Berlin. Der game – Verband der deutschen Games-Branche zieht in einer aktuellen Pressemeldung eine durchwachsene Halbzeit-Bilanz der Bundesregierung. So seien bei manchen Themen erste Fortschritte erzielt worden, etwa bei der vereinfachten Visa-Vergabe an eSportler oder bei der Fachkräfteeinwanderung. Der besonders wichtigen und im Koalitionsvertrag verankerten Games-Förderung auf Bundesebene droht dagegen bereits ein Jahr nach Einführung schon wieder das Aus.

So finden sich aktuell keine Mittel im Regierungsentwurf des Bundeshaushalts für 2020. Ob die Förderung auch im kommenden Jahr besteht, entscheidet sich in den aktuellen Haushaltsberatungen des Bundestages. Beim Jugendmedienschutz steht der für Ende des Jahres in Aussicht gestellte Novellierungsentwurf aus. Und auch beim Breitbandausbau liegt Deutschland weiterhin hinter anderen Ländern zurück.

game Grafik Games Politik Die Halbzeit Bilanz der Bundesregierung 768x543
Quelle: game – Verband der deutschen Games-Branche e.V.

Felix Falk, Geschäftsführer des game, sagt:

„Nach den vielen Ankündigungen im Koalitionsvertrag sind bislang noch zu wenige auch wirklich umgesetzt worden. Gleichzeitig wird die Fortsetzung der gerade erst eingeführte Games-Förderung zur unnötigen Hängepartie. Jetzt muss die Bundesregierung aufs Tempo drücken und die versprochenen Maßnahmen auch wirklich umsetzen. Insbesondere die Games-Förderung braucht eine dauerhafte Perspektive, damit wir zu den international erfolgreichen Games-Standorten aufschließen können. Egal, ob Förderung, Jugendmedienschutz, Breitbandausbau oder eSports – der politische Einsatz lohnt sich!“

Die Themen im Überblick

Games-Förderung des Bundes: Die Einführung der Games-Förderung mit einem Budget von 50 Millionen Euro war ein historischer Schritt für den Games-Standort Deutschland. Dass die Mittel im Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2020 fehlen und nun nur noch über das parlamentarische Verfahren eingebracht werden können, hat für Planungsunsicherheit gesorgt und die positiven Effekte gedämpft.

Ganzheitliche Reform des Jugendmedienschutzes endlich umsetzen: Bereits seit Langem fordert die Games-Branche einen zeitgemäßen, konvergenten und international anschlussfähigen Jugendmedienschutz für Deutschland. Dieser Forderung hat sich auch die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey angeschlossen und einen Entwurf für Ende dieses Jahres angekündigt.

Deutschen Computerspielpreis weiterentwickeln: Über die Weiterentwicklung des Deutschen Computerspielpreises führen der game – Verband der deutschen Games-Branche und die Bundesregierung aktuell Gespräche.

Anerkennung von eSports: Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD wurde die vollständige Anerkennung von eSports als Ziel gesetzt. Erste Etappen wurden hierzu erfolgreich gemeistert: Die Aufnahme von eSports in das Visahandbuch hat kurzzeitige Aufenthalte für eSportler erleichtert, auch langfristige Aufenthalte sollen laut des Referentenentwurfs der Beschäftigungsverordnung einfacher möglich sein. Für eine tatsächliche ganzheitliche Stärkung des eSports fehlt jedoch die Anerkennung der Gemeinnützigkeit für eSports-Vereine.

Flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet zügiger vorantreiben: Die Games-Branche ist auf besonders schnelle und latenzarme Internetverbindungen angewiesen – sowohl bei der Entwicklung als auch für den Vertrieb und das Spielen selbst. Einige Schritte wie die Vergabe der 5G-Frequenzen wurden bereits zur Verbesserung der Situation unternommen, dennoch hinkt die aktuelle Versorgungslage der internationalen Entwicklung hinterher. Neue Angebote wie Cloud-Gaming haben den Handlungsbedarf in diesem Bereich sogar noch weiter erhöht.

Digitale Bildung stärken: Das Bildungssystem muss besser als bisher digitale Fähigkeiten vermitteln, wobei insbesondere Serious Games einen wichtigen Beitrag leisten könnten. Mit dem Digitalpakt wurde ein wichtiger Schritt unternommen, um die digitale Infrastruktur deutscher Schulen zu verbessern. Schnelleres Internet und mehr interaktive Whiteboards brauchen aber auch digitale Inhalte. Die konkrete Integration von Serious Games muss stärkere Berücksichtigung finden.

Deckung des Fachkräftebedarfs nachhaltig sicherstellen: Das Fachkräftezuwanderungsgesetz ist einerseits ein wichtiger Schritt, um den Zuzug ausländischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu vereinfachen. Allerdings sind einige Bestimmungen, etwa bei der Anerkennung von Praxiserfahrung sowie die Anforderungen an Sprachkenntnisse, aus Sicht der Games-Branche praxisfern.

Internationale Vernetzung stärken, deutsche Messeauftritte modernisieren: Anfang 2020 wird es bei der Game Developers Conference, kurz GDC, erstmals ein neues Design für den Gemeinschaftsstand der deutschen Games-Branche geben. Damit wird eine Forderung umgesetzt, die Präsentation deutscher Spiele-Unternehmen zu modernisieren und an die Anforderungen der Games-Branche anzupassen. Positiv ist zudem, dass die Anzahl der geförderten Gemeinschaftsstände gestiegen ist: Während es 2017 nur einen deutschen Gemeinschaftsstand gab, sind es 2019 schon drei (GDC, Tokyo Game Show, G-Star). Zudem wurde mit „Kreativ-Transfer“ ein Förderprogramm aufgelegt, das anteilig Reisekosten zu internationalen Games-Veranstaltungen übernimmt.

Über den game – Verband der deutschen Games-Branche

„Wir sind der Verband der deutschen Games-Branche. Unsere Mitglieder sind Entwickler, Publisher und viele weitere Akteure der Games-Branche wie eSports-Veranstalter, Bildungseinrichtungen und Dienstleister. Als Mitveranstalter der gamescom verantworten wir das weltgrößte Event für Computer- und Videospiele. Wir sind zentraler Ansprechpartner für Medien, Politik und Gesellschaft und beantworten Fragen etwa zur Marktentwicklung, Spielekultur und Medienkompetenz. Unsere Mission ist es, Deutschland zum besten Games-Standort zu machen“, schreibt der Verband über sich selbst.

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