Am 14. April 2020 endete in Europa, Nordamerika und Lateinamerika mit der elften Saison die uns bekannte Austragungform der Profiliga. Somit sind Rogue (Europa), Spacestation Gaming (Nordamerika) und Team Liquid (Lateinamerika) die letzten Champions des alten Systems. Ab der kommenden Saison wird die Profiliga generalüberholt und in der Folge in einigen Regionen nicht mehr von der Electronic Sports League (ESL) ausgerichtet. Der für die professionelle E-Sport Liga durch die ESL bestimmte Name „ProLeague“ könnte demzufolge sogar wegfallen.

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Das Ende des alten Systems

Die Zuschauer genossen zum Schluss die spannenden Matches der Rückrunde, in der Rogue trotz der ersten Saisonniederlage die Oberhand in Europa behielt. Team SoloMid gelang selbiges Kunststück in Nordamerika nicht. Nach der enorm beeindruckenden Hinrunde fing sich der Spitzenreiter eine Niederlage gegen seinen ehemaligen Coach ‚Bagel‘ und dessen Team eUnited ein, was zu einem Showdown am letzten Spieltag führte. Dort traf Team SoloMid als Spitzenreiter auf das zweitplatzierte Team von Spacestation Gaming. Diese setzten sich auf der Map Freizeitpark in einem stark Umkämpften Saisonfinale durch und übernahmen in der letzten Sekunde des letzten Spieltages die Tabellenführung, wodurch sie sich zum Meister krönten.

Spacestation Gaming ist somit der derzeitige Sieger des US Nationals 2019, des Six Invitationals 2020 und der elften ProLeague Season. Der Zweitplatzierte des Six Invitationals 2020, Ninjas in Pyjamas (NiP), konnte in Lateinamerika trotz zweier Siege gegen den direkten Konkurrenten von Team Liquid nicht den Meistertitel erkämpfen, obwohl diese am letzten Spieltag gegen INTZ eSports nur Unentschieden spielten. Der drei Punkte Unterschied blieb bestehen, da NiP im Match zuvor gegen FaZe Clan verlor und Team Liquid stieg als Meister empor.

Neues System in den Startlöchern: Wie verlief das alte?

Das alte System des Rainbow Six E-Sports, welches zur kommenden Saison weicht, lief über die Electronic Sports League (ESL). Das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen veranstaltet neben der Profiliga auch Ligen und Turniere für jeden Hobby E-Sportler in den verschiedensten Spielen. Die ProLeague von Rainbow Six wurde ihrerseits in vier Regionen Unterteilt: Europa, Asien-Pazifik, Nordamerika und Lateinamerika, wobei letztere ausschließlich aus brasilianischen Teams bestand.

Während im asiatisch-pazifischen Raum mehrere kleine Ligen existierten, welche in den sogenannten Apac-Finals die besten Teams der gesamten Region bestimmten, gab es in den übrigen Regionen lediglich eine einzige jeweilige Liga, bestehend aus acht Teams. Die beiden besten Teams fuhren gemeinsam mit den Finalisten der Apac-Finals zu der Saison Finalrunde. Dort traten dementsprechend zwei nordamerikanische, zwei asiatisch-pazifische, zwei südamerikanische und zwei europäische Teams offline gegeneinander an.

Der Sieger war das beste Team der Saison. Die beiden letzten Teams der Ligen mussten unterdessen in Relegationsspielen gegen die beiden obersten Teams der parallel oder leicht verzögert laufenden Challenger League um ihren Platz in der höchsten Spielklasse kämpfen. Die Gewinner der Relegationsspiele spielten in der folgenden Saison in der ProLeague und die Verlierer in der Challenger League. Die Minors liefen unabhängig vom Ligabetrieb nebenbei.

Das neue System

Das neue System ist regionalisiert. Das bedeutet, dass das weltweit einheitliche System, welches explizit Nordamerika, Lateinamerika und Europa verfolgten, nicht mehr zwangsläufig in der Form stattfinden muss. Die vier Regionen bestimmen innerhalb eines vorgegebenen Rahmens, welcher global existiert, über einzelne Aspekte. Der globale Rahmen bestimmt dabei unter anderem, dass eine Saison künftig nicht mehr wenige Monate dauert, sondern in einen einjährigen Wettkampf übergeht.

Dieses sogenannte Wettkampfjahr, also eine Saison, wird in vier Viertel unterteilt. Die ersten drei Viertel werden aus verschiedenen Etappen bestehen, die mit einem Major, bei dem die besten vier Teams aus jeder der Vier Regionen antreten, enden. Das vierte und letzte Viertel stellt das Saisonende dar. Dieses Viertel mündet in regionalen Final- und Relegationsspielen, welche mit dem Six Invitational und der daraus folgenden Krönung des weltbesten Teams die Saison abschließt. Die an den Programmen teilnehmenden Teams erhalten durch ein neues Punktesystem Ränge.

Diese Ränge bestimmen, wer zu dem Six Invitational am Ende des Jahres fährt, wobei sich die Leistungen der regionalen Ligen und der Majors auf die Platzierung innerhalb dieser globalen Rangliste auswirken. Außerdem werden konstante Leistungen belohnt. Das heißt, dass ein Team, welches in den ersten beiden Vierteln konstant Dritter war, eine bessere Platzierung genießt, als ein Team, welches im ersten Viertel erster und im zweiten Viertel sechster abschließt.

Zu den von einer Region bestimmten Aspekten zählt unter anderem das Format der Liga. Den ersten Schritt in diese Richtung machte Nordamerika. Dort wird die ehemalige Online Profiliga zu einer LAN Liga umgewandelt. Alle Spiele der Liga werden offline in Las Vegas ausgetragen. Dies hat bereits jetzt zur Folge, dass einige Organisationen ihr finanzielles Interesse an Rainbow Six verloren oder es sich im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Folgen der Covid-19 Pandemie nicht leisten können. Die Organisationen müssen ihren Spielern Team-Häuser etc. in Las Vegas stellen und sämtliche logistische Kosten tragen.

Welche Folgen hat das neue System schon jetzt?

Neben Team Reciprocity stiegen kürzlich auch Evil Geniuses und Luminosity Gaming aus Rainbow Six aus. Während die Spieler von Team Reciprocity verkündeten, dass sie eine neue, bislang noch nicht genannte, Organisation fanden, reichte für Evil Geniuses und Luminosity Gaming die von Ubisoft generierte Zeit nicht aus. Kian ‚Hyena‘ Mozayani (Luminosity), Austin ‚Yung‘ Trexler und Nathan ‚Nvk‘ Valenti (beide Evil Geniuses) sprachen derweil darüber, dass sie künftig wahrscheinlich arbeitslos seien und nicht an der Liga teilnehmen dürften, weil sie keine neue Organisation fanden.

Da Ubisoft ihnen keine genauen Antworten lieferte, waren sie sich ihrer eigenen Zukunft lange Zeit nicht bewusst. Am Montag den 27. April änderte sich dieser Umstand, als Abdullah ‚Factor‘ Rihan (LG) eine Antwort von Ubisoft erhielt. Demnach könnten die einzelnen Spieler einem anderen, bereits bestehenden und qualifizierten Team beitreten, gemeinsam in der nächsten einjährigen Saison als Team in der Challenger League antreten oder in der neuen Kanada-Division spielen. Neben Mozayani verkündete im Anschluss daran auch Morquis ‚Modigga‘ Hribar (Evil Geniuses) seinen vorzeitigen Rücktritt als Profi in Rainbow Six Siege. Beide hielten sich jedoch die Hintertür offen, dass sie sich vorstellen könnten, unter gewissen Umständen eines Tages als Profi zurückzukehren.

Was steckt hinter der regionale Einteilung in Divisionen?

Neben der offline Ausrichtung der Liga ändert sich in Nordamerika nämlich noch mehr. Es wird zukünftig eine Einteilung in eine US-Division und eine Kanada-Division stattfinden. Genauere Infos hierzu sind bislang noch nicht gegeben, doch könnte ein System wie es beispielsweise bereits bei der NBA (National Basketball Association) Anwendung findet möglich sein. Dort ist die Teilnehmerschaft in Osten und Westen unterteilt, ähnlich wie es bei Rainbow Six mit der Unterteilung in Europa, Nordamerika, Asien-Pazifik und Lateinamerika der Fall ist.

Im nächsten Schritt unterteilte man diese Regionen dann in die sogenannten Divisionen. In der NBA gibt es zum Beispiel in der östlichen Einteilung die Atlantik-, die Zentrale- und die Südost-Division. In Rainbow Six wird dies wie oben bereits erwähnt in Nordamerika die US- und die Kanada-Division sein. Die Divisions sind demzufolge regionale Zusammenfassungen einzelner Mannschaften. In der NBA spielen im Anschluss an die reguläre Saison die Sieger der drei Divisionen einer Region und die fünf weiteren besten Teams in Playoffs gegeneinander.

Sowohl im Osten als auch im Westen treten dementsprechend die besten acht Teams in den Playoffs gegeneinander an. Der Sieger des Ostens spielt im Anschluss daran gegen den Sieger des Westens um den Titel. Ein ähnliches Konzept wäre demzufolge in Rainbow Six durchaus möglich und vorstellbar. Genaue und bestätigte Informationen hinter dem Konzept der Divisionen sind wie bereits erwähnt noch nicht bekannt.

Europa mit Fokus auf nationale Programme

Die europäische Liga wird, so heißt es auf der Webseite von Rainbow Six, auf dem aufbauen, was dort in den vergangenen Jahren entstand. Dabei wird die Profiliga, wie bereits seit längerem bekannt, von acht auf zehn Teams aufgestockt, weshalb es diese Saison keine Relegationsspiele gibt. Die Erst- und der Zweitplatzierten der Challenger League steigen ohne Umwege auf. Das französische Team IziDream steht derweil bereits als sicherer Aufsteiger fest. Außerdem werden die nationalen Programme bedeutender werden und durch verschiedene Stufen ergänzt, wodurch sie für alle E-Sportler und nicht nur Profis erreichbar sind.

Mit den Qualifikationstagen der GSA League sehen wir momentan das aktuellste Beispiel jener nationalen Programme. Desweiteren sind die Russian Majors und die Nordic Championship in vollem Gange. Die Nordic Championship ist dabei für Teams mit finnischen, dänischen, schwedischen, isländischen und/ oder norwegischen Kern. Bereits stattgefunden hat die ESL Premiership für Teams aus Großbritannien und sogar der Start der Polish Masters steht vor der Tür. Die Ausrichtung zukünftiger Events wird in Europa LiveNation und FaceIt für Ubisoft übernehmen. FaceIt ist ein im Jahr 2011 in London gegründeter Veranstalter von E-Sport Wettkämpfen, der unter anderem bereits Events der E-Sport Riesen Dota 2, LoL, CS:GO und PUBG ausrichtet.

Latainamerika setzt ebenfalls auf Divisionen – Mexiko mit offline Liga

Wie in Nordamerika wird es auch in Latainamerika künftig eine Einteilung in Divisionen geben. Geplant ist eine Brasilien-Division, eine Südamerika-Division und eine Mexiko-Division. In Brasilien wird die Anzahl der Teams wie in Europa von acht auf zehn aufgestockt. Darüber hinaus zählen die Länder Argentinien, Uruguay, Chile und Peru demnächst zu der Südamerika-Division, wobei diese Länder ihr Debüt auf der großen Bühne geben.

Außerdem soll laut Ubisoft, die sämtliche Programme in Latainamerika mit ihren Partnern in der Region selbst betreuen, die Struktur in Mexiko auf ein Offline-Format umgestellt werden.

Die Divisionen in der Asien-Pazifik Region

Auch im asiatisch-pazifischen Raum setzt Ubisoft bei dem neuen E-Sport Programm auf eine Einteilung in Divisionen. In der Nord-Division werden zwölf (!) Teams aus Japan, Südkorea und Südostasien antreten, während die ozeanischen Länder, Südasien und weitere aufstrebende Regionen in der Süd-Division neue nie dagewesene Möglichkeiten geboten bekommen. Außerdem wird, anders als beispielsweise in Europa, keine Umstellung zu FaceIt oder LiveNation stattfinden. Die ESL AJP, der in Asien, Japan und dem Pazifik zuständige Ableger der Elektronic Sports League, wird sich für Ubisoft im die Events der Region kümmern.

Die offline Finalrunde der elften Profiliga Saison in São Paulo wurde wegen der anhaltenden Covid-19 Pandemie abgesagt. Stattgefunden hätte sie an dem Wochenende um den 17. Mai 2020. In den darauf folgenden Wochen wird der Start der bevorstehenden Profiliga Saison stattfinden. Ein genauer Termin ist derzeit noch nicht bekannt. Um alle kommenden Informationen zeitlich weitergeben zu können, rief Ubisoft Twitter Accounts der regionalen Programme ins Leben. Alle Spiele werden live auf den verschiedenen offiziellen YouTube- und Twitch-Kanälen von Rainbow Six übertragen.

Six Invitational 2020 – Aftermovie

Das große E-Sport Highlight des Jahres ist für alle Rainbow Six Siege Fans das Six Invitational. Dies wird uns auch nach der Umstrukturierung erhalten bleiben und wie 2020 weiterhin für Gänsehautmomente sorgen.

Über Rainbow Six Siege

Wer nicht auf schnelles, hektisches und teils chaotisches Gameplay steht, ist im Taktik-Shooter Tom Clancy’s Rainbow Six Siege genau richtig. Entwickler Ubisoft Montreal und Publisher Ubisoft bieten auf dem PC, der PlayStation 4 und Xbox One einen sehr balancierten und sich stetig weiterentwickelnden E-Sport-Titel mit einzigartigen Mechaniken an, der jährlich mit dem großen „Six Invitational“ seinen Höhepunkt findet.

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