Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, schrauben sowohl YouTube als auch Netflix ihre Übertragungsqualität deutlich nach unten. Grund dafür sei die Bitte des EU-Industriekommissar Thierry Breton, der sich an die Unternehmen gewandt hatte, um die Stabilität des Internets in den Zeiten des Coronavirus zu garantieren.

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Er habe sowohl Netflix als auch YouTube ermahnt, die Qualität ihrer Streamingangebote zu senken, um einen „Kollaps des Internets“ zu verhindern, heißt es in der Mitteilung. Die vermehrte Heimarbeit, die ausfallenden kulturellen Angebote sowie sogar sich vermehrende Ausgangssperren führen logischerweise zu einer extremeren Auslastung des Internets.

Beispielsweise vermeldete Microsoft zwölf Millionen zusätzliche tägliche Nutzer innerhalb einer Woche für ihren Dienst „Microsoft Teams“. Damit steigt die Zahl der täglichen Anwender auf 44 Millionen. Auch weitere Kommunikationsdienste wie unter anderem Discord reagierten bereits auf die aktuellen Umstände. So wurde in etwa das Streaming-Feature für Kontakte von bis zu zehn auf 50 Zuschauer angehoben.

YouTube zieht nach

Nachdem Gespräche zwischen Netflix CEO Reed Hastings und Thierry Breton bereits zur Folge hatten, dass Netflix am Donnerstag ankündigte, der Empfehlung Folge zu leisten, zieht YouTube am heutigen Freitag nach, vermeldet Reuters weiter.

Während Netflix das Problem in Europa über reduzierte Bitraten lösen und so 25 Prozent weniger Auslastung erzielen wolle, sollen YouTube Videos in den kommenden 30 Tagen nur noch in SD ausgestrahlt werden. Netflix verspricht den Nutzern trotzdem weiterhin eine gute Qualität der Übertragungen.

Höhere Auslastung verzeichnet

Sowohl die Telekom, weitere Anbieter, als auch die Betreiber von De-Cix, des in Frankfurt ansässigen, weltweit größten Internetknotens, berichteten aber, dass man auf die erhöhte Auslastung vorbereitet sei und im Notfall reagieren könne. So heißt es beispielsweise in der Pressemitteilung der DE-CIX Management GmbH, dass man bereits ab einer Auslastung von 63 Prozent mit einer Erweiterung der Kapazitätsgrenzen beginne. Dieses Limit sei allerdings noch nicht erreicht, obwohl man durchaus eine signifikante Erhöhung einiger Bereiche registriert habe.

Wie früher im Beitrag bereits erwähnt, zählen dazu vor allem dem Home Office zugehörige Software wie Skype, Teams oder auch WebEx. Die Zahl der VPN Nutzer sei um etwa 50 Prozent gestiegen. Darüber hinaus wäre seit Freitag im Knotenpunkt Frankfurt auch eine Zunahme von etwa 25 Prozent bei Online- und Cloud-Gaming verzeichnet worden, ebenso habe sich der Datenverkehr bei der Nutzung von Social-Media-Plattformen erheblich erhöht. Ähnliche Ergebnisse würden für die anderen DE-CIX Standorte erwartet, heißt es weiterhin.

Dr. Thomas King, CTO bei DE-CIX, kommentiert den steigenden Datenverkehr:

„Die Kapazitäten in unserem eigenen Netz werden regelmäßig und langfristig ausgebaut. Wir planen immer für circa zwölf Monate im Voraus. Wir bauen unsere Kapazitäten weiter aus, sobald 63% der vorhandenen Kapazitäten erreicht werden. Die übrige 37% freie Kapazität wird zum einen für Redundanzen benötigt und zum anderen, damit wir immer genügend freie Kapazitäten für Traffic-Wachstum haben. Neben unserem Netz für die Internetknoten müssen die Kunden ihre Kapazitäten in ihrem Netz auch ausbauen. Diese Ausbauten nehmen die Kunden selbst vor, nach eigenen Prozessen und Vorgehensweisen.“

Anpassungen werden vorgenommen

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Quelle: DE-CIX Management GmbH

Durch die ansteigende und auch veränderte Nutzung des Internets erhöhen die DE-CIX Kunden ihre Datenkapazitäten weltweit, um den Bedarf ihrer Endverbraucher bedienen zu können, erklären die Verantwortlichen. So sei insgesamt über alle DE-CIX Internetknoten weltweit seit Anfang März ein Anstieg des Bedarfs an zusätzlichen Kapazitäten um 20 Prozent zu verzeichnen.

Ivo Ivanov, CEO DE-CIX International, zu den aktuellen Ereignissen:

„Wir sehen die Erhöhung der Kapazitäten besonders bei den weltweit agierenden großen Internet- und Contentprovidern. Die Kapazitäten werden hier teilweise mehr als verdoppelt. Vor allem in internationalen Daten-Drehkreuzen wie New York, Madrid oder auch Frankfurt ist die Nachfrage nach mehr Kapazitäten an den DE-CIX Internetknoten groß. Auch hier sehen wir neue Rekordwerte an Datenverkehr zu Spitzenzeiten.

In Zeiten, wo die Menschen teilweise in der Isolation leben müssen, ist der direkte Draht zur Familie, zu Freunden und zum Firmenumfeld über die verschiedenen privaten und geschäftlichen Applikationen essentiell. Der Betrieb dieser Applikationsebene und der Austausch der Daten muss reibungslos verlaufen. Hier sehen wir es als unsere Maxime, unseren Kunden und somit den Internetnutzern weltweit ein störungsfreies, sicheres und zuverlässiges Internet zu gewährleisten.“

Neuer Daten-Weltrekord

Bereits vor einer Woche hatte der DE-CIX (Deutscher Commercial Internet Exchange) in Frankfurt eine neue Weltrekordmarke im Datendurchsatz gesetzt. Mit über 9,1 Terabit pro Sekunde wurde eine neue Schallmauer durchbrochen. Noch nie wurden an einem Internetknoten zu Spitzenzeiten so viele Daten ausgetauscht.

Erst im Dezember 2019 hatte DE-CIX in Frankfurt die acht Terabit pro Sekunde geknackt und steigerte seinen Datendurchsatz in nur wenigen Monaten um mehr als 12 Prozent. Weitere lokale Rekorde wurden in den Tagen an den DE-CIX Standorten in München, Hamburg und Madrid aufgestellt, so die DE-CIX Management GmbH abschließend.

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