Nachdem sich bereits in den vergangenen Tagen einige Unternehmen auch aus der Welt des Gamings dazu entschlossen haben, ihre Angebote für russische Accounts und Russland insgesamt einzuschränken, zogen im Verlauf des gestrigen Freitags etliche Firmen nach. Darunter befinden sich unter anderem Microsoft, Activision Blizzard und Koch Media. Auch Electronic Arts weitet die eigenen Maßnahmen aus, nachdem man sich bereits dazu entschlossen hatte, alle russischen Teams sowie das Nationalteam aus FIFA 22 zu entfernen.

In diesem Beitrag wollen wir für euch den Überblick erweitern, welche Publisher und Technik-Anbieter welche Konsequenzen aus dem Angriffskrieg des russischen Regimes gegenüber der Ukraine gezogen haben.

Microsoft setzt neue Verkäufe in Russland aus

Beginnen wir mit Microsoft. Das Unternehmen, welches unter anderem hinter Windows und Xbox steht, wird keine neuen Verkäufe mehr nach Russland zulassen. Wie der Rest der Welt sei man „entsetzt, verärgert und traurig über die Bilder und Nachrichten aus dem Krieg in der Ukraine und verurteile diese ungerechtfertigte, nicht provozierte und rechtswidrige Invasion Russlands“.

Vor diesem Hintergrund werden alle neuen Verkäufe von Microsoft-Produkten und -Diensten in Russland ausgesetzt, wozu eben beispielsweise auch alle Xbox-Produkte gehören. Darüber hinaus stimme man sich „eng mit den Regierungen der Vereinigten Staaten, der Europäischen Union und des Vereinigten Königreichs ab“, heißt es im Statement. Viele Aspekte des eigenen Geschäfts würden im Rahmen der staatlichen Sanktionen eingestellt. So glaube man, der Ukraine am effektivsten helfen zu können, betont Brad Smith, Präsident und stellvertretender Vorsitzender von Microsoft.

Zudem arbeite man proaktiv daran, Cybersicherheitsbeamte in der Ukraine bei der Abwehr russischer Angriffe zu unterstützen, darunter zuletzt ein Cyberangriff auf einen großen ukrainischen Sender. Seit Beginn des Krieges sei man gegen russische Positionierungen und zerstörerische Maßnahmen in mehr als 20 ukrainischen Regierungs-, IT- und Finanzsektororganisationen vorgegangen. Weiterhin habe man öffentlich die eigene Besorgnis darüber geäußert, dass diese Angriffe auf Zivilisten gegen die Genfer Konvention verstoßen.

„Wir mobilisieren auch weiterhin unsere Ressourcen, um den Menschen in der Ukraine zu helfen. Unsere Teams von Microsoft Philanthropies und UN Affairs arbeiten eng mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und mehreren UN-Organisationen zusammen, um Flüchtlingen zu helfen, indem wir wichtige NGOs mit Technologie und finanzieller Unterstützung unterstützen, und wir verteidigen diese Gruppen bei Bedarf vor laufenden Cyberangriffen“ Brad Smith – Microsoft Präsident und stellvertretender Vorsitzender

Activision Blizzard setzt Verkäufe aus und spendet

Auch das zuletzt viel kritisierte und von Microsoft aufgekaufte namhafte Entwicklerstudio und Games-Publisher Activision Blizzard reagiert. Im Rahmen eines Statements an die Mitarbeitenden des Unternehmens von Präsident und COO Daniel Alegre wird angekündigt, dass man das Geschehen und die Verschärfung der humanitären Krise, die sich entfaltet, verfolge. Das eigene Engagement bestehe darin, „den von dieser schrecklichen Gewalt Betroffenen zu helfen und auf jede erdenkliche Weise Hilfe zu leisten“.

Im Zuge dessen werde man den Verkauf von Activision Blizzard Spielen in Russland aussetzen, solange der Konflikt andauere, heißt es weiter. Man werde weiterhin nach Möglichkeiten suchen, um das ukrainische Volk zu unterstützen. Wer innerhalb des Unternehmens direkt betroffen sei, könne sich an die jeweiligen Vorgesetzten oder die Personalabteilung vor Ort wenden, um Hilfe zu erhalten. Auch das Employee Assistance Program stehe bereit, um Angestellten zu helfen, die emotionale Unterstützung benötigen.

Darüber hinaus verdoppelt Activision Blizzard alle Mitarbeiterspenden, die an Organisationen gehen, die in der Region Soforthilfe leisten. So habe man bereits über 300.000 US-Dollar sammeln können. In der kommenden Woche wolle man weitere Organisationen in die Auswahl aufnehmen und das Matching-Limit von 1.000 auf 10.000 US-Dollar erhöhen.

EA: Maßnahmen erweitert, ebenfalls Verkäufe gestoppt

Nachdem EA sich bereits dazu entschlossen hatte, inhaltliche Veränderungen in den Spielen FIFA 22 und NHL vorzunehmen, stoppt nun auch der vor allem für seine Sportspiele bekannte Publisher den Verkauf neuer Spiele in Russland. Man sei noch immer schockiert über den Konflikt und die Invasion Russlands in der Ukraine.

Deshalb setze man den Verkauf der eigenen Spiele und jeden weiteren Contents, inklusive Pakete mit virtuellen Währungen, in Russland und auch Belarus aus. Deshalb werden all diese Angebote in der russischen Region nicht mehr über Origin oder die EA App verfügbar sein, auch Ingame-Stores gehören dazu. Weiterhin arbeite man mit Plattform-Partnern zusammen, um die EA-Titel und Ingame-Angebote aus den entsprechenden Stores entfernen zu lassen. Weitere Maßnahmen in der Zukunft seien nicht ausgeschlossen.

Koch Media & Embracer Group: großzügige Spenden und Soforthilfe

Klemens Kundratitz, CEO der Koch Mediengruppe, äußert sich in einem Statement stellvertretend für alle Entwicklerstudios sowie die Muttergesellschaft Embracer Group. Man stehe vereint da, um den anhaltenden Konflikt zu verurteilen und unterstütze alle Antikriegsproteste in Europa und auf der ganzen Welt.

Da es jetzt Zeit zum Handeln ist, gehe man über die bereits zugesagte Spende der Embracer Group und deren CEO Lars Wingefors hinaus. „Als Koch Media Group haben wir eine sofortige, zusätzliche Spende in Höhe von 500.000 USD für humanitäre Hilfe geleistet“, erklärt Kundratitz. Darüber hinaus gibt es ein Programm, in dessen Rahmen alle Spenden der Mitarbeitenden für Hilfsmaßnahmen ganz wie bei Activision Blizzard verdoppelt werden. Bis zu weiteren 500.000 US-Dollar könne hier gesammelt werden.

Auch lokale Initiativen der Studios und Mitarbeitenden werden unterstützt. So könnten beispielsweise bezahlte Urlaubstage für ehrenamtliches Engagement angeboten werden oder weitere finanzielle oder logistische Unterstützung organisiert werden, um die Aufnahme von Geflüchteten zu unterstützen. Das seien nur Beispiele für Aktionen, die in den Bereich des Möglichen gehören.

koch media studios ukraine
Zu Koch Media gehören namhafte Entwickler wie Flying Wild Hog, Deep Silver, Warhorse und viele mehr. Quelle: Koch Mediengruppe

Garry’s Mod und Rust werden in Russland teurer

Einen etwas anderen Weg geht Creator Garry Newman, der vor allem für sein Werk Garry’s Mod bekannt sein dürfte und zugleich den Entwickler sowie Publisher Facepunch Studios besitzt. Er verkündet auf Twitter, dass man in Russland den Preis für Garry’s Mod als auch Rust erhöhen werde, um zum einen den Absturz der russischen Währung Rubel auszugleichen, der für Opportunismus unter den Spielenden sorgen würde. Zum anderen sollen alle Einnahmen aus Russland an humanitäre Wohltätigkeitsorganisationen gespendet werden, um dem ukrainischen Volk zu helfen.

Krieg sei für alle Menschen scheiße, weshalb man darüber hinaus 500.000 US-Dollar spenden werde, um allen Betroffenen zu helfen.

So kostet Rust in Russland jetzt beispielsweise 3.000 Rubel, zuvor lag der Preis bei 1.465 Rubel. Für Garry’s Mod zahlen russische Accounts 750 statt 365 Rubel. Die Maßnahme soll auch verhindern, dass Spielende, die gar nicht aus Russland kommen, via VPN viel zu günstig Spiele über russischen Zahlungsverkehr erwerben.