Manch erfolgreicher Content Creator möchte der eigenen Community etwas zurückgeben und erzählt die persönlichen Geheimnisse, wie man es geschafft hat erfolgreich zu werden. Sie werden dir ihren Weg zum Erfolg aufzeigen, denn es ist ihre Wahrheit und sie meinen es ja nur gut.

Doch was sie nicht wissen ist, dass sie dir damit nicht unbedingt immer helfen! Meine Behauptung: Du sollst Erfolg nicht blind kopieren und was du dabei verstehen solltest, wird sich im Laufe dieses Beitrages klären.

Wir lernen aus Erfolgsgeschichten

Erfolgsgeschichten: Sie sind es, von denen wir uns inspirieren lassen. Sie sind es, aus denen wir lernen und welchen wir nacheifern. Die Gewinner schreiben die Geschichte. Ich behaupte mal, dass jeder weiß, wer Facebook gegründet hat, aber kaum jemand spontan den Gründer von MySpace nennen kann. Es waren Tom Anderson und Chris DeWolfe – und ja, ich musste es auch erst raussuchen. Natürlich ist es vermessen die Gründer von MySpace als Verlierer zu bezeichnen, aber Facebook hat sich doch gegen MySpace (und viele weitere) durchgesetzt.

Jeder von uns kennt ‚Shroud‘ (Michael Grzesiek) und ‚Ninja‘ (Richard Tylor Blevins). Letztgenannter hat sogar eine ganze Welle an Nachahmern ausgelöst, die regelrecht die Fortnite-Kategorie auf Twitch haben überfluten lassen.

Das Problem dabei ist nur, dass uns durch die Betrachtung von Erfolgsgeschichten ein wesentlicher Teil der Wahrheit durch die Finger gleitet und wir dadurch eine verzerrte Sicht auf die Realität bekommen. Was ich genau damit meine und wie wir das ganze Bild der Wahrheit bekommen können, wird sich mit dem Verständnis über den Überlebensirrtum erklären.

Überlebensirrtum

Der Überlebensirrtum (engl. survivorship bias) ist eine Beobachtung, dass wir uns von erfolgreichen Geschichten mehr beeinflussen lassen, als von gescheiterten Geschichten. Die Erkenntnis dabei ist, dass uns die gescheiterten Geschichten mindestens genauso viel Aufschluss geben und niemals vernachlässigt werden sollten.

Erstmalig wurde der Überlebensirrtum im zweiten Weltkrieg festgestellt, in welchem englische Ingenieure die Einschusslöcher von wiedergekehrten Flugzeugen betrachtet haben, um dann an diesen Stellen die Außenschicht der Flugzeuge zu verstärken. Die Hoffnung war natürlich, dass sie dadurch die Überlebenschancen der Piloten und Flugzeuge erhöhen konnten. Der Mathematiker Abraham Wald erkannte jedoch, dass dies genau der falsche Weg war und empfahl die Flugzeuge an genau den Stellen zu verstärken, wo keine Einschusslöcher erkennbar waren.

Die Annahme und Begründung: Es fehlten grundsätzlich die Informationen der beschossenen Flugzeuge, die leider nicht erfolgreich heimgekehrt waren. Anstelle sich also blind auf die erfolgreiche Perspektive zu beschränken, öffnete er die Augen für die Informationen, die nicht vorhanden waren.

Pop-Kultur

Dieser Effekt ist übrigens einer der Gründe, weshalb erfolgreiche Persönlichkeiten (Musiker, Schauspieler, YouTuber und Streamer) so viele Nachahmer und „Klone“ haben. Wir Menschen versuchen nämlich das zu kopieren, was funktioniert und vernachlässigen aber den Blick auf originelle Perspektiven und auf das Potential aus gescheiterten Geschichten zu lernen.

Anwendung als Content-Creator

Diese Videos, in denen der YouTuber seinen Erfolgsweg beschreibt, sind bei den Zuschauern sehr beliebt und werden auch sehr gut geklickt. Das passiert nicht ohne Grund, denn wir wollen doch alle wissen, wie es geht.

Ein DrDisrespect zum Beispiel hat es aber vorgemacht. Durch seine originelle Art und Strategie hat er etwas einzigartiges erschaffen, was einfach nicht kopierbar ist. Er hat sich nämlich nicht an den „Erfolgsstandard“ gehalten und hat durch sein persönliches Experiment genau ins Schwarze getroffen.

Wrap-Up

Wir sollten natürlich erkennen welche Strategien funktionieren und dürfen uns daran orientieren. Gleichzeitig sollten wir aber genau den Blick darauf richten, was nicht funktioniert. Der Blick auf das was funktioniert schränkt uns nämlich kreativ ein, denn all das was uns bleibt, ist eine Kopie der Strategie.

Der Blick auf das was nicht funktioniert, öffnet andererseits unsere Kreativität, da noch sehr viele Möglichkeiten überbleiben, die unter Umständen doch funktionieren könnten. Und dann heißt es lediglich experimentieren, experimentieren und nochmal experimentieren.

Im Video: Das können dir erfolgreiche Content-Creator nicht erzählen

Anzeige