Jeder kennt HDMI-Kabel. Die meisten Fernseher und nahezu sämtliche TV-Peripherie nutzen mittlerweile standardmäßig die HDMI-Schnittstelle. So hat sich der trapezförmige Stecker auch im Konsolenbereich durchgesetzt, bei den PCs hält noch der DisplayPort als Alternative dagegen.

Spätestens seit vergangenem Jahr und dem großen Warten auf die neuen Next Gen-Konsolen Sony PlayStation 5 und Xbox Series X | S ist das Thema HDMI 2.1 aufgekommen. Um nämlich die volle Grafikpracht von 4K @ 120 Hz von der Konsole auf den Fernseher zu bringen, braucht es auch eine entsprechende Schnittstelle. Diese möchte HDMI 2.1 nun bieten. Während der Markt an HDMI 2.1 fähigen Geräten wie Fernsehern und Co. noch recht überschaubar war, soll sich die Situation nun ändern. So verspricht es zumindest die HDMI Licensing Administrator, Inc. (HDMI LA), welche sich für die Lizenzierung der Schnittstelle verantwortlich zeichnet.

Mit den neuen Anforderungen an die Übertragungstechnik bietet sich natürlich auch ein Markt für den HDMI-Standard. So können nun neue Geräte vertrieben werden, selbst die Kabel spielen plötzlich eine Rolle. Denn diese sollen den neuen Spezifikationen entsprechen, die mit dem HDMI 2.1-Standard festgelegt worden sind. Dieser definiert sich auch durch seine 48 GBit/s Übertragungsrate. Solche Massen an Daten wollen natürlich nicht über einen wackligen Klingeldraht fließen.

Wer übrigens lieber einen Gaming-Monitor an seine Next Gen-Konsole anschließt, findet hier einen: HDMI 2.1 Gaming-Monitor Ratgeber

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Kampf der Schnittstellen

Auch wenn der USB-Standard ebenfalls eine gute Performance bietet, man sich für die neue USB 4 Schnittstelle sogar mit der Video Electronics Standards Association (VESA) zusammengetan hat und den DisplayPort 2.0-Standard akquiriert hat, die TV-Lobby hat sich bereits entschieden. HDMI heißt das Zauberwort, hier helfen auch keine potenziellen 77,37 GBit/s, die der neue USB-Standard bietet. Immerhin wurden die HDMI 2.1-Spezifikationen in Zusammenarbeit mit den führenden TV-Herstellern gesetzt (über das HDMI Forum, dazu später mehr). Wir deuten es nur an, aber es scheint ein ganz schönes Gerangel zu geben, wenn es darum geht, welcher Standard sich durchsetzt – immerhin geht es hier für Unternehmen wie der HDMI LA um nicht unbeträchtliche Lizenzgebühren. Gebühren, die quasi für jedes verkaufte Gerät fällig werden, dass mit der Schnittstelle ausgestattet ist. Kleine Anmerkung: Es gibt auch lizenzfreie Varianten.

Aber HDMI 2.1 bietet ja neben der Übertragungsrate auch noch viele weitere Features, die die Industrie zu schätzen weiß. Zu diesen Leistungsmerkmalen zählen Variable Refresh Rate (VRR), Auto Low Latency Mode (ALLM) und Quick Frame Transport (QFT). In Kombination mit neuen 4K- und 8K-Displays, HDR und dem eARC-Ton möchte HDMI 2.1 so hohe Qualität bieten. Der neue Fixed Rate Link (FRL)-Modus von HDMI 2.1 soll dabei eine wesentlich stabilere Videoübertragung gewährleistet werden. Möglich wird dies durch eine Fehlerkorrektur zusammen mit einem Link-Training-Protokoll, das gegebenenfalls die Link-Rate anpasst.

HDMI 2.1 als Verkaufsargument

Mittlerweile sind drei Jahre seit der Freigabe der HDMI-Spezifikation Version 2.1 vergangen. Bislang war das Angebot an passenden TV-Geräten allerdings noch recht überschaubar. Vermutlich brauchte es erst die Anforderung durch die neuen Next Gen-Konsolen, plätschert der TV-Markt doch aktuell etwas vor sich hin: 3D ist schon länger tot. Blu-Ray ist alt und 8K klingt aktuell noch ziemlich weit entfernt von der Realität – zumal sich die Sehgewohnheiten sowieso in Richtung Video-on-Demand entwickelt haben (dafür braucht man dann wieder schnelleres Internet).

Da helfen aktuell sonst nur größere TV-Geräte, um die Anzahl der Pixel noch irgendwie rechtfertigen zu können. Die Frage ist, wer da überhaupt noch den Unterschied sehen kann von der Couch aus. Der neue HDMI 2.1-Standard könnte stattdessen quasi der rettende Engel sein, um die Verkaufszahlen wieder voranzutreiben.

Für den Endkunden ist es aktuell aber nicht sehr einfach, überhaupt die passenden Geräte zu finden, die wirklich und echtes 4K@120Hz liefern. Wir erinnern uns gerne an die leidigen FullHD- und HD ready-Zeiten. Seit dem 1. Januar 2012 darf der kleine Versions-Index des HDMI-Standards außerdem nicht mehr als Verkaufsargument beworben werden. Sprich: Ein Gerät hat HDMI, mehr hat den Kunden nicht zu interessieren. Wenn man wissen will, was man da denn überhaupt kauft, heißt es: Spezifikationen im Netz suchen oder den Hersteller kontaktieren.

Viele Produkte sollen kommen

Die HDMI LA zeigt sich trotzdem siegessicher. Am 6. Januar äußerte sich der CEO und Präsident der HDMI LA aus dem sonnigen San Jose zu dem Vormarsch des neuen Standards:

“Es ist fantastisch, dass es jetzt so viele neue Produkte mit diesen neuen Leistungsmerkmalen gibt. Und mit der Einführung der neuesten Spielkonsolen wird dem Verbraucher nun ein packendes durchgehendes HDMI 2.1-Erlebnis mit Konsolen, AVRs, Kabeln, TV-Geräten und Bildschirmen geboten. Die Auslieferung von HDMI-Produkten hat nun seit der Einführung der HDMI-Technologie im Jahr 2002 nahezu 10 Milliarden erreicht, und sie bleibt weiterhin die Universalschnittstelle bei Elektronikprodukten für den Verbraucher.”

Unterstützung erhält die HDMI LA durch das HDMI Forum. Dies besteht aus weltweit führenden Hersteller von Verbraucherelektronik, Personal Computern, Mobilgeräten, Kabeln und Komponenten. Als offener Fachverband ist es das Ziel des HDMI Forums, eine stärkere Beteiligung der Industrie an der Entwicklung zukünftiger HDMI-Spezifikationen zu fördern und das Ökosystem interoperabler, HDMI-fähiger Produkte zu erweitern. Auch wenn sich das Forum als “gemeinnütziges Unternehmen ohne Gewinnabsicht” sieht, steckt dahinter natürlich eine starke Lobby, die vermutlich Interesse an dem neuen Standard als Verkaufsargument hat.

Noch ein passendes Kabel dazu?

Das Forum betont die Wichtigkeit der Kabel. Hierzu David Glen von Advanced Micro Devices, Inc., und Präsident des HDMI-Forums:

“Das HDMI-Forum hat sich nach der 2.1-Spezifikation keine Pause gegönnt, denn 2020 war eines der bisher betriebsamsten Jahre. Wir haben das Ultra High Speed HDMI Cable Certification Program (UHS-Programm) eingeführt. Jetzt sind diese UHS-Kabel im Markt verfügbar, um die 48-Gbit/s-Leistungskraft von HDMI 2.1 voll auszuschöpfen. Ebenso haben wir die Konformitätstestspezifikation für aktive Kabel freigegeben. Die Endkunden werden demnächst aktive optische Kabel erwerben können, die Installationen über weitere Distanzen unterstützen, ein wichtiger Schritt bei der Perfektionierung des HDMI 2.1-Ökosystems. Zusätzlich zu den großartigen Produkten, wie sie 2020 freigegeben wurden, erwarten wir zahlreiche neue Produkte für 2021, die die zusätzlichen Leistungsmerkmale von HDMI 2.1 unterstützen.“

hdmi 2 1 kabel
Da ist es, das richtige Kabel zum HDMI 2.1-Gerät. Quelle: HDMI LA

Die HDMI LA erklärt: Das obligatorische UHS-Programm soll sicherstellen, dass nur qualitativ hochwertige High Speed HDMI-Kabel auf den Markt kommen, die 4K- und 8K-Video, HDR, VRR, eARC und all die anderen HDMI 2.1-Funktionen unterstützen. Die Kabel müssen mit einem Ultra High Speed HDMI Certification Label an jeder Packung versehen sein, um Verbraucher über den Zertifizierungsstatus des Produkts zu informieren. Diese zertifizierten Kabel müssen strenge Testanforderungen für die 48-Gigabit-Signalleistung und die neuen technisch anspruchsvollsten EMI-Tests bestehen, die zur Minimierung von Interferenzen mit WLAN, Bluetooth und sonstigen Funkfrequenzen entwickelt wurden.

Ebenso wirbt das HDMI-Forum für HDMI Cable Power. Mit diesem Leistungsmerkmal können nun aktive HDMI-Kabel direkt vom HDMI-Konnektor betrieben werden, ohne dass ein separates Netzkabel verbunden werden muss. Damit können aktive HDMI-Kabel so einfach verbunden und verwendet werden, wie es bei passiven, verdrahteten HDMI-Kabeln der Fall ist.

Die Lieferungen von hochwertigen Premium High Speed HDMI-Kabeln sollen parallel zur Zunahme der Distribution von 4K-Inhalten steigen, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung. So sei das Kabel wegen des bereits rasanten Anstieges an 4K-Inhalten bereits unumgänglich, um 4K-Kabel-, Satelliten- und IPTV-Set-Top-Boxen mit Fernsehgeräten zu verbinden. Es sei auf weltweiter Ebene zur Verwendung durch Dienstleister für In-Home-Installationen spezifiziert worden. Ebenso müsse auf der Verpackung dieses Kabels das Premium HDMI Cable Certification Label als zusätzliche Verifizierung der Konformität und zur Verhinderung von Fälschungen angeführt sein. Dieses Kabelzertifizierungsprogramm wird ebenso von HDMI LA betreut.

Scheint, als würde es nicht langweilig für die HDMI LA. Den Endkunden bleibt vorerst aber nur das Warten auf die “vielen neuen Produkte”, diese werden dann vielleicht auf der kommenden CES 2021 vorgestellt. Welche digital zwischen dem 11. und 14. Januar stattfindet, die HDMI LA wird dort ebenfalls vertreten sein. Dann werden sich auch David Glen und Rob Tobias wieder zu Wort melden.