Lost Ark ist das Spiel der Stunde – und das im vielleicht umkämpftesten Gaming-Monat des Jahres 2022. Der Februar hält so unglaublich viele neue und heiß erwartete Games-Neuerscheinungen bereit, dass so manch einer Lost Ark vielleicht gar nicht als so prominenten Release gesehen hat. Doch die vergangenen Tage haben alle Zweifler eines Besseren belehrt.

Das „free2play-MMOARPG“ Lost Ark, entwickelt vom südkoreanischen Studio Smilegate RPG und bei uns veröffentlicht von Amazon Games, verzeichnete im Peak mehr als 1,325 Millionen gleichzeitige Spieler auf Steam. Diesen Wert erreichte bislang in der Steam-Geschichte nur ein einziger anderer Titel: PUBG. Nur wenige Tage nach der Veröffentlichung verdrängt Lost Ark andere besonders beliebte Spiele auf die hinteren Plätze und steht nun auf Platz 2 dieser Statistik.

Die immensen Zahlen zum Lost Ark Launch

Darüber hinaus zeugen auch die Zuschauerzahlen der Streaming-Plattform Twitch (die bekannterweise ja ebenfalls seit einiger Zeit zu Amazon gehört) vom gigantischen Interesse. Dort erreichte Lost Ark mehr als 1,2 Millionen gleichzeitige Zuschauer und wurde in der Launch-Woche insgesamt mehr als 59,9 Millionen Stunden lang angesehen.

Der Lost Ark-Launch kann mit den folgenden Highlights glänzen:

  • 1,325 Millionen Spieler gleichzeitig in weniger als 24 Stunden nach Launch – das macht Lost Ark zum Titel mit den meisten Spielern innerhalb von 24 Stunden, zum Titel mit den zweitmeisten gleichzeitigen Spielern aller Zeiten auf Steam und zum meistgespielten MMOARPG auf Steam überhaupt.
  • Auf Twitch kann sich Lost Ark über 1,2 Millionen gleichzeitige Zuschauer, 59,9 Millionen gesehene Stunden und mehr als 112.000 Streams freuen.
  • Nur drei Tage nach Launch hatte Lost Ark mehr als 4,7 Millionen neu registrierter Spieler in der westlichen Hemisphäre; 55 Prozent davon aus Amerika und 45 Prozent aus Europa (Stand 14. Februar 2022).

Sogar während des Headstarts vom 8. bis zum 11. Februar war Lost Ark schon auf den Spuren vieler Rekorde. Während dieser Zeit erreichte Lost Ark 532.000 gleichzeitige Spieler auf Steam sowie 1,2 Millionen gleichzeitige Zuschauer auf Twitch.

Anzumerken ist bei der Betrachtung dieser Werte allerdings auch, dass derzeit via Twitch-Streams auch Drops für Lost Ark erhalten werden können, wenn ihr eine gewisse Zeit in teilnehmenden Streams verbringt. Über diesen Weg schafften auch schon viele andere Titel wie beispielsweise Rainbow Six Siege oder auch Escape from Tarkov extrem hohe Zuschauerwerte im Streaming-Bereich zu erzielen.

Christoph Hartmann, VP von Amazon Games:

„Wir sind gerührt von und erfreut über die enthusiastischen Reaktionen der Spieler auf Lost Ark. Es ist eine große Ehre, gleich mit zwei Titeln zu den fünf meistgespielten Games auf Steam zu gehören und wir sind den Communitys von Lost Ark und Steam dankbar, dass sie dies möglich gemacht haben. Wir arbeiten eng mit Smilegate RPG zusammen, um mehr Inhalte und reguläre Updates für Lost Ark zu veröffentlichen und dauerhaft eine globale Spielercommunity aufrechtzuerhalten. Dies ist erst der Anfang und wir sind gespannt zu sehen, wohin uns die Community führt.“

Mike Frazzini, VP of Games bei Amazon:

„Unser Ziel ist es, zur kundenorientiertesten Spielefirma überhaupt zu werden, sowohl für die Spieler als auch für die Entwickler. Lost Ark ist unser erstes extern entwickeltes Spiel. Wir sind erfreut über die Reaktionen der Spieler und darüber, das Beste, was Amazon zu bieten hat – von Prime Gaming über Twitch bis hin zur Verkaufsplattform Amazon – nutzen zu können, damit Lost Ark ein riesiges Publikum überall auf der Welt erreicht und ihm Freude bereitet.“

Die Krise: Was läuft da nur falsch?

Obwohl der Launch in Zahlen für Lost Ark, Amazon Games und Smilegate RPG nicht hätte besser laufen können, geht genau mit diesem extremen Interesse sowie Spieleransturm auch das größte Problem einher: die Serverstruktur. Denn, wie viele andere MMO(RPG)s auch, setzt Lost Ark auf Regionen und in den einzelnen Regionen auf Server, auf denen sich die Spielenden ansiedeln, um dort mit anderen dort heimischen Spielenden gemeinsam ihre Abenteuer zu bestreiten.

Diese Server jedoch sind bereits seit dem Headstart überlaufen und stets an der Kapazitätsgrenze. Obwohl die Verantwortlichen technisch bereits schnellstmöglich nachrüsteten, waren auch die neu zugeschalteten Server in Kürze wieder überfüllt und mit Warteschlangen versehen, die zur Primetime locker im fünfstelligen Bereich liegen. Mehrere Stunden Wartezeit sind die Folge und die Regel, wenn ihr versucht euch einzuloggen und zu spät dran seid. Das führt, weder überraschend noch unberechtigt, zu jeder Menge Frust in der Community.

Denn wie schon bei New World, ist der gebotene Content und das Spielkonzept wirklich gut. Dieses Potenzial wird allerdings deutlich getrübt, wenn man einen großen Teil der Interessierten nicht ins Spiel bekommt. „Nur gucken, nicht anfassen.“ – Dieser Slogan erinnert uns mittlerweile nicht mehr nur an eine gelungene Fernsehwerbung, sondern auch an New World und nun leider auch an Lost Ark.

Wer einem „normalen“ Job nachgeht und zumeist erst am späten Nachmittag oder am Abend an den PC kommt, schaut derzeit regelmäßig in die Röhre und kommt nicht vor den wirklich späten Abendstunden überhaupt auf den gewählten Server – egal, welcher das ist. Somit ist Lost Ark faktisch für einen Teil der Fans unspielbar. Selbst am Wochenende ändert sich an der Situation wenig, da sich dort entsprechend auch die langen Warteschlangen schon zu einer deutlich früheren Uhrzeit bilden und noch viel mehr Menschen ins Spiel wollen.

Der Umgang mit der Situation

Amazon Games ist dieses Problem durchaus bewusst. In einem aktuellen Forenbeitrag, verfasst von Amazon Games Community Manager ‚TrevzorFTW‘, gibt es ein Update zum Umgang mit der Situation. Dort wird beschrieben, dass das eigene Serverteam gemeinsam mit Smilegate RPG unermüdlich daran gearbeitet hat, die existierenden Server zur absoluten Kapazitätsgrenze zu treiben, an der man die Stabilität noch gewährleisten kann. Zudem wurden in jeder Region weitere Server hinzugefügt. So weit der bekannte Stand.

Unglücklicherweise könne diese mittlerweile erreichte Kapazitätsgrenze in Mitteleuropa im Rahmen der existierenden Serverregion nicht weiter erhöht werden. Dies hänge mit der Architektur von Lost Ark zusammen. Trotz all der Arbeit bleiben die immensen Warteschlangen vor allen EU-Servern derzeit also weiter existent. Um die teils „Hunderttausenden“, die regelmäßig auf einen freien Platz auf ihrem Server warten, endlich vernünftig ins Spiel zu bringen, muss eine neue Serverregion her. Diese soll auf den Namen „EU West“ hören und in Kürze an den Start gehen:

Neue Lost Ark Server-Region: Europäische Spieler werden getrennt

Doch auch diese Lösung wirkt alles andere als optimal. Am Tag vor dem Release sperrte Amazon Games bereits kurzfristig fünf europäische Lost Ark Server, die bereits im Rahmen des Headstarts lange Wartezeiten aufwiesen. Um zum Free-to-Play Launch eine noch viel extremere Situation zu vermeiden, blockierte man kurzerhand den Zugang für neue Spieler. Somit wurden Besitzende eines Pionierpakets mit Headstart-Zugang und Free-to-Play Spieler nicht nur ungleich behandelt, sondern zu einem Teil sogar voneinander getrennt. Wer nicht auf dem gleichen Server ist, kann einen Teil des Contents eben auch nicht zusammen erleben.

Die öffentliche Meinung dazu war eindeutig: Das geht gar nicht! Man möchte meinen, dass man in Bezug auf die Erfahrungen aus dem New World Launch, bei dem sehr ähnliche Probleme auftraten, gelernt hat und nicht erneut in die gleiche Falle läuft. Doch weit gefehlt. Doch als wäre die Sperrung der beliebten Server zum Release nicht schon katastrophal genug gewesen, etabliert man nun eine ganze neue Serverregion, die komplett von allen Spielenden der bisherigen mitteleuropäischen Spieler abgeschnitten sein wird. Während ihr derzeit wenigstens einen Teil des Endgame-Contents gemeinsam mit Spielenden von anderen Servern der gleichen Serverregion erleben könnt, ist dies nicht möglich, sofern es sich bei den gewünschten Mitspielern um Spieler handelt, die in einer anderen Serverregion angesiedelt sind.

So werden Spielende innerhalb von Europa ein weiteres Mal und sogar noch strikter getrennt. Ein Charakterwechsel, respektive Servertransfer, ist bislang ebenfalls nicht im Gespräch, sodass ihr, wenn ihr in einer Gruppe gemeinsam Lost Ark spielen wollt, alles zurücklassen müsst, was ihr euch bisher erarbeitet habt. Dazu gehört nicht nur die investierte Spielzeit, sondern im schlechtesten Fall sogar eure Boni aus den Pionierpaketen, Starter-Paketen sowie beanspruchte Twitch-Drops. Zwar wolle man für diese Ausfälle Kompensationen schaffen, wie diese genau aussehen sollen, ist bislang aber weitestgehend unklar.

Die Lösung ist nicht einfach

Bei all der Kritik in Bezug auf fehlende Lernfähigkeit und den grundsätzlichen Umgang mit dem Spieleransturm in Lost Ark, muss man ebenso anerkennen, dass die Lösung eines solchen Problems alles andere als einfach ist. Wären beispielsweise super beliebte Server wie beispielsweise Asta zum F2P-Release nicht gesperrt wurden, hätte es dort sehr wahrscheinlich noch viel längere Warteschlangen gegeben und die Kritik wäre mindestens ebenso laut ausgefallen.

„Noch mehr Server“ waren offenbar aufgrund der technischen Voraussetzung von Lost Ark schlichtweg nicht möglich. Welcher Weg wäre also besser gewesen? Bei vielen vergangenen Spielveröffentlichungen hieß es seitens der Verantwortlichen bei in die Knie gehenden Servern, dass man mit einem solchen Ansturm nicht gerechnet habe. Oft halte auch ich diese Aussagen für eine Ausrede und für wenig glaubwürdig. Nicht so ist es in diesem Fall. Zwar kannten die europäischen Fans Lost Ark bereits aus diversen Inhalten, die von asiatischen und russischen Servern im Internet kursierten und freuten sich daher teilweise bereits seit mehreren Jahren auf das Spiel, doch ist die Mischung aus MMO, ARPG sowie einem deutlichen Asia-Style der Optik ein so besonderer, dass auch wir die Zielgruppe kleiner eingeschätzt hätten.

Die wirklich immense Anzahl an Spielenden, die sich derzeit in Lost Ark tummeln (wollen) war in der Tat so nicht zu erwarten. Viele Interessierte? Ja. Das am zweitmeisten gleichzeitig gespielte Spiel aller Zeiten auf Steam? Nein. Hier schließt sich der Bogen zum Beginn dieses Beitrags. Wieso Lost Ark trotz des speziellen Genres und seiner Herkunft im Westen so ein gigantischer Erfolg ist, ist noch einmal ein ganz großes Thema für sich.

Prognose: Wie geht es nun weiter?

Am Morgen des heutigen Dienstags, 15. Februar 2022 führte Amazon Games erneut Wartungsarbeiten durch, um einen Hotfix aufzuspielen. Mit diesem gingen weitere Stabilitätsverbesserungen für die mitteleuropäischen Server einher, darüber hinaus wurde ein Fehler in Bezug auf den Northern Lawmaker Skin behoben, der bei Unterklassen des Kriegers nicht vernünftig dargestellt wurde. Doch das behebt natürlich das riesige Problem nicht.

Es scheint, als wäre die neueste Maßnahme, eine weitere europäische Serverregion zu etablieren, unumgänglich, um die Warteschlangen mittelfristig in den Griff zu bekommen. Sollte dies nicht gelingen, löst sich das Problem in absehbarer Zeit trotzdem von alleine. Denn dann wird eine nicht zu unterschätzende Zahl von Spielenden einfach aufhören. Jeden Abend in einer stundenlangen Wartesimulation zu sitzen, ist nicht die Art von unterhaltsamem Gruppenspiel, welches sich die meisten von uns wünschen.

Das größte Problem ist, dass trotzdem sehr, sehr viele Spielende bereits viele Stunden in einen Charakter auf einem Server investiert haben, um dem großen und im Fokus stehenden Endgame näher zu kommen. Selbst wenn also die neue Serverregion zur Verfügung steht und dort so viele Server zugänglich sind, dass theoretisch für alle Spielenden Platz wäre, ginge dieser Fortschritt erneut komplett verloren. Darüber hinaus wäre man, bei der Entscheidung auf einen „EU West“-Server zu wechseln, von allen Mitspielern und Freunden komplett abgeschnitten, die diesen Schritt nicht ebenso vollziehen. Wie viele Spieler werden sich also wirklich dafür entscheiden? Wie lukrativ erscheint dieses Angebot: „Warteschlange und gar nicht spielen oder Neustart ohne Boni und Freunde“?

Die einzige Lösung für dieses Problem, die dafür derzeit in den Sinn kommt, sind Servertransfers. Wer darauf schon bei New World gehofft und das Ergebnis erlebt hat, könnte an dieser Stelle schon fast retraumatisiert werden. Es bleibt zu hoffen, dass die Servertransfers alsbald angekündigt werden und technisch um Welten besser funktionieren, als in New World. Sollte dies nicht der Fall sein, wird Lost Ark einen beträchtlichen Teil seiner potenziell gigantischen Community aufgrund von technischen Problemen verlieren.

Inhaltlich glänzt das Spiel nämlich nicht nur mit Potenzial, wie wir es auch in New World sahen, sondern auch mit jeder Menge Endgame und Langzeitmotivation – eben jenem zweiten großen Problem, welches New World vom Hype-Thron in die Nische beförderte.