Berlin. Am heutigen Dienstag, 8. Dezember 2020, wurden die Ergebnisse der Studie „Die Games-Branche in Deutschland 2018/19/20“ erstmals präsentiert. Sie gibt detaillierte Einblicke in die Games-Branche und den Games-Markt in Deutschland vor Einführung der bundesweiten Games-Förderung und soll in Zukunft auch als Bezugspunkt genutzt werden, um die Wirksamkeit der Games-Förderung zu messen.

„Insgesamt“, so lautet eine der Schlussfolgerungen von Studienleiter Prof. Dr. Oliver Castendyk von der Hamburg Media School, „stagniert der deutsche Games-Produktionsmarkt im Gegensatz zur globalen Entwicklung: Zwar ist der deutsche Games-Markt weiter stark gewachsen, allerdings konnten nur wenige heimische Unternehmen hiervon profitieren.

Der Marktanteil deutscher Spieleproduktionen liegt weiterhin bei unter fünf Prozent; auch die Anzahl der Beschäftigten hat sich nicht positiv entwickelt, heißt es in der zugehörigen Pressemitteilung, die die Ergebnisse zusammenfasst. Damit konnte das Potenzial der Games-Branche in Deutschland bisher nicht genutzt werden. Wir sind gespannt auf die Effekte in den kommenden Jahren, wenn die von der Bundesregierung eingeführte bundesweite Games-Förderung ihre Wirkung entfaltet.“

Anzeige

game-Geschäftsführer Felix Falk sagt:

„Die neue Games-Studie unterstreicht aus unserer Sicht die Bedeutung der Games-Förderung für den Standort Deutschland: Denn seit der ersten Studie 2017 gibt es in den entscheidenden Bereichen, wenn überhaupt, nur geringe Fortschritte: Das seit Jahren positive Umsatzwachstum des Games-Marktes hatte bisher kaum Effekte für die hiesigen Games-Unternehmen oder Auswirkungen auf die Beschäftigtendaten. Die jetzt gestartete große Games-Förderung schafft dagegen erstmals konkurrenzfähige Rahmenbedingungen für die Spiele-Entwicklung in Deutschland. Damit kommt der neuen Studie eine besondere Bedeutung zu: Sie ist die ‚Nullmessung‘ mit der in den kommenden Jahren die Wirksamkeit der Games-Förderung überprüft und optimiert werden kann.“

Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur:

„Die Studie zeigt, dass bei uns in Deutschland viele Spiele verkauft, aber leider noch zu wenige entwickelt werden. Das wollen wir mit der Games-Förderung des Bundes ändern und Deutschland international konkurrenzfähig machen: Mit rund 250 Millionen Euro Bundesförderung tragen wir dazu bei, die deutsche Studio-Landschaft zu stärken und so auch unseren Marktanteil zu steigern.“

Jung, exportstark und über ganz Deutschland verteilt

Die Games-Branche in Deutschland ist besonders jung und dynamisch: Im Durchschnitt sind Games-Unternehmen lediglich sieben Jahre alt, jedes zweite von ihnen ist sogar jünger als 5 Jahre. Entsprechend klein sind die meisten Unternehmen: 7 von 10 beschäftigen weniger als 10 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Trotz der vielen kleinen und noch jungen Unternehmen sind die Beschäftigungsverhältnisse im Vergleich zu anderen Kreativ- und Kulturindustrien deutlich stabiler: So sind 8 von 10 Mitarbeitende sozialversicherungspflichtig angestellt, 7 von 10 arbeiten in Vollzeit und 8 von 10 sind unbefristet beschäftigt. Der Anteil weiblicher Beschäftigter ist mit rund 25 Prozent gleichbleibend zur vorherigen Studie. Der hohe Anteil von Mitarbeitenden ohne deutsche Staatsangehörigkeit sticht positiv hervor: Beträgt dieser in anderen Teilen der Kultur- und Kreativwirtschaft 17 Prozent, sind es in der Games-Branche 27 Prozent. Zu den Gründen hierzu zählt unter anderem, dass der Bedarf an hochspezialisierten Fachkräften teilweise mit Experten aus dem Ausland gedeckt werden muss.

Auch die besonders internationale Ausrichtung der Games-Unternehmen spielt hierbei eine Rolle: So liegt die Exportquote mit 47 Prozent deutlicher über den sieben Prozent der Kino- und TV-Produktionswirtschaft, den rund 9 Prozent des Buchmarktes und den zehn Prozent der Musikwirtschaft. Eine Besonderheit der deutschen Games-Branche: Anders als in vielen anderen Ländern verteilen sich die Games-Unternehmen über ganz Deutschland. Zwar gibt es auch hier mit Berlin, Hamburg, München oder Köln einige Regionen, an denen sich die Branche etwas konzentriert. Insgesamt gibt es Games-Unternehmen aber an einer Vielzahl von Standorten.

Die Studie „Die Games-Branche in Deutschland 2018/19/20“ wurde durchgeführt von der Hamburg Media School. Verantwortlich für den quantitativen Teil der Studie ist Prof. Dr. Oliver Castendyk. Dr. Lisa-Charlotte Wolter, beraten von Prof. Dr. Jörg Müller-Lietzkow von der HafenCity Universität Hamburg, zeichnet verantwortlich für das Kapitel „Status der Games-Branche“ und den qualitativen Bereich der Studie. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat das Studienprojekt zu 85 Prozent gefördert, der restliche Anteil wurde durch den Auftraggeber game finanziert.

Die vollständige Studie „Die Games-Branche in Deutschland 2018/19/20“ mit zahlreichen Daten aus der quantitativen Erhebung von 2018 sowie weiteren Daten aus den qualitativen Recherchen von 2019 und 2020, unter anderem zum Fachkräftebedarf und den Gehaltsstrukturen sowie Vergleichen zur internationalen Games-Branche zu anderen Teilen der Kultur- und Kreativwirtschaft, kann unter folgendem Link heruntergeladen werden: www.game.de/publikationen/studie-games-branche-in-deutschland-2020/

Über den game – Verband der deutschen Games-Branche

„Wir sind der Verband der deutschen Games-Branche. Unsere Mitglieder sind Entwickler, Publisher und viele weitere Akteure der Games-Branche wie Esport-Veranstalter, Bildungseinrichtungen und Dienstleister. Als Mitveranstalter der gamescom verantworten wir das weltgrößte Event für Computer- und Videospiele. Wir sind zentraler Ansprechpartner für Medien, Politik und Gesellschaft und beantworten Fragen etwa zur Marktentwicklung, Spielekultur und Medienkompetenz. Unsere Mission ist es, Deutschland zum besten Games-Standort zu machen“, schreibt der Verband über sich selbst.

Zur Gamesförderung des BMVI

Im Jahr 2019 wurde die Pilotphase zur Computerspieleförderung des Bundes für kleinere Vorhaben bis 200.000 Euro Förderung umgesetzt. Daraus resultierten über 200 Förderprojekte. Das BMVI hat dafür bisher rund 27 Millionen Euro an Haushaltsmitteln gebunden bzw. für noch ausstehende Anträge eingeplant. 99 Prozent der Projekte aus der Pilotförderung sind von Klein- und Mittleren Unternehmen, davon sogar 87 Prozent von Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern.

Die Pilotförderung des Bundes umfasst aktuell mehr als 70 Prozent aller gamesbezogenen Förderprojekte in Deutschland. Die Förderrichtlinie zur Produktionsförderung mit größeren Förderbeträgen in der zweiten Stufe wurde mit der EU-Kommission im Rahmen des Notifizierungsverfahrens abgestimmt. Die Förderrichtlinie und der erste Förderaufruf wurden am 28. August 2020 veröffentlicht, die Einreichung von Anträgen ist seit dem 28. September 2020 möglich.

Anzeige