Twitch hat zum Ende des Jahres noch einmal neue Features zugänglich gemacht, um die Möglichkeiten und Optionen von Creatorn auf der eigenen Plattform ein weiteres Mal zu vergrößern. Doch nicht immer kommen die gut gemeinten Vorhaben auch so gut in der Community und bei den Streamenden an.

Während auch in diesem Fall einige Dinge wirklich gut gelungen sind – dazu gehört etwa die Möglichkeit, den eigenen Feed so aufzuteilen, dass abgeschlossene Abos, Cheers, Raids oder auch Follows getrennt voneinander angezeigt werden – ist eine andere Ergänzung höchst umstritten. Es geht um eine neue Anzeige im Creator-Dashboard, die es Streamenden ermöglicht zu sehen, warum Subscriber ihre Abos nicht verlängert haben.

Zu den Optionen, die Abonnenten angeben können, wenn sie entsprechend befragt werden, gehören etwa unpassende Streaming-Zeiten für die eigene Freizeit, finanzielle Gründe, Zahlungsmethoden, die manuelle Verlängerung, schlechte Interaktion und einige weitere.

Angst vor zusätzlichem Stress

Theoretisch könnte man nun argumentieren, dass dieses neue Analyse-Tool insbesondere Creatorn mit einem professionellen Anspruch dabei hilft, die eigene Zielgruppe und Community genauer zu analysieren. Diese Analyse ist bei wirtschaftlich orientierten Projekten Standard und wird oftmals so detailliert wie möglich betrieben. So scheint es folgerichtig, dass auch Twitch seinen Streamern und Streamerinnen immer tiefergreifende Optionen bietet, um die Effizienz zu steigern und möglichen Problemen in der Monetarisierung entgegenzuwirken.

Auf der anderen Seite äußern sich viele Creator und auch andere Akteure aber besorgt. Sie befürchten, dass diese Anzeige eher zu zusätzlichem Stress führen könnte, wenn man versucht, den angegebenen Gründen entgegenzuwirken, die man selbst beeinflussen kann. Dazu gehört vornehmlich natürlich die Streaming-Zeit. Geben etwa besonders viele Zuschauende an, ihr Abo nicht verlängert zu haben, weil die eigene Zeitplanung nicht zu den Streamingzeiten des Creators passt, könnte dies zu einem ungesünderen Verhalten führen und Streamende dazu veranlassen, entweder noch länger und häufiger zu streamen oder aber sich zusätzlichem mentalen Druck ausgesetzt zu sehen.

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Diese, von Twitch selbst veröffentlichte, Grafik zeigt beispielhaft eine Statistik, warum Subscriber ihre Abos nicht verlängerten. Quelle: Twitch

Statistiken zeigen schon jetzt, dass viele Streamer überdurchschnittlich viel Zeit online verbringen, vergleicht man die Stunden mit einem regulären Arbeitsvertrag im Angestelltenverhältnis. Auch Insider und (ehemalige) Twitch-Partner gaben öffentlich bereits mehrfach zu, dass der Vertrag mit Twitch äußerst zeitraubend sei – und die vielen Stunden vertraglich eingefordert würden.

So wechselten in der näheren Vergangenheit bereits mehrere namhafte Charaktere zu Konkurrent YouTube, da dort eine flexiblere Zeitgestaltung möglich sei. Beispiele dafür sind unter anderem Tim ‚TimTheTatman‘ Betar oder auch Ben ‚DrLupo‘ Lupo. Lupo sagte zum Zeitpunkt seines Wechsels, dass er jahrelang 60 bis 70 Stunden pro Woche streamte.

Augenscheinlich ist dies weder für die mentale Gesundheit, noch für eine ausgeglichene Work-Life-Balance extrem hilfreich. Durch das neue Feature befürchtet ein Teil der Streamenden nun, dass sich dieses Problem noch verschärfen könnte.

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Erhöht das Feature den Druck auf die Streamenden weiter? Oder gehört die Möglichkeit der Analyse schlichtweg dazu?