Ein „eWort“ zum Samstag: Unser freier Autor Timo Schöber hatte die Möglichkeit, persönlich die ESL Pro League Season #10 Finals in Dänemark zu besuchen. Seine Eindrücke von der Gestaltung des Events und dem Umgang unserer nördlichen Nachbarn schildert er für euch in einem weiteren Beitrag.

In dieser Woche finden die ESL Pro League Finals der 10. Saison statt. Ich hatte auf Einladung von Prof. Dr. Georg Stadtmann (Europa-Uni Viadrina) gemeinsam mit Prof. Dr. Jens Junge (Institut für Ludologie) die Gelegenheit mir am Nikolaustag das Ganze vor Ort anzuschauen.

Schon auf dem Weg zur Jyske Bank Arena im dänischen Odense, wo die diesjährigen Finals ausgetragen werden, fiel uns direkt auf, wie vielfältig die Zuschauerschaft des Events sich zusammensetzt: Eltern mit ihren Kindern, von jung bis alt und viele weibliche Fans. Das Ganze hatte den Charakter eines Familien-Happenings, bei dem e-Sports-Fans friedlich miteinander ihrer Leidenschaft nachgehen.

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Interessanter Meinungsaustausch

Neben dem eigentlichen Counter-Strike:GO Turnier ist an die Veranstaltung eine umfangreiche Messe angeschlossen. Hier finden sich nicht nur die obligatorischen Hersteller von Spielen und Hardware, sondern auch Aussteller, die in Deutschland vermutlich nicht unbedingt den Weg zu einem e-Sports Event finden würden. So haben wir etwa ein sehr interessantes Gespräch mit Vertretern der Kommune Odense geführt, die dort vor Ort sind, um mit Schülern und Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und den Meinungsaustausch zum Thema Digitalisierung voranzubringen. Darüber hinaus gilt die drittgrößte Stadt des Landes als ein weltweit anerkanntes Zentrum für Robotik. Insofern hatten sich auch viele Aussteller eingefunden, die in diesem Forschungs- und Wirtschaftsfeld tätig sind.

Das gesamte Event war gut besucht, obwohl an jenem Tag keine dänischen Teams gespielt hatten. Wir hatten die Gelegenheit das Viertelfinale des schwedischen Teams fnatic gegen die Nordamerikaner von Team Liquid anzuschauen. Direkt in der Halle waren circa 10.000 Zuschauer zugegen. Die Stimmung war ausgelassen, friedlich und mit sehr viel Leidenschaft verbunden. Das mag auch daran liegen, dass die Underdogs von fnatic gegen die hochfavorisierten Nordamerikaner klar in zwei Maps gewinnen konnten.

Der Vergleich zu Deutschland

Der Besuch in Dänemark hat im Vergleich zu Deutschland aber eines sehr deutlich gemacht. Während wir in Deutschland teilweise noch unsägliche Diskussionen zum Sportbegriff, Verbänden oder einer Anerkennung des e-Sports führen, ist der elektronische Sport bei unseren nördlichen Nachbarn längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Familien gehen gemeinsam ganz selbstverständlich zu e-Sports Wettbewerben und feuern ihr Lieblingsteam an. Wir können uns in Sachen gesellschaftlicher Wahrnehmung des e-Sports von unseren dänischen Freunden also einiges abgucken.

Vielen Dank nochmals für die Einladung. Ich habe den Tag sehr genossen.

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