Rainbow Six Siege leidet. Es leidet unter Cheatern. Der Taktikshooter aus dem Hause Ubisoft wird seit längerer Zeit von besorgniserregenden Cheating-Vorfällen geplagt. Immer wieder entfachen aufgeheizte Diskussionen zwischen der Community und den Entwicklern. Die Spieler fordern: “Rettet euer Spiel, es stirbt!”

Dann kam die große Erlösung. Im Dev Blog-Beitrag vom 10. Februar 2021 schreibt Ubisoft, dass sie an einer auf Statistiken basierenden Cheat-Erkennung arbeiten. Diese Erkennung diene dem Zweck, jene Cheater zu entlarven, die am meisten stören. Mittlerweile ist das System integriert und zeigt erste Folgen.

Wer bereits in Rainbow Six Siege auf Cheater traf, der weiß, dass die Statistiken ein ausgezeichneter Indikator dafür sind, dass jemand betrügt. Wenn jemand mit einem niedrigen Level – selbst Stufe 120 ist äußerst gering – eine außergewöhnlich hohe Headshot-Rate, eine schwindelerregende K/D und einen hohen Rang besitzt, dann ist es subjektiv betrachtet in den meisten Fällen entweder ein alternativer Account eines langjährigen Spielers oder eben ein Cheater.

Doch was passiert, wenn das System einen alternativen Account eines erfolgreichen E-Sportlers oder eines Content-Creators entdeckt, der aufgrund seines individuellen Könnens problemlos überdurchschnittlich hohe Statistiken auf frisch erstellten Accounts erspielt? Die Antwort: Er wird zu Unrecht gebannt.

Dies könnte nun auch PENTAs Fragger, dem deutschen Firat ‘Levolution’ Hisan, auch ‘Levo’ genannt, widerfahren sein. Dieser wurde am gestrigen Donnerstag, dem 08. Juli 2021 wegen Cheatens für knapp ein Jahr von Ubisoft für die GSA League gesperrt. Als möglicher Grund gilt eine Headshot-Rate von 80 Prozent, die er auf einem Alternativ-Account, mit dem er während des Streamens mit Zuschauern spielt, erreichte.

Exkurs zum Thema Smurf – Die Unterscheidung zu einem Alternativ-Account

Einen zweiten oder gar dritten Account zu besitzen und zu nutzen ist nicht verboten. Verboten ist jedoch das sogenannte “Smurfen”. Bei einem “Smurf” – so die Definition in der Rainbow Six Community – verliert der Spieler absichtlich Matches, damit er später auf Gegner niedrigerer Ränge trifft. Wenn also ein Platin-Spieler auf einem Account über einen Silber-Rang verfügt, um dort für ihn einfache Begegnungen mit vielen Kills zu spielen, dann smurft er.

Wenn besagter Platin-Spieler jedoch mit seinem Zweit-, Dritt- oder Viertaccount ebenfalls einen Platin-Rang besitzt, dann ist es kein Smurf und er macht nichts Verbotenes oder Verwerfliches. Das Problem an der Thematik ist jetzt der Weg bis zu dem eigentlichen Rang. In Rainbow Six darf ein Spieler erst ab Level 50 Matches mit Rang bestreiten. Bis dato spielt er in Casual- oder Unranked-Begegnungen gegen höchstwahrscheinlich niedriger platzierte Gegner. Selbiges gilt für die ersten Rang-Matches.

Wenn ein Spieler noch nie auf einem Account einen Rang besaß, startet er die ersten Matches laut Ubisofts Match-Making-Erklärung zwischen einem hohen Silber- und einem niedrigen Gold-Rang. Von jenem Bereich aus spielt er seine MMR-Punktzahl hoch, bis er sich auf seinem ursprünglichen Rang einpendelt. Bis dato ist es also unvermeidbar, dass der besagte Spieler zwischenzeitlich auf Gegner trifft, die ein niedrigeres spielerisches Niveau besitzen.

Sind alternative Accounts verwerflich?

An dieser Stelle wird das Thema zwischenzeitlich kompliziert. Der offensichtlichste Grund einen Alternativ-Account zu besitzen, sind die Server. Wenn ein Spieler mit seinen Freunden Matches mit Rang bestreitet und die Server von Ubisoft mal wieder Probleme bereiten, dann könnte der unabsichtliche Abbruch – ausgelöst durch die Serverprobleme – eine temporäre Sperre verursachen. Die Folge: Wenn man an dem Abend mit seinen Freunden oder Teamkollegen spielen möchte, muss ein zweiter Account her.

Doch die Erstellung eines zweiten Accounts entfacht ein neues Problem. Jeder Spieler, der sich einen zweiten Account erstellt, weiß, dass er zumindest vorübergehend auf schwächere Gegner treffen wird. Ist das ein verwerfliches Verhalten? Ist es verwerflich, einen alternativen Account zu besitzen, weil man als Spieler zwangsläufig kurzzeitig auf unterlegene Widersacher treffen wird?

Wir könnten uns dieser Thematik jetzt annehmen und könnten im gleichen Atemzug das Match-Making von Rainbow Six Siege diskutieren und kritisieren, doch das werden wir nicht. Das ist ein völlig anderes Thema, als jenes, welches wir heute behandeln und es würde den Rahmen dieses Beitrages gänzlich sprengen. Es gibt diesbezüglich zu viele verschiedene Ansichten, Argumente, Faktoren und Gesichtspunkte die berücksichtigt und genannt werden müssten. Deshalb fahren wir jetzt mit dem Thema Cheating fort und führen an, weshalb dies PENTAs Spieler Firat ‘Levolution’ Hisan betrifft.

GSA schließt Levolution aus

Wie Rainbow Six Esports DE auf Twitter am gestrigen Donnerstag, dem 08. Juli 2021 bekannt gab, wird PENTAs ‘Levolution’ bis zum 28. Juni 2022 wegen Cheatings von der GSA ausgeschlossen. Hierbei betonte Ubisoft, dass auf dem in den offiziellen Matches verwendeten Account von Levolution keine Auffälligkeiten gefunden wurden.

Der festgestellte Verstoß, der zu dem Bann des 22-Jährigen führte, sei auf einem alternativen Account des Fraggers gefunden worden. Dies wirkt sich gemäß des Regelwerkes der GSA auf alle Accounts eines Spielers aus. Levolution selbst beteuert, dass er niemals gecheatet habe und dies ein Bann ist, welcher auf der eingangs erwähnten statistischen Cheat-Erkennung basiert. Außerdem führt er aus, dass er selbst der GSA bezüglich des Bannes Bescheid gegeben habe, da er nie betrogen hätte und sich sicher sei, dass der Bann auf einen Fehler des Systems beruhe.

“Es hat alles damit angefangen, dass mein Alt-Account, mit welchem ich in erster Linie mit Zuschauern gespielt habe, Ende April gebannt wurde – wegen angeblichem Cheating. […]
Da ich mir nichts vorwerfen kann und wusste, dass es vermutlich ein Fehler des Systems war, habe ich direkt am 24. April 2021 den Verantwortlichen der GSA Bescheid gegeben, bevor es durch Dritte an sie herangetragen wird und so Klärungsbedarf entsteht.” – Firat ‘Levolution’ Hisan

Anschließend ergänzte Levolution, dass der Bann mit den Statistiken des Accounts zusammenhängen muss und verwies auf die hohe Headshot-Quote in Verbindung mit dem niedrigen Level.

“Ich war mir sicher, dass wenn sie den Grund des Banns überprüfen, herauskommt, dass der Account wegen der Statistiken gebannt wurde. Ich hatte eine Headshot-Rate von ca. 80 Prozent und war unter Level 100.”

Levo Bann Cheating GSA
Die GSA sperrt Levolution für ein Jahr wegen Cheatings. Quelle: Ubisoft

/Update: Ubisoft spricht plötzlich nicht mehr von Cheats

Am heutigen Freitag gibt es bereits ein Update zum Vorfall. Auf dem offiziellen Rainbow Six Esports DE Twitter Kanal äußern sich die Verantwortlichen bei Ubisoft erneut und sprechen in der Update-Meldung plötzlich nicht mehr ausschließlich von Cheating, sondern vielmehr auch von toxischem Verhalten, welches man nicht toleriere, sowie „Leistungs-Indikatoren“, die den Bann rechtfertigen würden.

Grundsätzlich habe eine erneute Prüfung des Falls die Entscheidung bestätigt – trotz Einspruch von Levolution selbst und seiner Organisation PENTA Sports:


Fehler im System ist kein Sonderfall

Die große Hoffnung von Levolution ist, dass Ubisoft eingesteht, dass er fehlerhaft aufgrund seiner hohen Headshot-Rate gebannt wurde und seine GSA-Sperre infolgedessen aufgehoben werden würde.

Wir betonen an dieser Stelle, dass wir nicht beurteilen können, inwiefern der Bann des E-Sportlers gerechtfertigt ist oder ob tatsächlich ein Fehler vorliegt. Dass ein Fehler vorliegt, wäre nicht unwahrscheinlich, da solche Vorfälle bereits vorkamen und öffentlich bekannt sind.

Als Beispiele gelten die Content-Creator “Plerto” und “RyyFyy”, die in der Vergangenheit ebenfalls fälschlich wegen Cheating gebannt wurden und ihre Accounts zurückerhielten. Des Weiteren werden täglich Storys von unschuldigen Spielern bekannt, die selbiges erfuhren, jedoch vergeblich auf eine Entsperrung des Accounts warten.

Überraschung: Hoher Skill führt zu hohen Statistiken

Die große Frage, die sich jetzt stellt, lautet: Ist das Anti-Cheat-System von Rainbow Six Siege noch vertrauenswürdig? Bannt das System wirklich Spieler, die niemals Cheats nutzten, wenn diese überdurchschnittlich hohe Statistiken haben?

Wenn dem so ist, und das können wir nicht beurteilen, dann ergibt sich eine weitere wichtige Frage: Ist es wirklich überraschend, dass professionelle E-Sportler, die tagtäglich in den höchsten Ligen des Spiels antreten, überdurchschnittlich hohe Statistiken besitzen? Schließlich sind jene Sportler in den höchsten Ligen bei den besten Teams als Spieler aktiv, weil sie im Vergleich zu den normalen Spielern weit überdurchschnittlich gut performen.

Wäre dem nicht so, würden Spieler wie Levo nicht für Teams wie PENTA spielen. Wäre er nicht so gut wie er ist, wäre es verwunderlich, wenn er jene Headshot-Quote hätte. Doch er ist so gut, was Ubisoft in gewisser Weise selbst bewies, als sie bestätigten, dass der in der GSA League verwendete Account von Levolution frei von Auffälligkeiten ist.

Dort traf der 22-Jährige nicht nur auf die stärksten National-Teams der Region zu denen unter anderem die Sissi State Punks und Goskilla zählen, sondern auch auf die EUL-Teams Rogue, Team Secret und G2 Esports. Levolution überzeugte und keiner seiner Gegner äußerte den Verdacht, dass er möglicherweise betrügen würde. Im Gegenteil, sie wünschten ihm in Folge der Sperre sogar Glück dafür, dass sich die Situation klären würde, wie der Tweet seines Kontrahenten ‘Zenoxo’ zeigt.

Die Rainbow Six Community fordert: #freelevo

Fest steht, dass das Anti-Cheat-System von Ubisoft Schwächen besitzt. Während es wohl immer öfter vorkommt, dass unschuldige Spieler wegen zu hoher Statistiken gebannt werden und zahlreiche Profis aufgrund ihrer Alternativ-Accounts Angst um ihre Karriere haben, terrorisieren Cheater mit 10er, 20er und sogar 30er K/Ds die Lobbys. Niemand weiß genau wie das System funktioniert und keiner versteht die von außen betrachtet scheinbar zufällige Auswahl gebannter Accounts. Es ist Zeit, dass Ubisoft besser mit den betroffenen Spielern und der Community kommuniziert.

Für den 22-jährigen Fragger von PENTA bleibt jetzt erstmal nur das Warten. Unterstützung erhält er von zahlreichen bekannten Gesichtern – Sua, Shermi, Dezachu, Plerto, Zenoxo, Pengu. Doch nicht nur gestandene Profis und Content-Creator unterstützen den Deutschen, der sich seinen Erfolg über Jahre hart erarbeitete und bereits bei seinem Karrierestart auf der Konsole groß aufspielte. Auch die Community steht mit dem Hashtag #freelevo hinter Firat Hisan und glaubt an seine Unschuld.

Levo selbst erläutert in einem offenen Brief nochmals, weshalb er niemals betrügen würde und bittet die Community um Hilfe. Er hofft, dass die Reichweite und die Unterstützung der Menschen etwas bewirkt, da er befürchtet alleine zu unwichtig für Ubisoft zu sein.

“Ich bin einer von vielen mit einem fehlerhaftem Bann. Ich weiß von vielen Leuten, die hiermit Probleme haben, es aber nie gemeldet bzw. öffentlich gemacht haben. Ich bin von Grund auf ein sehr ehrlicher Mensch. Ich ecke zwar oft mit anderen an, lüge aber nicht. Ich würde niemals in diesem Spiel cheaten.

Ich spiele R6 seit mehreren Jahren täglich für mehrere Stunden. Ich trainiere jeden Tag in Aimlab, um irgendwann ganz oben dabei zu sein. Das ist mein Traum. Den würde ich mir nicht zerstören, indem ich auf einem Streaming-Account cheate.

Ich bitte euch, wie widersprüchlich ist das? Ich bin unschuldig. Alleine bin ich zu irrelevant für Ubisoft. Bitte helft mir liebe R6-Community. Hier geht es nicht um Liebe oder Hass, sondern um Gerechtigkeit.

Euer Levo”

Das offizielle Statement von Levolution lest ihr hier: https://www.twitlonger.com/show/n_1srohe5


So geht es weiter:

Rainbow Six: Hoffnung für Levo – Auch CTZN wegen Cheating gebannt