Ein Kommentar von Nick Wenkel.

Selten hat mich ein Spiel gleichzeitig so angefixt und – im wahrsten Sinne – abkotzen lassen wie PUBG. Für mich ist es auch jetzt noch das schlechteste beste Spiel auf dem Markt, vielleicht sogar aller Zeiten. Wie das geht? Ich erklär es euch.

Zunächst aber eine kleine Zeitreise. Eigentlich seit ich denken kann, war ich stolzer Konsolenzocker (don‘t judge me please). Angefangen hat alles damals mit einer PS1 und dem Spiel „Lorax“, das heute vermutlich gar keiner mehr kennt. Hatte ja auch keinen Battle-Royale-Modus… Schon im frühen Alter wurde mir der Controller in die Hand gedrückt. Seitdem war das Spielen auf dem PC für mich eine absolute Ausnahme, geradezu eine Rarität. Lediglich die Sims holten mich hin und wieder mal an meinen Rechner, was aber schon im jungen Alter dann schnell wieder nachließ.

Angefixt vom Let’s Play

Vor etwas mehr als einem Jahr füllte sich mein Youtube-Feed plötzlich immer wieder mit Let’s-Play-Videos zu einem mir bis dato unbekannten Spiel: Player Unknown’s Battlegrounds. „Dämlicher Name“, dachte ich mir und guckte mir an, was das für ein Mist sein soll. Doch der „Mist“ ließ mich verblüfft zurück. Noch nie hatte mich ein Spiel in so kurzer Zeit so heiß gemacht. In einem Game mit 99 anderen Leuten und als letzter überleben? Waffen einsammeln und aufrüsten? „Ich bin sofort dabei!“, dachte ich und schaute umgehend im PlayStation Store nach dem Spiel. Fehlanzeige. Zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass es das Spiel nicht auf der Konsole gab. Zunächst blieb ich also bei Youtube hängen, schaute mir immer wieder Videos an und wurde so noch gehypter auf das Spiel.

Dann folgte der Geistesblitz: Ich (Laptop-Besitzer) kaufte mir einen PC. Clever. Und das nur für ein einziges Spiel – kein Scherz! Bis auf die Sims habe ich nie ein PC-Spiel ausprobiert, schon gar keinen Shooter. Aber was ich mit PUBG zu zocken bekam, ließ mich vor Freude in die Luft springen. Auch wenn ich anfangs nicht wirklich etwas hinbekam. Das Spiel hatte alles, was ich mir wünschte: Duo, Squad, Fahrzeuge, coole Waffen – und vor allem Spannung pur. Hin und wieder ruckelte es zwar oder die Verbindung ging flöten, aber naja, Early Access halt. Am 21. Dezember, nachdem ich also bereits unzählige Matches machen durfte und die Vorfreude auf ein fertiges Spiel durch zahlreiche Verbindungs- und FPS-Probleme ins Unermessliche stieg, folgte dann der Full Release.

Der „Full Release“

„Wow“, dacht ich mir, „ist das ein Scheißdreck“. Noch nie in meinem Leben habe ich erleben müssen, dass ein Spiel nach einem „Full Release“ schlechter und insgesamt einfach nahezu unspielbar wird. Lags, Bugs, Ruckler, Hacker und oben drauf eine aus meiner Sicht unfassbar schreckliche neue Map, bei der ich nicht mal selbst entscheiden konnte, ob ich sie spielen möchte oder nicht. „Wie kann ein Spiel nur so viel Potenzial haben und an einer Ansammlung von Kinkerlitzchen ersticken“, fragte ich mich damals. Ein Jahr später nun die Antwort: Ich habe immer noch keine Ahnung. Auch heute weiß ich nicht wie man mit einem vom Grundprinzip so genialen Spiel einen solchen Mist verzapfen kann. Zwischenzeitlich war ich zufrieden damit, wenn ich es einfach irgendwie spielen konnte. Ein Tatsache, die in einer Beta akzeptabel, nach einem Full Release jedoch höchst fragwürdig und im Grunde genommen nur noch frech ist. Immerhin war das alles ja auch nicht, wie beispielsweise ein ganz bekanntes anderes Battle Royale-Spiel, kostenlos.

Zurück zur Gegenwart, Dezember 2018. Mittlerweile gibt es PUBG auf PC, Smartphone, Xbox One und seit dem 7. Dezember auf der PlayStation 4. Die positive Bilanz: Es gibt Emotes. Nein, Spaß beiseite, mittlerweile ist das Spiel wieder recht solide. Also im Gegensatz zu manch anderer vergangen Zeit ist es spielbar. Vergleicht man es mit der Entwicklung anderer Spiele, insbesondere im Battle Royale-Bereich, sollte man die Leutchen von Bluehole aber in die Ecke stellen und mit einer Bratpfanne den Poppes versohlen. Denn die Entwicklung dieses Spiels ist ein Witz. Was ich an PUBG im Gegensatz zu Fortnite zunächst sehr schätzte, war die Kontinuität. Man hatte keine riesigen Veränderungen vorangetrieben, das Spiel wurde nicht mit etlichen Skins, Map-Veränderungen oder neuen Waffen überladen. Doch diese Kontinuität resultierte meines Erachtens nach in Ignoranz oder vielleicht auch Belanglosigkeit, aus der Ferne schwierig zu beurteilen. Auf die Meinung von außen wurde nicht viel Wert gelegt, auch die Hilferufe diverser Streamer und Youtuber stießen bei Bluehole anscheinend auf taube Ohren.

Fazit

Wie mich ein Spiel, welches mich am Anfang so sehr packte und mitnahm, in kürzester Zeit so enttäuschen konnte, ist für mich auch jetzt noch ein Rätsel. Nie werde ich wohl verstehen, wie ein Game mit so viel Potenzial, einem so großen Hype und einer von Grund auf genialen Idee, so schlecht umgesetzt sein kann, dass die Mobilversion teilweise deutlich flüssiger lief als die PC-Version. Eine Map-Auswahl, die erst fast ein dreiviertel Jahr nach Full Release etabliert wird, eine immer noch grausame und meistens tödlich endende Fahrzeugsteuerung oder Kleinigkeiten wie die Verbesserung des Ab- und Aufsetzens von Waffenequipment – alles Aspekte, die bis heute nicht angepackt wurden. Stattdessen kamen zig Plattform-Versionen, Emotes, ein mikriger Battle-Pass und die schlimmste, leerste, tristeste, uneinladendste und einfallsloseste Map aller Zeiten. Chapeau. Richtig bitter wird‘s aber erst, wenn ein Spiel im Early Access zehn Schritte vor einem anderen ist, dass vor fast einem Jahr bereits seinen Full Release feierte. Kleiner Tipp von mir: Ring of Elysium.

Fakt ist: PUBG war ein Gamechanger, das wird es immer sein. Aber klar ist auch, dass die Entwickler der Konkurrenz mittlerweile hinterher laufen. Vielleicht stimmt mich die PS4-Version ja noch etwas positiver. Ein Test folgt.

Weitere Impressionen – Wie diese Meinung entstand