Eine Hammer-Meldung aus der Welt der Gaming-Industrie erreicht uns am heutigen Dienstagnachmittag. Wie Xbox im Rahmen einer aktuellen Information bekannt gibt, werden die weltweit berühmten Franchises von Activision Blizzard von Microsoft Gaming und damit Xbox übernommen.

Es ist ein Paukenschlag, der am heutigen Dienstag, 18. Januar 2022 durch die internationale Gaming-Community und damit auch größte Unterhaltungsindustrie überhaupt geht. Phil Spencer, CEO von Microsoft Gaming, verkündet im Rahmen einer historischen Ankündigung, dass die legendären Franchises von Activision Blizzard ab sofort zum Xbox Team gehören.

Nachdem Activision Blizzard in den vergangenen Jahren sowohl mit der Qualität eigener Spiele als auch mit diversen internen Problemen zu kämpfen hatte, ist nun eine drastische Konsequenz eingetreten, wie sie sich kaum jemand hätte vorstellen können. Microsoft hat der kompletten Übernahme von Activision Blizzard zugestimmt.

Zu diesem gigantischen Shift gehören Activision Publishing, Blizzard Entertainment, Beenox, Demonware, Digital Legends, High Moon Studios, Infinity Ward, King, Major League Gaming, Radical Entertainment, Raven Software, Sledgehammer Games, Toys for Bob sowie Treyarch.

Phil Spencer in der zugehörigen Meldung:

„Bis zum Abschluss dieser Transaktion werden Activision Blizzard und Microsoft Gaming weiterhin unabhängig voneinander agieren. Sobald der Deal abgeschlossen ist, wird der Geschäftsbereich von Activision Blizzard an mich als CEO von Microsoft Gaming berichten.“

Ungeklärt ist zudem bislang die Zukunft des bisherigen Blizzard CEOs Bobby Kotick, der zuletzt immens in der Kritik stand und von dem mit immer mehr Nachdruck ein Rücktritt gefordert wurde. Ob er nach dem Abschluss der Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft Gaming weiterhin eine leitende Position bekleiden wird, ist ungewiss. Mehr als das von Spencer veröffentlichte Statement, welches wir oberhalb zitiert haben, gibt es dazu noch nicht. Vorerst verbleibt Kotick auf seiner bisherigen Position.

Activision Blizzard Spiele im Game Pass

Sobald dieser historische Deal der Gaming-Industrie komplett ist, will man möglichst viele Activision Blizzard Spiele sowohl im Xbox als auch PC Game Pass anbieten, heißt es in der Hammer-Meldung weiter. Diese brachiale Ankündigung geht mit der Bekanntgabe eines weiteren neuen Meilensteins bei Xbox einher. So verkündete man heute außerdem, dass der Game Pass jetzt mehr als 25 Millionen Abonnenten habe.

Die Übernahme von Activision Blizzard beschleunige zudem den Ausbau des Cloud Gamings, so Spencer. Da Activision Blizzard Titel neben dem PC auch auf diversen weiteren Plattformen gespielt werden (siehe insb. Candy Crush), sollen diese Communitys auch in der Zukunft weiter unterstützt werden.

Abschließend unterstreicht Spencer, dass Microsoft als Firma Inklusion als zentralen Aspekt des Gamings in den Fokus stellt – sowohl bei Angestellten als auch Spielenden. Darüber hinaus wird die individuelle Kultur der verschiedenen Entwicklerstudios tief wertgeschätzt. Diese gehe Hand in Hand mit kreativem Erfolg, Autonomie, Würde sowie Respekt. Diese Werte fordere man von allen Teams und Führungspersonen ein.

Übernahme nach Übernahme

Es ist nicht die erste hohe Wellen schlagende Übernahme eines namhaften und international renommierten Gaming-Publishers durch Microsoft. Schon im September 2020 erzeugte Microsoft ein Erdbeben in der Industrie, als man kurzerhand Bethesda für 7,5 Milliarden US-Dollar kaufte und acht weitere Studio-Teams bei Xbox willkommen hieß. Damals stieg die Zahl der aktiven Microsoft Gaming Studios von 15 auf 23.

Eine entsprechende Summe für die heute verkündete Übernahme von Activision Blizzard ist mittlerweile bekannt. Unglaubliche 68,7 Milliarden US-Dollar ist die Transaktion wert, berichtet Bloomberg News Tech Reporter Dina Bass. Damit ist dieser Kauf der größte in der gesamten Geschichte der Gaming-Industrie, als auch in der Geschichte von Microsoft selbst. Für Microsoft liegt die kostspieligste Transaktion der Firmengeschichte mittlerweile sechs Jahre zurück. Im Jahr 2016 erwarb man die Plattform LinkedIn für rund 26 Milliarden US-Dollar.

Franchises wie The Elder Scrolls, Fallout, Wolfenstein, DOOM und weitere gehören seit dem Bethesda-Kauf zum Microsoft Portfolio, welches spätestens mit den heutigen Erweiterungen aus dem Hause Activision Blizzard das krasseste Games-Aufgebot der Welt sein dürfte.

BREAKING: Microsoft kauft Bethesda

Seit heute gesellen sich etliche weitere Top-Franchises hinzu, von denen sich einige zu den bekanntesten der Welt zählen dürfen. Overwatch, Diablo, Call of Duty, World of Warcraft, Candy Crush, StarCraft, Hearthstone und mehr – Microsoft Gaming und Xbox haben nicht nur mit dem Game Pass durchschlagenden Erfolg. Sie vereinen so viele weltberühmte Gaming-Franchises wie niemand anders.

Eine neue Zukunft für gebrochene Franchises?

Activision Blizzard hat zuletzt auf ganzer Linie enttäuscht – und das nicht nur als Arbeitgeber im Umgang mit Missständen in den eigenen Reihen. Auch die Qualität vieler einst hochgelobter Franchises ist ins Bodenlose gestürzt. Der große Sturz begann in der Wahrnehmung vieler Fans mit der überraschenden Ankündigung von Diablo Immortal auf der BlizzCon 2018, die für einen kurzen Moment für einen Aprilscherz im November gehalten wurde. Doch tatsächlich kündigte Blizzard freudestrahlend ein Mobile-Game an, während die Fans sehnsüchtig auf eine Diablo 4 Enthüllung hofften.

Doch betrachtet man diesen historischen Fehlschlag retrospektiv, war dieser Patzer einer von den weniger schlimmen. Es folgten blamable Launches am Fließband. Um die Schmerzen der früher so treuen Fans gering zu halten, nennen wir Warcraft 3: Reforged und auch Diablo 2 Resurrected hier nur kurz und führen die Themen an sich nicht weiter aus. Nur so viel: WARCRAFT 3 REFORGED hielt nicht nur Versprechungen nicht ein und erschien mit unzähligen, teils „game breaking“ Bugs, sondern erntete mit einem User Score von 0,6 auf metacritic dort eine der schlechtesten Spielebewertungen aller Zeiten.

Auch die neuesten World of Warcraft Erweiterungen wussten nicht mehr zu begeistern. Die Zahl der Spielenden schrumpfte immer weiter – lediglich WoW Classic versprühte genug Nostalgie, um dem Sog aus Negativität für eine kurze Zeit zu entkommen. Zuletzt mussten sogar die für 2022 angepeilten Releasefenster für Overwatch 2 und Diablo 4 erneut hinterfragt und infrage gestellt werden – ein Release in diesem Jahr ist nicht mehr sicher.

Auch im jährlich erscheinenden Call of Duty Franchise sieht es nicht viel besser aus. Zwar gibt es bis heute eine leidenschaftliche Spielerbasis, die sich insbesondere am Standalone Battle Royale Modus Warzone erfreut, doch gibt es auch dort immer wieder drastische Rückschläge und eindeutige Fehlentscheidungen aufseiten der Verantwortlichen. Wenn Warzone nicht gerade von viel zu vielen Cheatern geplagt ist, die in nahezu jeder Lobby auftauchen, werden Design- und Balacing-Entscheidungen getroffen, die kaum jemand in der Community nachvollziehen kann.

Zusammenfassend eine ziemlich düstere Momentaufnahme für viele potenzielle Top-Spiele, die ihr Standing in den vergangenen Jahren nahezu vollständig eingebüßt haben.

Haucht Xbox Totgeglaubten neues Leben ein?

Die große Frage, die sich nach der heutigen Meldung selbstverständlich umgehend stellt, ist jene, ob Xbox vermag, diesem Negativ-Trend ein Ende zu bereiten und einen Stöpsel in den Abfluss zu bekommen, über dem der Strudel aus Blizzard-Games scheinbar unaufhaltsam weiter abfließt. Wünschen würden sich dies wohl ohne Zweifel die allermeisten. Immerhin standen alle Blizzard-Titel einst für Qualität und Optimierung. Sie waren ein Vorbild in der Landschaft der AAA-Games.

Obwohl Spencer heute betont, dass die Unabhängigkeit, Selbstständigkeit und Kultur der Studios erhalten werden soll, gibt es Hoffnung auf einen Kurswechsel, angeleitet von Microsoft Games, welches im Rahmen vieler Projekte der näheren Vergangenheit bewiesen hat, wie erfolgreiches Publishing funktioniert und wie dabei auch noch qualitativ hochwertige und demnach beliebte Spiele dabei herauskommen.

Einen interessanten Gedanken hat in diesem Kontext auch der Branchen-Insider und Bloomberg Reporter Jason Schreier geäußert. Dieser formuliert, dass unter Activision jedes Spiel ein Milliarden-Franchise sein musste – dies könnte sich unter Xbox nun ändern.

Es bleibt die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für Angestellte und Fans bei allen Studios, die künftig unter neuer Führung agieren werden.