Die letzte und einzige Open Beta zum MMORPG-Hoffnungsträger New World ist vorbei. Vom vergangenen Donnerstag bis zum gestrigen Montag, 13. September 2021 konnten sich Interessierte einen großen Teil von New World ansehen. Das Großprojekt von Amazon Games ist für viele Online-Rollenspieler die Hoffnung überhaupt, wieder ein neues Zuhause im Genre zu finden.

Während WoW schon länger strauchelt und Final Fantasy XIV Online zwar einen Höhenflug erlebt, aber mit Sicherheit nicht den Geschmack aller Genre-Fans trifft, bringt New World trotz der zahlreichen Änderungen im Verlauf der Entwicklung einige Ansätze mit, die es in diesem Umfang, dieser Intensität und vor allem Kombination vorher noch nicht gegeben hat. Orientierungen an anderen MMO(RPG)s findet man aber natürlich am laufenden Band. Die Mischung macht’s.

Nach der Closed Beta für alle Spielenden, die New World bereits vorbestellt haben, wollte man im Rahmen der nun hinter uns liegenden Open Beta vor allem die Serverstabilität testen, weitere Fehler ausmerzen und einen letzten Stresstest vor dem Release durchführen, der momentan weiterhin für diesen Monat geplant ist, genauer gesagt am 28. September 2021 stattfinden soll. Doch so richtig rund lief am Wochenende bei weitem nicht alles.

Zwischen geplanten Schwierigkeiten und unbequemen Fakten

Die Serverkapazitäten wurden im Vergleich zur Closed Beta deutlich erhöht. Klar. Immerhin konnten dieses Mal nicht nur Vorbesteller spielen, sondern alle Interessierten. Der zu erwartende Ansturm der Spielenden war trotz der neuen Anmeldetechnik von Steam deutlich größer als zuvor. So wunderte es wohl weder Entwickelnde noch uns, dass sich vor allem zum Beta-Start und zur Gaming-Prime-Time am Abend abermals lange Schlangen vor einigen Servern bildeten. Dass solche Ereignisse auch zum Release stattfinden werden, halten wir für äußerst wahrscheinlich.

Dafür sprechen zudem zahlreiche Releases im Genre, die wir in der Vergangenheit bereits genauestens beobachten konnten. Man denke etwa an WoW Classic – sechs Stunden Warteschlange war dort vor dem erweiterten Server-Kontingent keine Seltenheit. Hoffnungsvoll stimmt uns hier natürlich der große Name Amazon (Games), der theoretisch jedenfalls genügend Mittel und Ressourcen für einen sauberen Launch zur Verfügung stellen könnte.

Weniger erfreulich waren indes die deutlich häufiger auftretenden Bugs in der Open Beta im Vergleich zum vorherigen Testzeitraum. So erschienen etwa manche Quest-Gegner gar nicht, Elemente der Hauptstory ließen sich nicht oder erst nach sehr langem Herumprobieren abschließen, Sound-Bugs lagen an der Tagesordnung und etliche Gegner wollten, trotz eindeutiger Treffer, einfach keine Lebenspunkte verlieren. Dies sind nur einige Beispiele der Fehler, mit denen nicht nur unser Team während der ausgiebigen Tests konfrontiert wurde, sondern von denen man auch immer wieder und zahlreich auf diversen Social-Media-Kanälen und in Foren lesen kann.

new world quest bug
Ein Beispiel für eine verbuggte Quest: Auf Meister Henry bei den Liegeplätzen am Fluss warteten nicht nur wir… Quelle: Amazon Games

Diese deutliche Verschlechterung im Vergleich zur Vorbesteller-Beta muss zum Release jedenfalls wieder ausgeglichen werden. Denn zuvor spielten Bugs gar keine große Rolle. Klar, der nervige Sound-Fehler, der sowohl Atmosphäre als auch Immersion komplett zerstört, existierte vorher auch schon, trat aber weitaus seltener auf. Zudem beschwerten sich einige Testende über eine schwache Performance, FPS-Einbrüche und Lags, die in diesem Umfang zuvor – bei einer geringeren Spielerzahl – ebenfalls nicht existierten.

Ein weiterer Aufreger war zudem eine grundlegende Änderung an der PvP-Mechanik in New World, die Amazon Games nach lautem Feedback einiger Content-Creator nach der Vorbesteller-Beta vornahm. Zuvor skalierte das Spiel die Stufe der Spielenden im Kampf von Spieler gegen Spieler so, dass ihr trotz eines größeren Levelunterschieds eine Chance hattet, den Gegenüber zu bezwingen. Dies war nun nicht mehr so. Amazon Games schwächte den Mechanismus deutlich ab und schrieb in den Patchnotes, dass Stufenunterschiede im PvP nun eine deutlich größere Rolle spielen würden und das taten sie auch – nicht zum Vergnügen vieler Spielender, die sich ebenfalls lautstark über diese Änderung beschwerten.

Zwar führte die Anpassung unserer eigenen Wahrnehmung nach zu deutlich mehr PvP in der offenen Welt, da sich vor allem Vielspieler mit vergleichsweise hoher Stufe öfter trauten, sich für PvP zu „flaggen“, doch grenzt die Maßnahme eben Gelegenheitsspieler noch mehr aus PvP-Aktivitäten aus. Richtet man nun ein Auge darauf, aus welcher Richtung New World vor der großen Umstellung einst kam, sollte man diese Umstellung seitens des Entwicklerstudios vielleicht wirklich noch einmal überdenken.

Keine neuen Inhalte

Wie bereits im Vorfeld angekündigt, wurden zwar einige Balancing-Änderungen vorgenommen, Menüs angepasst, „Quality-of-Life“-Verbesserungen eingepflegt und einige Fehler behoben, inhaltliche Neuerungen gab es im Vergleich zur Closed-Beta für die Vorbesteller und Vorbestellerinnen aber nicht.

Wer also zum zweiten Mal testete und dafür natürlich wieder einen komplett neuen Charakter erstellte, konnte lediglich andere Aspekte von New World begutachten. Wie spielen sich Dungeons oder PvP-Aktivitäten, wie funktioniert das Housing oder Berufe in fortgeschrittenen Stadien? Welche Waffen besitzen welche Kombinations- und Skillmöglichkeiten und wie passen diese am besten zusammen? All das sind wohl zentrale Fragen, die sich einige Spielende vor dem Release beantworten wollten.

Amazon Games hielt allerdings weiterhin an dem Plan fest, bis zum Release keine Inhaltserweiterungen wie beispielsweise die heiß ersehnten neuen Waffen ins Spiel zu integrieren. Das ist, schaut man auf die doch offenkundigen Probleme, die es noch gibt, wahrscheinlich auch besser so. Das Motto sollte lauten: Erst optimieren, dann erweitern. Genug zu tun gibt es nämlich in New World auf jeden Fall auch schon jetzt.

Fazit

Die letzte New World Testphase stimmt uns nachdenklich. Während es nach der Vorbesteller-Beta schon fast als sicher und bestätigt galt, dass der aktuell kommunizierte Launch-Termin am 28. September 2021 eingehalten werden kann, gibt es nun doch wieder Zweifel. Zwar ist es keinesfalls sicher, dass sich Amazon Games eine weitere (fünfte!) Verschiebung überhaupt noch leisten kann, doch auch ein schlechter Release kann vielversprechenden Titeln schnell das Genick brechen – auch das haben wir in der Vergangenheit bereits mehrfach beobachten können.

Amazon Games muss nun ganz genau abwägen, ob an dem Plan der Veröffentlichung Ende September festgehalten wird, oder ob wir kurzfristig erneut vertröstet werden und schon fast Cyberpunk-Vibes aufkommen. Die Motivation vieler motivierte und wartender Fans könnte damit vollständig abflauen.

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Eine letzte Anmerkung

Wer direkt zu Beginn zusammen New World spielen möchte, muss zudem aktuell viel Glück haben. Denn verständlicherweise hat Amazon Games mehrere Startgebiete eingerichtet, die sich zwar inhaltlich fast komplett gleichen, aber auf mehrere Regionen der Welt verstreut sind. Wo ihr mit eurem oder eurer Schiffbrüchigen startet, ist dem Zufall geschuldet und war aktuell noch nicht beeinflussbar. Es kann also durchaus passieren, dass ihr nicht gemeinsam mit euren Mitspielenden, sondern gegebenenfalls mehrere Kilometer entfernt ins Spiel startet.