In den USA ist der Entwickler und Publisher Epic Games ein weiteres Mal heftig in die Kritik geraten. Das Unternehmen, welches hierzulande in den vergangenen Wochen und Monaten hauptsächlich durch die wöchentlichen Spiele-Geschenke über den eigenen Launcher auf sich aufmerksam macht, steht bekannterweise auch hinter dem äußerst beliebten Battle Royale Titel Fortnite.

Äußerst beliebt ist Fortnite bei einer sehr jungen Zielgruppe, anders ausgedrückt: hauptsächlich bei Minderjährigen. Dies ist der Knackpunkt, den ein Elternteil in Kalifornien, USA kürzlich dafür nutzte, um eine Sammelklage gegen Epic Games einzureichen. Grundsätzlich geht es dabei darum, dass das Unternehmen die jungen Kunden und Spieler gezielt manipuliere, um immer mehr Geld und vor allem schwer überschaubare Summen in virtuelle Gegenstände innerhalb des Spiels zu stecken.

Epic Games und die V-Bucks – Gezielte Manipulation?

Die Thematik rund um Mikrotransaktionen ist auch hierzulande sicherlich alles andere als neu, allerdings werden in diesem Fall mehrere schwerwiegende Faktoren kombiniert. Demnach habe Epic Games die Masche perfektioniert, minderjährigen Spielern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Im Fokus stehen dabei unter anderem die sogenannten “V-Bucks”, die eine virtuelle Währung im Spiel darstellen und gegen Echtgeld eingekauft werden.

Der Umtausch einer realen Währung in eine Alternative ist eine Taktik, die bereits uralt ist. Sie findet nicht nur regelmäßig in Videospielen, sondern etwa beispielsweise auch auf Weihnachts- oder Jahrmärkten regelmäßig Anwendung. Die Taktik dabei ist es den Käufern die Übersicht über das ausgegebene Geld zu entziehen, in dem man ein Produkt nicht direkt für einen Preis in Euro oder US-Dollar kauft, sondern stattdessen die eingetauschte Währung investiert.

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Dies funktioniert schon bei Erwachsenen oft sehr gut, bei Kindern allerdings oft viel besser. Sie wissen nicht, wie viele Euros sie ausgegeben haben, wenn sie gerade für 2.000 V-Bucks einen neuen legendären Skin im Ingame-Shop gekauft haben. Dass das Mal eben etwa 20 Euro gewesen sind, ist gerade für Kinder und Jugendliche schwer im Kopf zu behalten.

Die Mutter behauptet in der Klage, so schreibt es Law Street Media, dass Epic Games mit Fortnite ein Onlinespiel im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar geschaffen hat, welches hauptsächlich auf Kaufverträgen mit Minderjährigen beruht – zumeist ohne Zustimmung oder Überwachung von Erziehungsberechtigten.

Der für die Klage verantwortlichen Person stößt zudem sauer auf, dass der Erwerb weiterer V-Bucks durch die Speicherung von Zahlungsmethoden äußerst schnell und unkompliziert vonstattengeht. Dies ist in der Branche und auf diversen Plattformen, die mit Videospielen handeln, üblich. Man nehme sich nur beispielsweise Steam zum Vergleich.

Der betroffene Sohn sei weiterhin angeblich verwirrt über die tatsächlich Kosten, wenn man die Preise von Ingame-Inhalten in Fortnite in Dollar-Preise umrechnet. Er hätte, so der Elternteil, niemals so viel gekauft, wenn der Dollar-Preis direkt ersichtlich gewesen wäre. Dass dies eine typische Strategie und genau das Ziel des Unternehmens ist, dürfte kaum jemand bestreiten. Doch ist dies legal?

Ist das Vorgehen legal?

Ob diese Strategie zur Erzielung von Umsatz, denn darauf sind wirtschaftlich orientierte Unternehmen – darunter befinden sich auch die allermeisten Entwickler und Publisher von Videospielen – ausgelegt, legal ist, hängt entsprechend von der Rechtssprechung des jeweiligen Landes ab. In Kalifornien sei dies eben nicht der Fall. So wird dem Unternehmen im Kontext der Klage vorgeworfen, gegen den sogenannten “California Business Code” und den Verbraucherschutz verstoßen zu haben.

In Deutschland gelten Heranwachsende erst ab dem Alter von 18 Jahren als unbeschränkt geschäftsfähig. Die Verbraucherzentrale teilt dazu mit, dass Kinder und Jugendliche ab dem Alter von sieben Jahren Käufe von ihrem Taschengeld tätigen dürfen. Bei “Internet-Käufen” müssten Eltern allerdings zuvor einwilligen oder das Geschäft nachträglich genehmigen.

In der Klageschrift bezieht sich die Klägerin unter anderem auf zwei deutsche Ökonomen von der European University Viadrina, Timo Schöber und Georg Stadtmann, die im vergangenen Jahr 2020 ein Paper zu genau diesem Thema veröffentlichten. Auch daraus geht hervor, dass Epic Games mit der V-Bucks Strategie im Fortnite Shop eine sogenannte “Money Illusion” erschaffe.

In Kombination mit weiteren Faktoren schafft es die Anwendung von Produktdifferenzierung, Preisdifferenzierung, Zeitdruck, Statusdenken und Bewerbung von Bonuszahlen die Käufer immer weiter fleißig Echtgeld in V-Bucks umtauschen zu lassen und irgendwann den Überblick zu verlieren, wie viel Geld man denn nun eigentlich schon in den eigenen Account investiert hat.

Insbesondere bei Free to Play Titeln ist diese Strategie häufig die Haupteinnahmequellen der Publisher. Ähnliche Modelle lassen sich – teilweise in ihrer Intensität schwankend – auch in Spielen wie FIFA, Rocket League, League of Legends und vielen weiteren Titeln finden. Epic Games hat das sogenannte “Freemium”-Modell in Fortnite nahezu perfektioniert – auch, wenn man hier nicht von “Pay-to-Win” sprechen kann.