Entwickler FMV Future meinte es offensichtlich gut, als man entschied, ein Spiel zu einem ernsten Thema produzieren zu wollen. In unserer Welt gibt es so viel schöne und wunderbare Dinge. So zum Beispiel das Gaming, selber zocken, die Community, faszinierende Spielewelten und die Interaktion mit anderen Spielern. So wurde auch das Streaming von Spielen zu dem, was es heute ist. Leider gibt es nicht nur Sonnenschein: die Offenheit des Internets bringt auch kranke Individuen zum Vorschein. Wenn Fandom plötzlich in Stalking umschlägt, kann die bunte Streamingwelt plötzlich zu einer Ort der Bedrohung werden.

Dieses Themas wollte sich auch Entwickler FMV Future zusammen mit Publisher Whales Interactive (The Complex, Late Shift) mit dem FMV (Full Motion Video)-Spiel „Gamer Girl“ angehen. Hierin begleitet man die fiktive Streamerin abicake99 bei ihrem Weg, sich ihre eigene Community aufzubauen. Doch verläuft dieses weniger spielerisch, so wie in Youtubers Life. Man verfolgt in diesem interaktiven Film eher den Aufstieg und Fall einer Streamerin. So wird sie im Laufe des Spiels Opfer ihrer eigenen Fans. Hauptdarstellerin Alexandra Burton hat bei diesem Projekt als Co-Autorin mitgewirkt.

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Toxisch erklärt auf toxisch

Eigentlich eine ernstgemeinte Warnung und die Sensibilisierung für eine ernste Problematik, gehen die Entwickler das Thema offensichtlich völlig falsch an. So sind es besonders die Streamerinnen, die ihr Wort nun gegen „Gamer Girl“ erhoben haben, als Whales Interactive einen Trailer zum Spiel veröffentlicht. Kritisiert wird hier zunächst, dass sich das Spiel eigentlich eher mit dem Leben einer Streaming befassen würde, „Gaming“ würde nur mehr als nebensächlich in einer Szene auftreten. Dies war die Reaktion von Pokimane, eine der bekanntesten Twitch-Streamerinnen. Sie findet hier offensichtlich das Thema verfehlt.

Es gibt auch Stimmen von selbst geschädigten Streamerinnen, die das Spiel unangemessen finden. Die Konfrontation mit diesem Thema auf diese Weise scheint dabei wohl falsch zu sein. Außerdem sei die Rolle des Spielers in dieser FMV-Erfahrung sehr fragwürdig. Als Spieler gibt man abicake99 die ganze Zeit Tipps und Ratschläge, wie sie sich doch verhalten sollte. Damit würde man besonders alle „Simps“ (Erklärung: wenn man erfolglos einer Frau nachläuft und es nicht checkt) und „White Knights“ in ihrem Verhalten bekräftigen, die sich tagtäglich berufen fühlen jede „Jungfrau in Nöten“ retten zu wollen. Ein eh schon fragwürdiges Verhalten, welches auch schnell in krankhaftes Stalking münden kann.

Die Kritik war offensichtlich hart genug. „Gamer Girl“ wurde quasi über Nacht von Whales Interactive entfernt. So soll es sowohl Trailer, als auch Pressekit nicht mehr von offizieller Seite geben. Wer sich den missglückten Trailer dennoch anschauen möchte, findet im Netz einige Quellen. Unter anderem von Rod „Slasher“ Breslau, der das Spiel als einer der ersten scharf kritisierte:

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