Wer erinnert sich nicht gern an die guten alten Spieleklassiker wie Age of Empires 2, Warcraft, diverse Serienteile der Command&Conquer Reihe, Empire Earth und wie sie nicht alle heißen? Echten Szene-Kennern dürfte auch der Name Warlords Battlecry nicht vollkommen fremd sein. Doch wo sind sie hin, die Hits des Echtzeit- Genres? Mit den Spielen werden auch die Spieler älter… Und spreche ich für mich, so fehlen mir gelungene Neuheiten im Strategiespielsektor.

Doch woran liegt der chronische Mangel an Neuschöpfungen oder gelungenen Serienfortsetzungen? Bei dieser Frage schwirren mir diverse Gedanken und Faktoren durch den Kopf, die einen durchaus wesentlichen Einfluss darauf haben könnten. Es ist ja nicht so, dass Entwickler alter Szene-Größen nicht versucht hätten ihre Marken erfolgreich fortzuführen, doch scheiterten die meisten von ihnen kläglich an der Platzwahl: Zwischen allen Stühlen. Schauen wir zum Beispiel auf eine mobile Fortsetzung von Command&Conquer… C&C als mobile-game… Wirklich? Nein, danke.

Eine Frage der Perspektive

Gucken wir uns einmal Warhammer 40.000: Dawn of War III an. Eine Fortsetzung, auf die ich mich persönlich sehr gefreut hatte. Die ersten beiden Teile der Echtzeitstrategie-Serie im Warhammer-Universum haben mich lange begleitet und mir viele, viele Stunden Freude beschert. Meine Spielzeit? Zusammen sicherlich 500 Stunden, wenn das mal reicht. Wenn ich auf den Stundenzähler des dritten Teils in meinem Steam-Account schaue… 6 mickrige Stunden. Länger konnte mich der Mix nicht bei der Stange halten. Wieso? Eine Mischung aus einem Echtzeitstrategiespiel mit -Ambitionen und Moba-Einflüssen. Eine Einzelspieler-Kampagne, bei der sich von Mission zu Mission die Fraktionsperspektive ändert. Auch da: Nein, danke. Das braucht kein Mensch. Oder Ork. Oder sonst wer. Wenn ich mit den Grünhäuten ins Feld ziehe, habe ich keinerlei Ambitionen in der darauf folgenden Mission die Kontrolle über hellhäutige Langohren zu übernehmen.

Ein Funken der Hoffnung…

Der einzige Lichtblick des dritten Teils schien zu die Möglichkeit, mit in Gefechten verdienten Schädeln verschiedene Fähigkeiten und Skins für meine Truppen freischalten zu können. Das war cool und dann doch eine Form der Langzeitmotivation. Doch auch daran störten sich offenbar viele Nutzer, die dem Spiel durch die Bank weg ein vernichtendes Urteil unterschrieben. Daraufhin entschied sich der Entwickler auch dieses Feature komplett aus dem Spiel zu streichen. Toll. Da geht er hin, der letzte Funke Motivation.

Zurück zu dem Mix, den Dawn of War III für mich persönlich darstellt. Und damit auch zum zweiten großen Problem, welches ich für das Genre sehe: Mobas. Die Entwickler haben offensichtlich erkannt, dass viele (ehemalige) Fans der Echtzeitstrategie sich auch in den Platzhirschen des immer weiter wachsenden Genres der Mobas durchaus wohl fühlen. Und der Echtzeitstrategie möglicherweise den Rang ablaufen. Doch den Möchtegern-Einfluss, den Dawn of War III sich aus oder auch „geliehen“ hat, braucht ebenfalls niemand. Äußere Wachtürme, die zerstört werden müssen, bevor das Hauptgebäude für einen entscheidenden Sieg eingerissen wird. Wow, toller Spielmodus! Wenn ich ein Moba spielen möchte, spiele ich ein Moba.

Über Versuche wie das Remake eines Age of Empires in einer „Definitive Edition“, die zwar schön anzusehen ist, aber nur über den Windows-Store vertrieben wird, brauchen wir gar nicht erst zu sprechen.

Oder eine graue Zukunft?

Doch jetzt kommen wir mal wieder runter. Es ist noch lange nicht alle Hoffnung verloren. An Blizzards lässt sich erkennen, dass Echtzeitstrategie auch heute noch funktionieren kann. Und das sogar im -Sektor. Zwar hatte es SCII auch nicht sonderlich schwer, da auch der Vorgänger schon einen etablierten Platz in der Szene einnahm und vor allem für sein ausbalanciertes PvP bekannt war, doch diesen Ruf hatten auch andere, die ihn nicht oder weitaus schlechter nutzten.

Abzuwarten bleibt, ob andere bekannte Genre-Vertreter noch einmal einen Schritt in die Neuzeit wagen oder neue ambitionierte Projekte meinen Herzenswunsch nach packenden Echtzeit-Gefechten erfüllen werden. Wie wäre es mit einem Warlords Battlecry 4? Mit persistentem Helden-System und einer Langzeitmotivation, die wie im dritten Teil bis heute seinesgleichen sucht? Für mich würde ein Traum in Erfüllung gehen.

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Jonas Walter

Spielejournalist bei gaming-grounds.de
Jonas 'Syncerus' Walter ist seit 2010 im -Journalismus aktiv. Nach Beteiligungen an diversen Projekten im redaktionellen Bereich wie MaseTV, ESC Gaming oder Team Vertex ist Gaming-Grounds.de nun die erste eigene Konzeption.

Diese hat die Vision aktuell relevante Themen aus dem Gaming- und -Bereich aufzugreifen und für Videospielbegeisterte an einem Ort zu konzentrieren.
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