Wer sich regelmäßig auf YouTube und vor allem auch Twitch bewegt, dem wird der Name Ankerkraut mit höchster Wahrscheinlichkeit schon über den Weg gelaufen sein. Die Ankerkraut GmbH ist vor allem für ihre leckeren Gewürzmischungen bekannt – und eben für ausgiebiges Marketing im Bereich Streaming und Content-Creation.

Viele deutsche Creator und Streamende sind oder waren bereits in Verbindung mit Ankerkraut und haben gemeinsam Kampagnen umgesetzt. Das könnte sich nun drastisch ändern, denn die Firma gibt am heutigen Mittwoch, 13. April 2022 bekannt, dass Nestlé neuer Mehrheitseigentümer von Ankerkraut ist.

Via Twitter teilt man in Bezug auf diesen Schritt weiter mit, dass man als Unternehmen und Marke trotzdem weiterhin eigenständig bleibe. „Die Gründer Anne und Stefan, sowie die Geschäftsleitung, bleiben als relevant beteiligte Gesellschafter an Bord und am operativen Geschäft wird sich nichts ändern“, so Ankerkraut auf Twitter.

Reaktionen schockiert – Erste Partner wenden sich ab

Wie bereits erwähnt, arbeiten viele namhafte deutsche Creator mit Ankerkraut zusammen oder haben dies in der Vergangenheit getan. Bislang berief man sich häufig, wenn man die eigene Kooperation mit Ankerkraut begründete, auf das positive Image, die Werte und Moralvorstellungen, nach denen das Unternehmen handelt.

So heißt es beispielsweise auf der Ankerkraut Homepage:

„Hierbei setzen wir auch einen klaren Anspruch an unsere Verantwortung gegenüber den Menschen, die unsere Gewürze so lieben, und gegenüber unserer Welt und den Lebewesen, die sie bewohnen.“

Dass man sich das mit Nestlé als Mehrheitseigentümer ab sofort nicht mehr auf die Fahne schreiben kann, ohne grundlegend selbstironisch zu wirken, sollte klar sein. Ob man dieses Image weiterhin zu vertreten versucht, bleibt abzuwarten. Es ist an dieser Stelle hoffentlich nicht weiter erforderlich, diese Wertung zu erörtern.

Wieso die Kritik am Nestlé-Konzern in den vergangenen Monaten und Jahren immer weiter gewachsen ist, sollte mittlerweile jeder mitbekommen haben. Unter anderem stehen schwere Anschuldigungen in Bezug auf Themen wie Kinderarbeit, Abholzung des Regenwaldes, Tierversuche und vor allem auch die Ausbeutung von Wasserressourcen im Raum – um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Als Reaktion auf die Verkündung, dass Nestlé nun mehr als die Hälfte der Geschäftsanteile von Ankerkraut besitzt, zeigen sich viele Creator und Streamende bestürzt und schockiert. Traurige Smileys, unglückliche Gesichter, Verweigerung der Nutzung der Produkte. Dies sind noch die harmlosesten Beispiele für Reaktionen.

Erste Content-Creator beenden mit sofortiger Wirkung ihre Partnerschaft, darunter beispielsweise ‚Freiraumreh‘, ‚TrilluXe‘ und ‚Shurjoka‘. Weitere Reaktionen stehen aus. Es scheint, als hätte man sich entschieden, nicht nur Nestlé an Bord zu holen, sondern auch die deutsche Twitch-Community über die Planke springen zu lassen.

Shurjoka etwa schreibt als Reaktion auf die heutige Verkündung:

„Ich bin unfassbar enttäuscht, weil ich die Produkte von Ankerkraut immer sehr gemocht hab.

Mit dieser Entscheidung möchte ich mich allerdings von der Firma distanzieren, ich habe meine Partnerschaft mit Ankerkraut mit sofortiger Wirkung beendet.“

Im gleichen Atemzug wird richtigerweise zudem ihrerseits erklärt, dass die Community der „Influencer:innen Bubble“ ein paar Tage Zeit geben solle, angemessen auf diese Nachricht zu reagieren. Auch die Creator haben nach eigener Aussage zuvor nichts von der Entscheidung gewusst und scheinen ebenso überrascht wie alle anderen.

Ankerkraut versucht zu beruhigen

In der Zwischenzeit versucht Ankerkraut den sich zusammenbrauenden Sturm etwas abzuwiegeln und äußert sich erneut.

„Wir haben uns natürlich bei dieser Entscheidung auch mit der öffentlichen Kritik an Nestlé auseinandergesetzt“, schreibt Ankerkraut wiederum als Antwort auf die Reaktion der Community und bisher vielleicht sogar treuen Kunden. „Am Ende waren es vor allem die Menschen bei Nestlé, die uns begeistert und mit ihrem Verständnis für unsere Marke überzeugt haben. Wir vertrauen Nestlé als seriösem Partner – sonst hätten Anne und Stefan dem Unternehmen niemals ihr Lebenswerk anvertraut.“

Dass das Verständnis der Marke Ankerkraut im direkten Kontrast zu Entscheidungen steht, die Nestlé immer wieder trifft, bleibt hierbei unerwähnt. Fest steht, dass Ankerkraut durch diese Entscheidung zumindest in einer gewissen Zielgruppe extrem viele Partner und vor allem Kunden verlieren wird. Ankerkraut besitzt nach eigenen Angaben bundesweit vier Flagship-Stores, vertreibt über 500 Produkte, die in mehr als 10.000 Märkten in Deutschland erhältlich sind. Das Unternehmen beschäftige aktuell über 250 Mitarbeitende.

Wie beurteilt ihr die heutige Verkündung? Bitte bleibt trotz des Aufruhrs und der Emotionalität dieses Themas sachlich, wenn ihr euch – wo auch immer – dazu äußert!