Erinnert ihr euch noch an den Juni 2020, als sich der wohl mysteriöseste Perma-Bann eines internationalen Twitch-Stars ereignete? Am 27. Juni 2020 schloss die zu Amazon gehörende Streaming-Plattform mit DrDisrespect einen ihrer größten Streamer permanent aus. Nur der Grund dafür war – und ist bis heute – vollkommen unklar.

Im Anschluss folgte ein großes Schweigen, Twitch bezog (wie üblich) keine offizielle Stellung zum Ausschluss, der Doc will nach eigenen Angaben nicht gewusst haben, weshalb er nicht mehr auf Twitch streamen darf. Dies trug dazu bei, dass in den folgenden Tagen, Wochen und Monaten immer wieder die Gerüchteküche aufkochte und die wildesten Spekulationen in den Raum geworfen wurden. Die meisten davon bewahrheiteten sich nicht. Im August feierte Herschel „Guy“ Beahm IV dann sein umjubeltes Streaming-Comeback auf YouTube, wo er seither ebenfalls mit großem Erfolg seine Community unterhält und voll in der Rolle des überaus selbstbewussten DrDisrespect aufgeht.

„Es geht weiter.“

Obwohl wir auch im März 2022 noch nicht genau wissen, was nun genau vorgefallen ist, gibt es Neuigkeiten rund um den Twitch-Ausschluss des Docs. Dieser teilte nämlich vor einigen Stunden via Twitter ein Bild mit einem Blatt Papier, auf dem das DrDisrespect Logo, ein Zitat sowie die Unterschrift des Docs zu sehen ist.

Unter dem Logo steht:

„Ich habe meinen Rechtsstreit mit Twitch beigelegt. Keine Partei gibt ein Fehlverhalten zu.“

Oder eben im englischen Original:

„I have resolved my legal dispute with Twitch. No party admits to any wrongdoing.“

Darunter folgt nur noch die Unterschrift des DrDisrespect.

Moving on. pic.twitter.com/aA4KfHOSK2

— Dr Disrespect (@DrDisrespect) March 10, 2022

Im zugehörigen Tweet zeigt sich der Doc, wie in der Vergangenheit auf Social Media schon öfter beobachtet, wortkarg. Zum Bild hinzugefügt hat er lediglich die Worte „Moving on.“ – „Es geht weiter“. Es scheint also tatsächlich so zu sein, dass der Doc eine rechtliche Einigung mit seinem ehemaligen Arbeitgeber Twitch erzielt hat.

Bleibt der Bann bestehen?

Was daraus resultiert, ist die jetzt eigentlich spannende Frage. Selbstverständlich hofften viele Fans unverzüglich, dass die Einigung auch zur Aufhebung des Banns geführt hat. Ob dies so ist, können wir derzeit nicht sagen. Zu welchem Ergebnis man vor Gericht tatsächlich gekommen ist, bleibt geheim. Die einzige Aussage dazu stammt, wie ihr lesen konntet, vom Doc selbst. Keine Seite gibt ein Fehlverhalten zu. Konsequenzen oder daraus resultierende Maßnahmen? Wir wissen es leider nicht.

Was wir wiederum wissen ist, dass der Doc eine Rückkehr zu Twitch ausschließt. Auf die vielen Fragen der Fans antwortet er unter dem Tweet: „In response to all your questions, the Doc will not return to Twitch.“ – „Als Antwort auf all eure Fragen, der Doc wird nicht zu Twitch zurückkehren“.

Dies muss im Umkehrschluss allerdings keineswegs bedeuten, dass der Bann des Docs auf Twitch weiterhin Bestand hat. Es könnte auch einfach sein, dass sich DrDisrespect mittlerweile auf YouTube eingelebt hat und sich dort wohlfühlt. Immerhin kennt er den direkten Vergleich der beiden Plattformen sehr genau. Vielleicht steht derzeit auch einfach außer Frage, dass es einen Vertrag zwischen dem Doc und Twitch geben könnte, der für beide Seiten zufriedenstellend ist. Zudem dürfte das Vertrauen von Herschel „Guy“ Beahm IV in die Plattform Twitch als Arbeitgeber ruiniert sein, sollte es stimmen, dass er tatsächlich bis wenige Minuten vor seiner Sperrung gar nichts von der Initiative wusste. Viele Optionen sind denkbar.

Doch auch aufgrund eines weiteren Aspekts ist die Frage nach dem Bann eine wichtige. Denn wer auf Twitch gebannt ist, darf auch nicht in den Streams anderer Twitch-Creator prominent zu sehen oder zu hören sein. So ist gemeinsames Spiel oder andere gemeinsame Aktivität undenkbar. Wäre der Bann jedoch aufgehoben, könnte der Doc, auch via YouTube übertragend, wieder mit etlichen Freunden und Kollegen zusammenspielen. In den vergangenen zwei Jahren war ihm dies verwehrt geblieben und vielleicht mit die größte Strafe im gesamten Kontext.

Zuletzt galt eine Theorie als wahrscheinlich, in der behauptet wurde, dass ein gar nicht in dieser Form existierendes Mixer-Angebot der Grund für den Bann gewesen sei, welches der Doc Twitch im Rahmen von Vertragsverhandlungen vorgelegt hätte. Mehr dazu findet ihr hier:

DrDisrespect will Twitch verklagen: Ist DAS der Grund für den Bann?