WoW Classic ist live. Diese Tatsache selbst ist nun keine Neuigkeit mehr, das ist wahr. Seit 0:01 Uhr in der Nacht von Montag, 26. August, auf Dienstag, 27. August, sind die Server für die Neuauflage der World of Warcraft Welt online und verfügbar. Zumindest theoretisch können sich Fans, Anhänger, Interessenten und Nostalgiker seitdem nach Herzenslust wieder in Azeroth herumtreiben und ein Spiel erleben, welches es in dieser Form zuletzt vor 13 Jahren gegeben hat.

Doch wie das mit heißt ersehnten Spielveröffentlichungen nun einmal so ist, läuft pünktlich zum Release fast nie alles nach Plan. Trotz zahlreicher Vorkehrungen wie beispielsweise dem Layering-System und Stresstests für die Server hat auch Blizzard erneut zu kämpfen. Insbesondere die deutsche Community – sowie der Umgang mit dieser – ist hierbei spannend zu beobachten. Doch fangen wir von Vorne an.

0:01 Uhr loslegen? Denkste!

Zahlreiche Spieler freuten sich darauf, pünktlich um Mitternacht von Montag auf Dienstag anfangen zu können. Die Charaktere waren dank der zuvor möglichen Namensreservierung zumeist sogar schon erstellt. Nur der Klick auf den berühmten „Welt betreten“-Knopf war noch nicht möglich. Doch auch nach Release schauten die meisten Wartenden weiter in die Röhre.

Bereits vor Mitternacht hatten sich auf den meisten Servern extrem lange Warteschlangen gebildet, die Wartezeiten von mehreren Stunden prophezeiten. Davon betroffen waren nicht nur die beliebtesten Server, auf denen sich bekannte Influencer, Streamer und Szenegrößen angekündigt hatten. Doch was dem einen schadet, hilft manchmal dem anderen.

Denn wenige Minuten nach Tagesbeginn schoss World of Warcraft unangefochten auf Platz 1 der Twitch.tv-Kategorien und verwies Titel wie GTA 5, Minecraft, Fortnite und League of Legends auf die Ränge 2 bis 5. Am frühen Dienstagmorgen schauten über 1,2 Millionen Zuschauer auf diversen Kanälen den Übertragenden – die es bis ins Spiel geschafft hatten – beim Spielen zu.

1,2 Millionen Zuschauer knackte WoW in der Releasenacht. Quelle: Twitch.tv

Server überlastet – Lag-Partie in den Streams

Doch auch in den Streams bot sich den Zuschauern oft kein allzu unterhaltsamer Anblick. Die Server waren mit dem Andrang der Spieler trotz des Layering Systems sichtlich überfordert. Sekundenlange Lags, verzögerte Eingaben und sich über Meter teleportierende Figuren waren keine Seltenheit.

Wie schnell die Spieler mit ihrem Charakter überhaupt voran kamen, war auch viel dem Zufall und Glück überlassen. Denn insbesondere wenn es bei Aufträgen darum ging einen bestimmten Gegenstand zu erbeuten oder ein ganz spezielles Monster zur Strecke zu bringen, warteten am Zielort oft dutzende Spieler, um genau die gleiche Mission zu erledigen. Auf einigen Servern bildeten sich gar weitere Warteschlangen, an denen sich die Spieler mit ihren Charakteren anstellten, um Chaos zu vermeiden und Wartezeiten abschätzbar zu gestalten.

Nachdem die vier zur Verfügung stehenden deutschen Server direkt zum Release mit einer „vollen“ Serverpopulation gekennzeichnet waren und auch dort die Wartezeiten exorbitant in die Höhe schossen, entschloss sich Blizzard kurzerhand dazu nicht einmal zwei Tage nach Release weitere Server anzubieten.

Wochen vor Release hatte Blizzard gar keine nationalen Server geplant gehabt, ließ sich aber von dem Gegenwind aus der Community umstimmen. Die zwei geschaffenen Server für den deutschen Raum waren allerdings schon bei der Namensreservierung voll, sodass man sich zu einer Erhöhung auf vier Server entschloss. Zum aktuellen Zeitpunkt, Freitagmittag, 30. August 2019, sind nun bereits acht deutsche Server online. Auch in den anderen Regionen wurde nachgebessert und insbesondere die Zahl der englischen Server erhöht. Die Zahl der seit Release zugeschalteten Realms beträgt mittlerweile über 20.

Geisterserver als Gefahr?

Das Kontingent sorgt mittlerweile dafür, dass fast zu jeder Tageszeit ein Server ohne Warteschlange verfügbar ist. Dennoch tummeln sich gerade auf den zuerst veröffentlichten Servern unzählige Spieler, was nach wie vor zu extrem langen Wartezeiten führt. Wer auf einem vollen Classic-Server spielen möchte, muss auch drei Tage nach der Spielveröffentlichung mit mehreren Stunden Anstehen leben.

Blizzard argumentiert hauptsächlich mit der Gefahr Geisterserver zu erschaffen, die schon in wenigen Wochen oder Monaten deutlich unterbevölkert sein könnten, wenn der Hype um Classic abgenommen hat und etliche Spieler wieder aufhören werden zu spielen. Man wolle das Problem umgehen, dass auf einzelnen Servern die Spielergemeinde zu klein wird, um ein angenehmes Spielerlebnis erfahren zu können.

Auch die Option das Spielerlimit pro Server zu erhöhen wäre theoretisch möglich und technisch umsetzbar, heißt es in einem aktuellen Bluepost im WoW Forum. Doch helfen würde dies ebenfalls wenig, denn schon jetzt sind viele Gebiete im Spiel gnadenlos überlaufen. Bis sich eine Spielerzahl abzeichnet, die auch nach der aufregenden Anfangsphase WoW Classic weiter treu bleibt, wird der Status wohl weiter so bleiben wie bisher.

Ob zu einem späteren Zeitpunkt Features wie Servertransfer Optionen werden, steht indes noch nicht fest. Bislang distanzierte sich Blizzard von dieser Möglichkeit, unter anderem um das Gleichgewicht zwischen den Fraktionen im Nachhinein nicht zu zerstören. So bleibt es bislang ungewiss ob Spieler, die auf einen weniger stark bevölkerten Realm ausgewichen sind, später auf einen anderen Server wechseln können ohne erneut bei Level 1 zu starten.

Über WoW Classic

Nach langem Begehren der WoW-Gemeinde, zahlreichen Fan-Projekten, Private-Servern und vielem mehr hatte Blizzard 2019 endlich ein Einsehen. Mit  belebt der Entwickler eines der größten Online-Rollenspiele aller Zeiten die Anfänge einer magischen Welt wieder, die Millionen von Spielern über 15 Jahre lang in ihren Bann gezogen hat und es bei einer großen Community weiterhin tut.

Einmal die Uhr zurückdrehen: Wie oft wünscht man sich in allen möglichen Situationen und Lebenslagen diese Option? Mit World of Warcraft Classic wird dieser Traum zumindest zu einem Teil wahr. Am 27. August 2019 ist es plötzlich wieder fast 2004. Keine Blutelfen, Draenai, Worgen, Goblins, Todesritter, Dämonenjäger, Klassenhallen, World Quests und 120 Level. All das vergessen wir in Classic und konzentrieren uns auf das, was mal wichtig war. Der Weg zu Level 60, eine Gemeinschaft, die sich kennen lernt und gemeinsam Azeroth Stück für Stück erschließt. Viele Fans erhoffen sich zumindest genau das.

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