Erst am 21. Mai 2020 hat Amazon Games den PvP basierten Team-Shooter „Crucible“ als Free-2-Play Titel auf Steam veröffentlicht. Viele sprachen von einem VALORANT Konkurrenten, andere von einem neuen Hoffnungsträger am Sci-Fi Himmel mit Anlehnung an Blizzards Overwatch. Doch nicht einmal drei Wochen später holt die Statistik alle Enthusiasten – und auch Amazon Games selbst – auf den Boden der Tatsachen zurück.

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Entwickler Relentless Studios wollte einen Third-Person Genre-Mix schaffen, der in unterschiedlichen Spielmodi für Begeisterung sorgen sollte. Einzigartige Charakterdesigns, besondere Fähigkeiten, Freischaltung neuer Level und Belohnungen – all diese Aspekte hören sich erst einmal äußerst vielversprechend an und auch die Trailer machten einen vielversprechenden Eindruck.

So gaben am Tag der Veröffentlichung über 10.000 Spieler zeitgleich dem potenziellen Helden-Shooter Konkurrenten eine Chance, die auch genau dabei blieb. Einer Chance. Denn überzeugen konnte Crucible ganz offensichtlich nicht. Innerhalb weniger Tage halbierten sich die Spielerzahlen, nach einer Woche waren maximal noch 3.000 Spieler gleichzeitig aktiv. Nun, nicht einmal drei volle Wochen nach dem Release durch das Studio, welches mit Amazon einen ziemlich großen Namen trägt, sind gerade noch so 400 Spieler übrig.

Top-600 als Maßstab

All diese Daten beziehen sich auf die Seite steamcharts.com, nach der es Crucible nun nicht einmal mehr unter die Top-600 Spiele auf Steam schafft, wenn man die aktiven täglichen Spieler als Maßstab betrachtet. Umgeben ist das gigantische Projekt nun von Spielen wie Football Manager 2013, Assassin’s Creed II oder auch Wizard of Legend.

Tyler Erzberger, der bei ESPN aktiv ist und auf Twitter unter dem Namen „The Esports Writer“ immer wieder aktuelle Insights in die Szene gibt, berichtete ebenfalls über den für viele tatsächlich traurigen Verlauf der Crucible Entwicklung. Er habe insbesondere die Entwickler hinter dem Projekt als äußerst positiv kennengelernt, die das Spiel trotz der immer weiter schrumpfenden Spielerbasis noch immer täglich aktualisieren würden.

Woran liegt es?

„Woran liegt es“ oder „Woran hat es gelegen“? Diese Fragen müssen sich nicht nur regelmäßig professionelle (Team-)Sportler nach Niederlagen gefallen lassen, auch die Verantwortlichen hinter vermeintlich gescheiterten Videospielprojekten sehen sich damit konfrontiert. Um im Fall von Crucible darauf antworten zu finden, hilft beispielsweise ein Blick in die Steam-Bewertungen (die im Übrigen gar nicht so negativ ausfallen, wie man es sich im Kontext mit der schwindenden Community vorstellen könnte).

Viele der dort angeführten Kritikpunkte beschäftigen sich mit dem allgemeinen Zustand des Spiels. Demnach würden selbst für einen Beta-Status (in dem sich das Spiel offiziell nicht mehr befindet), zu viele essentielle Dinge fehlen, die einen Shooter spielenswert machen. Dies betreffe das Polishing, das fehlende Trefferfeedback, die Serverstruktur, eine fehlende Mini-Map sowie das nicht vorhandene Scoreboard, um nur einige der vielen Punkte zu nennen, die häufiger in den Kommentaren zu finden sind.

Auch Ladezeiten, Ping und Disconnects und nicht ausbalancierte Charaktere würden den Spielspaß regelmäßig negativ beeinflussen. Deutlich positiver empfunden wird hingegen immer wieder das Spielkonzept, was in seiner Kombination bekannter Elemente mit funktionierenden Spielmodi und toll gestalteten Charakteren jede Menge Potenzial berge.

Ob sich Amazon Games und die Entwickler bei Relentless Studios einfach noch ein paar weitere Monate Entwicklungszeit hätten genehmigen sollen ist schwer zu beantworten, ohne weitere Hintergründe zu kennen. Dennoch hätte es dem Status des Spiels und damit vielleicht auch der Verbleibdauer der Spieler gut getan.

Crucible | Launch Trailer

Noch im Launch Trailer weckte Crucible am 20. Mai jede Menge Hit-Hoffnung:

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