Eine überraschende Entscheidung in den Verhandlungen zwischen Microsoft und ByteDance, dem chinesischen Internet-Technologieunternehmen, welches hinter der gigantischen Social-Media-Plattform TikTok steht, erreichte die Öffentlichkeit in der Nacht von Sonntag auf den heutigen Montag.

Zuvor war bekannt geworden, dass Microsoft Interesse daran hatte, alle Aktivitäten von ByteDance in Bezug auf die angesagte App innerhalb der Vereinigten Staaten zu erwerben. TikTok verzeichnet nach einem Anfang 2020 von AdAge geleakten Pitch Deck weltweit über 800 Millionen aktive Nutzer. Mindestens die Hälfte davon soll aus China stammen.

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Die Analyse App Annie wiederum platziert TikTok auf Platz 1 der am meisten heruntergeladenen Apps weltweit im ersten Quartal 2020. Mittlerweile konkurriert die App mit den größten sozialen Netzwerken der Welt. Laut einer Analyse auf Datareportal, die sich ebenfalls auf Daten aus der App Annie aus dem Januar 2020 bezieht, landet TikTok auf Platz 6 hinter WhatsApp, Facebook, dem Facebook Manager, WeChat und Instagram.

Kaufangebot abgelehnt

In einem Statement am späten Sonntagabend, 13. September 2020, erklärt Microsoft im eigenen offiziellen Blog, dass ByteDance das Kaufangebot abgelehnt hat. Microsoft sei überzeugt davon, dass das Vorhaben der Übernahme für die TikTok Nutzer gut gewesen wäre, während man nationale Sicherheitsinteressen schützt.

Um genau das zu gewährleisten hätte man signifikante Änderungen vorgenommen. So hätte man sicherstellen können, dass die App die höchsten Standards für Sicherheit, Privatsphäre und Online-Sicherheit entspricht. Auch die Verbreitung von Fehlinformationen hätte man bekämpfen wollen. Bereits im August habe man diese eigenen Prinzipien deutlich gemacht. Man werde darauf achten wie sich der Service in Bezug auf diese wichtigen Themen in der Zukunft entwickle, erklärt Microsoft abschließend.

Warum ist TikTok auch für Gaming wichtig?

Neben der offensichtlichen Tatsache, dass viele Influencer, Streamer, E-Sportler und deren Organisationen sowie viele weitere Akteure der Gaming-Szene die Plattform TikTok aktiv nutzen, um mit ihrer Community zu interagieren und selbige weiter zu vergrößern gibt es einen weiteren äußerst relevanten Punkt, weshalb TikTok, die Zukunft der App und des dahinterstehenden Unternehmens relevant für Videospiele auf der ganzen Welt ist.

So verkündete Bloomberg bereits im Januar 2020, dass ByteDance mehrere kleinere Entwicklerstudios aufgekauft und sich die Rechte an den aktuellen Projekten dieser gesichert habe. Zudem sei bereits ein eigenes Team aus über 1.000 Mitarbeitern entstanden, um selbst in die Entwicklung von Videospielen einzusteigen.

Dies wäre, je nach Größenordnung der Projekte, unter Umständen direkte Konkurrenz für den bisherigen Marktführer Tencent, der ebenfalls in China angesiedelt ist. Dieser besitzt, wie viele von euch bestimmt bereits wissen, etliche Anteile an vielen international beliebten und renommierten Studios wie etwa Riot Games (LoL, VALORANT), Epic Games (Fortnite), Activision Blizzard (WoW, CoD, StarCraft), Ubisoft (Rainbow Six Siege, Far Cry, Assassin’s Creed, …), Grinding Gear Games (Path of Exile) und vielen, vielen weiteren.

Konflikt auf politischer Ebene

Sogar US Präsident Donald Trump hatte sich bereits in die Geschäfte von TikTok eingemischt. So hatte er ByteDance nicht nur dazu gezwungen, den Kauf des amerikanischen Dienstes Muisical.ly rückgängig zu machen, auch ein Verbot von Transaktionen und Geschäften mit dem gesamten Betreiber hatte er angedroht, sollte die App (TikTok) nicht innerhalb von 45 Tagen verkauft werden. Diese Frist stellte Trump am 7. August 2020 – demnach läuft diese Frist in genau einer Woche, am 21. September 2020, ab.

Ein Affront ist dies nicht nur gegen die Betreiber, sondern auch gegen das gesamte Herkunftsland der Anbieter. China zeigt sich in Reaktion auf Trumps verhalten empört, berichtete die Tagesschau. So entwickelt sich der Kampf um die Rechte an einer international höchst erfolgreichen Social-Media-Plattform, in der es allerlei, meist mit unterhaltsamer Intention produzierte, Kurzvideos zu sehen gibt, immer mehr auch zu einem politischen Machtkampf auf höchster Ebene.

Trumps Begründung für das nahende Verbot seien die erheblichen Mengen an Nutzerdaten, die die Anwendung sammle und es demnach möglich mache, US-Bürger auszuspionieren (also genau die Punkte, die Microsoft angesprochen hatte und verbessern wollte). China wehrt sich gegen die Anschuldigungen, während TikTok Betreiber ByteDance mittlerweile sogar Klage gegen den Erlass des amerikanischen Präsidenten eingereicht hat.

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