Nach 6 Jahren Entwicklungszeit erscheint am 4. Februar das heiß ersehnte Horror-Adventure Dying Light 2 Stay Human vom polnischen Entwickler Techland. Es handelt sich dabei um die Fortsetzung des 2015 erschienenen ersten Teils. Neue Mechaniken, ein noch bunterer Genremix und eine gigantische Open World sollen Dying Light 2 zu einem unvergesslichen Abenteuer machen. Dabei werfen euch die Entwickler in ein modernes Mittelalter, welches trotz der First-Person-Perspektive bewusst auf manch eine Shooter-Mechanik verzichtet.

Wir haben uns die Original-Fassung des Spiels für PC schon vor dem Release genau angeschaut, durften sie ausgiebig testen und präsentieren euch hier unseren Spieletest. Dabei sagen wir euch auch, ob die neue Dying Light-Formel aufgegangen ist.

Uncut vs deutsche Fassung

Das bei Genre-Fans sehr beliebte Dying Light konnte sich bislang in Deutschland nicht so gut durchsetzen wie im Rest der Welt, wo es für sein innovatives Gameplay und die langjährige Unterstützung der Entwickler gefeiert wird. Mangels USK-Freigabe fehlte es Dying Light hierzulande an ausreichender Popularität. Dies wollte Techland mit Dying Light 2 nun eigentlich ändern. Nach langer Diskussion und Gerangel mit dem Jugendschutz kann es allerdings erneut nicht in seiner Ur-Fassung erscheinen. Techland hat dieses Mal allerdings eine neue geschnittene Version für den deutschen Markt erstellt. Diese kommt wesentlich zimperlicher daher und schaltet in puncto Gewaltdarstellungen einen Gang zurück. Aber immerhin dürfen damit auch Spieler hierzulande in den Genuss von Dying Light 2 kommen. Wer mehr möchte, der wählt statt der USK- lieber die ungeschnittene PEGI-Version aus dem nahen Ausland.

Background-Story: Zombie Apokalypse

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Das gefährliche Harran-Virus hat ein Großteil der Menschheit in willenlose Kreaturen verwandelt.

2014 wird die Menschheit von einer üblen Seuche heimgesucht, welche seine unglückseligen Opfer in willenlose Zombies verwandelte und einen Großteil der Bevölkerung dahinraffte. Zunächst hatten die Behörden – wie die Global Relief Effort (GRE) – es noch lokal auf die Stadt Harran eingrenzen können. Doch bei der Suche nach einem Heilmittel kam es zu einem noch viel heftigeren Ausbruch. Das Harran-Virus reagiert auf UV-Strahlung und sorgt dafür, dass die Infizierten tagsüber zu trägen Wesen werden, nachts hingegen bricht buchstäblich die Hölle über das geplagte Land herein und die Bestien kommen aus ihren Verstecken.

Dying Light 2 erzählt die Geschichte von Aiden Caldwell und spielt ein gutes Stück nach den Geschehnissen des ersten Teils und dem Schicksal von Kyle Crane. Die Menschen können sich kaum an die Zeit vor dem großen Ausbruch erinnern. Während der neue Protagonist Aiden auf der Suche nach seiner Schwester Mia ist, von der er als Kind getrennt wurde, erkundet er die Stadt Villedor und deckt nach und nach die Schatten seiner Vergangenheit auf. Dabei geht es um illegale Experimente an Kindern, Machtmissbrauch und ziemlich üble Typen.

Aiden ist ein sogenannter Pilgrim. Ein herumziehender Streuner, der viel mehr von der Welt gesehen hat als die übrigen Überlebenden, die zurückgezogen in kleinen Gemeinschaften zusammenleben.

Spieltwelt

Villedor, welches auch nur als „die Stadt“ bekannt ist, war einst Schauplatz eines großen Ausbruchs. Die Menschen bauten große Mauern, um das Übel dort einzusperren. Genau diese Barriere wurde mit der Zeit und mit der Ausbreitung des Virus im Rest der Welt zu ihrer größten Stärke. Die Stadt besteht aus zwei Teilen: Old Villedor und dem Inner Circle.

Zerklüftete Häuserschluchten und ein eher urbanes Setting werden bereichert durch eine Vegetation, die sich langsam, aber sicher die Stadt zurückholt. Grüne Dächer, rankende Pflanzen und brüchiger Beton bieten eine gute Abwechslung zu der einstigen Bebauung. Durch die Chemie-Angriffe der Vergangenheit sind Teile der Stadt kaum passierbar. Die Infizierten ziehen sich am Tag in die Häuser oder U-Bahn-Tunnel – die sogenannten Dark Zones – zurück. Demnach sieht man während des Tages nur Teile der Horde durch die Straßen wanken. Nachts hingegen ändert sich das Bild, die Monstren werden agiler und gefährlicher. Es gibt sogar besonders flinke Exemplare, die den Spieler über Hausdächer hinweg jagen.

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Eine gigantische Stadt liegt euch in Dying Light 2 zu Füßen.

So wie man es von einer großen Stadt erwartet, erstreckt sich die Spielwelt nicht nur in zwei, sondern gleich in drei Richtungen. Viele der Häuser haben etliche Stockwerke und es gibt zumindest zwei Welten: die Straße und die Dächer. Ganz nach dem „der Boden ist Lava“-Prinzip bewegt man sich idealerweise weiter oben, wenn man ungestört vorankommen will. Viele der Schätze und besonderen Dinge finden sich allerdings in den dunklen Zonen. Tagsüber findet man hier die meisten Infizierten. Die verharren dort schlummernd, während sie auf die Nacht warten. Man kann an ihnen vorbeischleichen. Dabei sollte man allerdings möglichst wenig Geräusche machen. Wer fette Beute machen will, der sollte lieber nachts in die Häuser einbrechen, wenn die Horde ausgeflogen ist. Weniger beängstigend sind die nächtlichen Ausflüge allerdings nicht. Dies hat vor allem mit der Infektion zu tun, die uns dann zu schnellem Handeln zwingt – dazu aber später mehr.

Das Stadtbild wird zudem geprägt von den verschiedenen Fraktionen. Es gibt die Überlebenden, welche quasi die Zivilbevölkerung darstellen, und die Peacekeeper, ein militanter Trupp an Soldaten, der für Recht und Ordnung sorgen möchte. Als dritte Menschenfraktion wären da noch die Renegades – ein übler Haufen an Halunken, die den anderen Menschen nach dem Leben trachten.

Je nachdem, welche Fraktion ein Gebäude besetzt hält, wird dessen Erscheinungsbild geprägt. Das sogenannte City Alignment System regelt den aktuellen Besitzanspruch und das Aussehen der Stadt. Es gibt verschiedene Schlüsselgebäude, die in der Stadt verteilt sind. Darunter Windmühlen, Lager und ähnliche Gebäude. Diese sind in unterschiedlicher Hand und können im Laufe des Spiels erobert werden. Die Stadt ist in mehrere Stadtteile und Stadtbezirke unterteilt, welche jeweils ihre eigenen Schlüsselorte besitzen.

Abhängig von der Vorherrschaft einer der Fraktionen wird auch das örtliche Stadtbild geprägt. Hierzu gehören verschiedene Helferchen wie Vorrichtungen, die zur Fortbewegung dienen (Ziplines, etc.).

Grafik: Nie war die Apokalypse schöner

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Die Stadt beginnt zu verfallen und wird von der Natur überwuchert.

Techland hat bereits mit vorangegangenen Titeln bewiesen, dass man es versteht, leistungsstarke Spiele-Engines zu entwickeln. Dying Light 1, Call of Juarez und andere Techland-Titel basieren auf der hauseigenen Chrome Engine. Dying Light 2 setzt auf die neue C-Engine, welche eine Weiterentwicklung darstellt und besonders auf Skalierbarkeit setzt. So soll sie das neue Spiel auf möglichst vielen Systemen spielbar machen.

Die Grafik von Dying Light 2 ist sehr ansehnlich und setzt sicherlich neue Maßstäbe im Bereich der städtischen Architektur – ein Stichwort dabei ist vermutlich die angesprochene Vertikalität der Spielwelt. Die Engine bietet aktuelle Features wie beispielsweise Raytracing, punktet aber vor allem bei der flüssigen Darstellung von Landschaften. Dies ermöglicht das schnelle Gameplay und die Parkour-Aspekte des Spiels.

Die Umgebung besteht aus abwechslungsreichen Assets und wirkt sehr natürlich und glaubwürdig. Auch die Charakter-Darstellungen sind gut gelungen, besonders in Cut-Scenes kann das Spiel mit detaillierter Darstellung und toll umgesetzten Motion Capture-Animationen überzeugen. Die Gesichtsausdrücke sind glaubhaft und ein Highlight ist die Lippensynchronisation.

Ein Teilaspekt der Grafik ist zumindest in der Original-Fassung die Darstellung der Gewalt. Abgetrennte Gliedmaßen, heftig spritzende Blutfontänen und über allem dieser bestimmte Grad an natürlicher Trägheit – dies sorgt für ein erschreckend echt wirkendes Szenario, welches nur davon unterbrochen wird, wenn einer der Feinde plötzlich durch den Hammerschlag getroffen auf das nächste Hausdach geschleudert wird.

Sound und Musik: Stimmungsvolle Untermalung

Die Musik von Dying Light 2 stammt von Olivier Derivière, einem bekannten Komponisten, der bereits Soundtracks zu Spielen wie Alone in the Dark, A Plague Tale: Innocence, GreedFall und Vampyr gearbeitet hat. Ein Mix aus elektronischen Klängen und orchestraler Musik vermischt sich in Dying Light 2 zu einer mal beklemmend wirkenden und mal zu einer treibenden Soundkulisse. Die Musik reagiert dynamisch auf das Spielgeschehen und in ausgedehnten Parkour-Szenen steigert sich diese und entwickelt eine treibende, pulsierende Kraft. Für das Spiel hat Derivière verschiedene Aspekte kombiniert und so hören wir natürliche Instrumente, allerdings auch viele kaputte Sounds. Extra für das Spiel wurde ein eigenes Musikinstrument erschaffen, welches aus Schrottteilen gebaut wurde und so allein optisch gut in die Welt von Dying Light 2 passen würde. Für die orchestralen Aufnahmen holte sich das Team das London Contemporary Orchestra hinzu.

Auch die Geräuschkulisse von Dying Light 2 ist sehr ausgeprägt und üppig. Wandelt man durch die Straßen von Villedor hört man um sich herum eine „lebendige“ Stadt aus Umgebungsgeräuschen, Dialogen, Stöhnen, Ächzen und angsteinflößenden Schreien. Der brachiale Sound dumpfer Schläge und das hervorragende Voice Acting sind ebenfalls hervorzuheben.

Lokalisierung: Die Sprachausgabe

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass Techland sich um eine umfassende Lokalisierung bemüht hat. So wurde das Spiel in verschiedene Sprachen übersetzt und bietet tatsächlich auch mehrere Versionen der Sprachausgabe. Wir haben die deutsche Fassung kurz angetestet – sie war zum Test noch nicht komplett fertig. Die „originalen“ englischen Sprecher sind allerdings dermaßen überzeugend, dass wir sehr gerne auf den O-Ton geschaltet haben. Besonders hervorzuheben ist dabei Jonah Scott, der den Protagonisten Aiden Caldwell spricht. Jonah ist bereits vor dem Release als Host des News-Formats Dying2Know in Erscheinung getreten. Er ist selbst professioneller Sprecher, Schauspieler und leidenschaftlicher Gamer (man kann ihn bei seinen regelmäßigen Streams sehen). Er verleiht dem Hauptcharakter einen unglaublichen Charme und liefert eine preisverdächtige Performance ab.

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In Dying Light 2 trefft ihr auf sehr unterschiedliche Charaktere.

Die Qualität der NPC-Sprecher ist hingegen etwas durchwachsen. Wir treffen hier auf etliche Stereotype. Es ist allerdings positiv zu erwähnen, dass man uns keine durchgängigen harten Akzente zumutet. Vielmehr setzt der Titel in seinem Originalton auf gut verständliches Englisch und nur einzelne Charaktere sind bewusst etwas undeutlich in der Aussprache, was dann aber letztlich auch zur Stimmung passt. Generell bietet Dying Light 2 eine unglaubliche Zahl an Sprechzeilen. Man kann deswegen kaum einen Vorwurf machen, dass manche NPC ein wenig Mantra-artig ihre Bedürfnisse kundtun. Spätestens in den Dialogen hat jeder dann seine persönlichen Worte für Aiden.

Gameplay: Ein bunter Genremix

Dying Light 2 dreht noch mal ordentlich an den Stellschrauben im Vergleich zum Vorgänger. Das Spielprinzip beruht zwar weiterhin hauptsächlich auf Kampf und Parkour, baut dieses allerdings noch weiter aus. Während sich der erste Teil noch deutlicher auf seine Action-Adventure Mechaniken beruft, versucht Techland in der Fortsetzung weitere Genre-Elemente zu integrieren.

So gibt es ein erweitertes Crafting-System, welches eher an Survival-Games erinnert. Dafür sammelt man in der Spielwelt quasi kontinuierlich Materialien. Diese befinden sich in Truhen, Kisten, Taschen, etc. oder können in den Taschen der besiegten Feinde gefunden werden. Mit diesen Ressourcen lassen sich jederzeit verschiedene Items herstellen, die einem beim Zombie-Alltag helfen.

In Dying Light 1 gab es wesentlich weniger NPCs. Das Spiel konzentrierte sich vielmehr auf einzelne Story-Charaktere. In Dying Light 2 etabliert Techland verschiedene Rollenspiel-Elemente, belebt die Spielwelt mit noch mehr umherstreunenden Menschen und bietet verschiedene Entscheidungsmöglichkeiten in Dialogen. Es können Aufträge von NPCs angenommen werden und so kommen zur Hauptkampagne etliche Nebenmissionen hinzu, die die Open World von Dying Light 2 noch mehr füllen sollen.

Während man sich in der Stadt bewegt und Quests absolviert, sammelt man gleichzeitig Erfahrung. Hat man genug davon gesammelt, kann man auf einem von zwei Skilltrees (Parkour, Kampf) weitere Fähigkeiten erlernen.

Die Hauptmissionen führen in einem angenehmen Fluss durch die Story. Wer sich etwas mehr Zeit lassen möchte, kann auch einige der Nebenmissionen annehmen. Diese bestehen in der Regel aber aus verschiedenen Sammelaktionen und bieten demnach weniger Tiefe.

Dying light 2 besitzt einen Tag-Nacht-Zyklus, der die Art des Gameplays sehr stark beeinflusst. Nachts lässt sich in den Gebäuden bessere Beute machen, einige Missionen können auch nur nachts absolviert werden. Wer sich unter dem nächtlichen Sternenhimmel nicht mit den unzähligen Gegnern anlegen möchte, der kann sich in einem der Menschenlager aufs Ohr hauen und bis zum nächsten Zeitpunkt springen – entweder Tag oder Nacht. Solche Unterschlupfe kann man auf der Karte freischalten, dazu müssen diese nur gefunden und bereinigt werden. Die Windmühlen beispielsweise bietet jeweils eine eigene Parkour-Herausforderung, mit der man auf das Dach des Gebäudes kommt, um dieses letztlich in einen abgesicherten Ort zu verwandeln.

Ein wichtiger Aspekt in Dying Light 2 ist die Infektion. Jeder Überlebende ist auch ein Infizierter. Dafür trägt man einen Biomarker, der den aktuellen Grad an Erregern im Blut anzeigt. UV-Licht kann die Dosis verringern. Deswegen sollte man sich nachts idealerweise immer unter UV-Lampen in einem Lager aufhalten. Abstecher in die Dunkelheit sind zeitlich begrenzt. Unterschreitet die eigene Immunität ein gewisses Level, verwandelt man sich selbst in einen Zombie und stirbt einen qualvollen Tod.

Generell hat Techland ein faires Modell gefunden, wenn es ums Sterben geht. Dabei verliert man keinen Progress und erscheint einfach beim nächsten Unterschlupf. Einzig die gesammelten XP-Boni des letzten Laufes verfallen. Das ist aber durchaus zu verschmerzen. Sollte man gerade ein Renegade-Lager infiltriert haben, wird man ebenfalls neu mit seinem Angriff anfangen müssen und die Gegner sind wieder zurück.

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Ihr könnt sogar mit dem Paraglider durch die Stadt fliegen.

Parkour

Das große Highlight von Dying Light 2 ist die Fortbewegung mittels Parkour. Die Entwickler haben das System stark erweitert und man kann buchstäblich überall klettern und springen. Dabei können sich die Spieler kreativ austoben und ihren eigenen Stil entwickeln, mit dem sie sich geschmeidig durch die Stadt bewegen. Verschiedene zusätzliche Items erweitern die eigenen Bewegungsmöglichkeiten, beispielsweise der Paraglider.

Im Laufe des Spiels lernt Aiden immer mehr neue Fähigkeiten hinzu und wird zum Parkourmeister. Ausgedehnte Sprünge oder waghalsige Kletterpassagen absolviert man mit der Zeit mit links und kann nahezu überall hingelangen. Das Spiel erkennt in der Regel sehr gut, was der Spieler gerade zu erreichen versucht und reagiert mit einer entsprechenden Kollisionsabfrage. Die Fortbewegung macht sogar so viel Spaß, dass man sich dabei ertappt, sich einfach aus Spaß durch die Stadt zu hangeln und sich von einem zum anderen Ort zu bewegen.

Auswirkung auf die eigenen Skill hat auch die getragene Kleidung, welche man entweder findet oder durch das Absolvieren von Quests bekommt.

Kampf

Was wäre eine Zombie-Apokalypse ohne Kämpfe? In Dying Light 2 werdet ihr viele verschiedene Arten von Kämpfen durchstehen müssen. Dabei tretet ihr in der Regel gegen die infizierten Monstren an oder schlagt euch im wahrsten Sinne des Wortes mit anderen Überlebenden herum. Während einfache Infizierte schnell beiseite geklatscht sind, gibt es auch härtere Brocken, die die Situation schnell zu einem kleinen Bossfight werden lassen. Hier gilt es, eine passende Strategie zu entwickeln und sich durch die Umgebung einen Vorteil zu verschaffen.

Besonders dynamisch sind allerdings die Auseinandersetzungen mit den anderen Menschen wie Banditen und Renegades. Diese arten in einem Schlagabtausch aus, bei dem es vor allem um Timing geht. Hier müsst ihr stets eure Ausdauer im Blick behalten. Parade, Gegenschlag, Ausweichen, Feind überspringen, Fußtritt. Die Kämpfe von Dying Light 2 können sehr abwechslungsreich sein und auch wenn es sich dabei in der Regel um Nahkämpfe handelt, wird jeder Kampf zu einer neuen Herausforderung.

Anders als sein Vorgänger setzt Dying Light 2 fast ausschließlich auf Nahkampfwaffen. Wer hier ein fettes Arsenal an Schießprügeln erwartet, der ist in diesem Spiel falsch. Interessant ist eher die Kombination aus Nahkampf und Parkour, welches Dying Light 2 beinahe zu einem Fighting-Game aus Ego-Perspektive werden lässt.

Zum Erfolg trägt auch die passende Ausrüstung bei. Während des Spiels findet, kauft oder craftet man verschiedene Waffen. Diese lassen sich teilweise modifizieren – dafür gibt es entsprechende Slots. Blueprints und Craftmeister helfen den Spielern dabei, ihre Traumwaffe zu entwerfen. Die Waffen weisen verschiedene Aspekte auf, wie Schaden, Geschwindigkeit, Haltbarkeit und besondere Eigenschaften. Ja, die Waffen nutzen sich mit der Zeit ab.

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Handfeste Auseinandersetzung erwarten euch in der Stadt.

Spielablauf

Dying Light 2 kommt im Gewand eines Open-World-Rollenspiels daher. Nach einer Anfangspassage öffnet sich die Spielwelt und die Spieler werden schnell sich selbst überlassen. Über das Journal bekommt man verschiedene Quests angezeigt, die man nach und nach abarbeiten kann. Dabei handelt es sich entweder um Story-Missionen oder Nebenquests von NPCs. Ihr könnt einzelne Aufgaben tracken und euch über Karte oder das Ingame-Hud anzeigen lassen. Die verschiedenen Basen der Fraktionen bieten nicht nur einen Unterschlupf, hier findet ihr auch Quest-Geber und Händler oder die besagten Craftmaster.

Ihr startet euer Abenteuer in Old Villedor. Irgendwann öffnet sich euch die Open-World noch weiter. Ähnlich kennt man des schon vom Vorgänger, dort konnte man zwischen Slums und Old Town wechseln. Während man seine Quests absolviert, wird man stärker und kann leichter in andere Stadtteile vordringen. Diese weisen ein gewisses Gefahrenlevel auf, welches wie eine natürliche Begrenzung dient. Ihr könnt die Warnung natürlich auch ignorieren und werdet dann auf fordernde Feinde stoßen.

Wer einfach nur auf die Story aus ist, der kann dem roten Faden der Geschichte gut und schnell folgen. Nur ganz zu Anfang gibt es eine kurze künstliche Pause. Hier möchten die Entwickler, dass ihr euch mit der Nebenmission-Mechanik etwas auseinandersetzt. Darauf sollte man beim Spielen achten, sonst dauert es unnötig lange, bis es weitergeht.

Koop

Dying Light 2 lässt sich auch mit bis zu drei weiteren Spielern im 4-Player-Koop spielen. Ihr könnt euch jederzeit gegenseitig bei eurem laufenden Spiel unterstützen. Der Host gibt dabei den Ton an und man kann gemeinsam auf dessen Stand weiterspielen. Dabei kann man sogar gemeinsam den weiteren Spielablauf verfolgen. Zum Zeitpunkt unseres Tests war der Koop-Modus noch nicht vollständig integriert – wir werden hierzu ein Fazit nachreichen.

Fazit: Ein etwas lebendigerer Genre-Mix

Dying Light 2 befindet sich schon viele Jahre in der Entwicklung. So erhalten die Spieler ein in seinen Hauptmechaniken ausgereiftes Spiel. Auch die letzte Verschiebung wird dem Gameplay gutgetan haben. Heutzutage erfreulich spielbar kommt Dying Light 2 zum Release deswegen als fertiges Produkt zu euch. Die lange Entwicklungszeit ist dem Titel allerdings bei manchen Aspekten anzumerken. Einzelne Elemente scheinen erst im Laufe der Zeit dazugekommen zu sein. Der Rollenspielaspekt wirkt streckenweise etwas aufgesetzt – diesen Hut hätte man sich nicht unbedingt aufsetzen müssen, immerhin wird mit dem Label auch eine gewisse Erwartungshaltung geschürt, die dann unter Umständen nicht erfüllt werden kann. Skilltree, Dialoge und NPCs sind am Ende nicht so komplex, wie man es von einem reinen Rollenspiel erwarten würde. Betrachtet man Dying Light 2 allerdings als das, was es ist, bekommt man ein gutes Action-Game, welches mit einer großen Open-World und einem ausgefeilten Parkour- und Kampfsystem punkten kann. Man merkt in den vielen Details, welch Liebe die Entwickler in das Spiel gesteckt haben. Das hebt Dying Light 2 auch deutlich von anderen AAA-Games ab. So gibt es hier und da ein paar krude Facetten, über die man allerdings gerne hinwegsieht, da der Rest einfach stimmt.

Die Präsentation ist gut gelungen und es macht Spaß Aidens Story zu verfolgen. Diese stellt sich auch als grundsolide dar und bietet gutes Spielefutter für etliche Stunden. Wer mehr möchte, der kann sich noch in die Erkundung der Welt und die Nebenmissionen stürzen oder einfach nur ein wenig über die Hausdächer springen. Die Parkour-Mechanik ist großartig und ist alleine schon so spaßig, dass man etliche Zeit allein mit dem Durchqueren der Stadt verbringen wird. Über die Tiefe der einzelnen Charaktere kann man sich streiten – uns haben aber viele der starken Persönlichkeiten sehr gut gefallen. Die Nebenmissionen wirkten teilweise etwas rudimentär und dienen eher der XP-Beschaffung.

Blickt man auf Dying Light 1, dann kann man jetzt schon gespannt sein auf die weiteren Inhalte, die uns Techland im Laufe der Zeit präsentieren wird. Man kann den Release des Spiels als solide Grundlage betrachten, auf den noch etliche Erweiterungen aufbauen werden. Diese werden mit Sicherheit noch weitere Mechaniken einführen und weitere Story-Lines bieten. Doch schon jetzt erhält das neue Dying Light von uns eine Empfehlung. Wer auf Parkour, Zombies und blutige Action steht, der ist hier genau richtig. Ganz schafft es Dying Light 2 nicht, an die Atmosphäre des ersten Teils anzuknüpfen – dieser wirkte alles in allem etwas ernster. Dafür ist die etwas lebendigere Spielwelt der Fortsetzung auch interessant und bietet dafür neue Aspekte.

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Unter den Infizierten finden sich auch richtig harte Brocken.

Meinung: Alex

„Dying Light gehört zu diesen Spielen, über die man hierzulande leider viel zu wenig lesen durfte bisher. Allein deswegen habe ich mich so auf den zweiten Teil gefreut, um endlich über eines meiner Lieblingsspiele sprechen zu können. Nun ist es so weit und Techland veröffentlicht seinen neuesten Wurf. Ich hatte ein wenig Angst vor diesem Moment, bin aber am Ende doch positiv überrascht und sehr angetan. Mit einem einzelnen Durchlauf kann man die ganze Bandbreite des Spiels sicherlich nicht fassen, es ist erstaunlich, wie viel Liebe die Entwickler in dieses Projekt gesteckt haben. Mit Parkour- und Kampf-System bin ich sehr zufrieden. Der Rollenspielaspekt ist meiner Meinung nach ausbaufähig – vielleicht hätte man sich mit diesem Stempel nicht unbedingt belasten müssen. Mir hat das Abenteuer von Aiden sehr gefallen und ich konnte auch zu den Hauptcharakteren eine Bindung aufbauen. Generell wirkt Dying Light 2 auf mich etwas lebendiger als der Vorgänger. Dadurch geht auch ein wenig der Ernsthaftigkeit verloren. Das ist gut und schlecht zugleich – Techland geht hier einfach neue Wege, dies gelingt generell ganz gut, manch eine Mechanik würde aber noch etwas Polishing vertragen.

Ich bin Techland auf jeden Fall für diesen würdigen Nachfolger sehr dankbar und blicke auch auf eine sehr bewegte und spannende Entwicklungszeit zurück, die wir ja nun schon eine ganze Weile begleiten durften. Ich sehe irgendwie parallelen zu Cyberpunk 2077 und CD Projekt Red – Techland scheint am Ende aber die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben und liefert ein solides Spiel ab, welches die meisten Dying Light-Fans glücklich machen dürfte.“

Meinung: Dariusz

„Wer auf reines Gameplay setzt, wird mit Dying Light 2 viel Spaß haben. Das Parkour-Movement macht so viel Spaß, dass man auch einfach mal sinnlos durch die Stadt manövriert und auch das Kampfsystem geht locker und flüssig von der Hand. Es ist durchaus vorstellbar, nach Beendigung der Story einige Stunden in den Loot Grind zu stecken, einfach weil man Spaß am Gameplay verspürt.

Die Story ist gut, aber nicht außergewöhnlich. Wirklich emotional mitgefiebert oder gehofft habe ich zu keinem Zeitpunkt und in Aiden hineinversetzen konnte ich mich auch nur bedingt. Die Nebenmissionen sind meist wenig einfallsreich und ködern nicht. Sie erzählen keine Geschichte und bieten keinen Fortschritt. Nach Beendigung einer Mission ist die ‚Questreihe‘ mit dem Charakter beendet, wodurch wir auch keine Beziehung zu Nebencharakteren aufbauen. Dadurch sind deren Geschichten, deren Schicksale und vor allem deren Dialoge irrelevant und uninteressant. Sie dienen nur der XP oder Loot Beschaffung und reizen inhaltlich leider gar nicht.

Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Dialogoptionen, die keine Auswirkungen haben und dem Spieler eine Entscheidung lediglich vorgaukeln. Der Genremix ist deswegen nur bei tatsächlichen Entscheidungen, die Einfluss haben, relevant und das hätte man auch ohne RPG-Elemente einbetten können. Nichtsdestotrotz passen die Dialoge in das Setting und die Atmosphäre, da die Gespräche dadurch ein wenig wie in einem virtuellen Kammerspiel wirken, statt eines interaktiven Films.

Mir hat Dying Light 2 trotz all dieser Kritik gefallen. Wer jedoch auf eine emotionale, spannend erzählte Geschichte Wert legt, RPG-Elemente wie in Mass Effect erwartet oder Nebengeschichten – nicht einzelne unbedeutende Missionen – bevorzugt, der könnte enttäuscht sein. Empfehlenswert ist es vor allem für Spieler, die sich spaßiges Gameplay, schnelles und innovatives Movement gepaart mit viel Blut, Verstümmelung und actiongeladenen Kampfsequenzen wünschen.“

Dying Light 2 in unserem Gaming-Podcast

Ihr wollt noch mehr Eindrücke und unsere persönliche Meinung zu Dying Light 2 Stay Human, dann hört und seht rein:

#31 – Dying Light 2 Sondersendung – Stärken und Schwächen

Wertung

Pro
Großartiges Parkour-System
Spannende Melee-Kämpfe
eine riesige Stadt
großartiger Original-Sprecher
Kontra
RPG-Elemente zu rudimentär
Nebenmissionen simpel gestrickt
Entscheidungen könnten das Spiel mehr beeinflussen
4.2

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