Im Mai 2021 erhalten wir in ARK: Survival Evolved (nachfolgend: „ARK“) das langersehnte und erst kürzlich verschobene Update „Genesis Part 2“. Das bereits 2015 veröffentliche Spiel wurde seit dessen Release mit zahlreichen neuen Maps und Kreaturen gefüttert. Einige dieser spielerischen Ergänzungen und Zusatzinhalte stammen von den Entwicklern bei Studio Wildcard, andere wuchsen aus der metaphorischen Feder einzelner, unabhängig arbeitender Mitglieder der Community.

Diese ist mittels ihrer Werke maßgeblich an dem Wachstum des Spiels beteiligt. Wir sprachen exklusiv mit einem jener digitalen Künstler und begrüßten Nils Menne, dem Mann hinter den beliebten Maps ‚Valguero‘ und ‚Fjördur‘, im Interview. Er ist in der deutschen ARK-Szene vor allem durch die Entwicklung der besagten Karten sowie seines intensiven Austauschs via sozialer Medien mit der Community und den Fans seiner Werke bekannt.

Zu Beginn des Gespräches erzählte er uns von seinen Anfängen im Gaming, wie er zum Modden – also dem Modifizieren eines fertigen Spiels – kam und beantwortete uns offiziell die langersehnte Frage, wie er zu einem Verkauf der Map Fjördur steht und welche Auswirkungen ein solcher auf die Map hätte. Außerdem wusste er mittels äußerst schlüssiger Erklärung bezüglich der spekulierten Entscheidung zu überzeugen.

Der Zufall offenbarte ihm seine Zukunft

„Ich glaube, ich hatte den Trailer zufällig bei YouTube gesehen.“

Nils Menne auf die Frage, wie er zu ARK kam

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Um den 23-Jährigen ein bisschen besser kennenzulernen und ihn auch unseren Lesern besser vorstellen zu können, sprachen wir mit Nils über einige persönliche Dinge. Hier berichtete er beispielsweise davon, wie er 2004 auf dem Gameboy Color sein erstes Videospiel spielte. Dieses hieß Donkey Kong. Doch natürlich sollte es nicht bei dem Klassiker aus dem Jahr 1994 bleiben.

Zwar einige Jahre später, doch immer noch reichlich früh, entdeckte er die Welt des Online Gamings für sich. Sein Einstieg? World of Warcraft. Das MMORPG begann er damals mit 11 Jahren zu spielen. Fortan war er einer von uns. Fortan war er Teil der Gamingszene.

Durch Zufall gelangte Nils anschließend zu dem Spiel, dass im Verlauf der Jahre sein Leben veränderte, als der YouTube-Algorithmus ihm ARK präsentierte. Dort stieß er vor Release des Survival-Hits auf einen Trailer.

„Ich habe meinen Job verloren“

Manch einer wird jetzt infrage stellen, inwiefern die Begegnung von Nils mit ARK zufällig war, wenn der Algorithmus der Plattform beteiligt gewesen ist. Doch wenn ein Mensch resümiert, wie er zu seinem Beruf kam, dann wirkt eine solche Situation durchaus willkürlich. Interessant wird es an der Stelle, an der Nils uns von seinen Anfängen im Modding erzählt.

Er habe damals seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann verloren und die dadurch gewonnene Zeit sinnvoll nutzen wollen. „Ich habe meine Ausbildung verloren und wusste nicht, was ich mit meiner Zeit anfangen soll“, fasst er zusammen, „Ich habe meinen Job verloren, dann kam ich auf das Thema Modden und dachte, dass ich das auch mal ausprobieren will. Hatte ja eh nichts zu tun.“

Anschließend brachte sich der 23-Jährige das Modden mithilfe von Kollegen und anderen Moddern bei. Aktuell übe er, verriet er uns, das Erstellen von Struktur-Mods. Momentan sei das quasi eine andere Abteilung und er entwerfe ausschließlich Maps. In Zukunft würde er jedoch gerne Ressourcen- und Struktur-Mods mit neuen Gebäuden und vielem mehr entwerfen.

„Bei Herr der Ringe brauch ich nicht recherchieren.“

Schnell stellte sich während des Gesprächs heraus, dass Nils jemand ist, der seine Interessen intensiv verfolgt. Er ist Gamer und schaut sich auf YouTube Spiele-Trailer an. Er interessiert sich für das Modden und lernt es. Das nächste Beispiel zeigt, dass ein Mensch am motiviertesten arbeitet, wenn er Interesse an dem Projekt hat oder – wie in Nils‘ Fall – seine Interessen bei der Arbeit umsetzt.

In dem Fall heißt das aktuelle Projekt des jungen Modders ‚Fjördur‘. Dies ist eine ARK-Map, die stark auf den Einflüssen der nordischen Mythologie und der Filmreihe ‚Der Herr der Ringe‘ basiert. Letzteres schaut Nils noch heute regelmäßig, erzählt er uns. Natürlich ist er nach eigener Aussage auch, wie die genannten Einflüsse vermuten lassen, ein Fan der Serie ‚Vikings‘, die er mehrmals gesehen hat.

Auf die Frage, ob und wie er recherchiere, um ein Thema innerhalb seiner Maps visualisieren zu können, antwortete er uns: „Bei Herr der Ringe brauch ich nicht recherchieren“ und „bei der nordischen Mythologie hat man überall ein bisschen aufgegriffen.“ Er setze das um, was er in Filmen, Serien, Büchern und Spielen sehen und lesen konnte. Dort holt er sich seine Inspiration. Generell mache er nichts, was er nicht kennt.

„ARK 1 ist für mich fertig“

Als wir das Interview planten, fragten wir uns, wie Nils arbeitet und wie sich Unsereins das Erschaffen einer Map vorstellen kann. Wenn er eine Idee hat, so sagt er, geht er sofort in das Dev-Kit und versucht diese umzusetzen. Wenn er eine kreative Blockade spürt, macht er zwischenzeitlich eben etwas anderes. Hierzu nannte er beispielsweise das Schauen einer Serie, eines Films oder das Spielen eines Spiels. ARK selbst zähle übrigens bereits seit längerem nicht mehr dazu.

Außerhalb des Moddens nahm er Abstand von ARK, spielte das Survival-Game seit über einem Jahr nicht mehr. Seine ehemals favorisierten Tiere, der Thylacoleo und der Baryonyx, überleben auch ohne ihn. Das Spiel bietet für den 23-Jährigen nichts Neues mehr. Den mittlerweile fast sechs Jahre alten Titel wird Nils abschließend spielen, wenn Genesis Part 2 erscheint. Auf das Update warte er noch. Ansonsten ging die Motivation und die Lust am Spiel verloren. „ARK 1 ist  für mich fertig“, fasst er zusammen.

Nils‘ Wünsche für ARK 2

„Auf jeden Fall ein besseres Kampfsystem. Eine bessere und intelligentere KI, Rudelverhalten und auf jeden Fall eine einfachere Mod-Integration, die schneller funktioniert.“

Nils Menne auf die Frage, welche Features er sich für ARK 2 wünsche.

Anders sieht es bei ARK 2 aus. Den Nachfolger des Dino-Abenteuers wird er voraussichtlich wieder vermehrt spielen. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich Dinge, die Wildcard seiner Meinung nach im zweiten Teil besser machen sollte bzw. könnte oder die er sich zumindest wünscht.

Hierzu zählt unter anderem ein besseres Kampfsystem sowie eine intelligentere KI – explizit realistisches Rudelverhalten wäre wünschenswert. Besonders wichtig wäre ihm natürlich auch eine einfachere Mod-Integration, die schneller funktioniert. „Denn die Mods in ARK laden ziemlich lahm“, führt er aus. „Eine bessere Mod-Integration wäre schon gut, finde ich.“

Wie wahrscheinlich jeder ARK-Spieler besitzt natürlich auch Nils Wünsche, welche Kreaturen es seiner Meinung nach zukünftig in ARK geben sollte. Vor allem anderen stünde auf seiner Liste der Brachiosaurus. Er findet, dass dies ein schöner Dinosaurier ist und mochte bereits den Skin, der während des Archäologie-Events erhältlich war. Ergänzend nannte er „vernünftige“ Spinnen, „weil die Spinnen in ARK nicht gut sind.“

ARK 2: Keine Nils-Menne-Mods in ARK 1 mehr?

„Nein, dann bin ich fertig mit ARK 1. Unter anderem wegen der neueren Unreal Engine, die bietet andere Möglichkeiten.“

Nils Menne auf die Frage, ob er weiterhin Mods für ARK 1 entwickeln wird, wenn ARK 2 Mod-Support erhält

Neben möglichen Wünschen bezüglich des zweiten ARK Teiles, sprachen wir Nils auch darauf an, inwiefern sich der derzeit noch in ferner Zukunft liegende Release des Nachfolgers auf seine Arbeit auswirken wird. Die kurze und gegenwärtig interessante Antwort ist, dass ein ARK 2 Release ihn derzeit noch gar nicht beeinflusst.

Bis dies der Fall sein könnte, werden wahrscheinlich auch noch einige Monate oder sogar Jahre verstreichen. Nils spekulierte, dass „ARK 2 erstmal released und dann lange, lange Zeit keinen Mod-Support haben wird“, und ergänzte, dass er erstmal in ARK 1 weiter modde und währenddessen voraussichtlich ARK 2 spiele.

Abschließend betonte er, dass er wegen der neuen Unreal Engine, die andere Möglichkeiten biete, nicht mehr an Mods für ARK 1 weiterarbeiten wird, sobald ARK 2 alle Voraussetzungen inklusive Mod-Support erfüllt. Da jedoch seiner Einschätzung nach bis dahin noch einige Jahre vergehen, ist dies derzeit noch irrelevant.

Fjördur Fertigstellung noch 2021?

„Fjördur wird hoffentlich dieses Jahr fertig – Ende dieses Jahres. Aber ich hab da keine festen Zeitpläne. Das Zeug ist halt fertig, wenn es fertig ist. Ich bin da auch von niemandem gestresst worden und kann frei arbeiten. Ich will, das es vernünftig läuft.“

Nils Menne über die geplante Fertigstellung Fjördurs

Neben ARK 2 war natürlich auch die Map Fjördur und dessen Entwicklung ein großes Thema des Gesprächs. Diesbezüglich verriet Nils uns, dass es bis auf den ‚King Titan‘ von ‚Extinction‘ und den ‚Master Controller‘ von Genesis auf Fjördur alle derzeit (März 2021) in ARK integrierten Bosse geben wird und dass er im Sommer seit bereits zwei Jahren an der Map arbeitet.

Jene Arbeit begann er direkt nach dem offiziellen Release seiner vorherigen Map Valguero. An dieser saß er 1,5 Jahre. Die Fertigstellung ging fließend in den Arbeitsauftakt Fjördurs über. Apropos Fjördur: Nils verriet uns, dass er hoffe, noch dieses Jahr mit dem Wikinger-Paradies fertig zu werden. Angepeilt wird das Ende des Jahres. Wichtig sei ihm allerdings, dass die Map mit all ihren Features vernünftig läuft.

Insgesamt habe er keinen festen Zeitplan, auch seitens Wildcard nicht, da er nicht für das Studio arbeitet. Dessen Unterstützung und die Zusammenarbeit mit Nils begrenzt sich auf das Sponsoring. Auch Wünsche oder Ansprüche äußern die Entwickler keine.

„Das Projekt steht und fällt mit G-Portal“

Trotz theoretisch fehlender zeitlicher Vorgaben prägt Fjördur derzeit den Alltag des jungen Mannes. Nach dem Aufstehen arbeitet er an der Map, bis er den Eindruck habe, dass er für den Tag fertig sei. Für seinen Arbeitgeber G-Portal erledige Nils lediglich nebenbei oder zu bestimmten Zeiten andere ungenannte Dinge.

Das Unternehmen gäbe ihm alle Freiheiten. Er könne frei arbeiten und das mache er dann auch. Im Gegenzug regeln sie (die verantwortlichen Mitarbeiter bei G-Portal) nicht nur das Organisatorische hinter den Kulissen, sondern sind laut dem 23-Jährigen maßgeblich an Fjördur beteiligt.

„Das ganze Projekt steht und fällt mit G-Portal, auch finanziell“, betonte er die Wichtigkeit der Zusammenarbeit und führte aus, „ich arbeite jetzt seit mehr als einem Jahr fest bei denen und bin absolut zufrieden.“

Fjördur Verkauf? „Win-Win für alle!“

Der Artikel neigt sich langsam dem Ende zu und wir gelangen endlich zu der in dem Kontext mit Fjördur am häufigsten gestellten und in den Foren sowie den sozialen Netzwerken am heftigsten diskutierten Frage, die diese Thematik bietet. Natürlich sprachen wir nach Zeiträumen, Wünschen und den Arbeitsabläufen mit Nils auch über die Evergreen-Frage schlechthin.

Diesbezüglich streifen viele Gerüchte und angebliche Aussagen durch die Community. Dinge die Nils angeblich sagte und Aufforderungen, die teilweise wenig nachvollziehbar an ihn gestellt werden. Damit das Fischen im trüben Wasser ein für alle Mal ein Ende hat, beantwortet er uns exklusiv, ausführlich und offiziell die Frage, wie er zu einem derzeit rein spekulativen Verkauf der Map Fjördur steht, wie er die Entscheidung begründet und welche Auswirkung ein Verkauf hätte.

„Ja! Ja, auf jeden Fall. Das ist ein Win-Win für alle.“

Nils Menne auf die Frage, ob er Fjördur verkaufen würde.

Fjördur auf Konsole verfügbar

Wir fragten den 23-Jährigen, ob er, sollte Wildcard ihm ein Angebot zu seinen Bedingungen machen, Fjördur verkaufen würde. Seine Antwort, ein klares „Ja“, ist keine egoistische Entscheidung. Zwar gesteht er schmunzelnd, dass dabei auch der finanzielle Aspekt eine Rolle spiele, doch ist ihm vor allem wichtig, dass alle Spieler zufrieden sind.

Der Gedanke dahinter sei, dass bei einem Verkauf auch die Konsolenspieler Fjördur erhalten könnten. Nils müsse dann zwar einige Anpassungen vornehmen, damit die anspruchsvolle Map dort liefe, doch verriet er uns, dass die PC-Spieler davon unbeeinflusst blieben. „Konsolenspieler kriegen Fjördur“, erklärte er und ergänzte: „PC Spieler behalten Fjördur in Mod-Version, wie es geplant war.“

Chance auf dauerhafte Mod-Version?

Der Plan sei aktuell, dass trotz des Verkaufes weiterhin eine Mod-Version der Map bestünde und diese separat zur offiziellen Variante fortgeführt würde. Dieser Gedanke liegt unter anderem dem Umstand zugrunde, dass Wildcard gekaufte Mod-Maps bekanntlich gerne grundlegend verändert. Zuletzt sahen wir dies beispielhaft an der Map ‚Crystal Isles‘.

Dort sind nun, nachdem Wildcard die Map kaufte und offiziell herausbrachte, einige Tiere wie die beliebten ‚Rock Drakes‘ nicht mehr aufzufinden. Das Entwicklerstudio entfernte sie kurzerhand von der Map.

„Die offizielle Version gehört dann Wildcard. Die können dann damit machen, was sie wollen.“

Nils Menne über mögliche Veränderungen Wildcards an Fjördur

Um ein solches Dilemma Fjördur zu ersparen, scheint eine Teilung der offiziellen und der Mod-Version unabdinglich. Die Version Fjördurs, welche Wildcard offiziell veröffentlichen würde, wäre nicht mehr die Map, die der engagierte Modder so aufwendig entwarf.

Einen Verkauf lehne Nils sogar ab, äußerte er uns gegenüber, wenn er die Mod-Version nicht weiterlaufen lassen dürfte. Schließlich sei die Win-win-Situation für alle, zu der die Mod-Version der Map gehört, ein ausschlaggebender Grund für den möglichen Verkauf.

„Wenn ich die Mod-Version nicht weiterlaufen lassen dürfte, dann würde ich Fjördur nicht verkaufen. Dann bin ich raus.“

Nils Menne über die Entscheidung, warum er Fjördur Verkaufen würde

Neuer Dino sowie Testphase der ersten Welt

Nils schaffte es zum Ende noch einmal unsere Neugier ganz besonders stark zu entfachen. „Wir kriegen einen neuen Dino“, verriet er uns mit Blick auf Fjördur. Wir wollten gerade anfangen die Betäubungspfeile zu craften, da nahm er uns unglücklicherweise den Wind aus den Segeln: „Aber das wird noch eine Weile dauern.“

Nichtsdestotrotz gab es noch eine spannende Information, die er mit uns teilte. Er plane die neun Welten der nordischen Mythologie in Fjördur einzubinden und mache sie zu unabhängigen „Parallelwelten“. Diese seien wie eine Mischung aus bewohnbaren Boss-Arenen und den sogenannten Extinction-Domes.

Dies sind Kuppeln auf der Map ‚Extinction‘, dessen Welt im Inneren der Kuppel völlig unabhängig und differenziert von der drumherum liegenden Außenwelt ist. Die Parallelwelten, so nennt Nils sie, sollen demnach ähnlich funktionieren. Abschließend kündigte Nils an, dass in Kürze die Testphase für die erste Parallelwelt starte.