Am gestrigen Montagabend ging ein Paukenschlag durch das Internet. Dieser kam aus der Szene der Online-Liveübertragungen und hallte von Microsoft aus in alle Richtungen. Denn der Streaming-Dienst Mixer wird im kommenden Monat Juli seine letzten Übertragungen ausstrahlen und anschließend eingestellt.

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Wie die Verantwortlichen bekanntgaben, würden sich Entwicklung und strategische Zielsetzung bei Mixer nicht decken. Als Lösung ist eine Integration der Streamer, Partner und Community in Facebook Gaming geplant. Alle Augen richteten sich in diesem Kontext sofort auf die beiden Superstars der Plattform: Michael ‚Shroud‘ Grzesiek und Richard Tyler ‚Ninja‘ Blevins. Ihre Zukunft weckt besonderes Interesse in der Szene.

Facebook Angebote ausgeschlagen

Laut Insider Rod ‚Slasher‘ Breslau, der in der Vergangenheit immer wieder interne Details aus den Bereichen E-Sport und Gaming offen legte und auch hier auf eigene – nicht näher spezifizierte – Quellen verweist, hätten den beiden bekanntesten Streamern der Plattform Angebote von Facebook Gaming vorgelegen, die finanziell in etwa doppelt so hoch angesiedelt gewesen seien, wie ihre ursprünglichen Mixer Verträge, die sie im August bzw. Oktober 2019 unterzeichnet hatten.

Beide hätten diese Offerte abgelehnt und sich stattdessen von Mixer auszahlen lassen. Bei Ninja wäre dies ein Volumen von zirka 30 Millionen US Dollar gewesen, für Shroud habe die Vertragsauflösung in Kombination mit der Zeit auf der Plattform von Microsoft insgesamt zehn Millionen US Dollar Einkommen bedeutet. Ab sofort sind beide begehrten Streamer nun wieder „auf dem Markt“.

Ninja verteilt Spenden auf Mixer

Neben den beiden im Rampenlicht stehenden Streaming-Größen, die von der anstehenden Schließung von Mixer betroffen sind, gibt es zahlreiche kleinere Streamer, die die Nachricht offensichtlich wie ein Schock traf. Nicht wenige Mixer Partner, die am Abend ihrer Beschäftigung nachgingen, wirkten von der Neuigkeit überrascht und teils vollkommen überwältigt. Für sie könnte der Umbruch und die Migration zu Facebook Gaming eine existenzbedrohende Auswirkung mit sich bringen, so die Befürchtungen.

Um der Hiobsbotschaft entgegenzuwirken und etwas von dem „Support zurückzugeben“, fanden sich nur wenige Stunden nach der Bekanntgabe der Schließung sowohl Ninja selbst, als auch seine Managerin und Frau Jessica Blevins in mehreren Mixer Streams ein und spendeten den Streamern höhere Summen an Spenden.

Man sei stolz auf die Community und das gemeinsam erreichte. Mit der Aktion wolle man zudem anderen Mixer Streamern Liebe und Unterstützung zukommen lassen.

Wohin die Reise für ihn selber geht, wisse Ninja indes noch nicht, verkündete er in einem weiteren Tweet. Er habe einige Entscheidungen zu treffen und werde an seine Community denken, während er diese umsetze. Großen finanziellen Druck sollte er dabei nun jedenfalls nicht mehr verspüren.

Fast in den gleichen Worten verkündete auch Shroud, dass er noch damit beschäftigt sei, über seine nächsten Schritte nachzudenken. Zeitgleich bedankte er sich bei der Mixer Community und für die Möglichkeiten, die er auf der Plattform bekam.

Wie kommt das Angebot von Facebook an?

Mit der Bekanntgabe der Schließung von Mixer verkündete Microsoft zeitgleich die Kooperation mit Facebook Gaming, die es Partnern von Mixer leichter machen soll, auf Facebook ihre Laufbahn als Streamer und Content Creator fortzusetzen. Der Partner-Status und auch die Aufnahme in das Facebook Gaming Level Up Programm sind nur zwei der möglichen Vorteile.

Zudem soll Facebook, ebenfalls nach Quellen von Rod ‚Slasher‘ Breslau, Mixer Partnern, die sich dazu entscheiden in das Facebook Gaming Creator Programm zu wechseln und mindestens 90 Tage auf der Plattform zu bleiben, eine einmalige Zahlung von 2.500 US Dollar angeboten haben.

Auch die summierten zugeschauten Stunden auf Facebook Gaming im Vergleich zu Mixer zeigen theoretisch eine deutlich bessere Entwicklung bei dem Anbieter, der die Mixer Partner auffangen soll. So analysierte die Plattform Stream Hatchet die Entwicklung der vergangenen drei Jahre (Facebook Gaming kommt ab März 2019 hinzu).

Während Facebook Gaming eine Steigerung von insgesamt 345 Prozent verzeichnen konnte, stagnierten die Zahlen auf Mixer fast vollständig. Dennoch gaben schon jetzt einige Mixer-Partner an, zu Twitch.tv wechseln zu wollen.

Ob es sich bei diesen Ankündigungen um Schnellschüsse und aus dem Bauch heraus getätigten Äußerungen handelte und welche Rolle YouTube Gaming in dem Thema vielleicht noch einnehmen wird, bleibt in den nächsten Tagen und Wochen zu beobachten.

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