Die Warcraft Fans hatten sich so auf den Start der „Reforged“ Version am 29. Januar gefreut. Nachdem Blizzard die Neuauflage eines der wohl besten Echtzeit-Strategiespiele aller Zeiten angekündigt und später noch einmal verschoben hatte, entstand sogar ein kleiner Hype um eine moderne Variante des Klassikers aus dem Jahr 2002.

Doch auch im Vorfeld der Veröffentlichung Ende Januar 2020 gab es schon kritische Stimmen. Einige kritisierten den Umfang der Aufbereitung und Blizzards Ankündigung nicht alle Zwischensequenzen neu rendern zu wollen, andere hatten ein Problem mit der neuen Optik. Also eigentlich DEM Hauptaugenmerk des gesamten Remakes.

Blizzard scheitert erneut

Am vergangenen Mittwoch war es dann endlich soweit: Alle Fans konnten sich nach dem mitternächtlichen Release von Warcraft III: Reforged ein eigenes Bild über das finale Produkt machen – und das war ernüchternd. Ohne große Umschweife lässt sich sagen, dass Blizzard genau da weiter macht, wo es in den vergangenen Monaten aufgehört hat. Es enttäuscht die Community.

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Angefangen beim verheerenden Feedback zu Diablo Immortal auf der Blizzcon 2018 (wo übrigens auch Warcraft III: Reforged enthüllt wurde), über die Einstellung des HotS E-Sports und den politischen Skandal rund um den Hearthstone Profi Chung ‚Blitzchung‘ Ng Wai aus Hong Kong bis hin zum aktuellen Release von Warcraft III: Reforged. Die Liste der Fehltritte wird immer länger.

Auf metacritic.com muss das neueste Produkt des ehemals so gefeierten Entwicklers mit einem User Score von erschreckenden 0,8 von 10 Punkten auskommen. 164 positiven Bewertungen stehen über 2.500 negative gegenüber. Doch woran liegt das neue Debakel?

Woran liegt es?

Vielleicht fangen wir mit den wenigen positiven Punkten an, die man zum Release von Warcraft III: Reforged anführen kann. Zum einen sieht die Neuauflage wirklich gut aus. Die Modelle haben eine grundlegende Überarbeitung bekommen und glänzen mit vielen Details. Sicherlich ist die neue Grafik ein Eingriff in den ursprünglichen Stil des Spiels, lässt sich jedoch auf Wunsch sogar In-Game wieder zurückstellen. Auch die Vertonung hat eine Überholung spendiert bekommen, die sich keinesfalls schlecht anhört. Doch war das nötig? Viele Fans vermissen viele originale Sounds und Stimmen.

Und an dieser Stelle hört es auch schon fast auf. Einige Spieler heißen es gut, dass Blizzard die zunächst geplanten Änderungen am Inhalt der Einzelspielerkampagne nicht umgesetzt hat und der damals erzählten Geschichte fast zu 100 Prozent treu bleibt. Damit sieht man von der Anpassung ab, die zugunsten der Entwicklung der Warcraft Lore in World of Warcraft angedacht war. Damit einher geht natürlich aber auch: Weniger Neuerungen.

Doch damit hört es nicht auf. Es gibt nicht nur weniger Neuerungen als zunächst versprochen, es sind nicht einmal alle Inhalte inbegriffen, die Warcraft III in seiner ursprünglichen Version bereits bereitstellte. Dazu gehört unter anderem das Erstellen von Clans – das Feature soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeliefert werden. Aber auch Inhalte wie die detailreich daherkommende Zwischensequenz mit Arthas, die die Augen vieler Spieler leuchten ließ, kommt in ihrer vor dem Release präsentierten Fassung gar nicht vor. Die Stelle in der Story liegt nun wieder viel näher beim Original aus WC3. Gleiches gilt im Übrigen für die geplanten Änderungen am Interface.

Versucht hat man sich seitens Blizzard zudem an einer neuen Menüführung, die allerdings sowohl bei uns als auch vielen Spielern nicht sonderlich gut ankommt und ehrlich gesagt dem Jahr 2020 nicht angemessen ist. Sie wirkt teils unübersichtlicher als zuvor.

Des weiteren berichten insbesondere auf Reddit viele Spieler von extremer Instabilität. Schwarze Mini-Maps, Abstürze, Fehler in der Wegfindung, Ruckler und so weiter und so fort. Nach einer so ausgedehnten Testphase hätte man meinen können, dass man zumindest an dieser Stelle besser starten kann.

Wer sich nun denkt: „Ich kann ja einfach auf die originale Warcraft III Version wechseln und dort ein wenig Nostalgie und Lust auf das Franchise ausleben“, der irrt. Denn wer eine Version des Originals bei Blizzard registriert hat, wird feststellen, dass sich diese automatisch auf den aktuellen Reforged Patch anpasst. So richtig gibt es Warcraft III von 2002 also gar nicht mehr. Dafür dürfen selbst Nutzer, die Reforged nicht gekauft haben, einige der Neuerungen kostenlos nutzen. Ein vergleichsweise kleiner Trost, wie abermals viele Spieler als auch wir finden.

Echtzeitstrategie lebt

Doch war die Blamage vorherbestimmt? Liegt das Scheitern Blizzards vielleicht sogar am Genre? Wir denken nicht. Denn andere Entwickler und Publisher haben es in letzter Zeit vorgemacht, dass man Echtzeitstrategie auch im Jahr 2020 erfolgreich umsetzen und sogar neu aufzulegen. Man blicke nur in Richtung der Definitive Edition von Age of Empires II.

Sogar Blizzard selbst zeigt, dass das Genre trotz des gigantischen MOBA Konkurrenten funktionieren kann, wenn man auf StarCraft II blickt. Die gelungene (!) Fortsetzung bekam nun gemeinsam mit Reforged eine eigene Pro Tour von ESL und DreamHack spendiert. Auch Age of Empires IV gehört wohl zu einem der meisterwarteten Spiele der nächsten Zeit.

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