Am 6. August 2012 verkündete Riot Games die Absicht, eine professionelle europäische League of Legends Liga ab dem kommenden Jahr zu veranstalten. Diese sollte regelmäßige Spieltage, ein festes Einkommen für Spieler und anfangs acht verschiedene Teams enthalten. Der Startschuss der „Season 3“ der EU LCS (European League of Legends Championship Series) fiel dann am 9. Februar 2013, benannt nach dem 3. Jahr seit Release des Spiels.

Ab dem Jahr 2014 wurde der Name dann auf „2014 Season“ geändert, was bis heute beibehalten wurde. Anfangs herrschte noch ein großer Wechsel zwischen den Teams, da immer wieder Namen geändert wurden und es ein Auf- und Abstiegssystem zwischen der EU LCS und der Challenger Series gab. Seit Anfang an und heute immer noch aktiv ist jedoch das Team „Fnatic“, welches seit jeher einer der großen Fanlieblinge ist.

Positive Weiterentwicklungen der EU LCS

Ab der 2015 Season wurde die Anzahl der Teams dann auf zehn statt acht erhöht. Des Weiteren wurden die Finalspiele ab dem Summer Split 2015 als Offline-Events in großen Stadien in ganz Europa veranstaltet. Diese zogen immer größere Menschenmassen an und das Finale des Summer Splits 2015 erreichte eine digitale Zuschauerzahl von einer Million Menschen. Dieser Meilenstein zeigte die große Beliebtheit der EU LCS, welche in Zukunft noch weiter zunehmen sollte. 2016 markierte dann den Start einer langen Ära von Erfolgen mit dem Aufstieg von „G2 Esports“ aus der Challenger Series in die EU LCS. Sie gewannen auch direkt ihren ersten Split und sind seit dem die größten Rivalen der bisher vorherrschenden Spieler von Fnatic. Ebenfalls beim Mid Season Invitational gelang es G2 Esports einen großen internationalen Erfolg zu erzielen, da sie dort den 2. Platz belegten und nur von dem vermeintlich besten Team der Welt „SKT T1“ aus Korea bezwungen wurden.

Neben den oben genannten Erfolgen in der Kluft gab es auch einige Weiterentwicklungen abseits davon: Hinter jeder Mannschaft sammelte sich ein Team aus Analysten, Coaches, Personal Trainer und Ergotherapeuten. Dieses „Team hinter dem Team“ berät und betreut die Spieler und gibt ihnen wichtige Orientierungspunkte, damit sie sowohl physisch als psychisch optimal in Form sind. Nahezu jeder kennt das Klischee vom ungesunden Gamer, der den ganzen Tag nur vor dem PC sitzt, aber vor allem in der professionellen Szene wird dem entschieden und mit großem Engagement entgegengewirkt. Dieses Angebot reicht von sportlichen Übungen über eine ausgewogene Ernährung bis hin zu ergonomischen Sitzmöglichkeiten und höhenverstellbaren Tischen, damit die Spieler ebenfalls im Stehen spielen können.

Entstehung der LEC mit dem Franchising-System

Im Jahre 2019 wurde die EU LCS dann in die „League of Legends European Championship“, kurz LEC, umbenannt. Damit führte Riot Games das „Franchising“-Format hier in Europa ein und arbeitete mit zehn festen Teams als Partnern zusammen. Diese Teilnehmer setzen sich aus bekannten Namen wie Fnatic und G2 Esports, zurückkehrenden Teams, zum Beispiel SK Gaming und Schalke 04, aber ebenso frischen neuen Teams, namentlich Astralis und Excel, zusammen. Das wurde zunächst kritisiert, ermöglichte den Teams und Spielern jedoch eine langfristigere Planung und Ausrichtung, da sie nicht befürchten mussten, nach einem Split direkt abzusteigen.

Dieser Erfolg zeigte sich auch in den internationalen Wettbewerben, wo G2 Esports und Fnatic immer wieder neue Ziele erreichen konnten. So gelang es G2 beim MSI 2019 zu gewinnen und damit den ersten internationalen Titel zu bekommen. Beiden Teams gelang es außerdem, vermehrt die Final- und Halbfinal-Spiele der Weltmeisterschaft (kurz: Worlds) zu erreichen, bisher jedoch ohne Gewinn des Titels.

Aktuelle Situation der LEC

In der aktuellen Saison spielen in der LEC folgende Teams mit: Astralis, Excel Esports, Fnatic, G2 Esports, Mad Lions, Misfits Gaming, Rogue, Schalke 04, SK Gaming und Team Vitality. Für eine Überraschung sorgten die Spieler von Mad Lions, die im Spring Split 2021 zum ersten Mal den Titel gewannen und somit der erste Titelverteidiger seit dem Summer Split 2014 sind, der nicht G2 Esports oder Fnatic heißt. Sehr gute Leistungen in den drei Jahren seit Beginn der LEC erzielte ebenso das Team Rogue, wodurch das Titelrennen nun deutlich spannender und abwechslungsreicher geworden ist.

Mad Lions konnte ebenfalls international mit den Favoriten aus der koreanischen LCK und der chinesischen LPL mitspielen und belegte einen zufriedenstellenden 3./4. Platz beim MSI 2021 hinter den beiden Favoriten. An den Aufstieg dieser beiden Teams kann man gut den Erfolg des Franchising-Systems sehen, da die LEC noch kompetitiver und langfristig planbar geworden ist. Somit blicken viele europäische Fans auch gespannt auf die anstehenden Worlds 2021.

Neuerungen zu den Worlds 2021

Aufgrund der verschärften Lage der Corona-Pandemie haben die Verantwortlichen des „LoL Esports“ vor kurzem entschieden, dass die diesjährigen Worlds in Island, Europa stattfinden sollen. Trotz aller Bemühungen lassen es die Einreisebeschränkungen in China nicht zu, dass sich die besten Teams der Welt dort versammeln können. Die Lage in Island ist deutlich ungefährlicher und dort fand bereits das diesjährige MSI statt. Die Worlds finden somit vom 5. Oktober 2021 bis zum 6. November 2021 in der Laugardalshöll indoor sporting arena in Reykjavík, Island statt.

Lediglich die beiden Teams aus der vietnamesischen VCS können nicht nach Island einreisen, weswegen sie nicht am Turnier teilnehmen können. Deswegen ergaben sich leichte Änderungen am Format: Das drittplatzierte Team der LEC, Rogue, wird direkt in der Gruppenphase starten, statt an den Play-Ins teilzunehmen. In den Play-Ins kämpfen nun zehn Teams um die verbleibenden vier Plätze in der Group Stage. Diese setzen sich aus jeweils einem Team der LCK, LCS, LPL und PCS sowie den Gewinnern der kleineren Ligen in Brasilien (CBLOL), Japan (LJL), Ozeanien (LCO), Lateinamerika (LLA), der Türkei (TCL) und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (LCL) zusammen.

Abschneiden der Regionen bei den Weltmeisterschaften

Seit den Worlds der Season 2, also 2012, sind stets die asiatischen Teams große Titelanwärter und werden den Erwartungen zumeist auch gerecht. So haben Teams aus der koreanischen LCK insgesamt sechsmal den Titel gewonnen und erreichten insgesamt zehnmal das Finale. Den chinesischen Vertretern aus der LPL gelang es 2018 und 2019 erstmals die „Könige“ aus Korea vom Thron zu stoßen und die ersten beiden Worlds-Titel nach China zu holen. Europa hat sich meistens hinter diesen beiden Regionen etabliert, konnte jedoch einige überraschende Erfolge sammeln. So erreichte Fnatic 2018 das Worlds-Finale, 2019 tat es ihnen ein Jahr später G2 Esports gleich. Sogar gegen koreanische Gegner konnte man sich behaupten.

Die europäischen Teams werden also auch international erfolgreicher und stellten bis einschließlich der Worlds 2020 insgesamt zwölfmal einen Halbfinalisten und viermal einen Finalisten. Die LPL im Vergleich hatte im gleichen Zeitraum nur zehn Halbfinalisten. International ist Fnatic als einzelnes Team auch das Dritterfolgreichste mit einem Sieg, einer weiteren Finalteilnahme und zweimaligem Erreichen des Halbfinales. Nur die beiden koreanischen Teams T1 und Gen.G sind erfolgreicher. Die Tendenz ist also klar erkennbar, dass die LEC sich den Titelfavoriten aus Asien immer weiter annähert und sie in Zukunft vielleicht sogar überholen könnte.

Der ewige „Rivale“ im Westen, die NA LCS, konnte international bisher nicht mit den Erfolgen der LEC mithalten. Sie erreichten bisher dreimal das Halbfinale, zweimal in 2011 und einmal 2018. Dennoch hat sich die NA LCS als vierte große Region etabliert und ist ebenso bekannt wie ihr europäischer Mitstreiter. Hier führte Riot Games bereits 2018 das Franchising-System ein und ebenso wie bei Schalke 04 erlangte die amerikanische Liga immer mehr Partner in Clubs anderer Sportarten. So ging Dignitas beispielsweise eine Partnerschaft mit dem Basketballteam der Philadelphia 76ers ein.

Die Rivalität zwischen den Regionen wurde von 2017 bis 2019 ebenfalls in den Rift Rivals weiter ausgetragen, wo sich die LEC bisher zweimal und die NA LCS einmal durchsetzen konnte. Aufgrund der Corona-Pandemie fanden die Rift Rivals in den vergangenen beiden Jahren leider nicht mehr statt, ob dieses Event in 2022 erneut abgehalten werden wird, lässt sich aktuell noch nicht sagen.

Weiterentwicklung der nationalen Ligen ab 2022

Ab dem nächsten Jahr weitet Riot Games die positive Weiterentwicklung ebenfalls auf die nationalen Ligen aus. So können diese akkreditiert werden, womit sie feste und enge Partnerschaften mit Riot Games eingehen. Dies setzt allerdings voraus, dass die Ligen ein Offline-Event im Jahr veranstalten, feste Zahlungssätze an teilnehmende Teams abgeben und ebenfalls in die „Global Contract Database“ aufgenommen werden, was gewisse Vorgaben in Bezug auf die einzelnen Spielerverträge vorschreibt. Außerdem werden die Ligen rund um die Ostsee mit der polnischen Ultra Liga zusammengelegt sowie die niederländische und belgische Liga zu einer einzelnen Liga für die Beneluxstaaten.

Ab dem kommenden Jahr soll es dann jährliche Treffen der Verantwortlichen der einzelnen Ligen und Teams geben, damit diese ihre Erfahrungen und Ideen mit anderen besprechen oder von anderen lernen können. Somit sorgt Riot Games ebenfalls für den Erhalt und die Stabilisierung der erfolgreichen nationalen Ligen und festigt die gute Verbindung zwischen der LEC und den ERLs (European Regional Leagues). Gute Beispiele für den Erfolg der ERLs sind die Spieler Carzzy und Kaiser von den Mad Lions. Sie spielten zunächst in der deutschen Prime League in den Teams von BIG und mouz, bevor sie 2019 fester Bestandteil des Teams Mad Lions in der LEC wurden und bis heute sind.

Die Geschichte der LEC zeigt eindrucksvoll, wie sich der E-Sport in der Welt etabliert hat, Millionen von Menschen begeistert und einen wichtigen und großen Beitrag zur Integration und dem Bekanntheitsgrad von kompetitiven Videospielen in der Gesellschaft beiträgt. Die professionellen Strukturen nähern sich immer weiter den großen Sportclubs aus dem Fußball, Basketball, etc. an und die Bemühungen sowie Fortschritte in der Versorgung und gesundheitlichen Begleitung wirken klar dem Klischee des „typischen Gamers“ entgegen.

Demnach können wir davon ausgehen, dass die Erfolgsgeschichte rund um League of Legends weitergeht und noch lange nicht vorbei ist.


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