Das neue MMO von Amazon Games scheint endlich ein Erfolgskonzept zu beinhalten. New World weiß nach dem Release in der vergangenen Woche noch immer inhaltlich zu überzeugen. Wären da nicht noch einige Kinderkrankheiten, wie beispielsweise die lästigen Warteschlangen und nervigen Bugs direkt im Spiel, könnte man von einem richtig guten Release sprechen.

Während die meisten Spielenden fleißig ihren Charakter leveln, alle möglichen Materialien und Rohstoffe sammeln, diese veredeln und schließlich zu diversen Produkten wie Waffen, Rüstungen, Tränken und sogar Möbeln verarbeiten, erste Dungeons in der Gruppe besuchen und die Spielwelt Aeternum erkunden, gibt es auch bereits viele PvP-Enthusiasten. Und genau an dieser Stelle kommt ein großes, weiteres und bislang zu wenig beachtetes Problem ins Spiel.

Eigentlich hat Amazon Games Wort gehalten und bietet im Ingame-Shop lediglich kosmetische Mikrotransaktionen an. Dieses Thema war von vielen Skeptikern im Vorfeld kritisch beäugt worden, da New World auf ein „Buy to Play“-Konzept setzt und euch im Anschluss nichts mehr kostet. Gerade im Genre der MMO(RPG)s sind monatliche Abo-Gebühren zur Finanzierung der Spiele nicht unüblich. Da diese bei New World wegfallen, war befürchtet worden, dass auch inhaltliche Vorteile im Shop gegen Echtgeld erworben werden können. Auch hier gibt es wieder Beispiele im eigenen Genre, wo genau dies der Fall ist.

Amazon hält Versprechen und enttäuscht doch

Doch Amazon Games hielt das Versprechen: Alles, was ihr im Shop kaufen könnt, dreht sich um Skins, Emotes und Äußerlichkeiten im Allgemeinen. So weit, so gut. Doch die PvP-Spielenden beschweren sich nun trotzdem über „Pay to Win“. Was ist da los?

Grundsätzlich geht es um ein ganz banales und wirklich einfach zu lösendes Problem. Dies fängt damit an, dass ihr in New World grundsätzlich drei verschiedene Typen von Rüstung tragen könnt. Leichte, mittlere und schließlich schwere Rüstung. Diese bestimmt sowohl über eure Mobilität, als auch darüber, wie viel ihr im Kampf einstecken könnt, bevor ihr zu Boden geht. Logischerweise orientiert man sich im Design der Rüstungen im Spiel an ihren Eigenschaften. So sind leichte Rüstungen oft Kleider, leichte Hemden und in den meisten Fällen irgendwie aus Stoff, Leinen oder Seide. Erkennen wir am Gegenüber viel Leder, wird er in den meisten Fällen in die Klasse der mittleren Rüstung fallen. Sehen wir Metall, Platten und Panzer, ist der Gegner aller Wahrscheinlichkeit nach ein Tank und wird jede Menge Schaden einstecken können.

Im PvP wird man sich also zunächst auch an den Äußerlichkeiten orientieren müssen, wenn es um die Bestimmung der wichtigsten Ziele im gegnerischen Team geht. Doch das ist gar nicht so einfach – an dieser Stelle kommen nämlich wieder die Mikrotransaktionen und insbesondere Rüstungs-Skins ins Spiel. Amazon Games hat es versäumt, eine Limitierung einzuführen, die es euch lediglich gestattet, Rüstung optisch in der gleichen Kategorie zu modifizieren. Stattdessen könnt ihr per einfachem Mausklick auch euer Stoffkleid aussehen lassen, wie einen metallenen Brustpanzer. Da dies für alle Rüstungsslots gilt, lässt sich somit nicht mehr unterscheiden, welcher Gegner ein leicht zu verwundener Fernkämpfer oder Heiler ist und wer ein schwer gepanzerter Krieger.

Eine Differenzierung und taktisches Kämpfen fällt somit unnötig schwer, macht es in manchen Situationen unmöglich. Wer Echtgeld ausgibt, kann sich also als Tank tarnen, obwohl man eigentlich im seidenen Gewand steckt und theoretisch ein leichtes Ziel wäre. Dies kann Gegner im Getümmel der großen Schlacht ganz schön irritieren und euch einen echten spielerischen Vorteil verschaffen – obwohl ihr eigentlich nur Skins gekauft habt.

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Die Lösung ist einfach – theoretisch

Die Lösung ist so einfach, wie genial und auch bereits im oberen Abschnitt angedeutet. Alles, was Amazon Games tun müsste, um dieses Problem im New World PvP zu lösen, wäre eine einfache Beschränkung in der Modifizierung eurer Ausrüstung durch Skins. Warum nicht einfach Skins von schwerer Rüstung auf schwere Rüstung im Spiel begrenzen?

Skins, die an Stoff erinnern, sollten ausschließlich für Stoff-Rüstungen verfügbar sein und für mittlere Rüstung gilt selbstverständlich das Gleiche. Somit könntet ihr noch immer von hübschen Skins Gebrauch machen, ohne die gegnerische Fraktion auf dem Schlachtfeld zu täuschen. Immerhin geht es nicht nur um den Kampf an sich, sondern im schlimmsten Fall um den Ausgang der Schlacht und somit um die Kontrolle ganzer Gebiete – eines der wesentliches und größten Features in ganz New World. Wer die Gebiete kontrolliert, entscheidet immerhin über Gebühren, Steuern, Ausbau der Siedlungen und mehr.

Eine Alternative wäre es, kosmetische Modifizierungen in instanzierten PvP-Gebieten, wie etwa Belagerungen von Städten, gänzlich zu verbergen. Doch das hilft wiederum in den großen Open-World-Schlachten nicht weiter, wo selbiges Problem auftaucht.

Wie sollte Amazon Games eurer Meinung nach mit dem Problem umgehen?
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