Wir freuen uns heute Timo Schöber als Gastautor bei Gaming-Grounds.de vorstellen zu können. Als Consultant veröffentlichte er bereits mehrere Publikationen zum Thema eSports und ist derzeit weiterhin als Head of Esportionary.net sowie Pressesprecher des eSports Nord e.V. aktiv. Zu seinen Veröffentlichungen zählt auch das Buch „Bildschirm-Athleten: Das Phänomen e-Sports“.


Die Entwicklung gerade des professionellen eSports war in den letzten Jahren immens. Während wir in wirtschaftlichen Aspekten von einem stark exponentiellen Wachstum sprechen, befindet sich der eSports in Deutschland gleichzeitig auf einem guten Weg zur umfassenden gesellschaftlichen sowie politischen Anerkennung. Der Sport füllt mittlerweile ganze Stadien, während Millionen Fans zuhause vor dem Monitor Events verfolgen, bei denen es um Millionenbeträge geht. Hier funktioniert der eSports in seiner Systematik und seinen Mechaniken an vielen Stellen wie der klassische Profisport, etwa im Fußball oder Tennis.

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Während der Profi-eSports immer größer wird, ist etwas ab von der medialen Aufmerksamkeit der deutschen Leitmedien auch der Breitensport deutlich strukturierter, etablierter und stärker geworden.

Als Breitensportler sind all jene eSportler zu verstehen, die wettbewerbsorientiert spielen, dabei aber kein Geld mit ihrer Leidenschaft verdienen. In der Regel sind Breitensportler auch gleichzeitig Fans, die den Profi-eSports finanzieren, indem sie Events verfolgen und beispielsweise mittels Crowdfunding unterstützen, Produkte kaufen und Clans sowie Teams anfeuern. Auch an dieser Stelle erinnert der eSports deutlich an klassische Sportarten, bei denen eine breite Basis an Hobbysportlern den Profisport subventionieren. Man könnte auch sagen: Ohne Breitensport kein Profisport.

Deutschlandweit sind in jüngster Vergangenheit viele lokale und regionale Vereine gegründet worden, die sich aktiv für den eSports als Breitensport einsetzen und dabei ehrenamtlich viele Aufgaben wahrnehmen, die die gesellschaftliche und politische Anerkennung und Förderung des eSports forcieren. Diese Aufgaben sind unter anderem:

  • Aufklärung zum Thema eSports an Schulen, in Unternehmen, in der Politik und bei Sportvereinen
  • Lokalpolitische Aufgaben
  • Veranstaltung von LAN-Partys und Amateurwettbewerben
  • Schaffung von Vereinsheimen als Sozialisierungspunkte
  • Angebot von Trainingseinheiten und Zurverfügungstellung von ganzheitlichen Trainingsplänen
  • Betreuung von Breitensportlern
  • Jugendarbeit, Zusammenarbeit mit Jugendringen
  • Vermittlung einer Medienkompetenz bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen inklusive Suchtprävention
  • Abhaltung von Elternabenden
  • Beratung klassischer Sportvereine beim Aufbau einer eigenen eSports-Abteilung
  • Zusammenarbeit mit Hochschulen und Studierenden in Sachen eSports-Forschung

Bei der Bewältigung dieser vielseitigen Aufgaben bauen die Vereine auf die ehrenamtliche Arbeit ihrer Mitglieder. Das wird in der Regel auch dadurch begünstigt, da die Vereine eine lokale oder regionale Bindung haben. Hierdurch können sich ihre Mitglieder noch besser mit ihrem Verein identifizieren, weil sie nicht nur etwas für den eSports, sondern auch für ihre Heimat machen.

Auch in Zahlen ist der Breitensport auf dem Vormarsch: Während bereits jeder zweite Deutsche Videogames spielt, gehen unterschiedliche Statistiken von bis zu vier Millionen Breiten(e)sportlern in Deutschland aus. Gleichzeitig sehen knapp 30% der deutschen eSports mittlerweile als Sportart, während in den jüngeren Altersgruppen mehr als 50%wissen, was eSports ist.

Der Breitensport springt also für den eSports als Ganzes in die Bresche, wenn es um Aufmerksamkeit und Verständnis an der breiten Basis der Bevölkerung geht. Er ist somit das Fundament für den Profisport, sowohl direkt, weil Breitensportler häufig auch Konsumenten von Profiprodukten sind, als auch indirekt durch die Schaffung von Akzeptanz, Wissen, Förderung und Anerkennung.

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