Deutschland ist ein Zensurland. Trotz aller Freiheiten, die wir hier genießen dürfen, schreibt unser Land schon seit den ersten Tagen der Videospiele eine ganz eigene Geschichte. So sind wir bekannt für unseren Index und in der Vergangenheit galt es schon beinahe als Sonderauszeichnung, wenn ein Spiel hierzulande indiziert wurde. Was in vielen Ländern überhaupt kein Problem darstellt, sorgt hier für Aufruhr. Allerdings weniger bei den Spielern, sondern viel mehr beim Jugendschutz.

Für Publisher ist dies teilweise ein Problem, so gab es in der Vergangenheit Spiele, die in Deutschland quasi gar nicht öffentlich stattfanden. Ein noch recht junges, aber populäres Beispiel dürfte vermutlich das Horrorspiel Dying Light vom polnischen Entwickler Techland sein. Dies wurde international sehr gut aufgenommen und es entstand eine sehr große Community, die dem Titel bis heute treu ist. Doch hier traut man sich selbst als Presse kaum, den Titel in den Mund zu nehmen. Diesen verkrampften Umgang mit „verbotenen Titeln“ kennen wir noch aus Zeiten, in denen wir von Qu*ke, Beben, D**m und W********** 3D sprachen. Fürchterlich.

Sexualität: Schlimmer als Gewalt?

Auch aktuell schlägt die Zensur um sich. Dieses Mal geht es aber nicht um Gewaltverherrlichung und detaillierte Darstellung von Grausamkeiten, sondern um Sex. Ja, tatsächlich: Wir haben in Deutschland offensichtlich ein Problem mit virtueller Liebe in Videospielen. Lange Zeit hieß es, dass es eher in anderen Ländern einen kritischen Umgang mit Nacktheit geben würde, aber weit gefehlt. Auf der beliebten Plattform Steam tauchen etliche Titel beispielsweise gar nicht auf, wenn die eigene Region auf Deutschland eingestellt ist. Natürlich könnte man dies jetzt Valve in die Schuhe schieben, vernünftige Alterssperren könnten dies ja beheben, oder? Es ist allerdings auch ein Zeichen dafür, dass der Jugendschutz in Deutschland irgendwie komisch umgesetzt ist. Natürlich ist es wichtig, die Jugend zu schützen – aber muss man als volljähriger Spieler deswegen ebenfalls einer Zensur unterworfen sein? Ist es sinnvoll, dass Publisher als Vorsichtsmaßnahme einfach alle Spiele mit expliziten Inhalten sperren?

Ein verkrampfter Umgang

Vermutlich kann ein Großteil der Spieler auch auf schlüpfrige Spielchen verzichten. Sind wir mal ehrlich, die meisten dieser „Spiele“ sind ein Witz und Gameplay-technisch absolut irrelevant. Aber: Ist es richtig, solche Spiele grundsätzlich auszublenden? Gute Beispiele für „erwachsene Erwachsene-Inhalte“ bietet der polnische Spielemarkt. Dort pflegt man einen sehr unverkrampften Umgang mit Sexualität. Schaut man sich entsprechende Szenen in Cyberpunk 2077 oder The Witcher an, dann wird klar, dass man auch anders mit dem Thema umgehen kann. So können sexuelle Elemente durchaus eine Bereicherung für die Stimmung in einem Spiel sein. Ganz natürlich eben, wie im echten Leben auch. Spiele werden immer realistischer, zeigen die Welt mit einem Detailgrad, von dem man vor ein paar Jahren nur hat träumen können – doch sobald zwei Charaktere miteinander Liebe machen (wie in jedem Hollywood Film auch), wird es „schwierig“.

Disclaimer: Es darf angemerkt sein, dass es hier nicht um wirklich fragwürdige Titel geht, in denen sexuelle Gewalt verherrlicht oder ohne klare Bewertung zur Schau gestellt wird.

Während die beiden angesprochenen Titel an einer Zensur glücklicherweise noch vorbeigeschlittert sind, sind etwas explizitere Spiele gar nicht im deutschen Steam-Store zu finden. Mit House Party, Subversed oder Wild Life beispielsweise hat man in Deutschland wohl ein Problem. Man kann sich für die Zukunft nur wünschen, dass die Plattformen entsprechend reagieren, ein besseres System finden, um altersgerechte Software anbieten zu können und dass es vielleicht generell zukünftig einen weniger verhaltenen Umgang mit dem Thema Sex in Videospielen geben wird. Sonst wird auch die Jugend keinen gesunden Umgang mit Medien lernen können – und in der Regel gilt ja auch: Verbotene Früchte schmecken am besten.

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