellen Hearthstone Spielers.

Ng ‚blitzchung‘ Wai Chung soll sich im Rahmen der Asien-Pazifik Grandmasters in einem Live-Interview mit den Worten „Liberate Hong Kong, revolution of our age!“ zu der politisch brisanten Thematik geäußert haben. Auch eine Ski- sowie eine Gasmaske habe er dabei als Referenz zu den anhaltenden Protesten zur Befreiung Hongkongs getragen.

Die beiden Kommentatoren, die das Interview führten, duckten sich währenddessen unter den Caster-Desk. Auf diese Aktion reagierte Blizzard nun mit extremen Maßnahmen. So wurde der betroffene Spieler ein Jahr lang von allen kompetitiven Hearthstone Wettbewerben ausgeschlossen und wird auch sein verdientes und noch nicht ausgezahltes Preisgeld nicht sehen. Mit den beiden anwesenden taiwanischen Kommentatoren im Livestream wolle Blizzard nach eigener Aussage nicht mehr zusammenarbeiten. Die Aufzeichnung des Videos wurde von Blizzard Taiwan zeitnah gelöscht.

Das steckt hinter der Aktion

Hintergrund der gesamten Aktion sind die anhaltenden Proteste der Menschen in Hongkong gegen die Einmischung der chinesischen Regierung in dem Gebiet, in dem insgesamt über sieben Millionen Menschen leben. Mittlerweile sei jeder siebte Einwohner an den Protesten beteiligt (gewesen). Neben den Aufmärschen auf den Straßen gehören auch Aktionen wie die Blockade von Flughäfen und Ähnliches zu den Maßnahmen der Demonstranten. Zuletzt vermehren sich auch die Berichte über gewaltsame Konfrontationen zwischen der Polizei und Protestlern.

Für Blizzard ist das Thema deswegen so äußerst prekär, da Blizzard unmittelbar mit dem chinesischen Marktführer Tencent zusammenarbeitet, welches zudem auch Aktienanteile an Activision-Blizzard hält. In Bezug auf die Maßnahmen beruft sich der amerikanische Konzern auf die offiziellen Turnierrichtlinien der Hearthstone Grandmasters Asien-Pazifik, in denen rufschädigende Maßnahmen gegen das Unternehmen mit jenen Konsequenzen gelistet sind, die nun umgesetzt worden sind.

Im Internet, in den sozialen Netzwerken sowie in der gesamten Community hat sich Blizzard jedenfalls mit den Schritten keinen Gefallen getan – die wirtschaftliche B2B-Perspektive vorerst außen vor gelassen. Auf Twitter trendet beispielsweise der Hashtag #Blizzardboycott, unter dem Spieler zum Boykott von Blizzard Produkten aufrufen und diese zugleich selbst deinstallieren. Weitere hoffen einfach, dass Blizzard durch die neuesten Handlungen „ordentlich auf die Nase fällt“.

Konsequenzen in Kauf genommen

Spieler ‚blitzchung‘ scheint sich selbst indes den möglichen Konsequenzen bewusst gewesen zu sein. So äußerte er gegenüber Inven Global, dass seine Aktion lediglich eine weitere Form des Protests gewesen sei, den er in den vergangenen Monaten auch privat vorangetrieben hätte. Manchmal sogar so sehr, dass er sich dadurch kaum auf seine Hearthstone Spiele vorbereiten konnte. Er sei sich im Klaren darüber, in welche Probleme ihn die Aktion bringen könnte – sogar in Bezug auf seine Sicherheit im echten Leben. Er sehe es allerdings als Pflicht sich zur „Problematik“ zu äußern, die die Proteste im Land ausgelöst hat.

Ein Auszug aus Blizzards offiziellem Statement zur Vorgehensweise lautet wie folgt:

While we stand by one’s right to express individual thoughts and opinions, players and other participants that elect to participate in our esports competitions must abide by the official competition rules.“

Zu deutsch lautet die Aussage also in etwa: Während wir dabei bleiben, dass jeder das Recht darauf hat seine eigenen Gedanken und Meinungen auszudrücken, müssen sich Spieler und andere Teilnehmer, die in unseren eSport Wettkämpfen teilnehmen, dennoch an die offiziellen Turnierregeln halten.

Eine Verletzung des Rechts auf freie Meinungsäußerung sieht Blizzard also in der Löschung der Aufzeichnung des entsprechenden Videos – und damit auch des Interviews – nicht.