Nun ist es bereits einige Tage her, dass Amazon Games die Servertransfers in New World zunächst freischaltete, aber schon am gleichen Abend wieder abstellen musste. Seither können die Spielenden nicht mehr von der versprochenen und dann doch nur einige Stunden verfügbare Funktion Gebrauch machen, die es ermöglicht, die Heimatwelt zu wechseln, um dort beispielsweise mit Freunden oder der gewählten Kompanie oder Community zusammenzuspielen.

Fakt ist: Der Zustand, nachdem die Servertransfers kurze Zeit online waren, ist für viele Spielende sogar schlimmer als zuvor. Was ist damit gemeint? Es bedeutet schlicht und einfach, dass einige Spieler die Chance im kurzen Zeitfenster nutzten, um ihren Charakter bereits auf einen neuen Wunsch-Server zu transferieren. Andere hingegen, die in den besagten zirka 18 Stunden keine Gelegenheit hatten, vom – immerhin kostenlosen – Service Gebrauch zu machen, sitzen noch immer dort fest, wo sie ihren Charakter zum hektischen und problematischen Release erstellten. Für sie ist noch immer alles so, als hätte es die Transfers nie gegeben.

Doch halt. Das stimmt so nicht ganz. Denn mit etwas Pech sind einige Freunde und Mitspieler bereits gegangen. Gegangen in der Hoffnung, dass die Transfers ab sofort bleiben, viele Probleme lösen und befreundete Spieler nur wenige Stunden oder Tage später folgen würden. Nur ist dem leider nicht so. Nach der Abschaltung am Abend des vergangenen Donnerstags, 21. Oktober sind zuvor zusammenspielende Gruppen sogar gespalten. Teile von Kompanien und Fraktionen sind bereits am gewünschten Zielort, andere können nicht nachziehen und stehen weiterhin hinter einer Barriere am Startpunkt – theoretisch zum Sprint, oder eben Transfer, bereit.

Ein immer weiter wachsendes Problem

Das ist einer der Gründe, warum der Frust in der Community tief sitzt. Doch andere Faktoren gesellen sich dazu. Zum einen ist es ja nicht so, als wäre der Ausfall dieses neu entwickelten Features der erste Fehltritt, den sich das eigentlich so beliebte und erfolgreich gestartete MMO von Amazon Games zum Release leistete. Denken wir etwa an die mangelnden Serverkapazitäten, daraus resultierende, gefühlt endlose Warteschlangen, die fehlerhaften Anzeigen im deutschen Client, der Bug, der Charaktere auf Wunsch unbegrenzt lange unverwundbar machte, die falsch angezeigten Hauspreise, der quasi permanent abgeschaltete Außenpostensturm Spielmodus, die zu häufig erscheinenden Endgame-Portale, die zunehmend auffälligen Bots und so weiter und so fort. Diese Liste ist noch nicht komplett und doch an dieser Stelle aussagekräftig genug.

Dennoch: Jedes große Spiel hat zum Release seine Kinderkrankheiten. Und jede andere Erwartungshaltung wäre so utopisch wie realitätsfern. Die Entwickler werden im Vorfeld der Veröffentlichung ihr Möglichstes getan haben, um New World und Aeternum zu einem großartigen Spiel und Erlebnis zu machen. Und sie werden dafür sehr, sehr viel Zeit und vermutlich, wie in der Branche so üblich, diverse Überstunden gemacht haben. Im Anschluss eine solch intensive Zeit nun anzunehmen, dass es ein Leichtes sein müsse, innerhalb von wenigen Stunden alle Probleme, die im Live-Zustand auftreten und entdeckt werden, zu beheben, ist – formulieren wir es vorsichtig – kritisch. Insbesondere, wenn wir betrachten, wie sehr sich New World im Prozess der Entwicklung noch verändert hat.

Amazon Games Problem ist an dieser Stelle vor allem die Kommunikation. Denn zu vielen dieser Bugs, insbesondere auch zum abgeschalteten Servertransfer, schweigen sich die Verantwortlichen großflächig aus. Nachdem man einen Tag nach der Entdeckung der kritischen Fehler, die überhaupt erst zur Abschaltung des Features führten, noch im offiziellen Forum für New World Neuigkeiten betonte, dass man seit der Freischaltung bereits 150.000 Charaktere transferiert habe, kehrte Ruhe ein. „Wenn das Problem behoben ist, werden wir den Dienst mit einer vorherigen Ankündigung wieder freigeben“, hieß es abschließend. Von einem Zeitrahmen noch keine Spur.

Doch auch über das gesamte Wochenende blieb die Kommunikation still. Erst am frühen Dienstagmorgen erfolgte wieder eine offizielle Wortmeldung, dieses Mal lediglich im englischen Thread, kommuniziert von Amazon Games Community Manger ‚NW_Mugsy‘. Als Update zum Thema Servertransfers betont er, dass die Problemlösung und die Wiederherstellung der Servertransfers für das Team derzeit die höchste Priorität habe. Man möchte diesen Service so schnell wie möglich wieder zur Verfügung stellen und Updates veröffentlichen, sobald man einen verlässlichen Zeitplan für die Freigabe habe. Das war es. Update Ende.

Anzeige
Angebot Logitech G502 HERO...
Angebot Razer Viper Mini -...
Angebot Roccat Kone AIMO Gaming...
Angebot Razer Naga Trinity -...
Angebot Logitech G203 Gaming-Maus...

Originalzitat: NW_Mugsy, Amazon Games Community Manager:

„Update:
Resolving this persistence issue and re-enabling server transfers is a top priority for the team.
We want to make this available again as soon as possible. We will share updates when we have reliable timing for when this can be released.
Thank you everyone for your patience.“

Dies lässt die Lesenden und Fans, die seit nun vier Tagen zuvor nichts mehr von dem Thema hörten und mehr oder weniger geduldig warteten, nicht nur frustriert, sondern wahrscheinlich auch verärgert zurück. Denn das Update ist quasi keines. Weiterhin ist unbekannt, wie weit man bei der Problemlösung ist und wann das Feature wieder genutzt werden kann. Insbesondere der letzte Satz macht keine Hoffnung darauf, dass das Feature, wie viele Spieler gehofft hatten, bereits mit den wöchentlichen Wartungsarbeiten am morgigen Mittwoch zurückkehrt.

Vielmehr klingt es danach, als müssten wir noch einige Zeit länger warten. Das lässt das Problem hinter dem Problem der nicht funktionierenden Transfers aus technischer Sicht noch viel größer werden.

Zeit und Motivation

Die Faktoren Zeit und Motivation sind an dieser Stelle für die Erklärung des vorherigen Satzes entscheidend. Denn auch wenn wir weiter oben betont haben, dass eine zeitnahe Problemlösung aller auftauchenden Schwierigkeiten utopisch ist, geht es hier um eines der kritischsten Themen. Der Hype eines neuen Spiels, insbesondere im Genre der MMOs ist immer zum Release am größten. Selbiges gilt für die Anzahl der Spielenden, die gemeinsam eine neue Welt erkunden wollen. Während dies für viele Glückliche auch kein Problem ist und Fortschritt um Fortschritt erreicht, Erfolg um Erfolg gefeiert und genossen werden kann, konnten andere noch keine einzige gemeinsame Aktivität im Spiel umsetzen.

Für alle Spielergemeinschaften, die noch immer auf getrennten Servern spielen, gilt folgendes Bild: Man selbst steht auf der Bremse und sieht anderen beim Erleben der spannenden, neuen Abenteuer und beim Lüften der nur kurz geheimen Geheimnisse der Spielwelt zu. Entweder eilt man dem nun allein hinterher oder muss weiterhin warten und zusehen. Währenddessen flaut der Hype langsam ab und die eigene Motivation sinkt. Die Motivation sinkt bei vielen irgendwann vielleicht so sehr, dass man sie als Spieler im hart umkämpften Markt direkt wieder verliert. Das sollte und kann weder im Interesse von Amazon Games, noch der Community selbst sein.

In diesem Kontext lohnt es auch noch einmal darauf hinzuweisen, dass New World auf ein Buy-2-Play Finanzierungsmodell setzt und im Anschluss ausschließlich über kosmetische Mikrotransaktionen im Ingame-Shop Geld verdient. Und eben theoretisch über zusätzlich angebotene Servertransfers… Welch eine Ironie. Man ist darauf angewiesen, die Community aktiv, motiviert und eben im Spiel zu halten.

Amazon Games verspricht Besserung

Immerhin kann man, sollte man das New World Forum aktiv verfolgen und die zahlreichen Threads durchstöbern, durchaus auch Zugeständnisse und Verbesserungsversprechen finden. Es war ebenfalls der bereits zitierte Community Manager ‚NW_Mugsy‘, der kürzlich betonte, dass Antworten und Stellungnahmen in Threads oft überlesen würden. Deshalb wolle man in der nahen Zukunft einen Bug-Tracker mit aktuellen Zwischenständen oder eine Art Entwicklerblog ins Leben rufen, um für mehr Transparenz im Fortschritt der Fehlerbearbeitung zu sorgen.

Man nehme das Feedback aus der Community sehr ernst und der Autor des Posts selbst stimme zu, dass es eine Menge Raum für Verbesserungen gebe. Nur wird derzeit selbst die offizielle Anlaufstelle des Forum-Bereichs „Offizielle Neuigkeiten“ nicht ausreichend genutzt, um über genau diese Themen zu kommunizieren.