Streams sind mittlerweile zu einem selbstverständlichen Teil des Konsums vieler Internetnutzer geworden. Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit: Wer Twitch, YouTube oder andere Livestreaming-Dienste aufruft, wird immer eine Vielzahl von Streamenden finden, die Content für ihre Communities übertragen. Es wird gezockt, gequatscht, gelacht, diskutiert und natürlich auch jede Menge Videos geguckt.

Als Dankeschön für die Unterhaltung regnet es regelmäßig Spenden, Abos, Bits und andere monetäre Formen der Unterstützung. Freigeschaltet werden dafür wiederum besondere Emotes, Nachrichten, die laut vorgelesen werden und andere kleine Boni. Doch die dahinterstehende Technik ist vielen Usern gar nicht bewusst. Immerhin müssen all diese Vorgänge und Abläufe irgendwie umgesetzt werden. Dafür gibt es verschiedene Software-Angebote.

Eines der meistgenutzten Tools für das Livestreaming an sich ist OBS. Die „Open Broadcaster Software“ ist ein Open-Source-Code, der es euch ermöglicht, die Schnittstelle zwischen eurer Darstellung und eurem Input und Streaming-Plattformen zu schaffen. In OBS könnt ihr Szenen erstellen, Quellen einbinden und viele weitere Features nutzen, um euren Stream wie gewünscht beispielsweise auf Twitch erscheinen zu lassen.

Ein weiterer Dienstleister in diesem Bereich ist Streamlabs, die ebenfalls Erweiterungen und Tools für euren Stream anbieten. Bis zuletzt hatte Streamlabs den Zusatz „OBS“ im Namen. „Streamlabs OBS“ dürfte vielen Streaming-Enthusiasten ein Begriff sein. Streamlabs, welches 2014 gegründet wurde und damals noch „TwitchAlerts“ hieß, wurde 2019 für 89 Millionen US-Dollar von Logitech gekauft.

Streamlabs x OBS: Eine Scheinverbindung

Da Streamlabs, wie bereits erwähnt, bis vor ganz kurzer Zeit noch den Beinamen „OBS“ mit im eigenen Namen trug, gingen viele Streamende, User als auch weitere Akteure, wie beispielsweise sogar einige Unternehmen, davon aus, dass Streamlabs entweder zu OBS dazugehören würde oder zumindest eine offizielle Partnerschaft zwischen beiden Services existieren würden. Doch dem ist mitnichten so. Das wissen wir, seit das „originale“ OBS am gestrigen Mittwoch über Twitter erklärte, dass Streamlabs den Namen „OBS“ ohne Einverständnis mitnutzte.

Der zugehörige Tweet entstand im Rahmen einer Debatte über geklaute oder kopierte Online-Inhalte, die von anderen Akteuren ohne Zustimmung und Abstimmung mit den eigentlichen Urhebern verwendet werden. Gestartet worden war das Thema von einer browserbasierten Livestreaming-Lösung namens „Lightstream„, welche sich über kopierte Webseiten-Inhalte echauffierte. Daraufhin meldete sich nicht nur der bekannte Streaming-Ausstatter „Elgato“ zu Wort und bestätigte, dass auch dieser selbst bereits mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte, sondern eben auch OBS.

OBS erklärt in jenem Tweet, dass Streamlabs kurz vor dem Launch von Streamlabs OBS (SLOBS) Kontakt zu OBS gesucht hatte und um die Erlaubnis gebeten habe, den Namen OBS für die eigenen Dienste mitverwenden zu dürfen. OBS habe diese Nachfrage laut eigener Aussage höflich abgelehnt. Streamlabs habe den Namen im Anschluss trotzdem verwendet und ließ daraufhin sogar eine Trademark-Eintragung folgen. OBS habe daraufhin versucht, die Probleme außerhalb der Öffentlichkeit direkt mit Streamlabs zu klären, die sich allerdings in jedem Aspekt unkooperativ gezeigt hätten.

Rechtlich ist dies übrigens gar nicht unbedingt ein Verstoß. OBS betont selbst, dass Streamlabs in dieser Hinsicht die Richtlinien der General Public License (GPL) gewahrt hätte, aber wiederholt den Geist und die Werte der Open-Source-Software verletzt habe.

Im Anschluss an diese Enthüllungen folgten viele Erklärungen von Akteuren, Firmen und Streamenden, dass diese in Zukunft nicht mehr auf die Dienste von Streamlabs setzen würden und auch sonst nichts mehr mit dem Anbieter zu tun haben wollen.

Wie seht ihr das? Könnt ihr das Vorgehen von Streamlabs verstehen?
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Streamlabs reagiert prompt

In der weiteren Folge reagierte auch Streamlabs selbst zeitnah auf die Vorwürfe – und diese wirken wie ein Schuldeingeständnis. Auf Twitter veröffentlichte Streamlabs über den eigenen Account folgendes Statement:

„Wir werden sofort Maßnahmen ergreifen, um OBS aus unserem Namen zu entfernen.

Streamlabs OBS basiert auf der Open-Source-Plattform OBS. Streamlabs OBS ist ebenfalls Open Source, und unser Code ist öffentlich zugänglich.

Wir übernehmen die Verantwortung für unser Handeln und werden die Community unterstützen.“

Auch via Mail hat sich Streamlabs offenbar an Nutzende gewendet und scheint um Schadensbegrenzung bemüht. So postete etwa ‚Staiy‘, einer der größten deutschen Streamer auf Twitch, welche Nachricht ihn von OBS via Mail erreichte.

Dort heißt es:

„Hey Staiy,

Wir sind uns deines Anliegens bewusst und ergreifen sofortige Maßnahmen, um OBS aus unserem Namen zu entfernen. Wir haben hier eine offizielle Erklärung veröffentlicht: „Link“ [zum oben bereits erwähnten Post]

Wir sind hier, um dich in jeder Hinsicht zu unterstützen. Wenn du noch Fragen hast oder wir noch etwas für dich tun können, lass es mich bitte wissen.

Mit freundlichen Grüßen,

Chris“

Eine Idee davon, wie viele Creator selbst nicht über die Geschehnisse informiert waren und vielmehr dachten, dass es eine tatsächliche Kooperation zwischen OBS und Streamlabs gebe, bekommt ihr, wenn ihr die Antworten unter dem mittlerweile fast 28.000 Mal geteilten Tweet von @OBSProject lest.