Für viele deutschsprachige League of Legends E-Sport-Fans ist diese Meldung eine sehr traurige. Auch in mir persönlich weckt die Nachricht, dass die deutsche Caster-Legende Maxim Markow nur noch 2021 League of Legends kommentieren wird, eine Emotion, die Traurigkeit sehr nahe kommt – und das, obwohl ich gar nicht mehr so regelmäßig LoL E-Sport konsumiere, wie ich es noch vor einigen Jahren tat.

Maxim Markow gilt als eine der prägenden Figuren, wenn es um die Etablierung professioneller Kommentatoren im deutschsprachigen League of Legends E-Sport geht. Gemeinsam mit seinen Kollegen und Kolleginnen sowie dem gesamten dahinter stehenden Projekt „Summoners-Inn“ von Freaks 4U Gaming. Doch bald werden die aktiven Casts von Maxim, der einst mit seinem YouTube-Channel „LetsReadSmallBooks“ / „LRSB“ in der Content-Creation startete, nur noch Erinnerung sein.

Wie er in einem aktuellen Statement-Video verkündet, ist 2021 tatsächlich das letzte Jahr, in dem er als aktiver Kommentator tätig sein wird. Damit ist auch die aktuell stattfindende Weltmeisterschaft, die Worlds 2021, die letzte, die er als Caster begleitet. Wer den Content-Creator, Kommentator und Streamer in der näheren Vergangenheit auf seinen Kanälen aktiv begleitet hat, konnte erste Anzeichen für den Rückzug aus dem gesamten Thema League of Legends bereits erkennen. Formate wie die „LoL Trends“ oder Patch-Notes Analysen gibt es schon jetzt nicht mehr.

Maxim Markow – Der Werdegang in aller Kürze

Sein zehnjähriger Werdegang in League of Legends begann zunächst mit eigener Begeisterung für das MOBA von Riot Games und daraus resultierendem Redebedarf, wie er selbst sehr oft betont. Doch statt nur sein direktes Umfeld umfassend über League of Legends zu informieren, machte er sich die Eigenschaft zunutze und begann mit dem Kommentieren. Angefangen bei der ESL Schulmeisterschaft und später dem Dr. Pepper Cup bis hin zu Großprojekten auf der gamescom, bei F4U Gaming sowie natürlich in direkter Zusammenarbeit mit Riot Games gab es diverse Karrieresprünge für Maxim, der anders als viele Kollegen der Branche nie unter einem anderen Nickname bekannt war.

Als sein absolutes berufliches Highlight bezeichnet der wohl mit berühmteste deutsche League of Legends E-Sport-Kommentator noch immer das von Freaks 4U Gaming selbst ins Leben gerufene „The Main“ im Jahr 2015, bei dem er gemeinsam mit seinen Mitarbeitenden ein äußerst erfolgreiches Event auf die Beine stellte, welches die Worlds in besagtem Jahr parallel zur offiziellen Berichterstattung begleitete und für viel Begeisterung bei den Besuchenden als auch Veranstaltenden sorgte. Im Anschluss folgten etliche Jahre, in denen die „Europe League Championship Series“ (EU LCS), die 2019 zur „League of Legends European Championship (LEC)“ wurde, sowie weitere Turniere wie das Mid-Season Invitational (MSI) und natürlich nicht zuletzt die Worlds im Mittelpunkt standen.

Die Gründe für den Ausstieg

In seinem aktuellen Statement-Video erklärt Maxim auch, weshalb er sein Engagement bereits zurückgeschraubt hat und sich in Zukunft komplett aus dem Casting von League of Legends zurückziehen wird. Die Gründe dafür sind divers. Als einen der wichtigen Punkte sieht Maxim selbst die Zeit, die er, im Vergleich zu seinen Hochzeiten, weniger in das Spiel und dementsprechend auch das Wissen über LoL investiert.

Daraus ergibt sich, dass er zwar noch immer mit seiner lustigen und unterhaltsamen Art sowie der über die Jahre entstandenen Reputation glänzen kann, aber rein fachlich nicht mehr so sehr punktet – nach eigener Aussage insbesondere nicht mehr gegenüber vielen seiner aktiven Kollegen und Kolleginnen, die sich deutlich mehr auskennen und reinhängen würden.

„Ich bin nicht gut“

„Ich fühle das Spiel nicht mehr“ – Maxim Markow in seinem Video „Mein letzter Cast | Warum caste ich kein LoL mehr“

In der Vergangenheit hätten sowohl Maxim, als auch seine Kollegen, für die das teils noch immer zutreffe, das Spiel „gelebt“, statt für das Kommentieren von League of Legends ausgebildet zu sein. Viele der deutschen Kommentierenden würden dies „mit dem Herzen“ tun, doch dieser Punkt habe sich bei Maxim selbst über die Jahre deutlich abgeschwächt.

Maxim sagt von sich selbst, dass er seinem eigenen Hype nicht (mehr) entspreche und bezeichnet sich nicht einmal mehr als „gut“. Typische Aussagen für jemanden, der unzufrieden mit seiner eigenen Leistung ist. Dafür nennt er weitere Beispiele wie Wortwiederholungen oder auch „technische Fehler“, an denen er nicht arbeiten wolle und es zeitlich auch nicht könne. Nur so könnte er wieder ein „guter Kommentator“ werden. Stattdessen zieht er nun die Reißleine.

Auch ein sozialer Aspekt spielt an dieser Stelle mit hinein. Maxim findet es schlicht und einfach nicht gerecht, wenn er das Finale eines Turniers oder Events kommentieren darf, nur weil er von seinem Status profitiert, er selbst zu sein. Andere im Team hätten viel härter, länger und intensiver gearbeitet und demnach auch mehr verdient, das Highlight und den Abschluss eines Wettbewerbs selbst begleiten zu dürfen.

Events und Corona

Ein weiterer Sargnagel für die Kommentator-Karriere des Maxim Markow wäre nach eigener Aussage die Coronavirus-Pandemie gewesen. Da er für sich persönlich als Highlights immer auf die Offline-Events direkt vor dem Publikum hingearbeitet habe, die in den vergangenen zwei Jahren natürlich fast zu 100 Prozent ausgefallen sind, fehlten diese Glücksmomente nun. Im Zusammenhang mit der Frage, wie lange er seinen aktuellen Job in dieser Position überhaupt noch ausüben wolle, folgte die Entscheidung zum Ausstieg. Vielleicht zu einem früheren Datum, als es ohne die Pandemie der Fall gewesen wäre.

„All diese Dinge wurden genommen. Ich hätte nie gedacht, dass es so viel Schaden macht.“ – Maxim Markow in seinem Video „Mein letzter Cast | Warum caste ich kein LoL mehr“

Seine eigene Denkweise, sich in dieser Art auf die Offline-Events zu fokussieren, bezeichnet Maxim selbst als unprofessionell. Offline sei er, nach eigener Aussage, deshalb nicht in der Lage, so viel Hype zu erzeugen, wie vor einer Crowd. Die Belohnung der Events fehlen ihm sehr. Auch habe er wenig Hoffnung, noch „Neues“ zu sehen.

Diesen Punkt bezieht er vor allem auf ein einschneidendes Erlebnis, als G2 Esports im Finale der Worlds 2019 mit 0-3 von FunPlus Phoenix (FPX) „vom Platz gefegt“ wurde. Einen Gewinn von Europa oder Nordamerika bei den Worlds sieht Maxim seither offenbar nicht als allzu wahrscheinlich. Er habe bereits den Plan gefasst, sogar schon 2020 aufzuhören, falls G2 2019 Weltmeister geworden wäre und 2020 im Optimalfall sogar noch ein nordamerikanisches Team wie beispielsweise TSM.

„Dann hätte ich alles gesehen“ – Maxim Markow in seinem Video „Mein letzter Cast | Warum caste ich kein LoL mehr“

Familie und Privatleben

All das ist wichtig und spielt für die nun gefallene Entscheidung eine Rolle, aber das im Fokus stehende Argument folgt wohl erst jetzt. Dieses ist so naheliegend wie nachvollziehbar, wie es nur irgendwie sein kann. Maxim erklärt, dass er schlicht und einfach mehr Zeit mit seiner Familie verbringen möchte. In der Zeit, in der er als Kommentator sehr aktiv war, war er im Umkehrschluss wenig zu Hause und selbst dort oft noch sehr beschäftigt.

Das geht, wie jeder Arbeitnehmer verstehen können wird, sehr zulasten der eigenen Familie. Noch härter trifft dieser Aspekt, wenn auch noch Kinder involviert sind, wie es beim studierten Pädagogen Maxim Markov der Fall ist. In seinem Zuhause, der Stadt Leipzig, kann er nun vielmehr „runterfahren“ und Zeit mit Frau und den beiden Söhnen verbringen.

Auch mit dem Alter sei es gekommen, dass er erkannt habe, dass die Zeit mit der Familie die beste und wichtigste überhaupt sei. Dazu sei gesagt, dass er in seiner Position nun natürlich auch die Freiheit besitzt, von der andere nur träumen können. Doch die diversen Standbeine, die er sich unter anderem auch durch seine Kanäle auf Twitch und YouTube aufgebaut hat, ermöglichen flexible und geringere Arbeitszeit.

„Häufiger da zu sein und Unterstützung zu bieten ist mehr wert, als der ganze ‚Bums‘ davor.“ – Maxim Markow in seinem Video „Mein letzter Cast | Warum caste ich kein LoL mehr“

Diese Aussage bezieht er auf das mittlerweile erreicht Alter seiner Kinder, die beide nun bereits im Schulalter sind. Davor hätte er die wachsende Begeisterung seiner Kinder für alle möglichen Dinge, sowie die grundlegende Weiterentwicklung durch seinen eigenen hohen Arbeitsaufwand nicht genießen können.

Das will er nun ändern – und das ist wohlverdient. Vielen Dank auch von unserer Seite für die tolle Zeit und all die tollen Momente, lieber Maxim!

Die Nachfolge

Nach dieser ausführlich erklärten Entscheidung geht er nur noch auf einen Punkt ein, der es ihm vergleichsweise leicht macht, die Position als aktiver Caster im deutschen League of Legends E-Sport aufzugeben. Dieser betrifft die Nachfolge, die aus seiner Sicht mehr als gesichert sowie hochqualitativ besetzt ist.

Er hinterlasse keine Lücke, betont er. Kommentierende wie ‚Mori‘ (ebenfalls als Urgestein), ‚Kernus‘, ‚Basti‘, ‚Eisohnewaffel‘ und weitere würden diese gar nicht erst entstehen lassen. Durch das Zurückfahren von YouTube als auch dem Streaming könnte Maxim mit der neu gewonnen Zeit die „letzten zehn Jahre nachholen“. Sei es ihm gegönnt.

Mein letzter Cast | Warum caste ich kein LoL mehr

Vollständig ist die Zeit des Maxim Markow als Caster aber noch nicht vorbei. Bei der diesjährigen Weltmeisterschaft dürft ihr ihn selbstverständlich noch erleben. Auch darüber hinaus gibt es vielleicht den ein oder anderen glücklichen Moment, in denen Maxim-Fans ihn in dieser Rolle noch erleben dürfen. Denn im kommenden Jahr steht er immerhin noch als Backup bereit, falls eingeplantes Personal aus welchen Gründen auch immer ausfallen sollte. Auch für Special Events werde er immer mal wieder in die Rolle des Casters schlüpfen.

„Wenn ich nach den Worlds nicht meine Stimme verliere, dann habe ich etwas falsch gemacht.“ – Maxim Markow in seinem Video „Mein letzter Cast | Warum caste ich kein LoL mehr“