Mit dem LVL, kurz für level, bekam Berlin kürzlich ein modernes Mekka für professionelle Gamer, Spieleinteressierte und Touristen. In diesen hochmodernen, „heiligen“ Hallen kommen sie zusammen – zum Zocken, Zuschauen und um ihre Ikonen zu treffen. Architektonischer Nukleus: der sphärische, effektvoll beleuchtete „Dome“.

Während Kuppeln sonst die Dächer von Gotteshäusern und Staatsbauten krönen, liegt dieses geodätische Gewölbe unterirdisch – in einem Neubau unweit des Checkpoint Charlie. Über das Design und die Architektur des Baus berichtet nun die verantwortliche kubix Gesellschaft mbH zur Entwicklung und Produktion temporärer Bauten u.a. in einer aktuellen Pressemitteilung.

Der „Dome“: Architektur im Raum

Im Keller des LVL dient die zwölf Tonnen schwere Glas-Stahl-Konstruktion als Produktionshub für neue digitale Medienformate und Live-Events des E-Sports. Das Besondere: In ihrem Inneren befindet sich eigene Medientechnik, Server, Brandschutz, Belüftung und Klimatisierung, was sie zu einer autarken Architektur innerhalb des Gebäudes macht. Zwölf High-End-PCs, Bildschirme, Live-Cams und Mikrofone sind individuell steuerbar und sorgen für pulsierende Gaming-Shows der Extraklasse.

Choreographie des Lichts

Das Licht wird zum Werkzeug, um die konsequent schwarz-weiß gehaltenen Fläche zu füllen, zu modellieren und vielfältig zu inszenieren. Effektbeleuchtung reagiert auf Spielverläufe, signalisiert etwa Explosionen oder Ausscheiden von Spielern. Außerdem entstehen mit der Kombination aus farblich wechselnden Leuchtstreifen, Scheinwerfern und Moving-Lights individuelle Licht-Choreographien.

So wird der „Dome“ zu einem strahlenden Diamanten und die Architektur zum unverwechselbaren branding tool der Marke. Gerade in Corona-Zeiten, in denen die Tribünen für bis zu 250 Zuschauer*innen bis auf Weiteres leer bleiben werden, gelingen so trotzdem stimulierende Atmosphären.

Foto: Andreas Beetz
Foto: Andreas Beetz

Cage und Pavillon

„Besondere Herausforderung war die Akustik der Kuppelstruktur“, sagt Marcus Bahra, leitender Designer bei kubix. Um während der Wettkämpfe sicherzustellen, dass die Kommentatoren nicht von der jeweiligen Gegenspielerseite gehört werden und die Konzentration der Gamer nicht eingeschränkt wird, kompensiert der „Dome“, der auch als cage bezeichnet wird, bis zu 50 Dezibel der Lautstärke. Bei Bedarf können seine Fensterscheiben partiell herausgenommen werden. „Dann wird er zu einem offenen Pavillon“, so Bahra.

Spitze Winkel

Inspiration lieferten die sphärischen Kuppeln von Architekt Richard Buckminster Fuller, die sich ebenfalls aus Dreiecken zusammensetzen. Neben den strukturellen Aufgaben haben ihre dreieckigen Formate aber auch eine ästhetische Dimension, indem sie die Typografie des LVL-Logos widerspiegeln. Auf dem gesamten Areal trifft man kaum auf rechte Winkel. Eine Logik, die sich konsequent durch das gesamte Interior zieht (bis in die Außenbestuhlung mit dem „Chair One“ von Designer Konstantin Grcic).

Minimalistisch futuristisch

„stealth“ lautet das Schlagwort. Ein Begriff, der aus der Tarnkappentechnik stammt und für eine kantige Formensprache steht. Aber auch die Ästhetiken von Raumschiffen, des Actionfilm „Minority Report“ oder des „Cybertruck“ von Tesla spiegeln sich in der Gestaltung des LVL wieder. Das Ergebnis ist eine futuristische wie minimalistische Architektur bis ins Detail, in der es für core und casual gamer zahlreiche offensichtliche und versteckte Bezüge zu entdecken gibt.

LVL und kubix

Das LVL ist nicht der erste Austragungsort für E-Sport- und Gaming. Man wolle sich aber mit herausragender Qualität abgrenzen, meint Dorian Gorr, Managing Director von Veritas Entertainment, der das Zentrum 2017 gemeinsam mit Hauptinvestor Thomas Fellger von iconmobile gründete. Weitere Standorte sollen folgen, in New York und São Paulo. Schon jetzt aber zeigen die Räume, welche neuen Herausforderungen und Chancen die Gaming- und E-Sport-Industrie für Architektur und Design bietet. In jedem Fall steht das LVL exemplarisch für die Interaktion digitaler Formate und realer Raumgestaltung.

Das LVL wurde mit einem Investitionsvolumen von zirka acht Millionen Euro geplant und umgesetzt. kubix agierte für Veritas Entertainment als Generalübernehmers und verantwortete die Ausarbeitung des Entwurfs bis hin zur Realisation der 2.000 Quadratmeter großen Fläche aus Erd-, Untergeschoss und Lager in 11 Monaten. Das Team aus Designern, Architekten, Ingenieuren und Szenographen gehöre damit zur Kerntruppe des Projekts, die das „weltweit einzigartige Projekt“ zum Erfolg geführt und Gaming-Geschichte mitgeschrieben hätte, so Gründer Gorr.

Seit 2001 realisiert kubix die gesamte Bandbreite erzählender Räume – von Ausstellungs- und Büroarchitekturen über Retail- und Markenpräsentationen bis hin zu Kunstinstallationen und Exponaten. Zum Kundenportfolio des Berliner Generalunternehmers zählen Siemens, Sony und Volkswagen. Mit Büro und Werkstatt an einem Standort, können Projekte dynamisch, ideenreich und effizient gelenkt werden. 30 Mitarbeiter*innen aus verschiedenen Disziplinen arbeiten bei kubix dafür in variierenden Teams an jährlich circa 100 Projekten. Ihre Mission: kraftvolle Ideen in die Realität überführen.

Das LVL in der Schützenstraße 73 in Berlin-Mitte mit Burger-Restaurant, Merchandse-Shop und einer Vielzahl an E-Sport-Angeboten soll professionelle Gamer, Spieleinteressierte und Touristen anziehen. Foto: Andreas Beetz
Das LVL in der Schützenstraße 73 in Berlin-Mitte mit Burger-Restaurant, Merchandse-Shop und einer Vielzahl an E-Sport-Angeboten soll professionelle Gamer, Spieleinteressierte und Touristen anziehen. Foto: Andreas Beetz
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